Das Drama am Hindukusch
15. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Es fällt einem nicht mehr viel ein zu Afghanistan – den Politikern nicht, den meisten Bürgern nicht und auch den Journalisten nicht. Es herrscht Ratlosigkeit. Aber es muss über Afghanistan nachgedacht werden. Denn der Schmerz ist tief bei den Menschen, die um die vor zwei Wochen getöteten Bundeswehrsoldaten trauern – und auch bei jenen, die um die fünf aghanischen Soldaten weinen, die ebenfalls am Karfreitag von Deutschen getötet wurden. Ein großes Drama.
So unerträglich es ist: Die Augen dürfen wir davor nicht verschließen. Wir Bundesbürger haben deutsche Soldaten an den Hindukusch geschickt. Warum eigentlich? Weil den Terroristen von al-Qaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Heimatbasis verbaut werden sollte – und Deutschland seinem angegriffenen Verbündeten USA zur Seite stehen wollte. Erst später wurde dies mit dem Motiv ummäntelt, den Afghanen ein besseres und demokratisches Leben zu bescheren.
Heute hat sich al-Qaida längst in den Jemen oder nach Somalia verzogen, von einer Demokratie ist das Land der korrupten Kriegsherren und armen Drogenbauern weit entfernt, die Taliban gelten wieder als gar nicht so üble Gesprächspartner – und die Gewalt nimmt zu. Das spüren die Soldaten vor Ort zuallererst.
Und was alles noch viel schlimmer macht: Es gibt keine einfache Lösung. Ein schneller Abzug der internationalen Truppen wäre ein Sieg der Taliban und eine Katastrophe für viele Afghanen. Aber zugleich wird deutlich, dass ein Militäreinsatz keinen Frieden bringen kann. Aus dem Dilemma am Hindukusch führt diese Erkenntnis nicht heraus. Aber sie kann eine Lehre für die Zukunft sein. Dies nicht zu vergessen – das sind wir den Toten dieses Krieges schuldig.
Andreas Roth
Mit den Händen reden
15. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Die sächsische Landeskirche würde gern mehr Gehörlosengemeinden aufbauen. Doch ihr fehlen die Seelsorger dafür.

Gehörlosengottesdienst in Leisnig: Pfarrer Wolfgang Jahn (M.), Mitarbeiterin Beate Siegmund (l.) und Gottesdienstteilnehmer gebärden das Wort »Gott«. Foto: Wiegand Sturm
Wollen Gehörlose einander etwas mitteilen, können sie das in absoluter Stille tun. Sie schweigen, dafür sprechen Hände und Gesicht umso intensiver. Jedes Wort ein Zeichen, könnte man meinen. Doch das sei einer der Hauptirrtümer der Hörenden, sagt Pfarrer Raik Fourestier, Leiter der sächsischen Gehörlosenseelsorge. Denn Gebärden seien mehr als ein bloßes Hilfsmittel. »Es ist eine eigene Sprache.« Er erläutert es an einem Beispiel: Für die Information »Jemand kommt schnell« brauchen Hörende drei Worte. Gehörlose können dies in einer einzigen Gebärde ausdrücken.
