Die beste Lebensgrundlage, die es gibt

30. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5, Verse 8 und 9

Uta Krusche-Räder ist Superintendentin im Kirchenbezirk Pirna. Foto: Archiv

Uta Krusche-Räder ist Superintendentin im Kirchenbezirk Pirna. Foto: Archiv

Wenn ich groß bin, dann … Wir kennen Sätze, die so beginnen. Kinder sprechen sie oft aus und ihre Augen leuchten dabei. Sie erzählen uns so von ihren Sehnsüchte, dass sie Lokomotivführer oder Pilot, Ärztin oder Tierpfleger werden wollen. Außerdem sind sie ganz sicher, dass diese Sehnsüchte Wirklichkeit werden und überlegen, was sie selbst zu deren Verwirklichung tun können.

Wer wir jetzt sind und was unsere Sehnsucht ist – dazwischen bewegen wir uns in unserem Leben. Der Satz des Apostels Paulus aus dem Epheserbrief impliziert dabei eine wichtige Feststellung. Wir sind Kinder des Lichtes. Da geht es um keine Zukunftsvision, sondern um den Ist-Zustandes. Nicht, ihr werdet es, wenn ihr dies oder jenes leistet. Nein, ihr seid es, weil Gott euch in der Taufe zu seinen Kindern gemacht hat, betont der Apostel.

Das ist die beste Lebensgrundlage, die es geben kann. Jetzt lebt als Kinder des Lichts, ist die Aufforderung. Kennzeichen eines solchen Lebens sind Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Das sind große Worte, große Inhalte. Das ist auch nicht von mir zu leisten, aber es ist meine Sehnsucht. Ich bin mir ganz sicher, dass diese Sehnsucht Wirklichkeit wird, weil es Gottes Wille ist. Aber ich muss auch meinen Anteil dazutun. Wer weiß, dass er von der Güte Gottes lebt, kann nicht ohne Güte anderen Menschen gegenüber sein.

Gottes Gerechtigkeit hat diese ganze Welt mit allen Menschen im Blick. Zu oft noch grenzen wir einander aus oder entscheiden nur für uns. Und Wahrheit ist eben kein philosophischer Begriff. Sie existiert in Jesus selbst, ist seine Liebe. Diese Wahrheit gilt es zum Maßstab zu nehmen für unsere Entscheidungen.

Uta Krusche-Räder ist Superintendentin im Kirchenbezirk Pirna

Die Iraker sind da

30. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Der Leipziger Naomi-Verein betreut die irakischen Flüchtlinge

Die Trinitatis-Schwestern Gudrun Neubert (l.) und Christine Mewes bieten in Leipzig-Volkmarsdorf im Naomi-Verein Beratung und Begleitung von Aussiedlern und Flüchtlingen an. Foto: Uwe Winkler

Die Trinitatis-Schwestern Gudrun Neubert (l.) und Christine Mewes bieten in Leipzig-Volkmarsdorf im Naomi-Verein Beratung und Begleitung von Aussiedlern und Flüchtlingen an. Foto: Uwe Winkler

Gudrun Neubert und Christine Mewes sind in diesen Tagen besonders gefragt. Die beiden Leipziger Trinitatis-Schwestern arbeiten beim Naomi-Verein, der mit seiner Aussiedler- und Migrationsarbeit Ansprechpartner der Behörden ist, wenn es um die Betreuung und Integration von Flüchtlingen geht. Die Vereinsräume liegen im Leipziger Stadtteil Volkmarsdorf, in dem ein besonders hoher Anteil von Ausländern lebt.

Nun sind sie auch Anlaufstelle für die zwei irakischen Familien – eine schiitische und eine mandäische –, die innerhalb des Flüchtlingsprogramms von Europäischer Union (EU) und UN-Flüchtlingsorganisation UHNCR in Europa Zuflucht gefunden haben. Im November 2008 hatten die EU-Außenminister beschlossen, rund 10 000 besonders schutzbedürftige irakische Flüchtlinge – meist Angehörige religiöser Minderheiten – aufzunehmen. 2500 in Deutschland. Acht davon sind nun in Leipzig angekommen.

