Trotz aller Umdeutungen

17. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Jolka Igolka

Foto: Jolka Igolka

Mit Weihnachten ist das so eine Sache. Eines der christlichsten Feste musste sich immer wieder gefallen lassen, uminterpretiert zu werden. Politik, Folklore und germanisierendes Brauchtum haben das Fest zu vereinnahmen gesucht. Es wurde als nordisches Lichterfest gedeutet, das seinen Ursprung in der Feier der Wintersonnenwende bei germanischen Stämmen habe. Zu DDR-Zeiten kam sogar Väterchen Frost aus dem Osten Europas über uns.

Heute weiß man, dass im 4. Jahrhundert in Rom erstmals Weihnachtspredigten gehalten wurden, es die ersten Weihnachtsfeiern gab. Zunächst wohl auch an diesem Tag, um die heidnischen Feiern für den römischen Sonnengott am 25.Dezember endlich abzuschaffen. Stattdessen sollte lieber der Geburt Christi, des eigentlichen Heilsbringers, gedacht werden.

Allerdings war dessen Geburtsdatum nicht bekannt. Beim Konzil von Kon­stantinopel – dem heutigen Istanbul – wurde 381 schließlich das Fest zu diesem Datum für die gesamte Christenheit als verbindlich erklärt.

Seit über tausendsechshundert Jahren feiern wir Christen am 25. Dezember nun die Christgeburt. Jahr für Jahr hören wir das »Frieden auf Erden«, das die Engel den Hirten zuriefen. Alle Menschen wissen: Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Friedens. Benachteiligte und Ausgegrenzte erfahren besondere Aufmerksamkeit. Es werden Feiern für Obdachlose und Einsame ausgerichtet.

Auf der ganzen Welt verbinden die Menschen mit Weihnachten den Gedanken an Versöhnung, Zuwendung und an Hoffnung auf ein besseres Leben. Das ist das eigentlich Faszinierende an Weihnachten: Die biblische Botschaft, die mit Jesus in die Welt kam, scheint angekommen zu sein. Allen Umdeutungen zum Trotz.

Christine Reuther

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