Arm an Würde
21. Januar 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar

Ministerpräsident Roland Koch © Armin Kübelbeck
Niemand dürfe das Leben von Hartz-IV-Bezügen als angenehme Variante sehen. Das hat der CDU-Politiker Roland Koch im Interview einer Zeitschrift gesagt. Der hessische Ministerpräsident geht davon aus, dass einige Hartz-IV-Empfänger ihren Status genauso sehen: als angenehm. Vielleicht der Vater, der ein Jahr nach Streichung seiner Stelle noch immer nicht in Arbeit ist und nun nur noch 359 Euro zum Familieneinkommen beitragen kann? Vielleicht die alleinerziehende Mutter, die wegen ihrer Kinder keiner einstellen will?
Wenn der hessische Ministerpräsident Roland Koch fordert, dass diese Menschen für den Regelsatz der Sozialhilfe auch arbeiten sollen – egal wie, egal wo, vielleicht sogar egal warum –, ist das ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen. Viele sind unverschuldet in die soziale Schieflage geraten und werden bei polemischen Argumenten gern mit denen über einen Kamm geschoren, die sich in der Hartz-IV-Welt vielleicht tatsächlich eingerichtet haben.
Wer glaubt denn wirklich noch, dass jemand das Leben von Hartz IV als angenehm empfinden kann? Die Betroffenen sind arm an finanziellen Mitteln, wobei schon eine kaputte Waschmaschine eine Katastrophe bedeuten kann. Sie sind arm an Entscheidungsfreiheit, wenn in vielen Fällen das Angebot der örtlichen Tafel den Speiseplan der Familien bestimmt. Sie sind arm an Bildung, weil Bücher das Budget sprengen. Sie sind arm an Kultur, weil Ausstellung, Theater oder schon das Kino auch zu ermäßigten Sätzen viel zu teuer sind.
Wenn der Ingenieur, die Lehrerin, der Maler und der Postzusteller nun auch noch zu Tätigkeiten gezwungen werden, in denen sie mit ihren Fähigkeiten keinen Sinn entdecken können, werden sie auch noch arm an Recht und Würde. Das sollte niemand zulassen.
Corinna Buschow
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Guten Abend Frau Corinna Buschow,
ich habe Ihren Artikel aufmerksam gelesen und würde Ihnen dazu gern meine Meinung mitteilen.
Also ich stimme der Aussage von Herrm Koch 100%ig zu. Hartz-IV darf nicht als “angenehme Variante” gesehen werden. Es sollte eine Notlösung sein, für die Menschen die wirklich keine Chance haben Arbeit zu bekommen. Die also körperlich oder geistig nicht in der Lage sind. Alle anderen sind verpflichtet sich um Arbeit zu bemühen.
Zu ihrer Aussage: “Wer glaubt denn wirklich noch, dass jemand das Leben von Hartz-IV als angenehm empfinden kann?” Ich glaube nicht das Sie, um diese Aussage zu treffen, genügend recherchiert haben. Ich kenne einige die sich mit Ihrer Stellung sehr wohl fühlen.Und diese Beispiele für Hartz-IV-Empfänger sind meiner Meinung nach sehr abgedroschen. Es gibt genügend Empfänger die keine Familie haben. Natürlich sind auch Familienväter bzw. -mütter dabei aber in diesem Kontext hat das die falsche Wirkung.
Was ist denn mit den Müttern/Vätern die zwei Jobs und Kinder haben? Es gibt genügend Menschen die z.B.mehrere Jobs; Kinder; kranke, pflegebedürftige Eltern;etc haben und die das alles unter einen Hut bekommen müssen. Die gehen Arbeiten und haben trotzdem manchmal weniger oder nur geringfühgig mehr als einige Hartz-IV-Empfänger.
Hartz-IV Empfänger müssen für das Geld was sie im Monat bekommen nichts tun und dafür ist es mehr als ausreichend.
“Die Betroffenen sind arm an finanziellen Mitteln” –> Wie viel sollten sie denn Ihrer Meinung nach bekommen? Die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse sind abgedeckt: Essen&Trinken, ein warmer Platz zum Schlafen, Grundbildung,…
Natürlich sind sie finanziell eingeschrängt, aber wer ist das nicht?
Ich kann mir auch nicht jedes Buch, das mich interessiert, kaufen. Aber wozu gibt es denn Bibliotheken? Ausstellungen, Theater und Kino sind halt auch etwas besonderes. Wenn ich so etwas genießen will muss ich auch an einer anderen Stelle sparen. Dies ist wirklich nicht lebensnotwendig und muss auch nicht für jeden zur Verfühgung gestellt werden.
Ich denke sie haben vielen Menschen, so wie mir eine falsche Botschaft vermittelt.
Den Menschen die sich Ihr lebenlang um Arbeit bemüht haben und auch immer welche bekommen haben. Aber was für eine? Trotzdem sind sich einige, auch für “nicht so schöne Arbeiten”, nicht zuschade. Sie haben sich Ihr Geld (auch wenn es vielleicht sogar weniger als Hartz-IV ist) verdient. Sie haben dafür hart gearbeitet und nicht zu Hause gesessen.
Ich meine, auch wenn es einige Hartz-IV-Empfänger gibt, die wirklich nach Arbeit suchen und einfach keine finden…was hällt diese Menschen davon ab, sich wenigstens irgendwo Ehrenamtlich zu engagieren??
Es gibt doch wirklich genügend Stellen wo Hilfe benötigt wird. Und wenn es die Küche oder Ausgabe der Tafel ist, bei der man sein Essen holt.
Ich denke es ist nicht zuviel verlangt, dass man für das Geld, was man vom Staat (–> der arbeitenden Bevölkerung) bekommt auch etwas wiedergibt.
Jeden Tag verliert Thüringen und Sa- Anhalt 100 Menschen durch Abwanderung! Das ist in einer Woche ein ganzes Dorf!!!! Könnte Harz 4 und die Perspektivlosigkeit mit Grund dafür sein, daß es die Menschen nicht mehr in ihrer Heimat hält? Verschärfen nicht “Wirtschaftliche Ungerechtigkeiten” Harz 4?????