Gesicht zeigen

4. Februar 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
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Foto: Alexx, sxc.hu

Foto: Alexx, sxc.hu

Die Schelte ist oft zur Hand: Wer sich gegen Rechts wehrt, wird leicht als zu links bezeichnet. Das ist die Erfahrung der landeskirchlichen Arbeitsgruppe gegen Rechtsextremismus, die beim einem Fachtag am vergangenen Montag zur Sprache kam. Doch es geht nicht um rechts oder links. Es geht um Gewaltverherrlichung, Menschenverachtung und nicht zuletzt um die Abschaffung der Demokratie.

Demokratie heißt zwar, die Andersdenkenden auszuhalten. Aber sie ermöglicht, mit Zivilcourage allen denen zu begegnen, die mit Gewalttaten, Verunglimpfung und Verhöhnung ihren Mitmenschen gegenüber treten. Vor allem wir Christen sind hier gefragt, denn unser Glaube fußt auf einem anderen Menschenbild.

In Dresden entsteht gerade so etwas wie eine Solidaritätsbewegung gegen jede Form von Rechtsextremismus. Die Stadt ist in den letzten Jahren am 13. Februar geplagt von Aufmärschen europäischer Neonazis. Eine Menschenkette soll ihnen zeigen: Wir wollen das nicht.

In einer Großstadt mag es leicht sein, viele Menschen für solch ein Anliegen zu mobilisieren. Auf dem Land sieht es da schon anders aus. Da kennt man sich und wird gekannt. Da steht jeder mit seinem Gesicht für seine Haltung. Entsprechend schwer ist es dort, Gesicht zu zeigen gegen Aufmärsche von Neonazis und gegen ihre Straftaten. Und doch gibt es auch dort Menschen, die sich wehren. Doch vielerorts mangelt es an der Gemeinsamkeit, oft sind es nur Einzelkämpfer, die auch noch mit den eingangs genannten Vorurteilen konfrontiert werden.

Umso mehr könnte auch hier die Kirche ein Dach bieten, um die Menschen zu vernetzen, die Gesicht zeigen wollen. Die Polizei jedenfalls zeigt sich diesen Bemühungen gegenüber offen, wie der Fachtag am Montag zeigte.

Christine Reuther

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Reaktionen unserer Leser

2 Lesermeinungen zu “Gesicht zeigen”
  1. Kralle sagt:

    Ein schöner Artikel. Vor allem dieser Satz:
    “Demokratie heißt zwar, die Andersdenkenden auszuhalten. Aber sie ermöglicht, mit Zivilcourage allen denen zu begegnen, die mit Gewalttaten, Verunglimpfung und Verhöhnung ihren Mitmenschen gegenüber treten. Vor allem wir Christen sind hier gefragt, denn unser Glaube fußt auf einem anderen Menschenbild. ”

    Es wäre wirklich angebracht, dagegen mal etwas zu tun, eine Kampagne zu starten gegen jugendliche Muslime, die in unseren Städten grundlos Menschen ins Koma treten u.Ä. Das sagt Ihnen jetzt ein ganz normaler Bürger dieses Landes, der keineswegs politisch engagiert ist.

    Zeigen Sie doch mal Gesicht!!! Und vor allem sorgen sie dafür, daß das auch die Musliminnen tun!

  2. Uwe sagt:

    Wohin christlicher Fundamentalismus, Hass auf Muslime und der Kampf gegen links führt, hat sich jetzt wieder in Norwegen gezeigt. Leider gibt es auch bei uns entsprechende Tendenzen. Deshalb stimme ich Christine Reuther, dass die Kirche ein Dach für Menschen bieten sollten, die dagegen protestieren.