Fettbemmen und Alphörner
10. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Vor der Martin-Luther-Kirche informieren Mitarbeiter des Kirchentags über das 2011 kommende Ereignis, dessen Vorbereitungsphase mit einem Gottesdienst in der Kirche eingeläutet wurde.
Zur »Nacht der Kirchen« in Dresden luden 63 Gemeinden mit originellen Ideen ein
Kurz nach 18 Uhr. Aus dem modernen, hellgrauen Eckhaus im Dresdner Stadtteil Löbtau tönt Kindergesang. Davor steht ein Aufsteller mit einem Plakat: »Nacht der Kirchen«. Drinnen sitzen sieben Mädchen und ein kleiner Junge auf Stühlen. Unter ihnen ist Dorothea. Sie ist zum ersten Mal hier und wird extra begrüßt. »Was tun wir denn so gerne hier im Kreis?«, singen die Kinder. »Tanzen, tanzen«, und sie drehen sich um die eigene Achse. Ihre Eltern beteiligen sich an dem Bewegungsspiel. Die freikirchliche Adventgemeinde hat zum Kinderprogramm eingeladen. So wie viele der 63 Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen beginnt sie damit ihr Programm zur »Nacht der Kirchen«.
Mit dem Singspiel »Die drei Mutmacher« lädt die Kurrende der evangelischen Kirche im Stadtteil Weißer Hirsch Kinder und Eltern ein. Andreas Beuchel, jetzt Rundfunkbeauftragter, gehört zu dem Initiativkreis, der die »Nacht der Kirchen« vorbereitet. Vier Jahre war er hier Gemeindepfarrer. An diesen Abenden habe er immer wieder Menschen getroffen, die er sonst nur auf der Straße, nie aber in der Kirche sehe, erzählt er. Die Aktion biete Gelegenheit, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. »Wir gehen nach draußen und nehmen den Menschen ihre Angst, die Kirchenschwelle zu überschreiten.« Ein Imbiss mit »Fettbemmen«, Mineralwasser und Apfelsaft komme gut an. Häufig ergäben sich dabei Gespräche. »Wir haben es mit der Nacht der Kirchen geschafft, dass die Dresdner ihre Kirchen nicht nur als Baudenkmäler, sondern auch als Orte der Begegnung wahrnehmen«, sagt Beuchel.
Manche wiederum trauten sich herein, weil sie gerade nicht angesprochen würden, sagt Klemens Ullmann, Pfarrer an der katholischen Hofkirche. »Sie schätzen diese Freiheit, hereinkommen zu können, ohne vereinnahmt zu werden.« Um die viertausend sind es in der Kathedrale diesmal, die diesen Abend dazu benutzen.
Gerade die kleineren Kirchen in den Stadtteilen sorgen mit ungewöhnlichen Angeboten für Vielfalt. In der evangelischen Philippuskirche im Plattenbaugebiet Gorbitz demonstriert Kantor Gerhard Ullmann 14 staunenden Zuhörern, wie er mit Hilfe moderner Aufnahmetechnik allein ein Trio für Klavier, Akkordeon und Geige spielen kann. Musik prägt auch diesmal die Programme. Oft sind es die Orgeln. Kantor Christian Thiele hat einen ganzen »Orgelspaziergang« zu Instrumenten in vier Kirchen organisiert. Die Markuskirche überrascht mit jazzigen Improvisationen über Lieder aus dem Gesangbuch, die Friedenskirche mit vier selbst gebauten Alphörnern, gespielt von Mitgliedern des Posaunenchors.
In der Martin-Luther-Kirche steht der Kirchentag 2011 im Mittelpunkt. Hier ist Reinhard Höppner zu Gast. Der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt gehört zum Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und will mit seiner Kirchentagsbegeisterung die Zuhörer anstecken, »weil es ein ziemlich einmaliges Ereignis sein wird«. Der Kirchentag sei eine große Bewegung, die nicht kleinzukriegen ist. Viele Teilnehmer des Ökumenischen Kirchentags in München hätten ihm erzählt, dass sie sich auf Dresden freuen. »Und es ist ja eine schöne Stadt«, so Höppner.