»Am Montag durften wir sie nicht anrufen, da ist ihr Schweigetag«, erzählt Schwester Gudrun über die Familie, die sich zum Mandäischen Glauben bekennt, den sie auf Johannes den Täufer zurück führt. Mandäer werden im Irak ebenso wie Christen verfolgt. Viele von ihnen flohen nach Syrien oder Jordanien. Um dort zu überleben, haben sie meist ihr ganzes Geld aufgebraucht.

»Sie kommen ohne jeden Pfennig nach Deutschland«, sagt Schwester Christine, die die Flüchtlinge in Hannover vom Flughafen abgeholt hat. Nun geht es darum, sie zu Behörden zu begleiten und ihnen bei allen Alltagsfragen in der neuen Heimat beizustehen – und für medizinische Behandlung zu sorgen. Denn die junge Mutter aus der schiitischen Familie wurde Opfer eines Bombenattentats, hat Verbrennungen am ganzen Körper erlitten und muss dringend in ärztliche Obhut.

Die Trinitatis-Schwestern gehören zu einer evangelischen Kommunität. Gegründet wurde die »Schwesternschaft vom Trinitatis-Ring«, wie sie richtig heißen, 1977 in Leipzig als im Glauben verbundene Kinderdiakoninnen, die nach den drei Prinzipien Armut und Gütergemeinschaft, Unterordnung und Ehelosigkeit leben. Heute sind sie noch elf und leben in Lützschena.

»Unser diakonischer Zweig ist der Naomi e. V.«, sagt Schwester Christine. Zunächst seien nur Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion die betreute Klientel gewesen. Heute kümmern sie sich um Migranten aller Nationalitäten, die in Leipzig ankommen. »Wir sind hier im Stadtteil besonders Anlaufpunkt für Jugendliche, die nirgends aufgefangen sind«, sagt Schwester Christine. Viele von ihnen, die mit 15 oder 16 Jahren nach Deutschland gekommen seien, hätten Schwierigkeiten, in der Schule in der kurzen Zeit den Abschluss zu schaffen.

»Wir kennen eine ganze Reihe junger Russlanddeutscher, die ohne jede Beziehung zur Außenwelt leben und auch für ihre Eltern nicht mehr ansprechbar sind. Die nur zuhause am Computer sitzen und nirgends dazugehören«, sagt Schwester Gudrun. »Wir erleben beides: wo die Integration geglückt ist und andere, wo man daneben steht und nichts tun kann«, fügt sie hinzu.

Und weil die Schwestern nicht nur daneben stehen wollen, haben sie 2005 ihre »Kreativstube« gegründet als Treffpunkt für Einheimische und Zugewanderte, »wo man sich begegnen kann und etwas gemeinsam tut«, wie Schwester Gudrun sagt. Es sei ein Raum der Akzeptanz und des Angenommenseins quer durch Generationen, Religionen und Nationalitäten. Vielleicht auch irgendwann für die Neuankömmlinge aus dem Irak.

Christine Reuther

www.naomi-leipzig.de

Besiers Wende

30. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Einst kritisierte der Historiker Gerhard Besier die ostdeutschen Kirchen scharf für ihre Kompromisse mit der SED. Nun ist er in der Linkspartei.

»Ich habe wenig Angst, denn ich habe mich am Ende fast immer durchsetzen können.« Der Dresdner Historiker Gerhard Besier scheut keinen Streit. Und auch nicht den Wandel vom Konservativen zum Sozialisten. Foto: Steffen Giersch

»Ich habe wenig Angst, denn ich habe mich am Ende fast immer durchsetzen können.« Der Dresdner Historiker Gerhard Besier scheut keinen Streit. Und auch nicht den Wandel vom Konservativen zum Sozialisten. Foto: Steffen Giersch

Spott durchzieht fein sein Gesicht. Der Professor weiß: Das Gelächter seines Publikums ist ihm sicher. Er braucht die Autoren der Bibel nur »selbsternannte Ghostwriter Gottes« zu nennen, oder von politisch arg wetterwendigen Kirchenmännern zu erzählen – schon spendet der Saal eilig Beifall.

Man reibt sich die Augen. Wer ist der Mann, der hier ergrauten SED-Kadern einen Wohlfühl-Nachmittag bereitet: Ist es wirklich Gerhard Besier, der in den 90er Jahren den ostdeutschen Kirchen »Kumpanei« mit dem SED-Regime vorgeworfen hatte? Wenige Wochen nach dieser Tagung der Leipziger Rosa-Luxemburg-Stiftung tritt der Kirchenhistoriker im April 2009 der Linkspartei bei. Bald wird er für sie im sächsischen Landtag sitzen.

