Urlaubspläne
16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Sanja Gjenero, sxc.hu
Die Urlaubsgewohnheiten der Deutschen haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Weiter, exklusiver, aber billiger ist die Devise. Doch warum muss es – vor allem für junge Leute – immer der Pauschalurlaub auf einer karibischen Insel, in Thailand oder Tunesien sein? Dabei wird kaum kritisch hinterfragt, wie ein Hotel an der ägyptischen Küste einen All-Inclusive-Urlaub zum Schnäppchenpreis anbieten kann. Dass dafür Menschen vor Ort für einen Hungerlohn arbeiten, um ihre Familien zu ernähren? Egal. Hauptsache man hat einen unvergesslichen Urlaub – möglichst günstig natürlich.
Man kann auch Campingurlaub machen, zum Beispiel in der Sächsischen Schweiz. Vielleicht auch nur für ein Wochenende. Dabei wird man feststellen, wie wunderschön und erholsam das sein kann, günstig übrigens auch. Und man trifft freundliche Dauercamper aus anderen deutschen Gegenden. Sie verbringen fast jedes Sommerwochenende hier. Und weiter im Süden Sachsens, an den Talsperren Pirk und Pöhl, nehmen viele Christen begeistert am Programm von Kirche Unterwegs teil, lernen sich dadurch besser kennen – ganz ohne geplante Kirchenfusion.
Von Annika Falk
Schwarze Nacht für Görlitz
16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Ostsachsen, Sachsen
Wirbel um ein Gothic-Konzert auf dem historischen Nikolaifriedhof der Neißestadt

Die so genannte »Schwarze Szene« hat sich den Görlitzer Nikolaifriedhof für ein Konzert auserkoren. Kirche und Stadt sind dagegen. Doch die Werbung im Internet geht weiter. Foto: Irmela Hennig/der Sonntag
Doch die Veranstalter haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der historische Friedhof wird von der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz verwaltet. Und diese habe dem Veranstalterverein »Ideenfluß« unterdessen eine Absage erteilt, sagte der ostsächsische Regionalbischof Hans-Wilhelm Pietz am 7. Juli in Görlitz. Das christliche Bekenntnis sei mit der geplanten Veranstaltung nicht vereinbar. Der historische Friedhof sei ein »Ort der Totenruhe und des Gedächtnisses«, jedoch kein Ort für eine Massenveranstaltung, bei der Todessehnsucht im Mittelpunkt steht, betonte Pietz, der auch Kuratoriumsvorsitzender der Evangelischen Kulturstiftung ist.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick bezeichnet das Vorhaben als »pietätlos und unvorstellbar«. Die Totenruhe müsse gewahrt werden. Hinzu kommt der Denkmalschutz. »Wir kämpfen auf dem Friedhof um jeden Grabstein. Es ist fast alles Sandstein und bröckelt. Bei 666 Besuchern ist es nicht denkbar, das kein Schaden für die alte Substanz entsteht.« Außerdem liege der Friedhof im Wohngebiet. Da müsse auch auf Lärmschutz geachtet werden. Unterdessen wirbt der Görlitzer Verein im Internet weiter für das Konzert »NikolaiNox« (Nikolainacht) – allerdings steht nun dabei »am Nikolaifriedhof«.
Der Görlitzer Nikolaifriedhof mit mehr als 800 Grabmalen wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert angelegt und ist um 1305 erstmals erwähnt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war er die größte und wichtigste Beerdigungsstätte in Görlitz. Kirchenpolitisch gehört Görlitz zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Irmela Hennig
Endlich fertig
16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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64 Jahre war sie eine Ruine – nun ist die Jakobikirche in Chemnitz baulich vollendet

Blick ins Innere des fertig gestellten Kirchenschiffs der St. Jakobikirche im Stadtzentrum von Chemnitz. Foto: Sven Gleisberg
Die Hallenkirche St. Jakobi entstand zwischen 1350 und 1412. Bei der Zerstörung der Stadt Chemnitz im März 1945 brannte das Gotteshaus völlig aus. Kurze Zeit darauf stürzten Pfeiler und Gewölbe im Langhaus zusammen, der gotische Chorraum blieb erhalten. Durch eine Wand wurde er vom zerstörten Schiff getrennt und wird seit 1949 wieder als Gottesdienststätte genutzt. Der äußere Wiederaufbau der St. Jakobikirche konnte 1964 mit dem Aufsetzen des Dachstuhles samt Dachreiter beendet werden. Das Langhaus aber war nicht mehr zugänglich. Es wurde als Materiallager genutzt. Erst nach der politischen Wende diente der provisorisch hergerichtete Raum wieder für kirchliche Veranstaltungen.
