Endlich fertig

16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Sachsen, Westsachsen

64 Jahre war sie eine Ruine – nun ist die Jakobikirche in Chemnitz baulich vollendet

Blick ins Innere des fertig gestellten Kirchenschiffs der St. Jakobikirche im Stadtzentrum von Chemnitz. Foto: Sven Gleisberg

Blick ins Innere des fertig gestellten Kirchenschiffs der St. Jakobikirche im Stadtzentrum von Chemnitz. Foto: Sven Gleisberg

In den letzten Nächten haben die Mitarbeiter der Chemnitzer St. Jakobi-Johannis-Kirchgemeinde öfter schlecht geschlafen. Die Aufregungen um die Fertigstellung des Langhauses ihrer Kirche waren einfach zu groß: Da wurden die Schlusssteine ins Deckengewölbe gesetzt, das überlebensgroße Triumphkreuz und die Orgel aus dem Chorraum in das Langschiff verlagert. Zuletzt fanden 22 originale Kirchenbänke ihren Platz. »Jetzt sieht es hier wieder wie in einer Kirche aus«, sagt der Kunsthistoriker Stefan Thiele, der in der Gemeinde mitarbeitet. Er freut sich, dass nun auch das Hauptportal an der Westseite wieder geöffnet wird. Seit Jahren ist die St. Jakobikirche nur über einen verschlungenen Weg durch Nebenräume zugänglich.

Die Hallenkirche St. Jakobi entstand zwischen 1350 und 1412. Bei der Zerstörung der Stadt Chemnitz im März 1945 brannte das Gotteshaus völlig aus. Kurze Zeit darauf stürzten Pfeiler und Gewölbe im Langhaus zusammen, der gotische Chorraum blieb erhalten. Durch eine Wand wurde er vom zerstörten Schiff getrennt und wird seit 1949 wieder als Gottesdienststätte genutzt. Der äußere Wiederaufbau der St. Jakobikirche konnte 1964 mit dem Aufsetzen des Dachstuhles samt Dachreiter beendet werden. Das Langhaus aber war nicht mehr zugänglich. Es wurde als Materiallager genutzt. Erst nach der politischen Wende diente der provisorisch hergerichtete Raum wieder für kirchliche Veranstaltungen.

Vor fünf Jahren konnte die Rekonstruktion des Langhauses begonnen werden. 2,4 Millionen Euro kostete der Ausbau. Damit ist nun nach 64 Jahren die letzte im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadtkirche innerhalb der sächsischen Landeskirche wieder aufgebaut worden. Bis zur 600-Jahr-Feier von St. Jakobi im Jahr 2012 sind weitere Arbeiten geplant: die Restaurierung des Hallenumgangschores und eine Hauptorgel für das Kirchenschiff.

Für die 700 Glieder der St. Jakobi-Johannis-Kirchgemeinde sind das gewaltige Aufgaben. Deshalb bemüht sich das Team um Pfarrer Bernd Frauenlob um eine Stärkung der Gemeinde. Die musikalischen Vespern donnerstags 18 Uhr oder die Mittagsandacht freitags 13 Uhr haben sich inzwischen etabliert. Neu hinzugekommen sind die thematischen Gottesdienste »18:18 mittendrin«. Sie beziehen sich auf Vers 18 aus dem 18. Kapitel des Lukas-Evangeliums und wollen Menschen außerhalb der Kirche ansprechen. Dazu laden Evangelisten der Landeskirche jeweils am 1. Mittwoch des Monats, 18.18 Uhr, ein.

Dorothee Morgenstern

Mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 19. Juli, 10 Uhr, beginnt eine Festwoche zur Eröffnung des Kirchenschiffes.

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