Eigentlich ist dieser Umstand nur eine kleine Notiz wert. Und doch erzählt er viel mehr: über die Gebrochenheit von Lebensläufen und die Gebrochenheit von Geschichte. Und über Gerhard Besier, der als weltläufiger Intellektueller über ihr zu schweben scheint. In seinen Büchern über die DDR-Kirchen weht ein schneidender Wind: »Pfäffische Unterwürfigkeit« und »Anpassung« diagnostizierte der westdeutsche Professor aus großbürgerlichem Hause in seinem dreibändigen Werk »Der SED-Staat und die Kirche«. Die evangelischen Kirchen seien von Spitzeln und den Ideen des Sozialismus durchsetzt gewesen.

Der Historiker maß die Akten am Anspruch des Evangeliums und wurde zum Empörten. Er traf damit manche Lebenslüge. Aber noch schmerzhafter traf er viele Christen, die ihren Glauben mit Mut, aber nicht ohne Kompromisse in den Untiefen der SED-Diktatur lebten.

»Vieles, was Besier schreibt, ist schlicht falsch« sagt Richard Schröder, Berliner Theologieprofessor und einer der Gründer der Ost-SPD. »Besier konnte nicht unterscheiden, welche Spielräume die evangelische Kirche in der DDR hatte. Er machte sich in maßloser Selbstüberschätzung im Schnellkurs zum Spezialisten. Und beutete das Thema für sein Renommee aus.« Besier machte Karriere: Erst als Theologieprofessor in Heidelberg und ab 2003 als Chef des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung.

Also alles nur überschießender Ehrgeiz? »Nein, Besier will die Friedhofsstille in einer mit sich selbst zufriedenen Kirche immer wieder durchbrechen«, sagt der renommierte Heidelberger Theologe Klaus Berger. »Er will die Opfer der Geschichte zur Geltung bringen.« Besier, der sportliche Denker mit den streitlustig blitzenden Augen, verabscheut kaum etwas so sehr wie das Dumpfe der Macht – und eine Kirche, die ihren Auftrag an die Macht verrät. »Die Kirche ist so satt«, sagt er. Besier selbst ist noch hungrig.

So hungrig, dass ihm bisweilen beim Kritisieren das rechte Maß abhanden kommt. Um dem zu entgehen, hätte er sich nur an seine Zeit im westdeutschen »Sozialistischen Hochschulbund« erinnern müssen. Oder daran, wie gern er die Unterstützung des DDR-Innenmini­steriums für seine Forschungen in Anspruch genommen hat. Wenn er darüber nachdenkt, wie SED und Stasi Kirchenleute ködern konnten, fällt ihm ein: »Bei Theologen gibt es eine stark ausgeprägte Eitelkeit: Sie brauchen ein Forum und wollen gehört werden. Das ist eine Versuchung.« Ihr hat der Theologe Besier, der nach seiner Entlassung als Direktor des Hannah-Arendt-Instituts fern vom öffentlichen Interesse an der TU Dresden Europastudien lehrt, nun selbst nachgegeben: Als Sachsens Linkspartei-Chefin Cornelia Ernst ihn um seine Mitarbeit an einer – durchaus kritischen – Studie zur Geschichte ihrer Partei bat, sagte er zu. Und blieb.

Während der Professor das Programm der Sozialisten vor drei Jahren noch mit »Drogenkonsum« gleichsetzte, lobt er jetzt deren Wirtschaftspolitik. Den Psychologen Besier – der er auch ist – interessiert momentan ohnehin etwas anderes viel mehr: »Menschen haben Brüche.« Der 61-Jährige, der lange als konservativer Hoffnungsträger galt bis die CDU den Querdenker fallen ließ, studiert das nun bei den Sozialisten.

Und er empört sich wieder. Diesmal darüber, wie SED-Mitglieder nach der Wende aus Führungspositionen geworfen wurden. »Ich bin bestürzt darüber, wie Westdeutsche Urteile fällten.« Es klingt nicht selbstkritisch, sondern ganz pastoral. »Es gibt immer Neuanfänge im Leben, man kann ein Anderer werden. Diese Chance hatten viele Ostdeutsche nicht.« Professor Besier nimmt sie sich gerade.

