»Lähmende Ohnmacht«

15. Januar 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Sachsen, Westsachsen

Gornsdorfer Christen fordern Gerechtigkeit für die im Oman verurteilte Dana Gerlich.

Ob Dana Gerlich wirklich schuldig ist, bleibt unbewiesen. Sicher aber ist: Schon jetzt hat ihr Fall viel Schaden angerichtet. Viele Menschen in ihrer erzgebirgischen Heimat um Gornsdorf haben einiges an Zutrauen in die Demokratie und den Rechtsstaat verloren. Sie engagieren sich für ein gerechtes Urteil über die 35-Jährige aus ihrem Dorf. Und rennen damit gegen unsichtbare Mauern.

Über 2400 Unterschriften hat die Initiativgruppe um Pfarrer Gottfried Görner, Christa Weinhold und Reiner Pohl (v. l.) für Dana Gerlich gesammelt. Sachsens Ministerpräsident lehnte ihr Gnadengesuch dennoch ab.  (Foto: Steffen Giersch)

Über 2400 Unterschriften hat die Initiativgruppe um Pfarrer Gottfried Görner, Christa Weinhold und Reiner Pohl (v. l.) für Dana Gerlich gesammelt. Sachsens Ministerpräsident lehnte ihr Gnadengesuch dennoch ab. (Foto: Steffen Giersch)

Am 17. Juli 2004 wurde Dana Gerlich im Oman zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie soll die Mörder ihres Vaters beauftragt haben. »Doch warum ist sie dann nach der Beisetzung ihres Vaters in Deutschland in den Oman zurückgeflogen, obwohl sie wusste, dass die Mörder gefasst worden waren?«, kritisiert der Gornsdorfer Pfarrer Gottfried Görner das unter fragwürdigen Bedingungen zustandegekommene Urteil. Doch das Chemnitzer Landgericht musste es anerkennen, damit Dana Gerlich ihre Strafe in Deutschland verbüßen kann.

»Das Auswärtige Amt hat ihrer Mutter jedoch schriftlich bestätigt, dass der Oman keine Einwände hätte, wenn ihre Tochter nach fünf Jahren Haft freikommt«, sagt Pfarrer Görner.

Im Mai 2009 schrieb die in Chemnitz Inhaftierte deshalb ein Gnadengesuch an Ministerpräsident Stanislaw Tillich. »Sieben Monate lang bekam sie von der Staatsregierung keine Antwort«, sagt der Pfarrer, der sah, wie Dana Gerlich körperlich und seelisch schwer unter der Ungewissheit litt. »Als Christ sage ich: So kann man mit einem Menschen nicht umgehen.«

Um das Gnadengesuch zu unterstützen, sammelte eine Gruppe um Pfarrer Görner und Gerlichs früheren Sportlehrer Reiner Pohl 2400 Unterschriften. Die Antwort von Staatskanzleiminister Johannes Beermann: Es sei »unüblich«, Einfluss auf ein Gnadengesuch zu nehmen. Aus der CDU-Landtagsfraktion wurde der Burkhardtsdorferin Christa Weinhold beschieden: Der Staat lasse sich nicht erpressen. »Wie können 2400 Unterschriften als Erpressung verstanden werden?«, wundert sich die Christin über dieses Demokratieverständnis.

Kurz vor Weihnachten wurde Dana Gerlichs Gnadengesuch vom Minister­präsidenten abgewiesen. Von den Gründen für die Entscheidung kein Wort. »Sind wir so unmündig?«, fragt Pfarrer Gottfried Görner. Bei seinem letzten Besuch im Gefängnis übergab ihm Dana Gerlich einen Brief. »Ich bin verzweifelt und von einer lähmenden Ohnmacht erfüllt«, schreibt sie: »Ich werde in Deutschland nie die Chance auf einen fairen Prozess bekommen.«

Ihre letzten Hoffnungen setzen sie und viele Gornsdorfer auf den Europäischen Gerichtshof. Von Sachsens Regierung erwarten sie nichts mehr.

Andreas Roth

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Reaktionen unserer Leser

4 Lesermeinungen zu “»Lähmende Ohnmacht«”
  1. Anja Stein sagt:

    Ich kanns es einfach nicht glauben, wie hier mit einem Menschen umgegangen wird!!! Das hat für mich nichts mehr mit einem Rechtsstaat zu tun! Auch ich bin vollkommen von Dana Gerlichs Unschuld überzeugt, aber abgesehen davon, steht jedem ein fairer Prozess zu und den hat sie nun einmal leider nicht bekommen. Wie kann man nur ein Leben so leichtfertig zerstören. Ihr wurden schon so viele wichtige Lebensjahre gestohlen. Jetzt ist endlich einmal Zeit für Gerechtigkeit! Von Herrn Tillich bin ich bitter enttäuscht! Das hätte ich nicht von ihm erwartet!!!

