Den garstigen Graben der Spaltung überwinden
30. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche

Foto: Nate Brelsford, sxc.hu
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12, Vers 21
Ein großes Wort für mutige Leute. Es sagt genau das Gegenteil von »Auge um Auge, Zahn um Zahn«. Also nicht vergelten, sondern vergeben. Keine Rache, sondern Frieden suchen mit allen Menschen. Es geht Paulus dabei nicht um einen sittlichen Idealismus, sondern um das einzige siegreiche Mittel im Kampf gegen das Böse in der Welt. Das Böse darf nicht einfach nur geduldet, ertragen, verschwiegen, sondern es kann besiegt werden – nur mit anderen Mitteln.
Das Böse ist in der Welt und zerstört bis heute Familien, Leben, Völker – aber Menschen, die im Geist Christi brennen, haben ein Mittel dagegen: Gewaltverzicht, Friedensbereitschaft, Gutes tun mit einer hingebenden, versöhnenden Liebe.
Haben wir nicht erst an die Friedliche Revolution 1989 erinnert? So sahen Sieger aus: Aufrecht gehend durch die Rückenstärkung der Gebete mit Kerzen in den Händen riefen sie »Keine Gewalt« und forderten ihre Bürgerrechte. Und es geschah so, wider aller Erwartungen auf beiden Seiten! Die Gewalt der Waffen, der Spitzel, der Angst und Lügen wurde besiegt durch den Mut derer, die auf Hass und Rache verzichteten. Das Böse wurde vom Guten überwunden. Welch ein Triumph, der unser Land, ja ganz Europa verändert hat.
Durch Geschichte und eigene Erfahrung ist vielfach bestätigt: Vergeltung schafft keinen Frieden, Opfer von Gewalt werden nicht getröstet durch Rache. Denn: Schlägst du zurück, machst du dich auch schuldig und außer bei Notwehr bleibt das nicht ungesühnt. Nur das Gute kann das Böse überwinden.
Das gilt auch für unsere Kirchen: Lasst euch nicht vom Hass, der Vergeltung und Verachtung, der Verdammungen und Kriege zwischen den christlichen Konfessionen weiter bestimmen, sondern überwindet endlich den garstigen Graben der Spaltung und Demütigungen mit dem Gebet und dem Willen zur Einheit in versöhnter Vielfalt.
Reformationsfest feiern heißt eben nicht, über die Katholiken triumphieren, sondern ihnen die Hände reichen in ökumenischer Gastfreundschaft und gemeinsam dafür kämpfen, dass der 2. Ökumenische Kirchentag nächstes Jahr in München die Tür zur Versöhnung im gemeinsamen Feiern der einen Kirche Jesu Christi am Tisch des Herrn weit aufstößt.
Pfarrer Klaus Kaden ist Rektor der Dresdner Diakonissenanstalt.
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