Tomas Gärtner/Christine Reuther
Fußballfieber
10. Juni 2010 von mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
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Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Blick auf Fußballbegeisterung in Afrika und in Sachsen.
Die Fußballbegeisterung steht Nokuphila ins Gesicht geschrieben. »I am a big fan«, sagt die Mitarbeiterin eines Schulbuchverlags aus Pietermaretsburg. Gemeinsam mit fünf Glaubensgeschwistern aus Südafrika ist sie zur Zeit Gast im Kirchenbezirk Pirna. Hier gibt es seit 1989 eine Partnerschaft zu lutherischen Gemeinden in dem Land, das in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet. Als sie im Jahr 2000 nicht dafür ausgewählt wurden, habe Trauer im ganzen Land geherrscht, erzählt Nokuphila.
Umso größer ist die Begeisterung jetzt. So wurden Fußball-Freitage ausgerufen. Dann müssen die Kinder nicht in der sonst üblichen Uniform in die Schule kommen – Groß und Klein ziehen die orangen Fantrikots der südafrikanischen Mannschaft an. Und dass ihre Mannschaft die ersten Gruppenspiele erfolgreich meistern wird, davon ist Nokuphila überzeugt.
Doch sie und Pam, Bougiwe, Zandile, Brian und Emmanuel sind nicht nur als Botschafter südafrikanischer Fußballbegeisterung in Deutschland. Sie erzählen auch aus ihrem Alltag. Von den Problemen der Jugendlichen mit Drogen, Alkohol, frühen Schwangerschaften, Armut, sexuellem Missbrauch und Aids.
Pam, die pensionierte Lehrerin, hat es in der eigenen Familie erlebt: Von ihren fünf Kindern leben nur noch vier. »Nun bin ich Vater und Mutter zugleich für meinen Enkelsohn«, erzählt sie. Dessen Eltern seien beide an Aids verstorben. Auch in der Gemeinde kümmert sie sich um die elternlosen Kinder. Mittwochs und donnerstags macht sie mit den Frauen der »Womensleague«, der Frauenarbeit, Hausbesuche. Denn oft sind schon 14-Jährige Familienoberhaupt, wenn die Eltern an Aids gestorben sind. Und die meisten Kinder wüssten gar nicht, ob sie auch infiziert seien. Deshalb machen alle einen Aidstest bei ihren großen Jugendtreffen – um Vorbild zu sein, wie Nokuphila ergänzt. Denn die Regierung sorge dafür, dass mehr und mehr Kinder Medikamente bekämen.
Tilman Krause ist gerade aus Tansania zurückgekommen. » Auch wenn Tansania nicht selbst beim WM-Fest vertreten sein wird, so fiebert ein Großteil der Bevölkerung auf dieses Fußballereignis hin«, sagt der Tansania-Referent des Leipziger Missionswerkes. Da mische sich Stolz über dieses Ereignis auf afrikanischem Boden mit dem Wunsch, weltweit Menschen für den afrikanischen Kontinent zu begeistern. »Afrika ist nicht allein der krisengeschüttelte Kontinent voller Krankheiten«, sagt er. In Dar es Saalam gebe es große Plakatwände, die auf Südafrika und die WM einstimmen. In Dörfern seien es die Fußball spielenden Kinder, die sich aus Stoffresten und Plastemüll Bälle gebaut haben, »um so schöne Pässe zu spielen, wie sie sie in dem einzigen Fernseher beim Dorftreffpunkt sehen können.«
Auch in Deutschland versammeln sich in den nächsten Wochen Menschen gemeinsam vor Fernsehern und Videowänden. Public Viewing ist das Wort dafür. In Sachsen laden 88 Kirchgemeinden dazu ein. Und auch wenn die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und »Brot für die Welt« Informationsmaterial über das Gastgeberland herausgegeben haben, steht doch in den meisten Orten vor allem das gemeinsame Essen, Trinken und Mitfiebern im Vordergrund.
