Asche aufs Haupt

Der Aschermittwoch ist in der sächsischen Landeskirche zugleich der Frühjahrsbußtag. Dann beginnt für viele Christen die Zeit des Fastens vor Ostern. Darüber sprach Andreas Roth mit dem Annaberger Superintendenten Klaus Michael Führer.

Ist am Aschermittwoch aller Spaß vorbei?
Führer:
Mit Aschermittwoch geschieht jedenfalls ein Einschnitt: Für die Fans von Fasching ist tatsächlich erst einmal der Spaß vorbei. Wer Aschermittwoch vom Kirchenjahr her beurteilt, sieht an diesem Tag, dass nun nach Advent, Weihnachten und Epiphanias der innere Weg auf Ostern zugeht. Und der hat wenig mit dem zu tun, was wir »Spaß« nennen.

Viele Menschen fasten in dieser Zeit. Für Jesus selbst war das Fasten nicht besonders wichtig. Warum sollten wir es heute tun?
Führer:
Jesus hat das Fasten nie grundsätzlich kritisiert und fastete wie seine Umwelt auch. Aber anderes war ihm offensichtlich wichtiger. Deshalb braucht keiner ein schlechtes Gewissen zu haben, der nicht fastet. Trotzdem ist das Fasten eine von der Bibel her erlaubte geistliche Übung. Und wer sich – ich sag’s einmal drastisch – abgefüllt, vollgestopft oder zugefressen fühlt, sollte mit Fastenzeiten etwas dagegen tun. Es wirkt auch gegen geistlich Ungesundes oder krank Machendes.

Fasten Sie selbst?
Führer:
Ja, Rotwein. Durch diesen harmlosen Verzicht wird die Vorfreude auf die Osterzeit etwas angestachelt. Und in der Fastenzeit prüfe ich noch stärker meine Predigten und Äußerungen. Ich frage mich: Was dient wirklich dem Anliegen? Alle anderen Sätze versuche ich zu streichen.

Sie haben den Aschermittwoch vor Jahren einmal in einer katholischen Kirche in Jerusalem gefeiert und danach das Aschekreuz getragen. Wie haben Sie das empfunden?
Führer: Durch das Aschekreuz auf der Stirn habe ich den ganzen Tag die Botschaft des Aschermittwoch mit mir getragen. Ich habe darüber nachgedacht, in welchen Situationen ich mir Asche aufs Haupt streuen muss, weil ich etwas vermasselt habe und es nicht mehr reparieren kann. Das Aschekreuz auf der Stirn war das äußere Zeichen dafür.

Fehlen den oft so nüchternen und rationalen Protestanten solche Riten?
Führer:
Wir sollten wieder offensiver mit der Tatsache umgehen, dass lutherische Christen und Katholiken vor allem viel voneinander lernen können – ja sogar müssen. Manches Ritual hilft auch Menschen aus der protestantischen Tradition, die biblische Botschaft mehr zu verinnerlichen.

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