Vor fünf Jahren konnte die Rekonstruktion des Langhauses begonnen werden. 2,4 Millionen Euro kostete der Ausbau. Damit ist nun nach 64 Jahren die letzte im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadtkirche innerhalb der sächsischen Landeskirche wieder aufgebaut worden. Bis zur 600-Jahr-Feier von St. Jakobi im Jahr 2012 sind weitere Arbeiten geplant: die Restaurierung des Hallenumgangschores und eine Hauptorgel für das Kirchenschiff.
Für die 700 Glieder der St. Jakobi-Johannis-Kirchgemeinde sind das gewaltige Aufgaben. Deshalb bemüht sich das Team um Pfarrer Bernd Frauenlob um eine Stärkung der Gemeinde. Die musikalischen Vespern donnerstags 18 Uhr oder die Mittagsandacht freitags 13 Uhr haben sich inzwischen etabliert. Neu hinzugekommen sind die thematischen Gottesdienste »18:18 mittendrin«. Sie beziehen sich auf Vers 18 aus dem 18. Kapitel des Lukas-Evangeliums und wollen Menschen außerhalb der Kirche ansprechen. Dazu laden Evangelisten der Landeskirche jeweils am 1. Mittwoch des Monats, 18.18 Uhr, ein.
Dorothee Morgenstern
Mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 19. Juli, 10 Uhr, beginnt eine Festwoche zur Eröffnung des Kirchenschiffes.
Zu treuen Händen
16. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Titelseite
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Ob Kirchbauvereine, Erwerbsloseninitiativen oder besondere Personalstellen: Fast nichts geht mehr ohne Spenden.

Foto: Steffen Giersch
»Aber gleichzeitig sagen mir die Leute: Verschonen Sie uns mit Bettelbriefen.« Wie also informiert Jutta Berndt Geber so unaufdringlich wie möglich, doch so genau wie nötig? Eines hat sie jedenfalls gelernt: »Was wir uns ausdenken an Aktionen, ist schön und gut. Aber man muss vom Geber her denken.« Das A und O dabei: Vertrauen. Die Diakonie setzt daher bei ihren Aktionen auf genaue Informationen. Zum Beispiel über einen Solidaritäts-Sparbrief, eine Gemeinschaftsaktion mit der Landeskirchlichen Kredit-Genossenschaft Sachsens (LKG). Wer auf diese Weise Geld für vier Jahre anlegt, spendet zugleich die Zinsen an ein Entwicklungshilfe-Projekt. Von Jahr zu Jahr sind Anlagen und Spendensumme hier gestiegen.
»Ein Spendenaufruf ist umso erfolgreicher, je näher den Menschen das Projekt ist«, sagt Matthias Oelke, Sprecher des Landeskirchenamtes. Diese Erfahrung hat auch Pfarrerin Karin Bertheau gemacht. Die Geschäftsführerin des Evangelischen Medienverbandes ist zugleich Fundraising-Beauftragte der Landeskirche. »Bei den Kirchbauvereinen funktioniert es sehr gut«, erzählt sie. Da hätten Spender deutlich vor Augen, wofür sie ihr Geld geben. Die Dresdner Kreuzkirche zum Beispiel hatte ihre neuen Bodenplatten einzeln symbolisch an Spender vergeben und so die dafür nötige Summe rasch zusammen. Andernorts werden neu zu deckende Dächer in Quadratmeter aufgeteilt oder man kann Kirchenbänke stiften.