Predigt Fourestier vor Gehörlosen, reicht es nicht, den Text in Gesten zu übersetzen. »Ich muss völlig umdenken. Bei einer biblischen Geschichte muss ich zuerst die Szene aufbauen: Hier der Weg, da die Stadt, dann erst kommt Jesus auf dem Esel. Da bin ich als Theologe ständig gefordert.«
Die Einsicht, dass die Gebärde die Muttersprache der Gehörlosen ist, habe sich mittlerweile auch in Deutschland durchgesetzt, sagt Fourestier. Für die Kirche bedeute das: »Gehörlose lassen sich nicht in die bestehenden Gemeinden integrieren. Sie gehen da unter.« Formal sind sie in der sächsischen Landeskirche ihrer Ortsgemeinde zugeordnet. Doch mit Ausnahme von Taufen oder Bestattungen von Angehörigen gehen sie dort nie hin. Fourestiers Fazit: »Wir brauchen eigene, starke gebärdensprachliche Gemeinden.«
Im Durchschnitt kommt in Deutschland Schätzungen zufolge auf tausend Einwohner ein Gehörloser. In Sachsen wären es demzufolge etwas mehr als 4000. Zu etwa 800 habe die Gehörlosenseelsorge der Landeskirche Kontakt, sagt Fourestier. Zu seinen Gottesdiensten in Dresden – in der Regel einmal monatlich gehalten – kommen zwischen 20 und 30 Gehörlose, oft auch Menschen, die nicht getauft sind. Der Grund ist einfach: Kulturelle Angebote für Gehörlose sind rar. Findet sich eine Gelegenheit, in Gemeinschaft zu sein, kommen sie. Manche fänden auf diesem Weg zum Glauben. Vor fünf Jahren hat Fourestier deshalb mit Glaubenskursen angefangen. Eine rege Gemeindearbeit gebe es in den größeren Städten. »Aber in vielen Regionen erreichen wir Gehörlose noch nicht.«
15 Pfarrer und Gemeindepädagogen sind für die 21 Kirchenbezirke zuständig. »Viele Stellen sind vakant«, sagt Frank del Chin, Referent im Landeskirchenamt. »Ein Dilemma.« Raik Fourestier in Dresden und Pfarrer Martin Weithaas in Leipzig sind als hauptamtliche Gehörlosenseelsorger die Ausnahme. In der Regel muten sich Pfarrer das als Zusatzaufgabe zu. »Wir mühen uns seit Jahren, mehr Theologen dafür zu motivieren«, sagt del Chin. »Doch bei den Belastungen für Pfarrer meinen viele, das nicht zu schaffen.«
Zumal die Anforderungen gestiegen sind. Bis Mitte der 1980er-Jahre, als man Gehörlose europaweit zu integrieren versuchte, war die lautsprachbegleitende Gebärde üblich. Die war leichter zu erlernen. »Die jetzt gebräuchliche Deutsche Gebärdensprache hingegen muss man wie eine Fremdsprache erlernen«, sagt del Chin. Vor allem jüngere Theologen werden gesucht. Denn gehörlose Jugendliche wachsen mit der Gebärdensprache auf.
Pfarrer Thomas Günzel bekommt diesen Generationswechsel deutlich zu spüren. Er erteilt am Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte Religionsunterricht. »Wir könnten viel mehr gehörlose Jugendliche erreichen, wenn wir Gebärdensprache verwenden.« Er selbst beherrscht nur die lautbegleitende. Jugendliche, die in seinem Unterricht sitzen, gehen anschließend in verschiedene Regionen Sachsens. »Wir müssten dafür sorgen, dass sie in Gehörlosengemeinden ankommen.«
Einstweilen haben Gehörlose, wollen sie an Taufe, Konfirmation oder Trauung in einer Gemeinde Hörender teilnehmen, zumindest ein Recht auf einen Gebärdendolmetscher, erläutert Raik Fourestier. Dank einer Regelfinanzierung bekommen sie die Kosten dafür von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erstattet.
Tomas Gärtner
Internetseite der Gehörlosenseelsorge in Sachsen: www.gehoerlosenseelsorge-sachsen.de/
Fusion der Kirchenbanken kommt
12. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Die Mitglieder der sächsischen Kirchenbank – der Landeskirchlichen Kredit-Genossenschaft Sachsen (LKG) – haben sich am 12. April mehrheitlich für einen Zusammenschluss mit der Dortmunder KD-Bank entschieden. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung sprachen sich 685 von 731 vertretenen Anteilseignern dafür aus.
Zuvor hatte der Vorstand der Bank noch einmal für die Fusion geworben. »Die demografische Entwicklung und das prognostizierte rückläufige Kirchensteueraufkommen werden sich auf die Bank auswirken«, so Direktor Christian Näther. Die LKG sei für eine Eigenständigkeit zu klein. Näther verwies auf den größeren Konkurrenzdruck und erhöhte rechtliche Anforderungen an Kreditinstitute.
Die in der Generalversammlung sitzenden Pfarrer und Vertreter von Kirchgemeinden stellten die Argumentation des Vorstands kaum in Frage. Die wirtschaftlichen und juristischen Detailfragen seien nicht zu beurteilen, sagten einige von ihnen. Andere sahen die Fusion nüchtern: »Wir brauchen eine Bank mit einer Mindestgröße, auf die wir uns verlassen können«, sagte Sönke Junge, Vorstand der Diakonie – Innere Mission Leipzig.Nur zwei ältere Mitglieder sorgten sich um die Mitbestimmungsrechte der Sachsen in der entstehenden größten deutschen Kirchenbank: »Wer kann es sich zeitlich und finanziell leisten, zu den Generalversammlungen nach Dortmund zu fahren?«, fragten sie.
