Ökumene Tag und Nacht

13. Mai 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

Titel Sonntag 20

Sie ist evangelisch – er ist katholisch. Bei solchen Paaren funktioniert die Ökumene oft besser als zwischen den Kirchen. Sie leiden aber auch am meisten, wenn Theologen Grenzen aufrechterhalten.

Der Knackpunkt ist meist das Abendmahl. Angela Langner-Stephan geht nicht zum Altar, wenn sie mit ihrem Mann in dessen Kirchgemeinde den Gottesdienst besucht. Er ist Katholik – sie evangelische Pastorin. »Das war nie ein Problem« sagt die Leipzigerin. Und auch wenn ihr Mann sie gern zur Feier mit Brot und Wein mitnehmen möchte und sie weiter darauf beharrt, in der Bank sitzen zu bleiben, ist das bei ihnen kein Grund zum Streiten.

»Ich möchte keinen Prie­ster in Verlegenheit bringen«, sagt sie. Katholischen Pfarrern ist die Vergabe der Hostie an Protestanten verboten. Daran will sie sich halten und mit ihrem Sitzen bleiben auch signalisieren: »Es ist schon vieles möglich, aber eben noch nicht alles.«

Jörg Beyer geht zum Abendmahl. Der Mitarbeiter des »Netzwerks Ökumene« sieht nicht ein, »ausgerechnet am Tisch des Herrn geschieden zu werden«, sagt er. Der Tübinger Protestant ist mit einer katholischen Religionslehrerin verheiratet und hat die Erfahrung gemacht, dass in den Gemeinden vieles möglich ist, was die Amtskirche verbietet. Schönreden wolle er die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten trotzdem nicht. »Es gibt noch viele Verletzungen.«

Von einem Paar habe er vor nicht langer Zeit gehört, dass ein Priester den evangelischen Partner mit den Worten »Wir wollen hier keine Mitesser« vom Altar wegschickte. Überhaupt stelle er »mit Erschrecken« fest, dass sich seit den inzwischen mehr als 20 vergangenen Jahren, als er mit seiner Frau ein Buch über interkonfessionelle Beziehungen veröffentlichte, wenig getan habe. Dabei macht er nicht nur der katholischen Kirche, sondern auch seiner eigenen Vorwürfe. Aus evangelischen Gemeinden schlage katholischen Gästen oft »Ignoranz und Lieblosigkeit« entgegen. Nicht selten hörte seine Frau den Vorschlag, sie solle doch konvertieren und dem »reaktionären Haufen« den Rücken kehren.

Die Leipziger Pfarrerin Angela Langner-Stephan plädiert dafür, die Unterschiede als Bereicherung zu sehen, zumal sich die Kirchen in manchen Dingen so nah sind. »Der lutherische Ritus im Gottesdienst ist dem katholischen nicht unähnlich«, nennt sie ein Beispiel. Ihr Mann fühlt sich deshalb in ihrer Gemeinde sehr wohl, besucht Gottesdienste und hilft ehrenamtlich mit. Nur gelegentlich geht er auch zur Messe in die katholische Kirche.

»Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass man sich für eine Gemeinde entscheiden muss«, sagt Langner-Stephan und Thomas Stephan nickt zustimmend. Alles andere wäre eine zu große Zerreißprobe und Belastung. Durch ihren Beruf war die Heimat in der evangelischen Kirche klar. Auch die Tochter der Pastorin ist evangelisch getauft, auch wenn die römische Kirche bis heute von ihren Mitgliedern bei interkonfessionellen Eheschließungen das Versprechen verlangt, sich nach allen Möglichkeiten für die katholische Taufe einzusetzen.

Für Jörg Beyer endete bei der Taufe seiner Kinder sein Wunsch, Pfarrer zu werden. Als katholische Religionslehrerin war für seine Frau die entsprechende Taufe selbstverständlich. Für Beyer war das kein Problem. »Aber für meine Landeskirche«, sagt er. Sie signalisierte ihm, dass er im kirchlichen Dienst wohl keine Zukunft habe.

Auch Angela Langner-Stephan kritisiert diese Regeln, die noch nicht überall der Vergangenheit angehören. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen sei es zeitgemäß, gemeinsam für Glauben und christliche Werte einzustehen, sagt sie. Jörg Beyer wünscht sich vom anstehenden Ökumenischen Kirchentag mehr als nette Worte. »Wir sollten überlegen, ob wir dieses schlechte Zeugnis für den christlichen Glauben ablegen wollen und endlich Wege der Liebe miteinander gehen.«

Corinna Buschow

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