Denn sächsische Christen unterstützen nicht nur Gemeinden und Projekte in anderen Ländern mit ihrem Geld, auch vieles in der eigenen Landeskirche gäbe es ohne Spenden nicht. Das wird bei einem Blick in den Tätigkeitsbericht des Landeskirchenamtes sichtbar. Unterkunft und Verpflegung für Studenten der Fachhochschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie, die im Moritzburger Diakonenhaus wohnen, werden durch Spenden aus der Gemeinschaft der Diakone und Diakoninnen mit getragen. Ein Teil der Arbeit der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen wird durch Spenden finanziert. Der Koordinierungsgruppe kirchlicher Erwerbsloseninitiativen Sachsens ermöglicht ein Spendenfond, Projekte für Beratung und Betreuung von Arbeitslosen zu fördern. Allerdings verringert sich die Spendensumme hier Jahr für Jahr.
Als feste Größe indes gehören als eine Spendenform die Landeskollekten zu den Einnahmen der Landeskirche. Im vergangenen Jahr waren es 2,16 Millionen Euro – das höchste Ergebnis der letzten sechs Jahre. »Die Tendenz ist leicht steigend«, sagt Finanzdezernent Reinhard Kersten. Freilich machen diese Kollekten lediglich etwas mehr als ein Prozent im Haushalt aus.
Am schwierigsten sei die Finanzierung von Personalstellen über Spenden, sagt Karin Bertheau. Da sei nach außen hin nicht so viel sichtbar und die Spenden müssten kontinuierlich fließen. Darüber, wie man Langzeit-Geber systematisch sucht, hält und pflegt, informiert die Landeskirche auf Fundraising-Tagen. Der nächste ist für den 18. September in Dresden geplant. »Spenden werden künftig immer wichtiger«, sagt sie. Und Menschen jenseits der 50. Die nämlich seien die eifrigsten Spender, so hat Matthias Daberstiel herausgefunden. Er organisiert den Fundraising-Tag. Häufigstes Motiv sei der Wunsch, mit Geld einem Notzustand abzuhelfen. Pfarrer und Kirchenvorstände sollten solche Leute nicht in weiter Ferne suchen, sondern zuerst in der eigenen Gemeinde, rät er. Eine Spende müsse nicht nur Geld sein. Auch mit Computertechnik oder einem Fahrzeug könne jemand helfen.
Tomas Gärtner
Nicht einfach übertünchen
10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Nach Schmierereien an der Kirche beschreitet die Gemeinde Holzhausen neue Wege

Kirchenvorstand Uwe Kind vor der beschmierten Kirchenwand und der davor gestellten Antworttafel in Holzhausen. Foto: Uwe Winkler
Die Antwort von Pfarrerin Christiane Thiel war unkonventionell. »Warum? Wieso?« sprühte sie als Gesprächsangebot auf eine große hölzerne Tafel, die der Friedhofsmeister dafür aufgebaut hat. »Wir wollten die Schmierereien nicht einfach übertünchen, sondern ein Gesprächsangebot schaffen«, so Kirchenvorstand Uwe Kind. Beim »Antworten« wurden die Jugendlichen von einem Gemeindemitglied gestellt. »Die Personalien konnten von der Polizei aufgenommen werden«, sagt Thiel.
Christiane Thiels anfängliche Vermutung, die Sprüche seien Ausdruck »verzweifelter Jugendlicher im Osten, die sich verraten und verkauft fühlen«, habe sich bewahrheitet. Zwei der vier Jugendlichen seien der Polizei bekannt. Zur Vernehmung kamen nur die »Neulinge der Szene«, wie Thiel sagt. Von Schuldgefühlen sei bei den jungen Täter nichts zu spüren gewesen, erzählte die Polizei anschließend der Pfarrerin.
Besonders hart trifft die Gemeinde, dass einer der Täter Mitglied der Jungen Gemeinde ist. Mit Religion beschäftigt haben sich die Jugendlichen durchaus. Sie sind kritisch. »Keine freie Religionsausübung« und »Religion auf Verdacht« prangert auf der Antworttafel. »Ein bisschen Recht haben sie damit ja«, so die Pfarrerin. »Wir glauben auf Verdacht«, sagt sie. »Aber darüber könnte man diskutieren.« Da die Pfarrerin gerade ihren Mutterschutz angetreten hat, will der Kirchenvorstand mit den Jugendlichen reden. Einen Täter-Opfer-Ausgleich wolle man den Vieren anbieten. »Vielleicht können sie ein paar Mal bei der Kinderkirche helfen«, schlägt Uwe Kind vor. Denn dessen Banner haben die Jungen mit den Worten »Jeden Samstag Kinderschändung« bekritzelt.
