Kunstwerke zum Kreuzestod

23. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen, Sachsen

Ein Kölner Kunstliebhaber schenkte Zittau Bilder von Chagall, Dix und Dali

Die Lithografie »Christus, roter Ochse und Madonna« von Marc Chagall gehört zu den ausgestellten 150 Werken der anonymen Schenkung. Insgesamt 500 Objekte hat ein Kölner Sammler der Stadt Zittau übergeben.  Repro: Ausstellung

Die Lithografie »Christus, roter Ochse und Madonna« von Marc Chagall gehört zu den ausgestellten 150 Werken der anonymen Schenkung. Insgesamt 500 Objekte hat ein Kölner Sammler der Stadt Zittau übergeben. Repro: Ausstellung

Der rote Ochse sticht ins Auge. Massig drohnt er zwischen dem gekreuzigten Jesus und seiner trauernden Mutter Maria. »Christus, roter Ochse und Madonna« heißt die Lithografie von Marc Chagall. Das rote Tier könnte für die Liebe stehen, aber auch für das Blut des Opfers, deutet Marius Winzeler. Er ist Direktor der Städtischen Museen Zittau. Und das Bild des berühmten jüdischen Künstlers Marc Chagall hängt seit kurzem in seinem Museum. Zusammen mit Werken weiterer bekannter Maler und Zeichner wie Salvador Dali, Otto Dix, Albrecht Dürer, Lovis Corinth, Ernst Barlach, Max Beckmann und anderer.

Die Bilder haben drei Dinge gemeinsam: Es sind Originale. Sie befassen sich alle mit dem Thema Kreuz, mit dem Leiden und Sterben Christi. Und sie sind ein Geschenk: Ein 84-jähriger Kölner Sammler hat sie an das Zittauer Museum übergeben. 500 Arbeiten sind es insgesamt. Der Sammler hat weitere versprochen. Doch, anonym will er bleiben.

»Sammlung Wolfgang Sternling« – diesen Titel hat sich Marius Winzeler für den einzigartigen Schatz ausgedacht, dessen Wert auf etwa eine halbe Millionen Euro geschätzt wird. Der Weg der Kunstwerke führt über die berühmten Zittauer Fastentücher. Mittlerweile gibt es drei dieser sakralen Bilderbibeln in der Oberlausitzer Stadt. Fastentücher verhüllen in der Passionszeit bildliche Jesusdarstellungen. Oft zeigen sie biblische Motive.

Zwei der Zittauer Fastentücher, darunter das Große aus dem Jahr 1472, waren vor über zehn Jahren in Köln zu sehen. Auch der anonyme Sammler, ein tief gläubiger Katholik, sah sie damals und war beeindruckt. Er suchte den Kontakt nach Zittau – über Jahre entwickelte sich eine enge Beziehung zwischen ihm und der Stadt. Der Kunstliebhaber meinte schließlich, im Zittauer Museum den richtigen Platz für seine Sammlung gefunden zu haben. Immerhin ist das Museum zuständig für die Fastentücher. Er verschenkte einen Großteil seiner Werke.

Zum zehnten Geburtstag des »Museums Kirche zum Heiligen Kreuz«, in dem das Große Fastentuch ausgestellt ist, zeigt Zittau nun einen Teil der Sammlung. »Kreuzzeichen« ist der Titel der Schau. Denn Thema ist das Kreuz – mal mehr, mal weniger deutlich in jedem Bild zu finden.

150 Werke sind ausgestellt. Mei­sterwerke vom 15. bis zum 21. Jahrhundert. Viele Werke strahlen tiefe Gläubigkeit aus. Andere scheinen nach einer Erklärung für den Opfertod Jesu zu suchen. Manchmal ist es fast, als setzten sie die große Bilderbibel fort, die mit dem Zittauer Fastentuch im 15.Jahrhundert entstand.

Irmela Hennig

Die Ausstellung »Kreuzzeichen« ist bis 8. November in den Städtische Museen Zittau, Klosterstraße 3, zu sehen. Sie ist täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen gibt es am 2. August, 27. September und 8. November, jeweils 15 Uhr.

www.zittauer-fastentuecher.de

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