Nokuphila, Pam, Bougiwe, Zandile, Brian und Emmanuel werden in Sachsen auch die Fußballspiele auf Videoleinwand verfolgen. Bis auf das Eröffnungsspiel. Das wird für sie aufgezeichnet, denn da sind sie in Wittenberg. Schließlich sind sie »very lutheran« – sehr lutherisch, wie Nokuphila betont. Nach ihrem Besuch in Bad Schandau verabschieden sie sich mit einem Lied – zumindest im Singen sind sie unschlagbar.
Von Christine Reuther
www.ekd.de/kirche-und-sport
www.ekd.de/wm2010
Es ist nicht leicht, danach zu leben
4. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Christus spricht: Wer euch hört,
der hört mich; und wer euch
verachtet, der verachtet mich.
Lukas 10, Vers 16
Es ist schon zur Normalität geworden, dass ich auf dem Weg zu meiner Arbeit Herbert begegne. Herbert verkauft bei Sonnenschein und Kälte im Stadtzentrum die Obdachlosenzeitung. Wie ich inzwischen weiß, ist er selbst nicht obdachlos, sondern bemüht sich mit dem Zeitungsverkauf darum, seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Und außerdem kommt er unter Leute, statt allein zu Hause zu sitzen. Sein Standort ist ideal, hier kommen ständig Menschen vorbei, auch solche, die ihm eine Zeitung abkaufen. Herbert spricht nicht viel, sondern ist einfach da. Wer will, kann ihn in seiner hageren Gestalt übersehen. Wer eine empfindliche Nase hat, macht lieber einen großen Bogen um ihn. Im Winter dauert er mich, wie er so in der Kälte ausharren muss. Wenn er mal nicht da ist, mache ich mir Sorgen: ist er krank oder ist Schlimmeres passiert?

Foto: Dominique Abed, sxc.hu
Eigentlich haben wir beide nichts miteinander zu schaffen. Jeder kann ohne den anderen leben, ich sicher besser als er. Gerührt bin ich aber, wenn er mich zuerst grüßt, wenn er mir die Tür aufhält, wenn er schneller als ich in seiner stillen Art menschlich zu mir ist. In seinem manchmal jämmerlichen Zustand wirkt er wirklich nicht einladend.
Was geht mich eigentlich dieser Mann an? Aber dann erfahre ich von ihm eine freundliche Geste, die mich daran erinnert, auch er ist ein Geschöpf Gottes. Es spielt keine Rolle, welche Position oder Leistung er vollbringt, ob er am Rand oder im Zentrum unserer Gesellschaft steht. Immer bleibt er ein Ebenbild Gottes, das ich weder verachten noch ablehnen darf, wenn ich die Worte von Christus verstanden habe. Aber danach zu leben ist nicht leicht.
Annemarie Müller
Verkündigung hinter Gittern
3. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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ZDF-Gottesdienst am 13. Juni aus der Anstaltskirche der JVA Bautzen

Ronny M. hat mit Pfarrerin Angela-Beate Petzold den Gottesdienst aus dem Gefängnis vorbereitet. Foto: Irmela Hennig
Ronny M. sitzt seit zwei Jahren im Gefängnis. Ein räuberischer Überfall in Bayern hat dem 23-jährigen Görlitzer die Strafe eingebracht. »Aber ich hoffe, dass ich nächstes Jahr rauskomme«, sagt der junge Mann. Er hofft auf eine Therapie gegen seine Alkoholabhängigkeit. Und auf die Chance zum Neuanfang.
Und vielleicht ist der ZDF-Fernsehgottesdienst, der am 13. Juni aus der Vollzugsanstalt übertragen wird, ein Wegstück hin zum Neustart. Denn Ronny M. wird ihn mitgestalten. Überzeugter Christ ist er nach eigenen Worten nicht. Doch er besucht immer wieder die Gottesdienste in der Gefängniskirche. Und will am Sonntag in einer Woche aus seinem Leben erzählen.