Am 9. Juni müssen die Mitglieder der KD-Bank in Dortmund über die Fusion entscheiden. Stimmen sie zu, entsteht die größte deutsche Kirchenbank mit einer Bilanzsumme von über 4,6 Milliarden Euro und 200 Mitarbeitern. Der Name der LKG Sachsen und ihre Dresdner Geschäftstelle sollen weitergeführt werden. Eines aber wird sich in den nächsten drei Jahren mit Sicherheit ändern: die Kontonummern der LKG-Kunden.
Andreas Roth
Mehr über die Hintergründe der Bankenfusion berichtet der SONNTAG hier.
Ein positives Vorzeichen fürs Leben
9. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1. Petrus 1, Vers 3
Ein vom Tod gezeichnetes Lebewesen und erst recht ein todkranker Mensch erschrecken uns. Solches Wahrnehmen unterbricht unseren gewohnten Gang, lähmt uns. Ich stelle mir vor, dass unser himmlischer Vater in ähnlicher Weise auf die Menschen seiner Schöpfung geblickt hat und den Anblick der todgeweihten Menschen nicht mehr ertragen konnte. Das hat sein Innerstes aufgewühlt, hat ihn gedrängt zu dem Werk seiner Barmherzigkeit. Und dann hat er selbst die Erfahrung gemacht, wie sich ein Leben in und unter Bedrohung anfühlt.
Das einzige, was ihn hielt, war die Hoffnung, dass die göttliche Kraft stärker ist als alle Angst und Schrecken. Das brauchen die Menschen – Hoffnung. Das hat ihn durchhalten, hat ihn durchdringen lassen. Die Hoffnung war am Ende stärker als der Tod. So bringt der Auferstandene neue Kraft ins Leben.
Petrus, der die Geburt dieser Hoffnung unter viel eigenen Schmerzen miterlebt hat, weiß nun, dass Hoffnung für sein und aller Leben ein Lebens-Not-wendiges Vorzeichen geworden ist. Deshalb schreibt er es an den Anfang seines Briefes, wie eine Überschrift.
Und wie Hoffnung sein Leben völlig neu gestaltet hat, können wir seine Zeilen wunderbar nachempfinden: Er schwärmt, er lobt, ja ich höre in diesen Worten die Melodie eines jubelnden Sängers. So kann die Hoffnung auf das Leben in seiner ganzen Fülle dieses irdische Leben schon mit Freude füllen. Deshalb setzen wir das ganz starke Zeichen Hoffnung, die Taufe, auch an den Anfang des Lebens – als Vorzeichen, als Lebens-»modus«.
Günter Rudolph
Der Autor ist Superintendent des Kirchenbezirks Löbau-Zittau.
Eine Lobby für die Kinder
9. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Irgendwie hat man den Eindruck, dass es gar nicht so ernst gemeint ist, die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen aufzuklären. Da wird ein runder Tisch eingerichtet, eine Missbrauchsbeauftragte ernannt, eine Telefonhotline geschaltet – aber der Papst schweigt zu den Fällen in seiner Heimat. Und einige seiner Bischöfe und Kardinäle sprechen gar von »Geschwätz«, von einer Kampagne gegen den Papst, während die Öffentlichkeit vom katholischen Kirchenoberhaupt eine Stellungnahme zu den Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen erwartet.
Bei solchen Wortmeldungen ist von gutem Willen zur Aufklärung und zur wenigstens verbalen Wiedergutmachung nicht viel zu spüren. Doch diese Zwiespältigkeit ist nur das eine.
Das andere ist, dass es Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern nicht nur in der Kirche gab und gibt. Auch aus Kinderheimen der DDR werden jetzt hunderte Fälle bekannt. Und auch einzelne evangelische Einrichtungen müssen sich mit solchen Vorwürfen auseinandersetzen. Da stellt sich die generelle Frage nach dem Umgang mit Kindern. Sie brauchen den Schutz und die Hilfe Erwachsener, um auf ihren Weg ins Leben zu finden. Und sie brauchen Liebe und Geborgenheit.
Wenn sie statt dessen benutzt werden und ihre Würde mit Füßen getreten wird, ist das eine generelle Frage an alle Erwachsenen.