Nehmen die vier Jugendlichen das Angebot der Gemeinde nicht an, droht ihnen eine Anzeige. »Wir wollen aber eigentlich nicht noch eine Strafe draufsetzen«, sagt Kind.
Annika Falk
Die Kirche ins Bewusstsein rücken
10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Stephan Brenner: Im Einsatz für Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindeaufbau in Chemnitz

Stephan Brenner ist für die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Foto: A. Seidel
Als Arbeitsschwerpunkte zählt er auf: Großveranstaltungen, Kontakte zu den Medien, Intensivieren der offenen Arbeit. »In meinem Kopf schwirren verschiedene Projekte herum, zum Beispiel Kirche ins Regionalfernsehen zu bringen oder die Andachtsreihe in einer Wochenzeitung wieder zu beleben«, sagt der Pfarrer. Er vermutet, dass die stadtbildprägenden Kirchen im Bewusstsein etlicher Chemnitzer vor allem eine Art »Weihnachtsbauten« sind. Deshalb möchte er ganz bewusst auch die Zeiten und Anlässe nutzen, in denen die Menschen besonders auf Kirche ansprechbar sind.
Innerkirchlich will Stephan Brenner mit den Gemeinden gute Kontakte pflegen sowie die Internetarbeit unterstützen. »Ich hoffe, dass das eine oder andere Projekt wachsen kann, ich will Brücken bauen«, sagt er. Außerdem vertritt er den Chemnitzer Kirchenbezirk beim Evangelischen Medienverband und steht als Ansprechpartner für Weltanschauungsfragen bereit.
Stephan Brenner hofft, dass er in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche manches anschieben beziehungsweise beim Anschieben behilflich sein kann. Seine Projektstelle ist zunächst auf sechs Jahre befristet und darauf ausgerichtet, Ehrenamtliche zur Mitarbeit zu befähigen. Sie gehört zu den 14 Projektpfarrstellen, die in der Landeskirche in unterschiedlichen Bereichen eingerichtet wurden.
In Chemnitz soll der Schwerpunkt vor allem auf Öffentlichkeitsarbeit gelegt werden. Stephan Brenner will deshalb mit verschiedenen Partnern, vor allem aber mit dem Evangelischen Forum und der Superintendentur eng zusammen arbeiten.
Dorothee Morgenstern
Kontakt zu Pfarrer Stephan Brenner beim Kirchenbezirk Chemnitz,
Arbeitsstelle für Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindeaufbau,
Theaterstraße 25, 09111 Chemnitz,
Telefon: (03 71) 4 00 56 25,
E-Mail: kircheoeffentlich.chemnitz@evlks.de
Gott ist gern mit uns zusammen
10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2, Vers 8

Foto: Archiv
Die können mit Begriffen wie »Gnade«, »Rettung« (Kam der Krankenwagen?) oder »Glauben« recht wenig anfangen und einmal mehr merke ich, wie unser frommes Vokabular auf keinesfalls unwillige, oft genug aber unverständige Ohren stößt. Es ist aber auch schwer, diese derart gehaltvollen Begriffe unters Volk zu bringen! Aber, weil diese Begriffe, weil Gnade, Rettung und Glauben unser Leben als Christen ausmachen, weil sie die Basis dessen sind, wer wir sind, versuche ich es: Zunächst erzähle ich den Jungs, dass Gott sich nichts sehnlicher wünscht, als mit ihnen zusammen zu sein. Er ist unglaublich gern dabei, wenn wir Bibel lesen und Beten, aber auch, wenn wir Baseball spielen (Was, das kann der auch? – Ja!) und im Wald rumtoben (Muss der Gott sich dann auch nach Zecken absuchen? – Nein!).
