Wenn dein Kind dich fragt …

3. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Die Welt schaut in diesen Tagen auf Kopenhagen und den Klimagipfel. Doch was können Sachsen, was kann Kirche gegen die Erderwärmung tun?

Foto: Ramona Heim - Fotolia.com

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Etwas treibt Tobias Funke um: »Was ist, wenn unsere Kinder uns fragen: Ihr habt es gewusst, warum habt ihr nichts gegen den Klimawandel getan?«. Der junge Vater gehört zum Ausschuss für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in der Leipziger Thomasgemeinde. Und weil nicht nur ihn diese Frage umtreibt, organisiert dieser Ausschuss jedes Jahr am Buß- und Bettag eine Veranstaltung zu Umweltthemen. Dort wurde in diesem Jahr Klartext zum Klimawandel geredet.

»Sachsen ist stark am Klimawandel beteiligt, durch die Energiegewinnung aus Braunkohle«, sagt Michael Weichert, Christ und Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. »Schneearme Winter werden die Regel sein, Wetterextreme werden zunehmen, die Lausitz wird versteppen«, sagt der Politiker für das Jahr 2020 voraus. Und er erinnert an das Klimaziel, die Erderwärmung nicht über zwei Grad steigen zu lassen.

Wieviel die Sachsen zum Klimawandel beitragen, ist leicht gesagt: Noch sind es 13 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf im Jahr. Um das Klimaziel zu erreichen, dürften es nur noch zwei Tonnen sein, so Weichert. Da heißt es umdenken, weg von der Braunkohle, hin zu erneuerbaren Energien. Und da heißt es: Energie sparen.

»Man kann allein mit Verhaltensänderungen zehn bis fünfzehn Prozent der Kosten und der Klimabelastung sparen«, ist sich Joachim Krause sicher. Der Umweltbeauftragte der sächsischen Landeskirche berät Kirchgemeinden, wie sie effizienter mit Energie umgehen können. »Bei Besuchen in Gemeindehäusern erlebe ich oft, dass jedes zweite Fenster angekippt ist«, sagt er. »Da stehen jedem Energieberater die Haare zu Berge«, so Krause.

Mit einem Energieberater durch die eigenen Räume zu gehen, bringe manche Entdeckung und manche Einsparmöglichkeit: Heizanlagen, die von Winter- auf Sommerbetrieb umgestellt werden können oder Wärmedämmung an Decken und Wänden. »Wir sollten nicht unterschätzen, was Kirche tun kann«, sagt Joachim Krause. Kirche und Diakonie seien die größten Arbeitgeber in Deutschland. »Und entsprechend viele Immobilien haben wir«, so der Umweltbeauftragte. Deshalb dürfe Kirche den sparsamen Umgang mit Energie nicht vernachlässigen.

Und deshalb unterstützt die Landeskirche Schritte zum Energiemanagement in Kirchgemeinden. »In Zusammenarbeit mit der sächsischen Energieagentur SAENA werden Energieteams geschult«, sagt Frank del Chin vom Landeskirchenamt. Diese erheben dann Gebäude- und Verbrauchsdaten, die wiederum einem Energieberater vorgelegt werden. »Dann werden Empfehlungen gegeben, wie Energie eingespart werden kann«, so del Chin. Bis zu 75 Prozent der Kosten des Energieberaters übernehme die SAENA. Das Projekt werde auch 2010 fortgeführt.

Darüber hinaus beteiligt sich die Landeskirche an einem Förderprogramm des Bundesumweltministeriums. Bei bis zu 100 kirchlichen Gebäuden können Daten zum Energieverbrauch erhoben werden, um langfristig Vorschläge zur Einsparung von Kohlendioxid und Energiekosten machen zu können. Alle Gemeinden sind dazu angeschrieben worden.

In der Leipziger Thomasgemeinde sind die Appelle angekommen. Sie ist eine von 20 sächsischen Kirchgemeinden, die sich dem Energiemanagement angeschlossen haben. Und sie hat erreicht, dass auch die Leipziger Kirchenbezirkssynode einen Ausschuss für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einrichtet. »Wir wollen Themen wie Solarstrom von Kirchendächern, Energiemanagement oder fairen Handel an die Gemeindebasis bringen«, so Tobias Funke. Oder wie es Michael Weichert formuliert: »Wir brauchen mehr Eigenverantwortung, mehr Glauben und mehr Optimismus.«

Christine Reuther

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