Pfarrer in Barack Obamas Kirche
2. März 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Westsachsen

Jan Peter Becker war Pastor einer lutherischen Kirchgemeinde in Kentucky. (Foto: Steffen Giersch)
Bevor Jan Peter Becker ins Vogtland ging, arbeitete der Theologe in den USA Jan Peter Becker ist Pfarrer in der kleinen vogtländischen Stadt Treuen. Doch der Wandschmuck in seinem Dienstzimmer fällt etwas aus dem Rahmen sächsischer Pfarrkanzleien: Bilder von den Wolkenkratzern Chicagos auf der einen Seite, ein Autonummernschild mit der blauen Aufschrift »Kentucky« und zwei galoppierenden Pferden auf der anderen. Doch beides gehört zum Leben des 39-jährigen Theologen.
Chicago ist die Heimatstadt seiner Mutter. Und im amerikanischen Bundesstaat Kentucky arbeitete Jan Peter Becker ein Jahr lang als Pfarrer in einer lutherischen Gemeinde. 1996 war der aus Westfalen stammende Theologe mit einem Stipendium des Weltrates der Kirchen für drei Jahre in die USA geflogen – um zu studieren und sich als Pastor auszuprobieren.
In seiner ersten Gemeinde in der Stadt Lexington in Kentucky predigte Becker in einer Holzkirche unter dem weiten Himmel des Landes im Mittleren Westen der USA. Tabakplantagen, blaugrün blühende Grasweiden und Pferdefarmen so weit das Auge reicht. Kentucky ist ziemlich das Gegenteil der lieblichen Berglandschaft des Vogtlandes, wo Jan Peter Becker nach seinem Viakariat in der westfälischen Kirche zunächst in Oelsnitz und seit drei Monaten in Treuen arbeitet.
Doch fromm sind die Leute hier wie dort. »Ich habe in den USA gelernt, dass es schön und spannend ist, wenn es in der Frömmigkeit ein buntes Spektrum von liberal bis evangelikal gibt«, sagt der Pfarrer. Was ihm in Amerika ebenso wichtig geworden ist: Die ehrenamtliche Mitarbeit der Gemeindeglieder auch in Leitungsämtern. »Ich habe keine Scheu davor, dass sie mit ihren Kompetenzen Verantwortung übernehmen in unserer Kirche.«
Nach seinem einjährigen Dienst in der lutherischen Gemeinde von Lexington wechselte Jan Peter Becker für zwei Jahren in den US-Bundesstaat Missouri. Dort studierte er ebenfalls und arbeitete als Pastor in zwei Gemeinden der United Church of Christ, einer unierten Kirche. Ihr derzeit prominentestes Mitglied: der neue US-Präsident Barack Obama.
»Doch in den Gemeinden sind Schwarz und Weiß meist getrennt«, musste der Pfarrer feststellen. Und hofft auf die Wirksamkeit des Obama-Slogans vom Wandel auch in der Kirche. »Es wäre schön, wenn es nach der Wahl des neuen Präsidenten ein Umdenken auch in den Kirchen gäbe und da etwas in Bewegung kommt.«
Gespannt verfolgte Jan Peter Becker deshalb im vergangenen Jahr das Wettrennen um das Weiße Haus. In der Wahlnacht saß er vor dem Computer und las im Internet die Seiten der New York Times. »Als Obama gewählt wurde, habe ich mich sehr gefreut. Es ist erstaunlich, dass er es als schwarzer Kandidat geschafft hat.« Nun hofft Jan Peter Becker, dass der neue Präsident die friedliche Seite Amerikas wieder zum Vorschein bringt.
Andreas Roth
![RSS DER SONNTAG [Sachsen] abonnieren](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/rss.gif)
![DER SONNTAG [Sachsen]](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/logo2.gif)


