Authentisch
3. März 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar
Vor mehr als einer Woche überraschte uns Margot Käßmann mit ihrem Rücktritt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als Landesbischöfin von Hannover. Und so schnell wie die Karikaturisten und Kolumnisten dabei waren, ihre Fahrt unter Alkoholeinfluss zu kommentieren, so schnell ist das Thema Rücktritt wieder aus den Blättern verschwunden.

Foto: Wikipedia.de
Diese Autorität sah sie nun beschädigt. Zumindest hat sie das als einen Grund für ihren Rücktritt genannt. Denn so jemand wie sie nimmt einen solchen schlimmen Fehler, wie es das Fahren unter Alkoholeinfluss ist, nicht auf die leichte Schulter und geht zur Tagesordnung über.
Das unterscheidet sie von manch anderem Prominenten. Erinnert sei nur an den damaligen Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus vor einem Jahr: Trotz verschuldetem tödlichen Unfall dachte er nicht ans Aufgeben – schließlich zahlten es ihm die Wähler heim. Er hatte keine Einsicht – und fand wohl auch deshalb kein Verständnis.
Margot Käßmann findet fast ausschließlich Verständnis für ihren Schritt. Vor allem bei Christen. Die Geradlinigkeit wird ihr hoch angerechnet. Und es wurde – auch in säkularen Medien – nicht übersehen, worin sie selbst in diesem Dilemma Trost findet: »Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.«
Christine Reuther
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