An der Grenze des Begreifens

Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaot, alle Lande sind seiner Ehre voll.
Jesaja 6, Vers 3

Der Psychologe Carl Gustav Jung erzählt, dass er sich im Konfirmandenunterricht seines Vaters unendlich langweilte. Beim Blättern im Katechismus aber fiel sein Blick auf den Abschnitt über die Dreieinigkeit. Das interessierte ihn, und er wartete mit Ungeduld auf diese Stunde. Doch sein Vater sagte: »Diesen Abschnitt wollen wir überschlagen, ich begreife selbst nichts davon.«

Die Antwort enttäuschte, doch zumindest war sie ehrlich. Und – ehrlich gesagt – trifft sie ja nicht nur auf die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, sondern auf Gott selbst zu. Immer stoßen wir an die Grenze unseres »Begreifens«. Denn Begreifen können wir nur, wenn es etwas zu Greifen oder zu Schauen gibt.

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Foto: Dani Simmonds, sxc.hu

Da hatte es der Prophet Jesaja besser – scheinbar. Er sieht Gott auf »einem hohen und erhabenen Thron«. Doch solches Sehen hätte ihn fast das Leben gekostet! »Weh mir, ich vergehe …« (Jes 6,59).

Unser Wochenspruch mit seinem dreifachen Ausruf der Heiligkeit weist auf die Andersartigkeit, ja Unnahbarkeit Gottes hin. Er markiert die Grenze zwischen Himmel und Erde.

Gott aber bleibt nicht auf seinem hohen und erhabenen Thron. Er selbst durchbricht die Grenze. In seinem Sohn Jesus Christus offenbart er sich uns in seiner ganzen Wahrheit und Liebe, wird sichtbar und »begreifbar«. Doch wer ihn erkennen will, muss sich bücken, so unscheinbar erscheint er. Selbst in seiner Offenbarung »begreifen wird nichts«, wenn nicht sein Geist uns begreifen – und staunen lässt.

So ist Dreieinigkeit das Fest des geoffenbarten Geheimnisses Gottes, das »nicht zu erforschen, sondern anzubeten« ist (Philipp Melanchthon).

Johannes Berthold

Professor Johannes Berthold ist Vorsitzender des Landesverbands Landeskirchlicher Gemeinschaften.

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