Weltversammlung der lutherischen Christen

15. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

Weltversammlung
Wenn sich in der kommenden Woche über 400 Abgesandte der 140 lutherischen Kirchen aus aller Welt in Stuttgart treffen, sind auch fünf Sachsen dabei.

Aus Lateinamerika kommt der Ruf nach einem Ende bewaffneter Konflikte, die »Millionen Menschen in aller Welt ihr tägliches Brot« nehmen. Europas lutherische Christen bekennen, »in vielfältiger Weise« versagt zu haben: Ressourcen vergeudet, Habgier toleriert und die Beziehungen zwischen Schöpfer und Schöpfung zerstört zu haben. Die Afrikaner fordern fairen Zugang zu Land, Wasser, Bildung und ein entschlossenes »Ja« zur Frauen­ordination. Vertreter der Christen aus den 140 Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben ihre Botschaften formuliert. Vom 20. bis 27. Juli werden sie bei ihrer Vollversammlung in Stuttgart darüber sprechen unter dem Thema »Unser täglich Brot gib uns heute«.

Die sächsische Landeskirche entsendet fünf Teilnehmer. Neben Landesbischof Jochen Bohl sind das die Landesfrauenpfarrerin Antje Hinze, die Medizinstudentin Stefanie Opitz als Jugendvertreterin, die Oberkirchenrätin Kathrin Schaefer aus dem Landeskirchenamt und der Synodenpräsident Otto Guse. Wie alle rund 400 Delegierten haben sie sich auf das Treffen vorbereitet und fahren mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stuttgart.

Otto Guse will vor allem wissen, »welche Probleme die lutherischen Kirchen weltweit bewegen«. »Wir sind gut beraten zuzuhören«, sagt der Synodenpräsident. Denn zum Beispiel ökologische Fragen beträfen andere Länder und Kirchen in viel stärkerem Maße. »Und das Problem knapper werdender Mittel trifft uns bei weitem nicht so existentiell wie andere.« Zudem sei unser demografischer Wandel Afrikanern nicht zu vermitteln. »Das sind ganz junge Kirchen. Da werden wir sicher Erfahrungen mit nach Sachsen nehmen.«

Stefanie Opitz ist das Thema Ernährungsgerechtigkeit wichtig. »Auf unseren Freizeiten, Tagungen, in unseren Freizeitheimen nur fair gehandelte Produkte anzubieten – das wäre schon ein großer Gewinn, wenn wir das in unseren Landeskirchen erreichen könnten«, sagt die Medizinstudentin. In der vergangenen Woche hat sie sich in Dresden gemeinsam mit 120 Jugendvertretern aus aller Welt auf das Treffen in Stuttgart vorbereitet.

Und auch Antje Hinze interessiert, »was die Menschen, die kein täglich Brot haben, uns zu sagen« haben. Sie will aber auch dort mitreden, wo es um die Frauenordination geht. In dieser Frage ist sie der selben Meinung wie die afrikanischen Christinnen: »Viele Frauen hungern nach Anerkennung ihres Dienstes und nach der Möglichkeit, ihre Gaben für eine gerechte Welt einzusetzen«, so Hinze.

Noch ein anderes Thema liegt ihr am Herzen, obwohl es nicht auf der Tagesordnung steht: Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Kirche. »Es gibt Menschen unter uns, die hungern nach Gottes Segen für ihre Beziehung, wir aber schließen sie aus.« Bei diesem Thema jedoch gibt es gegensätzliche Positionen in der weltweiten lutherischen Christenheit. Noch 2007, bei einer LWB-Ratstagung im schwedischen Lund, hatte Generalsekretär Ishmael Noko bekräftigt, dass die kontroverse Debatte über Ehe, Familie und Sexualität den Lutherischen Weltbund nicht spalten könne. Diesen Fragen müsse man sich stellen, hatte Noko damals gesagt. In ihrer Botschaft an die Vollversammlung bekräftigen die Vertreter Afrikas jedoch ihre Haltung, wonach allein die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott eingesetzt und gewollt sei.

Antje Hinze hofft, dass sich an diesem Thema die lutherische Christenheit nicht entzweit. Und sie erwartet von dem Treffen in Stuttgart »ein lebendiges Zeugnis aus einer Welt des Hungers, des Durstes, der Verzweiflung, das mich verändert«.

Christine Reuther

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Reaktionen unserer Leser

1 Lesermeinung zu “Weltversammlung der lutherischen Christen”
  1. Lutz Schuster sagt:

    Wenn in der dritte Welt gehungert wird lieg es auch an unserer Energiegewinnung aus Biomasse, der gewichtigsten der sogenannten erneuerbaren Energien. Die EKD hat sich diesen Lobbyisten der erneuerbaren Energie angeschlossen. Ihr Beschuss dazu diese wieder einmal „epochemachende“ typisch deutsche Anschauung maßgeblich zu unterstützen sollte u. a. daher zurückgenommen werden. Man sollte nicht probieren das Lob der deutschen Politiker zu gewinnen sondern recherchieren, denn erneuerbare Energie heißt vor allen auch Biomassenenergiegewinnung im großen Stil. Was nachweislich bedeutet, der Brotkorb wird für die Hungernden in der dritten Welt höher gehängt. Brot für die Welt – von deutschen lutherischen Christen propagiert wird so durch den EKD zur Lachnummer, diese Weltversammlung in Stuttgart betreff des Hungers eine Farce.