Auferstehung nach zehn Jahren
2. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Sachsen

Das Friedens seminar in Meißen: seit 1975 Anlaufstelle für zahlreiche junge Menschen, die sich für Frieden in Zeiten des Wettrüstens einsetzen wollten. Foto: Giersch
Zum Jubiläum der Friedlichen Revolution in Meißen soll auch das Friedensseminar wieder ins Leben gerufen werden Gottesdienste, Podiumsdiskussionen, eine Ausstellung und noch einmal ein Friedensseminar – damit will die Aktion »Brücken bauen« des Kirchenbezirks Meißen im Sommer und Herbst an die Friedliche Revolution vor 20 Jahren in der Domstadt erinnern. Auftakt ist am 30. August im Anschluss an den Gottesdienst in der evangelischen Frauenkirche ein Podium, auf dem über die Bausituation in Meißen 1989, die damaligen Abrisspläne und auch die heutige Situation diskutiert werden soll, wie Bernd Oehler, Pfarrer der St.-Afra-Kirchgemeinde sagt. Heute blendeten manche die bedrückenden Seiten der DDR im Rückblick aus, meint er. »Wir wollen zeigen, wie es damals wirklich in Meißen ausgesehen hat.«
Dazu wird noch einmal die Ausstellung »Kehrseiten« gezeigt. »Sie hat damals den Startschuss für Bürgerprotest und politischen Widerstand in Meißen gegeben«, sagt Oehler. Die Schau dokumentierte in Fotos den Verfall wertvoller historischer Gebäude in der Domstadt in den 80er Jahren. Wegen des massiven Drucks staatlicher Stellen, die die Ausstellung verbieten wollten, konnte sie im Frühjahr 1989 nur einen Monat lang in der Meißener Frauenkirche gezeigt werden. Dennoch sahen Hunderte sie sich an. Dafür hatte Eduard Berger gesorgt, damals Superintendent in Meißen, später Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche und zuletzt Beauftragter der evangelischen Landeskirchen beim Freistaat Sachsen. Er wird auch im Gottesdienst predigen und anschließend auf dem Podium sitzen und mit diskutieren.
Am 3. Oktober ist noch einmal ein Friedensseminar in der evangelischen Trinitatiskirche mit dem Gründer, Pfarrer Rudolf Albrecht, geplant. Dort soll es um das Thema Flüchtlinge gehen. Seit 1975 hatten bei den Friedensseminaren junge Leute über Pazifismus und Zivildienst diskutiert. In den achtziger Jahren kamen etwa 400. 1999 fand das letzte Friedensseminar statt. Am 11. Oktober soll über die Gründung der Bürgerrechtsbewegung Neues Forum in der Lutherkirche diskutiert werden. Sprechen soll dort der Gründer, Pfarrer Heinz Wöllner. Zur Erinnerung an das Ereignis soll an der Lutherkirche eine Bronzetafel angebracht werden.
Erinnert werden soll an die erste »Dienstags-Demo« in Meißen am 24. Oktober. Geplant sei außerdem ein »politischer Stadtspaziergang« für Touristen und Interessierte auf den Spuren der Friedlichen Revolution vom Markt bis zur Lutherkirche. Der erste am 4. Oktober.
Bernd Oehler, Jahrgang 1960, hatte sich in den 80er Jahren in kirchlichen Oppositionsgruppen in Leipzig engagiert. Seit 1999 ist er Pfarrer in
Meißen.
Tomas Gärtner
![RSS ⇒ DER SONNTAG [Sachsen] abonnieren](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/rss.gif)
![⇒ DER SONNTAG [Sachsen]](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/logo2.gif)

