Zwei Sachsen im Kloster

Vater Lazarus (r.), ein aus Leipzig stammender orthodoxer Mönch, bei der Überführung von Reliquien aus dem Kloster Corvey in das Dreifaltigkeitskloster, das einzige deutsche orthodoxe Kloster. Foto: Dreifaltigkeitskloster

Vater Lazarus (r.), ein aus Leipzig stammender orthodoxer Mönch, bei der Überführung von Reliquien aus dem Kloster Corvey in das Dreifaltigkeitskloster, das einzige deutsche orthodoxe Kloster. Foto: Dreifaltigkeitskloster

Orthodoxe Mönche aus Buchhagen kommen in die Leipziger Peterskirche

Die Krypta ist mit Mönchsgesängen erfüllt. Weihrauch steigt in die Nase. Alle verneigen sich vor den goldschimmernden Ikonen an der Wand, küssen die Heilige Schrift und fallen immer wieder ehrfurchtsvoll auf die Knie. Neben den vier orthodoxen Mönchen sind drei Besucher zum allabendlichen Gottesdienst des Dreifaltigkeitsklosters im niedersächsischen Buchhagen gekommen.

Einer der Mönche entstammt einer atheistischen Leipziger Familie. Im Alter von zwölf Jahren fing er an, sich für den Glauben zu interessieren, engagierte sich später in der evangelischen Kirche und besuchte das Evangelische Schulzentrum. Zum Zivildienst ging Vater Lazarus, wie er heute heißt, in ein russisch-orthodoxes Kloster nach Nowosibirsk. »Irgendwie wollte ich tiefer und weiter in meinem Glauben kommen«, erinnert er sich. Er besuchte orthodoxe Klöster in Rumänien und Griechenland. Den »goldenen Faden« fand er im einzigen deutschen orthodoxen Kloster in Buchhagen im Landkreis Holzminden.

In der Orthodoxie spricht man von zwei Wegen, für die sich ein Mensch entscheiden kann – die Ehe oder das Mönchtum. Voller Überzeugung hat sich Vater Lazarus für letzteres entschieden. Der junge Mann mit dem langen rotblonden Bart ist Anfang 30 – Alter spielt im Kloster keine Rolle. Als er seiner Familie seien Entscheidung mitteilte, war diese geschockt. »Das passte für sie in keine Schublade«, so der Mönch. Mittlerweile unterstützen sie den Sohn.

Er entschied sich für ein Leben im Dreifaltigkeitskloster. Dessen Grundsteinlegung war am Tag der Wiedervereinigung 1990. Es untersteht der Metropolie der bulgarisch-orthodoxen Diözese von West- und Mitteleuropa, ist aber finanziell auf sich alleine gestellt. Gründervater Johannes und die drei Mönche leben von Erspartem, Spenden, Buch- und CD-Verkäufen. Zwei von ihnen stammen aus Sachsen – neben Vater Lazarus gehört Vater Simeon aus Dresden zur »Mönchsfamilie«. Diese Gemeinschaft unter Leitung eines Abtes ist wichtig in der archaisch struktuierten Orthodoxie. Jeder hat dabei seine Aufgabe. Vater Lazarus, eigentlich gelernter Physiotherapeut, ist Gärtner und zuständig für den Gemüseanbau. Die Mönche sind Allroundtalente: Abt Johannes ist studierter Kirchenmusiker und Religionswissenschaftler. Alle vier sind sie auch Bauarbeiter. Das nächste Großprojekt ist die Kirche, die auf der Krypta entstehen soll.

Um allerdings die »geistige Nabelschnur zu Gott« aufrechtzuerhalten, so Vater Lazarus, sei der Gottesdienst das Wichtigste. Und da dieser zum Großteil aus Psalmen besteht und gesungen wird, hat Abt Johannes in 25-jähriger Arbeit die Septuaginta, die älteste Bibelübersetzung, aus dem Griechischen in eine »schöne deutsche Sprache« übersetzt. Die Psalmen sind als Buch erschienen. Weil Vater Lazarus die Fäden nach Leipzig nie abbrechen ließ, werden die Mönche am 14. März um 20 Uhr in der Peterskirche singen – zusammen mit ehemaligen Thomanern, mit denen das Kloster Buchhagen bereits drei CDs liturgischer Gesänge aufgenommen hat.

Annika Falk

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