Familiendrama

Foto: Jazza (sxc.hu)

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Schon wieder die Meldung: »Vater löscht seine Familie aus.« Ein Mann aus Schleswig-Holstein erstach Anfang vergangener Woche seine Frau und die siebenjährige Tochter. Danach versuchte er, sich selbst zu töten. In einer Abschieds-E-Mail nannte er Erpressung und Drohung durch Geschäftspartner als Motiv. Nur drei Tage später brachte ein Mann in Bad Bramstedt seine Frau, die zwei Kinder und sich selbst um.

In den vergangenen vier Wochen ereigneten sich sechs Familiendramen. Im Saarland spaltet ein Mann den Schädel seiner Frau mit einer Axt und tötet die beiden Kinder. In Sachsen-Anhalt wird eine hochschwangere Frau erstochen. In Bayern tötet ein 60-Jähriger seine Frau. In Nordrhein-Westfalen findet ein 15-jähriges Mädchen die Leichen der Mutter, des Stiefvaters und der Stiefschwester. Gründe für diese Tragödien sind meist Trennung oder finanzielle Nöte. Sechs Familien wurden ausgelöscht und keiner will etwas bemerkt haben.

Derartige Meldungen füllen nur noch die Randspalten der Zeitungen. Die Deutschen sind fast schon ein wenig abgebrüht. Die Brutalität der Täter und Ausweglosigkeit der Familien überraschen nicht mehr.

Vergessen werden oft die Opfer, die überlebt haben. Die 15-Jährige, die plötzlich ganz alleine ist, wird vielleicht nie wieder Fuß fassen im Leben. Der Dreijährige, der nach dem Familiendrama schlafend im Kinderzimmer entdeckt wurde, wird erst Jahre später realisieren, welches Unglück ihm zugestoßen ist.

Warum haben wir nicht bemerkt, welche Sorgen die Familie plagten? Wieso konnten wir die Tat nicht vorhersehen und verhindern? Mit diesen Fragen kämpfen Familienangehörige, Nachbarn und Lehrer. Wir alle müssen uns fragen, ob sich Familien in unserer Gesellschaft so wenig aufgehoben fühlen, dass diese Verzweiflung und Existenzangst überhaupt entstehen können.

Annika Falk

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