In Gottes Hände
18. März 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Titelseite
Sie sind selbst keine Christen. Doch ihre Kinder möchten sie taufen lassen. Weil sie Werte und Geborgenheit suchen – und einen Glauben, obwohl er ihnen fremd ist.
Stolz schleppt die vierjährige Jana die dicke weiße Kerze heran. Sie hat sie zu ihrer Taufe bekommen – und sie ist ihr besonders kostbar. Doch so selbstverständlich, wie es dem blonden Mädchen scheint, ist ihre Taufe und die ihrer kleinen Schwester Sabine nicht. Ihre Großeltern verstanden die Welt nicht mehr: Janas Eltern sind nicht in der Kirche. Nie gewesen. Und nun eine Taufe?
»Wir wollen unseren Kindern ermöglichen, was wir selbst nicht hatten«, antwortet Janas Mutter Peggy Germer. Die 38-jährige Lehrerin erinnert sich an ihre atheistische Erziehung. »Ich denke, der Glaube ist eine gute Hilfe im Leben. Unsere Kinder sollen die Möglichkeit haben, in die Kirche und die christliche Kultur hineinzuwachsen – und später selbst entscheiden können.« Die Taufe soll ein bewusster Anfangspunkt auf diesem Weg sein.
Mit diesem Wunsch gingen sie zu Hans-Peter Hasse. Der Pfarrer der Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz unterzog das Ehepaar keiner strengen Glaubensprüfung. Und er hielt auch keine Vorträge – sondern hörte erst einmal zu und nahm ihren Wunsch ernst. »Es gibt auch Glauben außerhalb der Kirche«, ist der Theologe überzeugt. »Das wird oft auch von Pfarrern nicht wahrgenommen.« Immerhin 508 Kin-der, deren Eltern nicht Mitglied der evangelischen Kirche sind, wurden 2007 in der sächsischen Landeskirche getauft.
Im Zweifel, sagt Pfarrer Hasse, würde er einem Taufwunsch lieber entsprechen als ihn abzulehnen. Einmal aber hat er es getan. Ein Vater hatte sich an ihn gewandt, der aus der Kirche ausgetreten war. »Die Taufe seines Kindes wäre unter diesen Bedingungen für mich ein Widerspruch gewesen. Denn die Eltern müssen dafür offen sein, mit den Kindern in der Gemeinschaft der Kirche zu leben. Die Taufe ist keine Dienstleistung.«
Auch die Taufordnung der sächsischen Landeskirche wehrt sich gegen eine solche Sicht. Für sie ist die Taufe ein Geschenk Gottes – und das muss auch Kindern gelten, deren Eltern nicht Christen sind. Um so wichtiger aber werde dadurch die Aufgabe der christlichen Paten, das Kind auf seinem Glaubensweg zu begleiten. Thomas und Peggy Germer fanden eine solche Patin in Mirjam Lehmann. Die 30-jährige Religionspädagogin nimmt ihr Patenkind Jana oft mit in den Gottesdienst. »Den Glauben möchte ich ihr gern vorleben«, sagt sie.
Kristin Kluger konnte das nicht – beim besten Willen nicht. Die 34-jährige Dresdnerin und ihr Mann waren selbst nicht getauft. »Doch wir wollten für unsere Kinder die Taufe, weil wir die Werte der Kirche wichtig finden. Und weil sie eine Gemeinschaft ist, in der unsere Kinder aufgehoben sind«, sagt die Krankenschwester. Als sie vor neun Jahren ihre erste Tochter Hanna taufen lassen wollte, holte sie sich von zwei Pfarrern nur Absagen. Kristin Kluger konnte das verstehen.
Dann fand sie zur Dresdner Laurentiuskirchgemeinde: Ihre vier Kinder wurden dort getauft, und sie selbst brachte sich – weil sie zwar kein gläubiger, aber ein praktisch denkender Mensch ist – bei Krabbel-Gottesdien-sten und Rüstzeiten ein. Es waren kleine Schritte. »Als aber meine jüngste Tochter im letzten Jahr so viel krank war, habe ich einen Halt gefunden im Glauben. Das war für mich eine ganz neue und beruhigende Erfahrung.« So wie ihr Mann schon vor ihr ließ Kristin Kluger sich im letzten Jahr taufen. Aufregend war das für ihre Kinder, aber auch selbstverständlich.
Kristin Klugers Kinder sind in der Kirche längst angekommen, gehen in Christenlehre und Kurrende. Und auch die vierjährige Jana Germer singt in der Kirche und spielte beim Krippenspiel einen Engel. »Beten kann ich leider nicht für sie«, sagt Janas Mutter. »Ich lehne den Glauben nicht ab, aber ich kann mich nicht in ihn hineinfühlen.« Die Barriere bleibt hartnäckig. Aber diesen Satz kann Peggy Germer heute schon sagen: »Wir wollen unsere Kinder in Gottes Hände geben.«
Andreas Roth
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Wie schön haben Sie das Gefühl über die Taufe beschrieben. Herrlich! Wir selbst haben als Hobby eine Taufseite über die evangelische Taufe. Gerne würde ich diesen Artikel veröffentlichen, wenn Sie das genehmigen. Bitte um ihre nachricht. Danke Angela