Wenn die jetzt in den Medien immer wieder veröffentlichten Missbrauchsfälle dazu führen, darüber nachzudenken, wäre schon manches gewonnen. Noch zu oft sind Berichte über vernachlässigte, misshandelte Kinder nur gut für Skandalmeldungen. Danach wird zur Tagesordnung übergegangen. Doch Kinder brauchen eine Lobby – nicht nur bei Skandalmeldungen.
Christine Reuther
Größer oder besser
9. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Sachsens Kirchenbank LKG soll mit der Dortmunder KD-Bank verschmolzen werden. Doch die Pläne finden nicht bei allen Genossenschaftsmitgliedern Zustimmung.

Alle reden von der Finanzkrise. Doch die sächsische Kirchenbank – die Landeskirchliche Kreditgenossenschaft (LKG) – macht Gewinn: Rund 780 000 Euro im letzten Jahr. Nach dem Willen ihres Vorstands aber soll die älteste evangelische Kirchenbank Deutschlands schon bald in der ebenfalls evangelischen Dortmunder KD-Bank – der Bank für Kirche und Diakonie – aufgehen.
»Bei unserer jetzigen Größe könnten wir auf Dauer unseren Kunden nicht mehr so gute Konditionen bieten«, sagt LKG-Direktorin Ilona Pollach. »Der massive Wettbewerb nimmt auch unter Kirchenbanken zu – zumal in Zeiten, in denen auch Kirchgemeinden und Diakonie unter hohem Spardruck stehen.«
Für Manfred Artur Fellisch, seit über 20 Jahren LKG-Vorstand, ist eine Aufgabe der Eigenständigkeit mit Wehmut verbunden. »Doch die gesetzlichen Auflagen für Banken werden immer größer und für kleine Häuser immer schwieriger zu schultern sein«, ist Fellisch überzeugt. »In unserer guten Verfassung haben wir jetzt die Möglichkeit, uns bei einer Fusion auf Augenhöhe einzubringen und für uns unaufgebbare Grundpositionen in die Verhandlungen einzubringen und durchzusetzen.«
Seit letztem Jahr laufen die Verhandlungen mit der Dortmunder KD-Bank, die in den Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen, Berlin-Brandenburg und Mitteldeutschland aktiv ist. Das Ergebnis: Der Dresdner Standort der LKG soll ebenso wie ihr traditionsreicher Name erhalten bleiben, ihre 40 Mitarbeiter bekämen eine Arbeitsplatzgarantie bis 2013 und dazu Tariflohn. Während der langjährige LKG-Direktor Christian Näther in den Ruhestand geht, würde seine Kollegin Ilona Pollach in den Vorstand der dann größten deutschen Kirchenbank aufrücken.
Das alles aber steht noch im Konjunktiv. Denn vorher müssen die Besitzer der Kreditgenossenschaft – sächsische Kirchgemeinden, kirchliche und diakonische Einrichtungen – vom Sinn einer Fusion überzeugt werden. Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Landessynode, Heinz Hartwig Böhmer, hat keine Zweifel: »Das ist sicherlich der richtige Weg, die LKG ist zu klein.« Der Geschäftsführer der Diakonie Annaberg, Marc Schwan, stimmt ebenfalls zu: »Uns ist wichtig, dass die Kirchenbank ein leistungsfähiger Partner bei der Finanzierung unserer Arbeit ist, die Konditionen stimmen – und dass das Geld in der kirchlichen Familie bleibt.«
Doch auch Skepsis ist unter den LKG-Anteilseignern zu hören. »Die Selbständigkeit und Tradition der Bank wird unnötig aufs Spiel gesetzt«, sagt etwa der Königswarthaer Pfarrer Andreas Kecke. »Unser Kirchenvorstand befürchtet, dass die persönlichen Beziehungen der LKG zu den Kirchgemeinden dünner werden.« Kecke verweist auf die KD-Bank-Filialen in Magdeburg und Erfurt, wo Jahre nach einer Fusion keine Privatkunden mehr betreut werden.
Der Stollberger Pfarrer Andreas Dohrn gibt zudem zu bedenken: »Größe und eine Fusion sind keine Garantien für Erfolg.« Das bestätigen wirtschaftswissenschaftliche Studien, die in den letzten Jahren Zusammenschlüsse von Genossenschaftsbanken unter die Lupe nahmen. Sie haben oft nicht die erhofften positiven Effekte, heißt es in einer Untersuchung des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster.