Andreas Roth

Fragen über Fragen

30. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Bildautor: EKM/Seifert

Bildautor: EKM/Seifert

Frau Schmidt wurde das Auto gestohlen. Nicht irgendein Auto. Nein, das Dienstauto. Nicht irgendeiner Frau Schmidt. Nein, sondern der Bundes-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Und gestohlen wurde es nicht irgendwo, sondern in ihrem Spanienurlaub. Und schon ist es ein Politikum ersten Ranges. Und, Frau Schmidt: Alles, was Sie dazu sagen, kann nun gegen Sie verwendet werden. Denn es ist Wahlkampf.

Da ist wieder einmal jeder Anlass recht, um mit dem Finger auf den politischen Gegner zu zeigen. Was im Falle des Dienstautos Schmidt verwerflich ist, müssen andere klären. Wir Wähler haben es mit ganz anderen Problemen zu tun. Wegen welcher Aussage sollen wir eine Partei wählen oder wegen welchen Skandals sollen wir es nicht tun?

Denn wozu wählen wir denn unsere Volksvertreter in Land- und Bundestag? Richtig, damit sie ­unsere Interessen dort vertreten. Sie sollen das Zusammenleben in der Gesellschaft regeln, sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, damit es gelingt und niemand auf der Strecke bleibt.

Also muss man den zur Wahl stehenden Politikern Fragen stellen, die das erhellen: Welche Vision vom Leben im Ort und in der ­Region haben Sie? Wie wollen Sie die Chancen von benachteiligten Kindern und Erwachsenen ver-
größern? Wie setzen Sie sich dafür ein, dass ältere Menschen nicht ins Abseits geraten? Wie wollen Sie ­attraktive Lebensbedingungen für Familien erhalten oder schaffen? Was wollen Sie unternehmen, damit die Schere zwischen Armen und Reichen nicht weiter auseinanderdriftet? Und vor allem: Von welchem Menschenbild lassen Sie sich leiten? Daran ist jeder Politiker zu messen. Und diesen Maßstab muss er oder sie auch an sich selbst anlegen – auch beim Dienstwagengebrauch. Dann ist er oder sie für uns glaubhaft.

Von Christine Reuther

Das Haus Gottes ist nicht nur eine Idylle

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und
Gottes Hausgenossen. Epheser 2, 19

Foto: Mateusz Stachowski, sxc

Foto: Mateusz Stachowski, sxc

Zu Hause! Wer wie ich gut hundert Tage im Jahr unterwegs ist, für den haben diese beiden Worte eine enorme Bedeutung. Ich bin unglaublich gern zu Hause. Natürlich fahre ich gerne auf Rüstzeiten, zu Tagungen oder Konferenzen und ich liebe das biblische Bild vom »wandernden Gottesvolk« – aber ich bin auch dankbar, wenn ich mal nicht aus dem Koffer leben muss, in meinem eigenen Bett schlafen, mit meiner Frau und meinen Kindern frühstücken und in meiner Küchen kochen kann – zu Hause sein – herrlich!

Wer zu Hause ist, hat nicht ständig das Gefühl, irgendwie provisorisch, auf Zeit untergebracht zu sein, wer zu Hause ist, muss nicht ständig wieder an Abreise und Packen denken, wer zu Hause ist, darf die Zeit mit einem guten Buch genießen.

Ihr seid bei Gott zu Hause. Auf diese Formel bringt es Paulus. Alle Annehmlichkeiten dürfen wir als Bewohner von Gottes Haus genießen. Als Chri­sten leben wir weder im Provisorium, noch sitzen wir ständig auf gepackten Koffern. Als Mitbewohner von Jesus darf ich mich zurücklehnen, meine Zeit mit ihm genießen, und selbst der »Hausputz« meines Lebens bekommt einen größeren Frieden.

Darüber freue ich mich, aber ich bin mir auch bewusst, dass das Haus Gottes nicht nur eine Idylle ist – so wie mein Haus übrigens auch. Da gibt es die Auseinandersetzung mit den Mitbewohnern über Formen des Zusammenlebens, den Streit, wer die Hausordnung macht.