Gott ist gern mit uns zusammen – das verdauend schauen mich die Racker schon verständiger an und wenn ich ihnen sage, dass Gott uns gern Geschenke macht – selbst dann, wenn wir mal wieder Mist gebaut haben – dann hellen sich die Augen auf: So ist Gott? Ja, Jungs genau so. Sein Geschenk an uns ist das volle Leben – ohne Ende – als Geschenk eines Gottes, der dafür teuer bezahlt hat. Dies müssen wir uns immer wieder neu deutlich machen und vielleicht sagen wir dann auch wie meine Jungs: »Das muss ich meinen Freunden erzählen!«
Jens Buschbeck, ist Jugendpfarrer in Zwickau.
Das Wort zur Woche zum Hören im Internet:
www.wort-zur-woche.de
Wegweiser
10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Foto: Miguel Saavedra, SXC
Was lange währt, wird endlich gut. Das müssen sich auch die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gesagt haben, als sie in der vergangenen Woche ihr Wort zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise vorgelegt haben. Unter dem Titel »Wie ein Riss in einer hohen Mauer« warnen die Autoren eindrücklich vor einer Wirtschaft, in der Eigennutz vor Gemeinwohl geht. Zugleich benennen sie die Mentalität des schnellen Geldes und die einseitige Orientierung an Kapitalinteressen als Ursachen für die gegenwärtige Krise. So scharf hat sich die EKD seit der Veröffentlichung des Sozialwortes vor zwölf Jahren nicht mehr geäußert.
Angesichts des Ausmaßes der Krise wurde das allerdings auch Zeit. Die Zurückhaltung der letzten Monate bestärkte zuletzt Kritiker in der Annahme, die Kirche beschäftige sich vor allem mit sich selbst. Doch jetzt hat die EKD die herrschenden Missstände deutlich benannt. In Anlehnung an ein Wort des Propheten Jesaja geißelt sie den Mangel an Verantwortung in der Wirtschaft bis hin zur Verantwortungslosigkeit und mahnt hier eine Umkehr an. Nötig sei nicht nur ein »Konjunkturaufschwung«, sondern ein »Werteaufschwung«, so der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Tatsächlich brauchen Banken und Wirtschaft neben dem Krisenmanagement ein klares ethisches Fundament. Weil das vielfach fehlt, konnte es überhaupt so weit kommen.
Als Manko erscheint im EKD-Papier allenfalls das Fehlen von echten Handlungsempfehlungen. Zwar enthält das Kirchenwort viele allgemeingültige Analysen sowie zehn Orientierungspunkte von der Regulierung der Finanzmärkte bis zur gerechten Verteilung der Lasten. Doch vor konkreten Forderungen schrecken die Autoren bewusst zurück. Vermutlich ist das ein Grund, warum Vertreter aller Parteien die Erklärung begrüßt haben. Diese Unverbindlichkeit könnte sich am Ende rächen. Ansonsten ist das Wort jedoch ein Wegweiser, der zeigt, was dem Gemeinwohl dient – und was nicht.
Von Martin Hanusch
Schatten der Vergangenheit
10. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Die Freude über 20 Jahre Ende der DDR durchzieht dieses Jahr. Doch dabei dürfen deren Opfer nicht in Vergessenheit geraten.
Als im August 1968 durch Zittau russische Panzer Richtung tschechoslowakische Grenze rollten, hielt es den damals 28-jährigen Manfred K. (Name geändert) nicht länger zu Hause. »Ich bin illegal rüber und habe den Einmarsch fotografiert«, sagt er. Er hat es mit anderthalb Jahren Haft bezahlt.
