Brückenbauer über Gräben hinweg

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Sachsen

Altbischof Volker Kreß feiert am 25. Juli seinen 70. Geburtstag

Volker Kreß war von 1994 bis 2004 Bischof der sächsischen Landeskirche. Foto: S. Giersch

Volker Kreß war von 1994 bis 2004 Bischof der sächsischen Landeskirche. Foto: S. Giersch

Griffbereit steht es in der Ecke: das unvermeidliche Cello. »Ich habe das Cellospielen mein Leben lang geliebt. Doch in Dienstzeiten war das nur bedingt möglich«, sagt Volker Kreß. Der frühere sächsische Landesbischof feiert am 25. Juli seinen 70. Geburtstag. Seit fünf Jahren ist er im Ruhestand und hat nun Zeit für sein Hobby. Täglich wird eine Stunde geübt – unter anderem jeweils ein Satz aus einer Cellosuite von Johann Sebastian Bach. Ansonsten gilt es, das Repertoire des Mozartorchesters zu pflegen, dessen Mitglied er ist.

Der frühere Jugendpfarrer und spätere Oberlandeskirchenrat wurde 1994 von der Synode zum Bischof gewählt. »Seine Solidarität mit anderen Menschen und seine Fähigkeit Brücken zu bauen über Gräben hinweg« hat sein Amtsvorgänger Johannes Hempel einmal an ihm gewürdigt. Diese Gaben waren bitter nötig in den Zeiten der kirchlichen Strukturreformen der 90er Jahre.

Volker Kreß blickt darauf durchaus kritisch zurück. »Wir haben immer nur abgebaut und gespart, aber nichts unternommen, das zur Erneuerung der Kirche beiträgt«, sagt er heute. Dabei hätte er sich ein Finanzierungsmodell angelehnt an lutherische Freikirchen in Amerika vorstellen können: Die Gemeinden bekämen einen Sockelbetrag von der Landeskirche, alles weitere Geld für ihre Pfarrer und Kantoren müssten sie selbst aufbringen. Pfarrer sollten nicht mehr verbeamtet werden. »Das wäre zwar durch unterschiedliche Gehälter nicht sozial gerecht, aber die Stellen wären nicht so ausgedünnt, wie es heute ist«, so Kreß. Er habe damals als stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dieses Modell sogar prüfen lassen. »Es wurde als unrealistisch nicht weiter verfolgt«, sagt er.

Gern erinnert sich Volker Kreß an den Aufbau der Dresdner Frauenkirche, der während seiner Amtszeit geschah. Und an die vielen Begegnungen, wenn er Sonntag für Sonntag als Prediger in der Landeskirche unterwegs war. Den »nüchternen Alltag der Kirchen«, wie er sagt, erlebt er heute in den Gemeinden Dohna und Maxen, wo er sich als Prediger zur Verfügung stellt: Es sind kleine Gemeinden mit zehn und weniger Gottesdienstbesuchern, ein »treuer Gottesdienststamm«, so Kreß. Ansonsten habe er sich vorgenommen, »nichts mehr zu tun, was nach Bischof riecht«.

Christine Reuther

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