Der Bremer Wirtschaftsprofessor Peter Laudi kam 2002 in einer Studie zu dem Fazit, dass der allgemeinen Fusionseuphorie nicht zugestimmt werden könne: »Von freiwilligen Fusionen von Genossenschaftsbanken ist nach den vorliegenden Ergebnissen eher abzuraten.«
Zumal die LKG auch allein gut dasteht: Mit ihrer Bilanzsumme von 402 Millionen Euro ist sie die fünftgrößte Genossenschaftsbank Sachsens – 16 Institute im Freistaat sind kleiner. Und für das Jahr 2010 geht die LKG sogar von einem »verbesserten Betriebsergebnis« aus. Im Vergleich mit größeren Kirchenbanken sind die Verwaltungskosten der LKG zwar relativ hoch, sie gehört zu den kleinsten konfessionellen Geldinstituten. Doch mit ihrer Kapitalstärke und ihren Erträgen liege sie im Spitzenbereich der kirchlichen Geldhäuser, so Richard Reichel, Leiter des Genossenschaftsinstituts der Universität Erlangen-Nürnberg.
Am 12. April müssen die Eigentümer der LKG in Dresden auf einer Generalversammlung über die Fusionspläne entscheiden. Benötigt wird die Zustimmung von drei Vierteln der Delegierten – von den 1079 Mitgliedern müssen zudem mindestens die Hälfte anwesend sein. Gelingt dies nicht, wird es am 29. April eine zweite Abstimmung geben. Gelingt der Fusionsbeschluss, werden die sächsischen LKG-Mitglieder künftig einen weiten Weg fahren müssen, um über den weiteren Weg ihrer Kirchenbank mitzuentscheiden: bis nach Dortmund.
Andreas Roth
Ja, mit Gottes Hilfe
9. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Viele Menschen schätzen die Ehe – doch immer weniger Paare trauen sich.

Am Anfang stand nur ein Schnappschuss. Mit Selbstauslöser: Ein Paar vor einem Leuchtturm. Eine Momentaufnahme. Doch blieb sie nicht momentan. Monate später folgte ein zweites Foto – ein anderer Leuchtturm, dasselbe Paar, wieder Selbstauslöser. Dann noch ein Bild, und noch eines. Acht Leuchttürme. Im neunten haben Katharina Degenhardt und Jörn Bohn geheiratet. Das war im vergangenen Herbst in Cuxhaven. Es war ein langer Weg.
Katharina Degenhardt hatte zur standesamtlichen Trauung an der Nordsee ihre beiden Jungen mitgebracht aus einer früheren Beziehung. Jörn Bohn trug eine Hoffnung im Gepäck, die er vor nicht allzu langer Zeit schon verloren glaubte. »Mit dem Thema Heiraten hatte ich schon desillusioniert abgeschlossen«, sagt er. »Ich wollte immer eine feste Beziehung – doch jedes Mal fühlte ich mich schon nach einigen Monaten sehr unfrei und sehr unglücklich. Dann war die Beziehung tot.« Im Internet war der Siegener Religionslehrer vor vier Jahren auf die Dresdner Grundschullehrerin getroffen. Sie schrieben sich lange E-Mails, irgendwann telefonierten sie, Wochen später sahen sie sich zum erste Mal. Sie wurden ein Paar.
Dass sie heiraten würden, wussten sie, als auch die ersten schlechten Zeiten vorüber gezogen waren – und sie dennoch beieinander blieben. »Das ist ein Gottesgeschenk«, sagt Jörn Bohn (39) heute, ein paar Wochen vor seiner Hochzeit. »Aber man bekommt die Richtige nicht auf dem Silbertablett geliefert. Man muss etwas dazu beitragen, dass es auch die Richtige wird. Ich muss mich entscheiden und darf nicht ewig an der Wegkreuzung stehen.«
Doch genau das ist der Ort des modernen Menschen mit all seinen Freiheiten. Heiraten oder nicht? Das ist heutzutage individuelle Entscheidung und nicht mehr bürgerliche Norm. Deshalb geht die Heiratshäufigkeit seit vielen Jahren zurück. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erwartet, dass 32 Prozent der deutschen Frauen und 38 Prozent der Männer niemals heiraten werden – in Ostdeutschland sind die Werte sogar noch höher. Zugleich kommen gut 60 Prozent der Kinder in Sachsen unehelich zur Welt.