Die zwölf Männer, die mit Jesus drei Jahre zusammengelebt haben wissen es: Bei dem wird es nicht langweilig. Trotzdem haben sie sich entschieden zu bleiben, zu Hause zu sein bei einem Hausbesitzer, der nicht nur lebenslanges, sondern ewiges Wohnrecht zusichert. Daran schließe ich mich gern an.

Jens Buschbeck, ist Jugendpfarrer in Zwickau.

Das Wort zur Woche zum Hören im Internet:
www.wort-zur-woche.de

Kunstwerke zum Kreuzestod

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Ein Kölner Kunstliebhaber schenkte Zittau Bilder von Chagall, Dix und Dali

Die Lithografie »Christus, roter Ochse und Madonna« von Marc Chagall gehört zu den ausgestellten 150 Werken der anonymen Schenkung. Insgesamt 500 Objekte hat ein Kölner Sammler der Stadt Zittau übergeben.  Repro: Ausstellung

Die Lithografie »Christus, roter Ochse und Madonna« von Marc Chagall gehört zu den ausgestellten 150 Werken der anonymen Schenkung. Insgesamt 500 Objekte hat ein Kölner Sammler der Stadt Zittau übergeben. Repro: Ausstellung

Der rote Ochse sticht ins Auge. Massig drohnt er zwischen dem gekreuzigten Jesus und seiner trauernden Mutter Maria. »Christus, roter Ochse und Madonna« heißt die Lithografie von Marc Chagall. Das rote Tier könnte für die Liebe stehen, aber auch für das Blut des Opfers, deutet Marius Winzeler. Er ist Direktor der Städtischen Museen Zittau. Und das Bild des berühmten jüdischen Künstlers Marc Chagall hängt seit kurzem in seinem Museum. Zusammen mit Werken weiterer bekannter Maler und Zeichner wie Salvador Dali, Otto Dix, Albrecht Dürer, Lovis Corinth, Ernst Barlach, Max Beckmann und anderer.

Die Bilder haben drei Dinge gemeinsam: Es sind Originale. Sie befassen sich alle mit dem Thema Kreuz, mit dem Leiden und Sterben Christi. Und sie sind ein Geschenk: Ein 84-jähriger Kölner Sammler hat sie an das Zittauer Museum übergeben. 500 Arbeiten sind es insgesamt. Der Sammler hat weitere versprochen. Doch, anonym will er bleiben.

»Sammlung Wolfgang Sternling« – diesen Titel hat sich Marius Winzeler für den einzigartigen Schatz ausgedacht, dessen Wert auf etwa eine halbe Millionen Euro geschätzt wird. Der Weg der Kunstwerke führt über die berühmten Zittauer Fastentücher. Mittlerweile gibt es drei dieser sakralen Bilderbibeln in der Oberlausitzer Stadt. Fastentücher verhüllen in der Passionszeit bildliche Jesusdarstellungen. Oft zeigen sie biblische Motive.

Zwei der Zittauer Fastentücher, darunter das Große aus dem Jahr 1472, waren vor über zehn Jahren in Köln zu sehen. Auch der anonyme Sammler, ein tief gläubiger Katholik, sah sie damals und war beeindruckt. Er suchte den Kontakt nach Zittau – über Jahre entwickelte sich eine enge Beziehung zwischen ihm und der Stadt. Der Kunstliebhaber meinte schließlich, im Zittauer Museum den richtigen Platz für seine Sammlung gefunden zu haben. Immerhin ist das Museum zuständig für die Fastentücher. Er verschenkte einen Großteil seiner Werke.

Zum zehnten Geburtstag des »Museums Kirche zum Heiligen Kreuz«, in dem das Große Fastentuch ausgestellt ist, zeigt Zittau nun einen Teil der Sammlung. »Kreuzzeichen« ist der Titel der Schau. Denn Thema ist das Kreuz – mal mehr, mal weniger deutlich in jedem Bild zu finden.

150 Werke sind ausgestellt. Mei­sterwerke vom 15. bis zum 21. Jahrhundert. Viele Werke strahlen tiefe Gläubigkeit aus. Andere scheinen nach einer Erklärung für den Opfertod Jesu zu suchen. Manchmal ist es fast, als setzten sie die große Bilderbibel fort, die mit dem Zittauer Fastentuch im 15.Jahrhundert entstand.

