Ernste Aufgaben
19. November 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Sachsen
Johannes Kimme wird neuer Präsident des Landeskirchenamtes – und steht vor großen Herausforderungen.

Freude nach der Wahl: Noch-Präsident Hans-Dieter Hofmann, Landesbischof Jochen Bohl und Synodenpräsident Otto Guse (v. l.) gratulieren Johannes Kimme, dem neuen Präsidenten des Landeskirchenamts. Foto: Steffen Giersch
Einen Tag lang hatte sich die Synode für die Wahl Zeit genommen, doch bereits am Mittag des 14. November 2009 war es entschieden: Johannes Kimme wird neuer Präsident des Landeskirchenamtes. Schon nach dem ersten Wahlgang zeichnete es sich ab. Da fielen auf ihn 44 und auf den zweiten Kandidaten Thomas Schlichting 17 Stimmen der 75 anwesenden Synodalen. Um die erforderliche Zweidrittelmehrheit zu erreichen, wurde nach drei Stunden der zweite Wahlgang anberaumt. Dieser brachte das Ergebnis: Es stimmten 58 Synodale für Johannes Kimme und 10 für Thomas Schlichting.
Beide Kandidaten hatten sich am Vorabend ausgiebig den Synodalen vorgestellt: Thomas Schlichting als Verwaltungsjurist in Dresden, Bautzen und Leipzig, wo er das Regionalkirchenamt leitet. Dort hat er auf verschiedenen Ebenen Erfahrungen im Umgang mit der kirchlichen Gesetzgebung gesammelt.
Johannes Kimme, elftes Kind des früheren Leipziger Missionsdirektors August Kimme, brachte seine Erfahrungen als Verwaltungsrichter und Präsident großer Landesbehörden zum Ausdruck. Von 1990 bis 2007 leitete er das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen, seit Januar 2009 als Vizedirektor die Landesdirektion Leipzig. »Zuhören und erkennen, was der Nächste will – nur so hat man eine Vertrauensbasis«, hatte er zu seinen Vorstellungen im Umgang mit den Mitarbeitern gesagt.
Dass mit Johannes Kimme »jemand von außen« das Landeskirchenamt leiten wird, darüber zeigte sich Synodenpräsident Otto Guse gegenüber dem Sonntag erfreut. Dem neugewählten Landeskirchenamtspräsidenten legte er ans Herz: »Sie haben unsere Stimme, unser Vertrauen haben Sie damit noch nicht.« Vertrauen wachse langsam und vor der Landeskirche lägen ernste Aufgaben.
Wie ernst die Lage ist, das machte der Haushaltsplan für 2010 deutlich: Nach einem Überschuss von rund 3 Millionen Euro im Jahr 2008 geht es nun an die Rücklagen. Im kommenden Jahr ist bei einem Gesamthaushalt von 160,7 Millionen Euro ein Defizit von 3,4 Millionen Euro vorhanden. Dieses soll unter anderem auch dadurch ausgeglichen werden, dass dem Pensionsfond keine Rücklagen zugeführt werden. Dieser enthalte gegenwärtig mit 35,7 Millionen Euro etwa ein Drittel der angestrebten 100-prozentigen Rücklage, sagte Finanzdezernent Reinhard Kersten vor der Synode. Deshalb müssten für die Pensionen noch Haushaltsmittel verwendet werden.
Ein positives Signal an die Jugend hingegen setzten Landeskirchenamt und Synode, indem sie den ursprünglichen Hauhaltsentwurf noch um die Summe von 340 000 Euro zugunsten der Sanierung des baufälligen Domizils der Leipziger Studentengemeinde erhöhten.
Trotz des absehbaren Rückgangs der Kirchensteuereinnahmen sowie des EKD-Finanzausgleichs sind zwei Dinge sicher: Es darf nie zur Aufnahme von Krediten kommen, wie der scheidende Landeskirchenamtspräsident Hans-Dieter Hofmann sagte. Und: Bis zum Jahr 2013 gibt es keine Kürzungen bei den Stellen im Verkündigungsdienst. »Zu dieser Zusage können wir stehen, und das ist auch keine Überraschung für die Gemeinden«, sagte Synodenvizepräsidentin Bettina Westfeld.
Wie es ab 2014 in den Gemeinden, kirchlichen Werken und Einrichtungen weitergeht, dafür gibt es bereits eine Arbeitsgruppe.
Und dabei werden auch die Kompetenzen des neuen Landeskirchenamtspräsidenten gefragt sein, der nach seiner Wahl vor der Synode versicherte, das Amt »würdig, initiativ, freudig und humorvoll« auszufüllen.
Christine Reuther
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