Sachsens erste »Sup-Wahl« im Osterzgebirge

29. Mai 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen

In Dippoldiswalde darf die Bezirkssynode ihren Superintendenten wählen

Wer wird Freibergs neuer Superintendent? Zur Wahl stehen der Markkleeberger Pfarrer Arndt Haubold (li.) und der Dresdener Militärseelsorger Christoph Noth. Fotos: Archiv

Wer wird Freibergs neuer Superintendent? Zur Wahl stehen der Markkleeberger Pfarrer Arndt Haubold (li.) und der Dresdener Militärseelsorger Christoph Noth. Fotos: Archiv

Am 5. Juni gibt es in Dippoldiswalde eine Premiere: Erstmals darf die Synode eines Kirchenbezirks in der sächsischen Landeskirche seinen Superintendenten selbst wählen – ihre 2007 beschlossene neue Verfassung macht es möglich. So werden die 94 Verteter der Kirchgemeinden im frisch fusionierten Kirchenbezirk Freiberg am Abend jenes Junitages geheim auf Stimmzetteln über ihren künftigen leitenden Geistlichen abstimmen.
Zur Wahl stehen der Dresdner Militärseelsorger Christoph Noth und der Markkleeberger Pfarrer Arndt Haubold. »Es war uns wichtig, dass wir wirklich eine Auswahl haben«, sagt Pfarrer Thomas Köckert, der Vorsitzende des Kirchenbezirksvorstands.

Während bisher die sächsischen Superintendenten von der Kirchenleitung ernannt wurden, traf nun eine siebenköpfige Kommission unter dem Vorsitz von Landesbischof Jochen Bohl die Vorauswahl unter den drei Bewerbern für das Amt.

In dem Gremium saßen neben dem Präsidenten der Landessynode, Otto Guse, vier weitere Mitglieder der Kirchenleitung – aber auch je ein Verteter der zusammengeschlossenen Kirchenbezirke Dippoldiswalde und Freiberg. »Es ist ein nächster Schritt für die innerkirchliche Demokratie«, sagt Birgit Kraft nüchtern, die Vorsitzende der Kirchenbezirkssynode, die mit in der Auswahlkommission saß. Sie verweist darauf, dass die Kirchenleitung bei der Berufung des Superintendenten das letzte Wort behält.
Auch für die Kirchenleitung ist dies eine Premiere. Und wie es bei Premieren ist, hakt es dabei auch an manchen Stellen. So fehlten klare Protkolle und Vorlagen für den Wahlvorgang, sagt die Vorsitzende der Kirchenbezirkssynode Birgit Kraft. »Leider gibt es auch keine Gottesdienste, in denen sich die beiden Kandidaten mit einer Predigt den Synodalen und Kirchgemeindegliedern vorstellen können.«
Für die beiden Bewerber aber geht schon allein mit der Wahl ein alter Wunsch in Erfüllung. »Schon vor vielen Jahren habe ich gedacht: Dass eine Synode ihren Superintendenten wählen kann wäre eigentlich ganz schön«, sagt der Dresdner Soldatenseelsorger Christoph Noth.
Sein Gegenkandidat Arndt Haubold ergänzt: »Die kirchenleitenden Ämter sollten gewählt werden. Für mich ist diese Wahl etwas Besonderes – und auch etwas Schönes.« Ein Wahlkampf aber sei dies für ihn nicht, betont der Markkleeberger Pfarrer: »Ich sehe den Wahlausgang als Gottes Fügung an.«
In dem zum Jahresanfang zusammengeschlossenen Kirchenbezirk Freiberg sind die Erwartungen hoch. Der neue Superintendent soll den Kirchenbezirk, der mit 50 000 Gemeindegliedern vom Stadtrand Dresdens bis ins Erzgebirge reicht, einen. Vor allem im Alt-Kirchenbezirk Dippoldiswalde gab es großen Widerstand gegen die von der Kirchenleitung forcierte Vereinigung. Die beiden Kandidaten müssen sich deshalb vor der Kirchenbezirkssynode mit einem Vortrag vorstellen. Titel: »Der neue Kirchenbezirk Freiberg – Chancen eines Zusammenschlusses.«

Andreas Roth

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Reaktionen unserer Leser

3 Lesermeinungen zu “Sachsens erste »Sup-Wahl« im Osterzgebirge”
  1. Thomas Böttger sagt:

    Nach den abfälligen Bemerkungen des Herrn Noth, die in den DNN zu einer Vesperansprache des Kreuzkirchenpfarrers Joachim Zirkler zu lesen waren, ist zu hoffen, dass man sich einen solchen Menschen, der den Gegenüber nicht achtet und somit das Evangelium mit Füßen tritt, nicht zum Superintendenten wählt. Das wäre das falsche Signal.

    Thomas Böttger

  2. Andreas Roth (Redaktion DER SONNTAG) sagt:

    Anmerkung der Redaktion zur Lesermeinung:
    Der Dresdner Militärseelsorger Christoph Noth, der sich für das Amt des Freiberger Superintendenten zur Wahl stellt, ist nicht identisch mit dem in der vorhergehenden Lesermeinung benannten Autor eines Briefes in den Dresdner Neuesten Nachrichten.

  3. GÖpfert sagt:

    Wir wären unglücklich, wenn ein Militär”seelsorger” Sup werden würde.
    - Wir zweifeln so schon an unserer Sächs. Landeskirche, die sich nicht mehr um die Sorgen Ihrer Mitglieder kümmert, sondern den hiesigen feinen Politikern anbietert.
    Sie zum Beispiel Herrn Hähle & Co.
    K. Göpfert

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