»In Westdeutschland wird erst geheiratet und dann eine Familie gegründet, im Osten heiraten Paare oft zwei oder drei Jahre nach der Geburt eines Kindes«, sagt der an der TU Dresden lehrende Soziologe Karl Lenz. »Katholische Gebiete haben eine viel größere Bindung an Traditionen. In der DDR dagegen haben sich weite Teile der Bevölkerung von kirchlichen Normen entfernt.«
Die Skepsis gegenüber der Ehe macht auch vor Christen nicht halt. Manchen sind gemeinsame Kinder Bindung genug, andere schreckt die hohe Wahrscheinlichkeit des Scheiterns. Während die evangelischen Landeskirchen noch keine rechte Form gefunden haben, damit umzugehen, bietet das katholische Bistum Erfurt seit zehn Jahren am Valentinstag Segnungsgottesdienste für Paare an – für verheiratete und unverheiratete.
Kirchgemeinden sollten die Ernsthaftigkeit von nicht-ehelichen Partnerschaften nicht in Frage stellen oder sie durch Veranstaltungsbezeichnungen wie »Ehepaarkreis« ausgrenzen, fordert der Leipziger Theologieprofessor Wolfgang Ratzmann. »Doch auch wenn Rituale und Institutionen hohl werden können: Sie können auch eine entlastende Gabe Gottes sein.«
Eine dauerhafte Beziehung ist kein Kinderspiel. Diese Erfahrung hat Katharina Degenhardt gemacht. Gerade deshalb will die 29-Jährige vor den Traualtar treten. »Für ein ganzes Leben zu meinem Mann Ja zu sagen – das kann ich nicht allein aus meinen menschlichen Fähigkeiten. Gott sagt uns zu, dass er zu unserer Liebe seine Liebe schenkt.«
Deshalb will sie das Ja zu ihrem Mann im Mai bewusst in einer Kirche sagen. Und bewusst in der Dresdner Friedenskirche. Ein schlichter Bau ohne falschen Prunk, der die Narben der Zeit nicht versteckt und die Menschen wie unter einem Zelt aus warmem Holz birgt. Eine Kirche wie eine reife Beziehung.
Andreas Roth
Befreiung aus aller Begrenzung
4. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Offenbarung 1, Vers 18
Wer kennt nicht eine oder mehrere der folgenden einengenden Situationen: Ausgesperrt aus der Wohnung, der Schlüssel drin. Eingesperrt im Gefängnis. Die Grenzen meines Landes geschlossen. Ausgangssperre. Arrest für politisch Unbequeme. Eingezwängt in Termine. Alle Aussicht verbaut?
Alle diese sind Situationen von uns gemacht. Dazu kommt unsere Lebenssituation als Mensch, über die kein Luxus, kein Urlaub, keine Party hinwegtäuschen können: eingeengt in die wenigen Jahre des irdischen Seins durch den Tod – diese Tür fällt auf alle Fälle ins Schloss. Angst und Panik sind angesichts solcher Erlebnisse der Hintergrund der meisten Krankheiten unserer Psyche.
Da bekommt die Osterbotschaft dieses Spruches eine wahrhaft sprengende Bedeutung: Ich darf auf den schauen, der tot war und lebt. Also Tod ist nicht das Letzte. Der Letzte ist der Lebendige. Ich weiß, wer es in der Hand hat, mir nach dem Tod wieder aufzuschließen: das ist der Auferstandene!
Der Seher Johannes darf sehen und will unsere Augen mitnehmen zu sehen und zu schauen. Nach vorn, nach hinten, auf alle Seiten von uns. Der Lebendige umgibt uns mit seiner Hoffnung, steckt uns an zur Gelassenheit in Angst und Panik. Er geht mir voran und folgt mir gleichzeitig nach. Das heißt, er umgibt mich ganz mit seiner Gegenwart. Und meine Gegenwart ist die Mitte der Zeit, eingebettet in seine Ewigkeit von davor und danach. Der Auferstandene hat alle Begrenzung vor mir und hinter mir weggeräumt.
Sein Schlüssel ist überall in unseren Kirchen, Gemeinderäumen, bei vielen zu Hause, manchmal sogar in Krankenhauszimmern und bei so mancher und manchem an einer Kette am Hals hängend zu sehen – das Kreuz. Das ist zum Schlüssel der Befreiung aus aller Begrenzung geworden.

Foto: Robert Aichinger, sxc.hu
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.
