Osterspaziergang zur Kirche

2. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen, Sachsen

Im Kirchenbezirk Großenhain sollen Ostersonntag Kirchen für Besucher offen bleiben

Pfarrer Jörg Matthies in der Schlosskirche von Diesbar-Seußlitz. Auch hier werden am Sonntag bis abends Besucher erwartet – so wie in zahlreichen anderen Kirchen des Kirchenbezirks Großenhain. Foto: Steffen Giersch

Pfarrer Jörg Matthies in der Schlosskirche von Diesbar-Seußlitz. Auch hier werden am Sonntag bis abends Besucher erwartet – so wie in zahlreichen anderen Kirchen des Kirchenbezirks Großenhain. Foto: Steffen Giersch

Ein Kirchenraum kann mehr erzählen als tausend Worte. »Und«, sagt Kai Schmerschneider, »jeder kann die christliche Botschaft dort sinnlich erfahren, auch, wenn er nicht getauft ist.« Das jedoch sei in den Gemeinden zu wenig bewusst, meint der 48-Jährige, der für die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB) als Kirchenraumpädagoge arbeitet.

In den vergangenen Wochen ist er im Kirchenbezirk Großenhain unterwegs gewesen, um für seine Idee zu werben. 28 der insgesamt 67 Kirchen in der Ephorie werden am Ostersonntag von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die Initiative »Offene Kirchen am Ostersonntag« soll vor allem Konfessionslose einladen.

Der wichtigste kirchliche Feiertag sei dafür besser als jedes andere Datum geeignet, sagt Schmerschneider. Viele Familien unternehmen in der Frühlingszeit Ausflüge in die Umgebung. Der Aufbruch in der Natur korrespondiere mit der Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod, so Schmerschneider. Und das zeige sich im Bauprinzip jeder Kirche: »In der Regel betritt man sie durch ein Portal an der Westseite, kommt also vom Dunkel und geht Richtung Osten, in das Licht.« Schmerschneider plädiert dafür, diese Ästhetik des Raums sprechen zu lassen. »Die Menschen betreten eine Kirche, setzen sich der Stille aus und stellen sich Fragen.«

Katholischen Christen sei die enorme Bedeutung des Raumes deutlicher bewusst. »Bei Evangelischen wird Kirche immer über Veranstaltungen definiert. Wir müssen diese geistliche Kultur, das Gebäude selbst auch wertzuschätzen, wieder lernen. Eine geöffnete, einladende Kirche sollte ebenso als Teil der Gemeindearbeit verstanden werden wie Junge Gemeinde oder Seniorenbibelkreise.«

In den Kirchen in Skäßchen und Großenhain kann man bereits 5 Uhr eine Ostermette erleben. Nach altem Brauch wird das Licht der Osterkerze in die dunkle Kirche getragen. In anderen Kirchen, deren Altäre österlich geschmückt sind, werden von 9 Uhr an Ostergottesdienste gefeiert.

Auch in der barocken Schlosskirche in Diesbar-Seußlitz. Errichtet worden ist sie 1724 unter Leitung von George Bähr, der die Dresdner Frauenkirche konstruierte. Die Einheit von Abendmahl, Wort und Musik, eine lutherische Besonderheit, findet der Besucher in der Schlosskirche Diesbar-Seußlitz an der Ostseite im Kanzelaltar symbolisiert. Dieser ist gestaltet in einem überaus heiteren, ländlich-festlich gestimmten Barock. Von 9.30 bis 18 Uhr sind auch hier Besucher willkommen.

Tomas Gärtner

www.kirchenbezirk-grossenhain.de

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