Burghart Jäckel, Leiter der Justizvollzugsanstalt, hatte sich den ungewöhnlichen Gottesdienst zum Abschied gewünscht. Er geht dieses Jahr in den Ruhestand. Die evangelische Seelsorgerin Angela-Beate Petzold hatte zunächst nicht damit gerechnet, dass es klappen könnte. Doch das ZDF sagte ziemlich rasch zu. »Der Ort passt wunderbar in unser Jahresthema«, sagt Stephan Fritz, der evangelische Senderbeauftragter für ZDF-Gottesdienste. »Typisch Mensch« lautet es und typisch menschlich sei es, auch schwere Fehler zu machen. Mit einem normalen Fernsehgottesdienst sei die geplante JVA-Aktion nicht zu vergleichen und nur möglich, »durch den großartigen Einsatz und das Entgegenkommen der Bediensteten und der Anstaltsleitung«, lobt Fritz. So müssen 25 ZDF-Mitarbeiter ständig rein und raus – eigentlich unvorstellbar für ein Gefängnis.
Der Gottesdienst hat prominente Unterstützer. Allen voran Bautzens Oberbürgermeister Christian Schramm. Der frühere Diakon wird mit seiner ökumenischen Band im Gottesdienst musizieren. Mehrere Gefangene wirken im Gottesdienst mit, ein kenianischer Insasse lässt sich sogar taufen. Es werden Spenden gesammelt für die Reparatur des Kirchenklaviers. Ein Chor singt. Und Besucher dürfen in die JVA-Kirche kommen – auf 250 Gäste hofft Pfarrerin Angela-Beate Petzold.
Irmela Hennig
ZDF-Gottesdienst aus der JVA Bautzen am 13. Juni 9.30 Uhr. Besucher müssen zwischen 8.15 und 8.40 Uhr zum Tor der JVA, Breitscheidstraße 4, kommen und einen gültigen Personalausweise mitbringen.
Perverser Spaß
3. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Foto: Melodi T., sxc.hu
Jetzt ist die »Körperwelten«-Schau des Leichenpräparators Gunther von Hagens auch in Sachsen zu sehen – in Leipzig. Wie schon andernorts kommt auch diese Ausstellung mit dem vordergründig erklärten Anspruch daher, gesundheitliche Aufklärung zu leisten.
Das Herz soll diesmal im Mittelpunkt stehen. Da wird uns zum Beispiel erklärt, dass es der unentwegte »Motor des Lebens« sei und Herzkrankheiten die häufigste Todesursache darstellten. Oder dass wir bei Angst und Kummer Herzschmerzen, bei Leidenschaft jedoch Herzklopfen bekämen. All dies aber weiß heute jeder durchschnittlich gebildete Mensch. Warum, so fragt man sich, muss man dafür haltbar gemachte Leichen posieren lassen?
Weil in dieser Ausstellung nicht die Information über den Körperbau, sondern der Nervenkitzel, die skandalträchtige Inszenierung im Vordergrund steht. Seriöse Anatomie-Ärzte, beispielsweise von der Anatomischen Gesellschaft oder der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, haben das schon vor Jahren als »sensationsheischende Erlebnisanatomie« abgelehnt.
Menschen den Bau von Muskeln und Organen zu erklären, ist ein anerkennenswertes Anliegen, das Einrichtungen wie das Hygiene-Museum in Dresden zum Beispiel seit Jahren praktizieren. Man muss dazu nicht Poker spielende Leichen mit offener Bauchdecke zeigen. In der Ausstellung in Augsburg verhinderte nur ein Gerichtsurteil, dass die Leichen beim Geschlechtsakt gezeigt wurden. Solch perverser Spaß verletzt die Menschenwürde.
Allerdings deutet der große Zulauf, den die Ausstellungen bisher verzeichneten, auf ein enormes Interesse an Anatomie hin. Bei ihren »Tagen der offenen Tür« zeigt beispielsweise die Anatomie der Leipziger Uniklinik, wie man das auch auf angemessene und würdige Weise befriedigen kann.
Tomas Gärtner
Leib und Leben
3. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Anfang Juni wird der Tag der Organspende begangen. Doch daneben gibt es auch die Möglichkeit der Körperspende. Aber ist das auch mit dem christlichen Glauben vereinbar?