Irmela Hennig

Die Ausstellung »Kreuzzeichen« ist bis 8. November in den Städtische Museen Zittau, Klosterstraße 3, zu sehen. Sie ist täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen gibt es am 2. August, 27. September und 8. November, jeweils 15 Uhr.

www.zittauer-fastentuecher.de

Brückenbauer über Gräben hinweg

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Altbischof Volker Kreß feiert am 25. Juli seinen 70. Geburtstag

Volker Kreß war von 1994 bis 2004 Bischof der sächsischen Landeskirche. Foto: S. Giersch

Volker Kreß war von 1994 bis 2004 Bischof der sächsischen Landeskirche. Foto: S. Giersch

Griffbereit steht es in der Ecke: das unvermeidliche Cello. »Ich habe das Cellospielen mein Leben lang geliebt. Doch in Dienstzeiten war das nur bedingt möglich«, sagt Volker Kreß. Der frühere sächsische Landesbischof feiert am 25. Juli seinen 70. Geburtstag. Seit fünf Jahren ist er im Ruhestand und hat nun Zeit für sein Hobby. Täglich wird eine Stunde geübt – unter anderem jeweils ein Satz aus einer Cellosuite von Johann Sebastian Bach. Ansonsten gilt es, das Repertoire des Mozartorchesters zu pflegen, dessen Mitglied er ist.

Der frühere Jugendpfarrer und spätere Oberlandeskirchenrat wurde 1994 von der Synode zum Bischof gewählt. »Seine Solidarität mit anderen Menschen und seine Fähigkeit Brücken zu bauen über Gräben hinweg« hat sein Amtsvorgänger Johannes Hempel einmal an ihm gewürdigt. Diese Gaben waren bitter nötig in den Zeiten der kirchlichen Strukturreformen der 90er Jahre.

Volker Kreß blickt darauf durchaus kritisch zurück. »Wir haben immer nur abgebaut und gespart, aber nichts unternommen, das zur Erneuerung der Kirche beiträgt«, sagt er heute. Dabei hätte er sich ein Finanzierungsmodell angelehnt an lutherische Freikirchen in Amerika vorstellen können: Die Gemeinden bekämen einen Sockelbetrag von der Landeskirche, alles weitere Geld für ihre Pfarrer und Kantoren müssten sie selbst aufbringen. Pfarrer sollten nicht mehr verbeamtet werden. »Das wäre zwar durch unterschiedliche Gehälter nicht sozial gerecht, aber die Stellen wären nicht so ausgedünnt, wie es heute ist«, so Kreß. Er habe damals als stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dieses Modell sogar prüfen lassen. »Es wurde als unrealistisch nicht weiter verfolgt«, sagt er.

Gern erinnert sich Volker Kreß an den Aufbau der Dresdner Frauenkirche, der während seiner Amtszeit geschah. Und an die vielen Begegnungen, wenn er Sonntag für Sonntag als Prediger in der Landeskirche unterwegs war. Den »nüchternen Alltag der Kirchen«, wie er sagt, erlebt er heute in den Gemeinden Dohna und Maxen, wo er sich als Prediger zur Verfügung stellt: Es sind kleine Gemeinden mit zehn und weniger Gottesdienstbesuchern, ein »treuer Gottesdienststamm«, so Kreß. Ansonsten habe er sich vorgenommen, »nichts mehr zu tun, was nach Bischof riecht«.

Christine Reuther

Alte Kirche sucht neue Nutzer

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Was passiert, wenn Kirchen nicht mehr für Gottesdienste gebraucht werden? Oft werden sie dann für Kultur und Kunst geöffnet.

Die Gäste des Brautpaares zerschlagen Teller und Tassen vor der Kirchenpforte. Heute ist Polter­abend. Zur morgigen Hochzeit muss das Paar den Pfarrer selbst mit in die Kirche bringen. Denn die Kirche Franken (Kirchenbezirk Glauchau) ist entweiht. 1965 wurde hier der letzte Gottesdienst gefeiert. Der klassizistische Kirchenbau in dem Waldenburger Ortsteil ist ein Begegnungs- und Veranstaltungszentrum geworden.