Günter Rudolph
Der Autor ist Superintendent des Kirchenbezirks Löbau-Zittau.
Osterspaziergang zur Kirche
2. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Im Kirchenbezirk Großenhain sollen Ostersonntag Kirchen für Besucher offen bleiben

Pfarrer Jörg Matthies in der Schlosskirche von Diesbar-Seußlitz. Auch hier werden am Sonntag bis abends Besucher erwartet – so wie in zahlreichen anderen Kirchen des Kirchenbezirks Großenhain. Foto: Steffen Giersch
Ein Kirchenraum kann mehr erzählen als tausend Worte. »Und«, sagt Kai Schmerschneider, »jeder kann die christliche Botschaft dort sinnlich erfahren, auch, wenn er nicht getauft ist.« Das jedoch sei in den Gemeinden zu wenig bewusst, meint der 48-Jährige, der für die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB) als Kirchenraumpädagoge arbeitet.
In den vergangenen Wochen ist er im Kirchenbezirk Großenhain unterwegs gewesen, um für seine Idee zu werben. 28 der insgesamt 67 Kirchen in der Ephorie werden am Ostersonntag von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet sein. Die Initiative »Offene Kirchen am Ostersonntag« soll vor allem Konfessionslose einladen.
Der wichtigste kirchliche Feiertag sei dafür besser als jedes andere Datum geeignet, sagt Schmerschneider. Viele Familien unternehmen in der Frühlingszeit Ausflüge in die Umgebung. Der Aufbruch in der Natur korrespondiere mit der Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod, so Schmerschneider. Und das zeige sich im Bauprinzip jeder Kirche: »In der Regel betritt man sie durch ein Portal an der Westseite, kommt also vom Dunkel und geht Richtung Osten, in das Licht.« Schmerschneider plädiert dafür, diese Ästhetik des Raums sprechen zu lassen. »Die Menschen betreten eine Kirche, setzen sich der Stille aus und stellen sich Fragen.«
Katholischen Christen sei die enorme Bedeutung des Raumes deutlicher bewusst. »Bei Evangelischen wird Kirche immer über Veranstaltungen definiert. Wir müssen diese geistliche Kultur, das Gebäude selbst auch wertzuschätzen, wieder lernen. Eine geöffnete, einladende Kirche sollte ebenso als Teil der Gemeindearbeit verstanden werden wie Junge Gemeinde oder Seniorenbibelkreise.«
In den Kirchen in Skäßchen und Großenhain kann man bereits 5 Uhr eine Ostermette erleben. Nach altem Brauch wird das Licht der Osterkerze in die dunkle Kirche getragen. In anderen Kirchen, deren Altäre österlich geschmückt sind, werden von 9 Uhr an Ostergottesdienste gefeiert.
Auch in der barocken Schlosskirche in Diesbar-Seußlitz. Errichtet worden ist sie 1724 unter Leitung von George Bähr, der die Dresdner Frauenkirche konstruierte. Die Einheit von Abendmahl, Wort und Musik, eine lutherische Besonderheit, findet der Besucher in der Schlosskirche Diesbar-Seußlitz an der Ostseite im Kanzelaltar symbolisiert. Dieser ist gestaltet in einem überaus heiteren, ländlich-festlich gestimmten Barock. Von 9.30 bis 18 Uhr sind auch hier Besucher willkommen.
Tomas Gärtner
www.kirchenbezirk-grossenhain.de
Die neue Welt Gottes
1. April 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Alles wird gut? Jesus macht nichts ungeschehen mit seiner Auferstehung. Doch er tut uns damit eine Tür auf. Dadurch wird alle Angst genommen. Eine Betrachtung zum Osterfest.

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, wenn es eine kleinere oder größere Katastrophe gibt, wenn wir gar mit dem Tod konfrontiert werden, dann wünschen wir uns, es wäre nicht geschehen, wir könnten die Zeit zurückdrehen, damit die Dinge einen anderen Verlauf nehmen.
Wenn sie an jenem Karfreitag einen Wunsch frei gehabt hätten, die Jüngerinnen und Jünger Jesu, dann hätte es ebenfalls der gewesen sein können, dass es so weit nicht gekommen wäre: nicht bis zum Tod am Kreuz, nicht zur Ablehnung durch das Volk, nicht zu Verurteilung und Folterung. Und da es nun einmal doch so gekommen war, hätten sie wohl gewünscht, dass es wieder so werden würde wie früher: dass sie mit dem Meister umher ziehen, seinen Worten lauschen, seine Taten preisen, auf das Reich Gottes warten könnten. Wer wollte es ihnen verdenken?
