… dass Eltern nicht streiten

Sie tragen ihre selbstgestalteten Kerzen zum Altar: Rund 650 Grundschülerinnen und -schüler nahmen am 9. Oktober am ersten Friedensgebet für Kinder in der Leipziger Nikolaikirche teil. Foto: Uwe Winkler

Sie tragen ihre selbstgestalteten Kerzen zum Altar: Rund 650 Grundschülerinnen und -schüler nahmen am 9. Oktober am ersten Friedensgebet für Kinder in der Leipziger Nikolaikirche teil. Foto: Uwe Winkler

Die Nikolaikirche war fast so voll wie bei den Friedensgebeten vor 20 Jahren. Doch am 9. Oktober 2009 waren es hunderte Kinder, die in die Kirche strömten. Über 650 Schülerinnen und Schüler aus elf Leipziger Grundschulen hatten sich zum Friedensgebet für Kinder angemeldet.

»Es ist ganz, ganz wichtig, die Erfahrungen der Friedensgebete vor 20 Jahren an die Kinder weiterzugeben«, sagt der Leiziger Superintendent Martin Henker. Die Ereignisse im Herbst 1989 in der DDR sollten auch von der näch­sten Generation angenommen und als wertvoll geschätzt werden.

In ihrem Anspiel zu Beginn des Friedensgebets erzählen die Kinder von Eitelkeit und Neid, Streit und Hänseleien, Angst, Gewalt und Einsamkeit. Und erst als sie in ihrer Geschichte zu einer gemeinsamen Aktivität zusammenfinden, bauen sie auf dem Altarplatz Kartons auf mit Aufschriften wie Neugierde, Zusammenhalt, Entschuldigung und Frieden.

»Wohl denen, die Frieden bringen.« Über diese Bibelworte spricht der Leipziger Bezirkskatechet Uwe Hahn zu den Kindern. »Es ist so schwer, die Hand auszustrecken, wo Fäuste geballt sind«, sagt er. »Aber einer muss die Hand ausstrecken zur Versöhnung, vielleicht bist Du es«, sagt er.

Die Kinder haben Kerzen gestaltet, die sie anzünden und zum Altar tragen. Und einige treten vor, um zu erzählen, was ihnen Frieden bedeutet: »Frieden ist, wenn sich Menschen vertragen, wenn es keinen Nachbarschaftsstreit gibt, Frieden kennt keine Waffen. Frieden heißt: keine Schießereien in Ländern, die arm sind«, sagen sie. Und beim Gebet benennen sie ihre Wünsche, wie das gehen könnte: »Dass mehr Leute an Gott glauben, dass sich Eltern nicht streiten, dass es keine Todesstrafe mehr gibt, dass es in Afghanistan und überall keinen Krieg mehr gibt«, lauten die vorgetragenen Bitten.

Vorbereitet hatten die Andacht Schüler des Evangelischen Schulzentrums, des katholischen Maria-Montessori-Schulzentrums und der freien Schule »Clara Schumann«. Das Friedensgebet für Kinder war der Auftakt für die zahlreichen Veranstaltungen zur Erinnerung an die große Montagsdemonstration in Leipzig am 9. Oktober 1989.

Christine Reuther

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