Ein architektonisches Kleinod: Die Kirche von Franken bei Waldenburg ist 1835/36 nach dem Vorbild Karl Friedrich Schinkels im klassizistischen Stil erbaut. Sie ist heute ein Veranstaltungszentrum. Foto: Wiegand Sturm

Ein architektonisches Kleinod: Die Kirche von Franken bei Waldenburg ist 1835/36 nach dem Vorbild Karl Friedrich Schinkels im klassizistischen Stil erbaut. Sie ist heute ein Veranstaltungszentrum. Foto: Wiegand Sturm

Bereits 1995 ging die damalige Kirchenruine in kommunalen Besitz über. Ein Förderverein erarbeitete ein Nutzungskonzept, veranlasste durch zahlreiche Spenden und Unterstützung des Denkmalschutzes eine Vollsanierung. Heute finden hier regelmäßig Tagungen, standesamtliche Hochzeiten und Konzerte statt. Die umgebaute Kirche feiert im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen als Kulturzentrum des mittleren Muldentales. Der Waldenburger Pfarrer Wolfgang Strobel ist nicht böse, dass er sich nicht mehr um den Erhalt der Kirche kümmern muss. »Wir haben hier Kirchen in Hülle und Fülle«, sagt er. »Mit zwei Pfarrern betreuen wir zehn.«

Zwischen 1990 und 2005 wurden bundesweit 41 Kirchen und Kapellen umgewidmet, 26 vermietet, 97 verkauft und 46 abgerissen. Auch die Nikolaikirche in Freiberg wird nicht mehr für den Verkündigungsdienst genutzt. Das städtische Kulturamt vermietet das Gebäude – für Tagungen, Firmenfeiern und Konzerte. In Torgau wird die Alltagskirche als Aula des Johann-Walter-Gymnasiums genutzt.

Der Erhalt der Kirchen in Sachsen ist nicht einfach. »Natürlich will jede Kirchgemeinde als selbständige Eigentümerin ihr Gotteshaus erhalten«, sagt Harald Naumann, Baureferent der Landeskirche. »Dafür muss es manchmal aber auch geöffnet werden – zum Beispiel für eine intensivere kulturelle Nutzung.« In den vergangenen Jahren sei in Sachsen keine Kirche verkauft oder komplett umgenutzt worden, aber Naumann sieht das Problem nur als aufgeschoben. Die bisherige Politik für kirchliche Gebäude müsse überdacht werden. 4650 Gebäude, darunter 1222 Kirchen und 148 Kapellen, gehören der sächsischen Landeskirche. Vor allem Pfarrhäuser werden oft nicht mehr von Pfarrern bewohnt, sondern anderweitig vermietet.

»Wir wollen vorrangig aber kein Immobilienbetreiber sein«, so Naumann. »Über Gebäude, die nicht mehr im Verkündigungsdienst stehen, müssen die Gemeinden nachdenken.« Auch sein Vorgänger als Baureferent, Ulrich Böhme, fordert Gemeinden auf: »Wir müssen unsere Kirchen deutlich über den Gottesdienst hinaus nutzen, nicht nur öffentlich ins Gerede bringen, auch Türen öffnen.« Das Wort »Kulturkirche« lehnt er dabei ab. Zuallererst seien Kirchen Versammlungsstätten der christlichen Gemeinde zur Feier des Gottesdienstes.

Die Weinbergsgemeinde Dresden-Trachau verwendet ganz bewusst den Begriff Kulturkirche. Zwar wird drei Mal im Monat Gottesdienst gefeiert. Sonst finden in der Kulturkirche Konzerte, Sommerkino oder Theateraufführungen statt. »Die Kirche soll aber kein Kulturhaus werden, sondern es geht um eine erweiterte Nutzung«, so Pfarrer Michael Schlage. Durch die »Nachwehen der Strukturreform« musste die Kirche Anfang 2008 neu belebt werden: Sie ist nun für die Menschen eines ganzen Stadtteils da. Die Gemeinde erreicht dort ein anderes Publikum, manchmal sind nur 20 Prozent der Besucher Kirchgemeindeglieder.

Vor sechs Wochen gründete sich ein Verein, um die Veranstaltungen besser zu organisieren. »Unser Ziel ist es, die Kirche zu öffnen«, sagt Schlage. »Das klappt am besten durch Kultur.« Damit trifft er ganz die Forderungen von Ulrich Böhme: »Lasst uns intensiver die sakralen Gebäude nutzen, damit sie der Zukunft erhalten bleiben – auch für Leute, die kein Band zur Kirche haben.«

Annika Falk

Der Hass eines Heimatlosen

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Foto: Philippe Ramakers, scx.hu

Foto: Philippe Ramakers, scx.hu

Spät kam der kollektive Schock, dafür war er um so tiefer. Viel wird seit dem Messerattentat auf eine Ägypterin im Dresdner Landgericht vor mehr als drei Wochen über das Verhältnis der Deutschen und des Westens zum Islam diskutiert. Eine andere Frage, die das Verbrechen aufwarf, geht dabei im ratlosen Wortgetümmel beinahe unter: Die nach dem Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu ihren russlanddeutschen Spätaussiedlern.