  2. Dieter Häcker sagt:

    Woher weiß Anja Stein eigentlich so genau, dass Frau Gerlich unschuldig ist ? Und woher weiß sie, dass Frau Gerlich in Oman keinen fairen Prozess erhalten hat ? Wieviele von den 2.400 Unterzeichnern der Petition kennen eigentlich Frau Gerlich näher ? Oder spielt mal wieder nur die Legende eine Rolle, dass Gewalt im wesentlichen männlich ist ?

  3. Lutz Schuster sagt:

    Herr Häcker, das für Frau Gerlich Sachsen zuständig ist, dass ist das Problem. Denn in jeden anderen Bundesland währe sie u. a. auf Grund des Winks vom Auswärtigen Amt höchstwahrscheinlich begnadigt worden. Allgemein bekannt ist, dass man schnell in Oman unschuldig Verurteilt wird und auch einiges über den fragwürdigen sächsischen juristischen Sumpf, leider und das ist das Problem von Frau Gerlich.
    Sie kann sich trösten mit anderen Sachsen die unschuldig verurteilt wurden oder vielleicht auch mit Jesus, er wurde ja auch unschuldig Verurteilt.
    Vielleicht hilft ihr auch der europäische Gerichtshof, wenn man hier die sächsischen Bürokraten und ihre Spielchen durchschaut.
    Pfarrer Görner sollten wir daher alle vorbehaltlos unterstützen!

  4. CHRISTA KELZ sagt:

    Auch ich erwarte nichts mehr von Sachsens Regierung im Fall Dana. Die Ablehnung ihres Gnadengesuches hat unsere Familie zutiefst betroffen gemacht und erinnert mich an die Ungerechtigkeiten und die Ohnmacht der Menschen in der DDR. Wir wußten oft, dass vieles falsch wahr, konnten aber nichts dagegen tun.

    Unsere Familie kennt Dana seit ihrer frühen Kindheit sehr gut, denn sie ist so alt wie unsere Tochter u. wir sind von Danas Unschuld überzeugt.

    In den vergangenen Jahren von Danas Haft im Oman und in Deutschland hatte ich ständig mit ihr Kontakt und sie und auch ihre Mutter haben Schlimmes durchgemacht und tun es noch. Dana schrieb mir aber u.a. auch: …so lange Menschen für mich kämpfen und uns unterstützen, werde ich nicht aufgeben…

    Deshalb meine Bitte an alle Leser, auch wenn Sie Dana nicht kennen, verfolgen Sie den Fall mit Ihrer Aufmerksamkeit und unterstützen Sie Herrn Pfarrer Görner.

    Für Herrn Hecker möchte ich noch ergänzen, dass sehr viele der Unterzeichneten Dana sehr wohl kennen und wissen, dass sie eine Heilerin ist und keine Mörderin.

    Ob der Prozess im Oman fair war? Warum waren in diesem angeblich weltoffenen Land eigentlich keine neutralen, der Landessprache mächtigen Beobachter zum Prozess zugelassen? In einer Zeitung habe ich sogar gelesen, dass die Gefangenen zur Verhandlung in einem Käfig vorgeführt wurden???

    Aber ich weiss, wie die Bedingungen von Danas Untersuchungshaft – VOR dem Prozess – waren.

    Sie wurde 4 Wochen lang in einem 2×2m großen Zimmer ohne Fenster, ohne Uhr, dafür mit 24 Stunden Dauerbeleuchtung festgehalten. Sie durfte nichts zu schreiben haben, am Anfang nicht einmal etwas zu lesen. Sie durfte niemand anrufen, wurde aber immer wieder zu Verhören geholt. Sie wußte nicht ob Tag oder Nacht war, ab und zu ging die Tür auf und man brachte ihr etwas zu essen, was sie fast nie anrührte. Zu anderen Gefangenen durfte sie keinen Kontakt haben, zum Toilettengang mußte sie klingeln, 1x täglich durfte sie duschen. Duschen und Toilette unter Aufsicht. Nach einigen Tagen bettelte sie darum ein wenig auf einem 5m langen Gang gehen zu dürfen, weil sie höllische Rückenschmerzen hatte, was man ihr schließlich für 20min erlaubte.

    Wie oben schon erwähnt, dies war in der Zeit VOR ihrer Verurteilung.

    Wir hoffen alle sehr, dass Dana bald frei ist und werden nicht aufhören für sie da zu sein.