Wunschdenken halt. Aber was wäre damit gewonnen gewesen? Es wäre noch etwas weitergegangen, vielleicht noch ein paar Jahre, vielleicht sogar bis ins hohe Alter. Aber irgendwann hätte dann doch Schluss sein müssen; irgendwann hätte Jesus aufhören müssen. Oder hätte er ewig weitermachen können?
Auch wenn sie gewünscht haben mögen, dass es irgendwie weitergeht – die Jünger ereilt am Ostermorgen etwas anderes: die Auferstehung Jesu. Es ist nicht die Erfüllung ihrer Wünsche. Auch wenn die neutestamentlichen Oster-Erzählungen mitunter diesen Eindruck erwecken: Jesus kehrt nicht zurück. Er macht nichts ungeschehen. Er wetzt die Karfreitags-Scharte nicht aus. Er macht definitiv nicht weiter. Und nichts hat einfach kein Ende.
Darauf hatten sie nicht gewartet, darauf hatten sie nicht gehofft. Ist das eine enttäuschende Osterbotschaft? Oder macht gerade erst sie froh?
Das absehbare Ende unseres Lebens macht uns Angst. Wann immer es uns nahe kommt, wünschen wir es weit weg. Stattdessen soll es weitergehen wie zuvor: vielleicht ein bisschen länger, ein bisschen mehr, ein bisschen schöner. Auferstehung, ewiges Leben, so mögen wir denken, heißt: es gibt kein Ende mehr, es geht immer weiter.
Was wir dabei übersehen: Unendlichkeit ist mindestens genauso furchtbar, zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Der Fall ins Bodenlose ist ein unheimlicher Albtraum. Und selbst wenn wir nicht fallen: in unserem Leben sind gerade die Dinge kostbar und wertvoll, die knapp und begrenzt sind. Was unbegrenzt zur Verfügung steht, was jederzeit möglich ist, wird uns gleichgültig. Was gar unendlich ist, und sei es noch so schön, lässt Langeweile aufkommen und Überdruss. Solche Ewigkeit ist ein Fluch, keine Verheißung.
So gesehen stecken wir in der Falle. Auf der einen Seite haben wir Angst vor dem Tod und dem Ende – aber Unendlichkeit ist genauso furchtbar, eher noch schlimmer. Wir sind gefangen und beide Ausgänge sind versperrt und unsere Wünsche machen alles noch schlimmer.
Das heißt: wir wären gefangen. Denn zu unserem Glück macht Jesus nicht weiter, sondern ist auferstanden.
Zunächst sind es die Jünger, die eine Ahnung davon bekommen: sie erfahren die Gegenwart, die Lebendigkeit, die Wirkmächtigkeit Jesu. Sie erfahren eine Kraft, die sie verwandelt, ihre Furcht überwindet. Aus dieser Erfahrung wagen sie es, von Auferstehung zu sprechen, weil sie den Auferstandenen erfahren und erkannt haben. Und diese besagt auch: Jesus kehrt nicht zurück, er geht vielmehr voran in die Welt Gottes – und tut uns damit eine Tür auf.
Was sich hinter dieser Tür verbirgt? Auch hier ist unsere Vorstellungskraft überfordert. Nicht umsonst spricht Jesus von dieser neuen Welt Gottes in Gleichnissen, vergleicht sie mit einer Festmahlzeit, mit einer wachsenden Saat, mit einem überaus wertvollen Schatz, mit einem Weinbergbesitzer, der großzügig jedem Arbeiter das Notwendige gibt.
Aber durch diese Tür fällt ein helles Licht. Ein Licht, das unser Leben verwandelt, das uns neu bewerten lässt, was wichtig ist und was nicht. Ein Licht, das die Erfolge und Katastrophen unseres Lebens in den Schatten stellt. Ein Licht, das unser Wunschdenken verblassen lässt. In diesem Licht empfangen wir die Kraft des Heiligen Geistes, verlieren wir die Angst vor dem Ende wie vor der Unendlichkeit. Wo das geschieht, erfahren wir den Auferstandenen, werden wir selbst zu Osterzeugen.
Martin Beyer
Dr. Martin Beyer ist Pfarrer in Olbernhau.
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