Viele von ihnen sind jung – so wie der 28-jährige Mörder Alexander W., der mit 18 Stichen die Muslima Marwa El Sherbini im Gerichtssaal tötete. Vor sechs Jahren ist er mit seinen Eltern aus dem Ural nach Dresden gekommen. Er musste damals seine Freunde, seine Heimat und viele Sicherheiten verlassen – für die vage Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. Aussiedler kommen in ein fremdes Land mit einer ­fremden Sprache, das ihre Bildungsabschlüsse und Berufe oft nicht anerkennt. In Russland sind sie die Deutschen! In Deutschland interessiert sich jedoch für »die Russen« kaum jemand, und so ­bleiben sie unter sich – mit ihrer russischen Sprache und Kultur. In Kirchengemeinden ist das oft nicht anders.

Aussiedler sind nicht krimineller als andere Deutsche. Doch gerade in jungen Männern unter ihnen, die oft arbeitslos und in Trainingshosen ihre Tage zubringen, braut sich offenbar etwas zusammen: Hoffnungslosigkeit, Wut, mitunter Hass. Die NPD erkennt das Potential und fischt bereits unter den Russlanddeutschen nach Wählerstimmen.

Das Verbrechen des Alexander W. muss man verurteilen. Doch zugleich wird man fragen müssen, wie entwurzelte Russlanddeutsche eine neue Heimat, Wertschätzung und Selbstbewusstsein finden können. Handeln müssen die Spätaussiedler selbst, aber ebenso ihre Nachbarn, Unternehmer, der Staat. Und auch die Kirchengemeinden.

Von Andreas Roth

Gott baut eine Beziehung zu mir auf

16. Juli 2009 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de  
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So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. Jesaja 43, Vers 1

Foto: Elvis Santana, sxc.hu

Foto: Elvis Santana, sxc.hu

Hallo Jens – schön dich zu sehen! Wie geht es Dir?« Hmm. Eigentlich ganz gut, wenn ich nur wüsste, wer da mit mir redet! Ich zermartere mir nämlich gerade das Hirn nach dem Namen meines Gegenübers. »Du musst dir Namen merken, wenn du Menschen verbinden und Netzwerke bauen willst«, hat Ulrich Parzany mal zu mir gesagt. Trotzdem habe ich im Moment keine Ahnung, wer mit mir redet. Peinlich!

Peinlich auch deshalb, weil Ulis Satz so in der Bibel stehen könnte – Gott spricht die Menschen mit ihren Namen an. Von der Frage: »Adam, wo bist du?« über die Berufungsgeschichten der Helden des Alten Testamentes bis hin zu Simon: »Du sollst Petrus heißen!« und der Frage »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« gilt es: »Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.« Du bist mir nicht fremd.

Gott spricht mich mit Namen an und baut damit eine Beziehung zu mir auf. So unglaublich es klingt: Der Herrscher des Universums wartet nicht darauf, dass wir uns ihm »in Demut nahen« – nein, er rückt uns selber auf den Pelz, spricht uns an, spricht uns zu, dass er uns erlöst, freigekauft hat. Gott geht in Vorleistung! Ich bin dafür sehr dankbar. Gerade in Zeiten persönlichen Versagens, in Zeiten, in denen ich mich allein gefühlt habe, hat mich genau dieser Bibelvers immer wieder aufgebaut. Ich gehöre zu Ihm nicht auf Grund meiner Leistung, sondern weil er will.

Dahinter will ich mich jedoch nicht verstecken oder lässig zurücklehnen. Gerade weil ich Ihm gehöre, brauche ich mich nicht zu fürchten, von Ihm zu erzählen. Das Problem dabei ist nur – dass ich die Menschen dabei mit Namen ansprechen sollte – also lerne ich in dieser Woche Namen, Namen, Namen …

Jens Buschbeck

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