Die Grenzen zur Tschechoslowakei waren dicht gemacht worden. Die regelmäßigen Kontakte zu den Nachbarn waren auf einmal nicht mehr möglich. »Es war uns doch sympathisch, was dort geschah«, sagt er mit Blick auf den Prager Frühling, bei dem sich für kurze Zeit auch die Bedingungen für die dortigen Kirchen verbessert hatten. Das hatte der Christ mit Wohlwollen beobachtet. Bei seiner Fototour wurde er verhaftet – in der Nähe von Plauen. Man unterstellte ihm, in den Westen fliehen zu wollen. Er kam ins Gefängnis. »Wir waren 30 Leute in einer Zelle, in der nur Stroh lag«, erinnert er sich. »Eine Woche wurden wir gehalten wie Vieh.« Nach einem dreiviertel Jahr Untersuchungshaft das Urteil: 18 Monate Gefängnis. Anschließend wurde ihm gesagt: Wenn Sie sich nicht nach unseren Spielregeln richten, wird ihnen ein Unfall passieren. »Diese Angst«, sagt er, »ist immer noch da.«
Mit dieser Angst hat Michael Beleites täglich zu tun. Der sächsische Beauftragte für die Stasiunterlagen ist Anlaufstelle für Opfer der DDR-Diktatur. Er berät die Verfolgten, stellt Kontakte her zu Opferverbänden. »Es ist nach wie vor ein großer Bedarf da, dass Betroffene mit jemandem sprechen wollen, um ihre Geschichte zu erzählen und offene Fragen zu klären.« Für ehemalige politische Häftlinge sei zwar viel getan worden. Viele seien rehabilitiert, hätten Haftentschädigung beziehungsweise Opferpension erhalten. »Aber um die Geschädigten angemessen zu würdigen, brauchen sie eine wirkliche Entschädigung und keine ›besondere Zuwendung‹ im Sinne von symbolischen Hilfsleistungen«, sagt er.
Ehemalige politische Häftlinge sind oft ihr Leben lang gezeichnet. »Da wäre es hilfreich, wenn Ärzte oder soziale Stellen die Möglichkeit der politischen Verfolgung immer im Hinterkopf hätten und bei Gelegenheit auch danach fragten«, sagt Beleites. Doch er kennt auch andere Opfer: die systematisch schikaniert und verfolgt wurden, ohne jemals verhaftet worden zu sein. Oder die beruflich ausgegrenzt wurden.
Über »Verfolgte Schüler« hat André Wagler seine Diplomarbeit geschrieben. Er ist 1964 geboren. Ihm ist trotz guter schulischer Leistungen eine Hochschulausbildung verwehrt geblieben. Erst mit 37 Jahren hat er ein Studium »Soziale Arbeit« in Mittweida begonnen. Aus seinen Befragungen weiß er, dass es für manche hilfreich wäre, »wenn ihre jahrelange berufliche Erfahrung auch ohne entsprechende Ausbildung mit einem zugesprochenen Abschluss anerkannt würde«.
Waltraud Ahner wollte gern Berufsausbildung mit Abitur machen. Doch da sie aus einem christlichen Elternhaus stammt, nicht in der FDJ war und die Jugendweihe ablehnte, wurde sie nicht zugelassen. Nur die »politisch, fachlich und charakterlich geeignetsten Schüler« seien zur Aufnahme vorzusehen, wurde ihren Eltern geschrieben. »Der VIII. Parteitag der SED fordert, dass die künftigen leitenden Kader junge Revolutionäre sind«, hieß es da. »Auch ohne Stasihaft und Westflucht haben viele ihren Weg in der DDR gesucht und oft nicht gefunden«, sagt ihr Mann Michael Ahner, der ein ähnliches Schicksal hat. »Nach dem Ende der DDR musste man sich mit dem Gedanken abfinden, den Biografieknick nicht mehr aufholen zu können.« Waltraud Ahner versucht es gerade: Mit Anfang 50 macht sie jetzt eine Fachschulausbildung zur Erzieherin – mit der Rehabilitationsurkunde als »Verfolgte Schülerin« in der Tasche hatte sie sich darum beworben.
Manfred K. ist nicht versöhnt mit der Gegenwart. »Kaum ein ehemaliger politischer Häftling hat heute irgend eine Funktion in unserem Staat inne«, sagt der Zittauer. Und wenn er hört, in der DDR sei doch auch manches gut gewesen, entgegnet er: »Aber es war ein Sumpf.«
Christine Reuther
Sparen statt spekulieren
2. Juli 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Mit christlichen Werten ist die sächsische Kirchenbank in der Krise erfolgreich. Trotzdem soll sie sich mit der viel größeren KD-Bank in Dortmund vereinigen.

