Schwarze Nacht für Görlitz

16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen, Sachsen

Wirbel um ein Gothic-Konzert auf dem historischen Nikolaifriedhof der Neißestadt

Die so genannte »Schwarze Szene« hat sich den Görlitzer Nikolaifriedhof für ein Konzert auserkoren. Kirche und Stadt sind dagegen. Doch die Werbung im Internet geht weiter. Foto: Irmela Hennig/der Sonntag

Die so genannte »Schwarze Szene« hat sich den Görlitzer Nikolaifriedhof für ein Konzert auserkoren. Kirche und Stadt sind dagegen. Doch die Werbung im Internet geht weiter. Foto: Irmela Hennig/der Sonntag

Mit schwarzen, düsteren Grüßen aus der Gruft«, verabschieden sich André Bartel, Conny Wiesner und Laure Teillet in ihrem Infobrief von den Lesern. In den Zeilen darüber hatten sie eingeladen – zum ersten Gothic-Konzert auf einem Friedhof. Auf dem rund 800 Jahre alten Görlitzer Nikolaifriedhof wollten sich am 12. September rund 700 Anhänger der schwarzen Szene treffen. Es sollte europaweit das erste legale Gothic-Fest auf einem Friedhof überhaupt sein, sagen die jungen Organisatoren mit Stolz. Im Internet wurden schon fleißig geworben. Die Tickets für 23,66 Euro angeboten. 666 Eintrittskarten sollen verkauft werden – diese Zahl steht in Gothic-Kreisen auch für den Teufel. Von der Internetseite der »NikolaiNox« wurde der Hinweis auf die 666 Karten mittlerweile entfernt – nur von Limitierung ist noch die Rede.

Doch die Veranstalter haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der historische Friedhof wird von der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz verwaltet. Und diese habe dem Veranstalterverein »Ideenfluß« unterdessen eine Absage erteilt, sagte der ostsächsische Regionalbischof Hans-Wilhelm Pietz am 7. Juli in Görlitz. Das christliche Bekenntnis sei mit der geplanten Veranstaltung nicht vereinbar. Der historische Friedhof sei ein »Ort der Totenruhe und des Gedächtnisses«, jedoch kein Ort für eine Massenveranstaltung, bei der Todessehnsucht im Mittelpunkt steht, betonte Pietz, der auch Kuratoriumsvorsitzender der Evangelischen Kulturstiftung ist.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick bezeichnet das Vorhaben als »pietätlos und unvorstellbar«. Die Totenruhe müsse gewahrt werden. Hinzu kommt der Denkmalschutz. »Wir kämpfen auf dem Friedhof um jeden Grabstein. Es ist fast alles Sandstein und bröckelt. Bei 666 Besuchern ist es nicht denkbar, das kein Schaden für die alte Substanz entsteht.« Außerdem liege der Friedhof im Wohngebiet. Da müsse auch auf Lärmschutz geachtet werden. Unterdessen wirbt der Görlitzer Verein im Internet weiter für das Konzert »NikolaiNox« (Nikolainacht) – allerdings steht nun dabei »am Nikolaifriedhof«.

Der Görlitzer Nikolaifriedhof mit mehr als 800 Grabmalen wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert angelegt und ist um 1305 erstmals erwähnt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war er die größte und wichtigste Beerdigungsstätte in Görlitz. Kirchenpolitisch gehört Görlitz zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Irmela Hennig

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Reaktionen unserer Leser

5 Lesermeinungen zu “Schwarze Nacht für Görlitz”
  1. paul sagt:

    Das ist böse sehr böse und unanstendig. man müste der conny wiesner [editiert durch Admin]. Das war bestümt alles connys idee.

  2. Stephan sagt:

    Es scheint ja ein Bedürfnis für solche Veranstaltungen zu geben. Ein Versuch, dieses zu Kanalisieren in dem legale Gruftitreffen auf Friedhöfen zugelassen werden, scheint mir nicht zu klappen. Ich vermute, der Reiz liegt im Verbotenen.

  3. Michael Wolff sagt:

    Ja auch ich bin entsetzt. Eigentlich ist der Ideenfluss e.V. auch fähig, andere Ideen zum fließen zu bringen. Das möchte ich betonen. Unsere bisherige Kooperationserfahrungen und Visionen zeigen dies deutlich. Was aber soll das? Muss man jeder Szene hinterherlaufen, ja sie protegieren … und das dann noch als beLEBEN deklarieren. Auch im Zusammenhang mit dem Altstadtfestplakat mussten wir feststellen, dass offenbar Publikumswirsamkeit, Werbe-Effekt und schließlich Geldeinnahemn für alle möglichen Schappsideen als schlagfertige Begründung ausereichen. Diese Gothic-Szene ist eine kitschige und düsterliche Angelegenheit. Mit dem mystischen Tod – einer inneren Erfahrung des Mystikers – hat das nichts zu tun, sondern ist eine rein äußerliche Mode ohne wirklichen Tiefgang, ein böser Irrtum und somit eine lapidare Verirrung.

    M. Wolff, Internationales Jacob Böhme- Institut Görlitz e. V.

  4. Uwe sagt:

    Diese Idee ist von Conny Wiesner und es ist sehr Ketzerich. Ich finde so etwas
    Gehört verboten. So etwas ist Gotteslesterung und es ist sehr unchristlich.
    Diese Frau Conny Wiesner wird nie zum Himmel kommen. Denn so etwas kann man auch in einer anderen Stadt machen ales in Görlitz oder bei einer Kirche!

  5. Heiko sagt:

    Aber ist es nicht so, daß der Tod Teil unseres Lebens ist, und genauso wie manche an Gott glauben möchte, auch soetwas toleriert werden sollte?
    Ich war eine Zeit in Bayern und was dort an Aufwand um den Kult “Gott” betrieben wird ist schon extrem….
    Und nun möge man mich dafür strafen, aber nur zu gern vergessen viele, welche Schandtaten im Namen Gottes betrieben wurde, sehe man allein die Kreuzzüge usw. usw. und um das Kind mal beim Namen zu nennen, so ist doch heutzutage all Religion zumindest in europäischen Gefilden doch auch gern der Weg zur Geldmacherei.
    Ich denke christlicher Glaube beinhaltet auch Toleranz, doch wie man so sieht bastelt sich so ein jeder seinen Glauben für sich maßgeschneidert zurecht.
    Leben und leben lassen sollte die Devise lauten und ich denke nicht, daß die Toten, sei mal dahingestellt daß sie dies aus einer nicht irdischen greifbaren Welt beobachten könnten, sich über solch eine Veranstaltung aufregen würden.
    Also ist es weniger die Religion, der Christentum, oder die Anhänger der Gothicszene, die das prolem verursachen, sondern einfach die Gesellschaft an und für sich, die das wesentliche aus den Augen verloren hat.

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