Wegweiser

10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Miguel Saavedra, SXC

Foto: Miguel Saavedra, SXC

Was lange währt, wird endlich gut. Das müssen sich auch die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gesagt haben, als sie in der vergangenen Woche ihr Wort zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise vorgelegt haben. Unter dem Titel »Wie ein Riss in einer hohen Mauer« warnen die Autoren eindrücklich vor einer Wirtschaft, in der Eigennutz vor Gemeinwohl geht. Zugleich benennen sie die Mentalität des schnellen Geldes und die einseitige Orientierung an Kapitalinteressen als Ursachen für die gegenwärtige Krise. So scharf hat sich die EKD seit der Veröffentlichung des Sozialwortes vor zwölf Jahren nicht mehr geäußert.

Angesichts des Ausmaßes der Krise wurde das allerdings auch Zeit. Die Zurückhaltung der letzten Monate bestärkte zuletzt Kritiker in der Annahme, die Kirche beschäftige sich vor allem mit sich selbst. Doch jetzt hat die EKD die herrschenden Missstände deutlich benannt. In Anlehnung an ein Wort des Propheten Jesaja geißelt sie den Mangel an Verantwortung in der Wirtschaft bis hin zur Verantwortungslosigkeit und mahnt hier eine Umkehr an. Nötig sei nicht nur ein »Konjunkturaufschwung«, sondern ein »Werteaufschwung«, so der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Tatsächlich brauchen Banken und Wirtschaft neben dem Krisenmanagement ein klares ethisches Fundament. Weil das vielfach fehlt, konnte es überhaupt so weit kommen.

Als Manko erscheint im EKD-Papier allenfalls das Fehlen von echten Handlungsempfehlungen. Zwar enthält das Kirchenwort viele allgemeingültige Analysen sowie zehn Orientierungspunkte von der Regulierung der Finanzmärkte bis zur gerechten Verteilung der Lasten. Doch vor konkreten Forderungen schrecken die Autoren bewusst zurück. Vermutlich ist das ein Grund, warum Vertreter aller Parteien die Erklärung begrüßt haben. Diese Unverbindlichkeit könnte sich am Ende rächen. Ansonsten ist das Wort jedoch ein Wegweiser, der zeigt, was dem Gemeinwohl dient – und was nicht.

Von Martin Hanusch

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Reaktionen unserer Leser

3 Lesermeinungen zu “Wegweiser”
  1. Olga sagt:

    In diesem Fall ist es echt ein Wegweiser. Oftmals wird man in die falsche Richtung verwiesen.

  2. Fritz sagt:

    Ich will sagen, dass dieses Foto ist einfach nur genial! Bravo, sehr professionelle Arbeit!

  3. Harald Heidenreich sagt:

    Tja, die Aussagen in dem Artikel lassen vermuten, das die erwähnten Verantwortlichen sich nicht mit Ursachenforschung aufgehalten haben. Es ist z.B. nicht die Mentalität des schnellen Geldes einer der Auslöser der Krisen, sondern der im Geldsystem versteckte Systemfehler. Wir haben ein Geld, welche solche Krisen ganz einfach nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten herauf beschwört. Nicht Umsonst steht das Zinsverbot mehrmals in der Bibel. Machen sie doch einfach mal eine Zinseszinsrechnung über einen Zeitraum von ca 60 Jahren und fragen sie sich dann, woher die errechnete Summe kommt, wie sie wirtschaftlich gedeckt werden kann.