Foto: shivedi/Fotolia.com
Stolze Großbanker gehen beim Staat betteln – und die als bieder belächelten Kirchenbanken führen der Branche vor, wie man schwarze Zahlen schreibt. »Kirchliche Banken erleben geradezu einen Boom«, sagte Udo Steffens, der Präsident der Frankfurt School of Finance, dem »Handelsblatt«. »Ihre Bilanzsummen wachsen stetig.«
Auch die Landeskirchliche Kredit-Genossenschaft Sachsen (LKG), die Hausbank der sächsischen Landeskirche, kommt gut durch die Finanzkrise. »Denn wir haben nicht spekuliert, das passt nicht zu einer Kirchenbank«, sagt Ilona Pollach, die als eine der beiden Direktoren die LKG leitet. »Kaufmännische Vorsicht wird bei uns ganz groß geschrieben.«
Im letzten Jahr hat die Kirchenbank mit einer Bilanzsumme von 442 Millionen Euro einen Gewinn von knapp 900 000 Euro eingefahren, auch das laufende Jahr entwickelt sich gut. Ausgerechnet in dieser günstigen Lage kündigt der LKG-Vorstand an, im Juli mit der Dortmunder Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) Gespräche über eine Fusion zu beginnen. Auch sie ist eine Genossenschaft und sehr profitabel, doch mit einer Bilanzsumme von 4,1 Milliarden Euro zehn Mal so groß wie die sächsische Bank. Bereits seit zwei Jahren arbeitet die LKG mit der KD-Bank, die auch in Magdeburg und Berlin Filialen unterhält, zusammen.
»Wir wollen über eine Fusion sprechen, so lange wir als wirtschaftlich gesundes Institut handlungsfähig sind – und nicht erst in einer Zwangssituation«, begründet LKG-Direktorin Ilona Pollach diesen Schritt. »So wollen wir den Bestand der Bank langfristig sichern.« Doch die sei auf absehbare Zeit gar nicht gefährdet, meint der Chef des Genossenschaftsinstituts an der Universität Erlangen-Nürnberg, Richard Reichel: »Die LKG ist eine ganz normale mittelgroße Genossenschaftsbank. Ich sehe keine Notwendigkeit zur Fusion, weil sie zu klein wäre.«
Der Standort Dresden jedenfalls solle weiterbestehen, betont LKG-Chefin Pollach: »Wir wollen alle 40 Arbeitsplätze und unseren traditionsreichen Namen erhalten.«
Die Besitzer der Kreditgenossenschaft jedoch – die sächsischen Kirchgemeinden und kirchlichen Werke – werden an Einfluss
verlieren. Denn den 1087 LKG-Genossenschaftsmitgliedern stehen 3225 Anteilseignern der KD-Bank gegenüber, und deren jährliche Generalversammlung findet bisher stets in Dortmund statt. Das werden die sächsischen Mitglieder bei ihrer Entscheidung über die Fusion bedenken müssen. Doch die Verbundenheit der Gemeinden und diakonischen Einrichtungen mit ihrer Bank ist mancherorts locker geworden.
Eigentlich war die LKG 1925 gegründet worden, um die Kirche mit günstigen Krediten zu versorgen. Doch heute wird nicht einmal jeder dritte Euro, den Kunden bei der LKG anlegen, als Darlehen wieder vergeben – ein im Vergleich mit anderen Banken relativ niedriger Wert. Das Diakoniewerk Westsachsen etwa findet gute Kreditgeber auch bei regionalen Banken. Ihr Geld jedoch lege seine Einrichtung weiterhin bei der LKG an, sagt der Glauchauer Diakonie-Geschäftsführer Traugott Kemmesies. »Dabei sind uns ethische Kriterien wichtig. Leider ist es bei der LKG schwer nachvollziehbar, was mit dem Geld passiert.«
Es werde zum größten Teil im genossenschaftlichen Finanzverbund angelegt, derzeit nicht in Aktien – sehr sicher, sagt LKG-Direktorin Pollach. »Doch wir haben nicht die absolute Transparenz.« Ein System, das Aktien und Anleihen auf ihren ethischen Wert hin durchleuchtet, koste sehr viel Geld.
Die Dortmunder KD-Bank hat im letzten Jahr einen solchen »Nachhaltigkeitsfilter« eingeführt. Eine Handvoll ethisch orientierter Genossenschaftsbanken praktiziert das schon seit Jahren. Sie sind klein – und dennoch äußerst erfolgreich. Gerade in der Krise. So wie die LKG bei ihrer Gründung im Jahr 1925.
Andreas Roth
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