Wer Leben erhalten will, braucht Tote. »Für die Ausbildung der Medizinstudenten und Weiterbildung von Ärzten ist das Studium an menschlichen Körpern unerlässlich«, sagt Professor Richard Funk vom Institut für Anatomie der Dresdner Universitätsklinik.
An der Leipziger Universität gab es erste anatomische Demonstrationen schon im 16. Jahrhundert. Verwendet wurden dafür früher die Körper von Zuchthäuslern oder Selbstmördern. Heute sind es Körperspender – Menschen, die zu Lebzeiten erklären, nach ihrem Tod ihren Körper der Medizin zu überlassen. In Dresden im Schnitt 25 pro Jahr.
»Der hehre Wunsch, der Wissenschaft zu dienen, ist da allerdings nur selten das entscheidende Motiv«, gibt Monika Nicklisch, Präparatorin an der Dresdner Uniklinik, zu. »In erster Linie wollen diese Menschen nach ihrem Tod ihren Angehörigen nicht zur Last fallen, ihnen die Geldausgaben für die Bestattung ersparen.« Denn diese Kosten – im Schnitt 1500 Euro pro Person – übernimmt bei Körperspendern die Uniklinik. In Leipzig allerdings müssen Körperspender etwa 1000 Euro bezahlen, wie Professor Ingo Bechmann vom Institut für Anatomie sagt.
Abgesprochen werden sollte das aber vor allem mit den Angehörigen, sagt Monika Nicklisch. »Denn die haben damit in der Regel das größte Problem.« Bis zur Bestattung müssten sie zwischen zwei und vier Jahre warten. In dieser Zeit gehört der Leichnam der Medizin. Am Ende wird er verbrannt und in einer Urne anonym auf einem Friedhof bestattet.
»Wir achten darauf, dass alle würdig mit diesen Körpern umgehen«, sagt Monika Nicklisch. Dazu gehört auch eine Gedenkfeier für die Angehörigen von Körperspendern, alljährlich zwischen Ewigkeitssonntag und 1. Advent. Die gestalten die Dresdner Medizinstudenten gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorgern als Ritual für Konfessionslose wie für Christen. Dort werden zum ersten und einzigen Mal die Namen der Körperspender verlesen. »Erst die Verstorbenen haben uns Studierende in die Lage versetzt, von der bloßen Theorie zum Fassbaren – und vom Ganzheitlichen zum Detail und auch wieder zurück zum Ganzen zu kommen« hat der Dresdner Medizinstudent Georg Ebeling einmal bei einer Gedenkfeier gesagt.
In juristischer Hinsicht ist die Körperspende unumstritten. Sie gründet auf dem vom Grundgesetz geschützten Recht auf Selbstbestimmung. Deshalb kann auch niemand juristisch gegen Gunther von Hagens’ Ausstellung »Körperwelten« oder sein jetzt in Guben eröffnetes »Plastinarium« vorgehen, solange die dort präparierten und ausgestellten Leichen von freiwilligen Körperspendern stammen. Moralische Bedenken allerdings hat Monika Nicklisch, die Christin ist, dagegen sehr wohl: »So darf man menschliche Leichen nicht ausstellen.«
Und wie steht es mit dem christlichen Glauben, ist die Körperspende damit vereinbar? »Aus theologischer Sicht gibt es keine Einwände dagegen«, sagt Werner Rudloff, Krankenhausseelsorger am Dresdner Uniklinikum. Ob Erd- oder Feuerbestattung – »davon hängt das Seelenheil nicht ab«.
Renate Knüppel, Referentin für Lebens- und Umweltschutz im Kirchenamt der EKD, bestätigt dies: »Leibliche Auferstehung bedeutet neue, durch den Geist Gottes verwandelte und verklärte Leiblichkeit. Diese zukünftige Wirklichkeit ist nicht als Fortsetzung des irdischen Leibes vorzustellen, sondern bedeutet eine unaussprechliche Wirklichkeit, die irdische Leiblichkeit in eine neue Dimension überführt.«
Grundsätzlich sei der Körper ein Geschenk Gottes, »über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen kann, das er aber aus Liebe zum Nächsten und aus Solidarität mit Kranken einsetzen darf«.
Von Tomas Gärtner
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