Ein Satz der Hoffnung als Hilfe zum Leben
27. August 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche

Foto: Ilker, sxc.hu
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesaja 42, Vers 3
Solche Abende müsste es öfter geben! Freunde hatten uns in ihren herrlichen Garten eingeladen. Schon lange war die Sonne untergegangen, wir saßen am Feuer und es gab viel zu erzählen. In der Stille dieses Abends wurden die Gespräche immer intensiver. Einer erzählte von der Krankheit seines Nachbarn. Da ist keine Hoffnung mehr, sagte er. Man kann nur noch etwas gegen die Schmerzen tun.
Wir redeten lange miteinander. Wäre da Hoffnung nicht auch wie ein Hohn angesichts der fortgeschrittenen Krankheit? Hoffnung, worauf? Es geht nicht ums vertrösten wider besseren Wissens! Wird schon wieder werden – das ist Lüge im Angesicht des Todes. Und trotzdem: Ist es nicht gut zu wissen, dass unsere Grenzen für Gott nicht gelten? Ist es nicht gut zu wissen, dass Sein Leben bleibt?
In Kabul gab es wieder einen Anschlag. Menschen wurden verletzt. Mindestens 95 Menschen kommen in Bagdad ums Leben. Es muss doch einmal fruchten, dass so viele Menschen sich dort für ein friedliches Miteinander einsetzen! Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wir erleben einen guten Abend am Feuer. Die Glut glimmt noch, als wir gehen.
»Den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen«. So sagt der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes zu seinem Volk. Das sagt er in schwieriger Situation. Das Volk, mit dem Gott seinen Bund geschlossen hat am Berg Sinai, das großartige Befreiungserfahrungen mit Gott gemacht hat, ist in der Verbannung. Es hat alles aufgeben müssen: Heimat, Freunde, Tempel. Die Hoffnung droht zu schwinden. Dass sie jemals wieder in ihre Heimat kommen, können sie nicht mehr glauben. Da sagt Gott durch den Propheten seinen Menschen zu, dass er das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen wird.
Das ist ein Satz der Hoffnung. Ich brauche diesen Satz als Hilfe zum Leben. Danke Gott, dass die Hoffnung, die in dir gegründet ist, bleibt – über alle unsere Grenzen hinaus.
Uta Krusche-Räder ist Superintendentin des Kirchenbezirks Pirna.
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