Bürgerrecht für alle gibt es nur bei Gott
16. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, Vers 19
Was hat die frühe Kirche so anziehend gemacht? Der Glaube und die Predigt? Darüber haben viele gelacht. Stärker wirkte die Einheit von Glaube und Leben. Dazu gehörte ohne Zweifel die Bereitschaft, für den eigenen Glauben zu sterben. Vor allem aber setzten die Gemeinden die Forderung Jesu um, barmherzig zu allen Menschen zu sein. Es war das diakonische Handeln der Kirche, das die Kirche so anziehend machte. Und sie bot etwas, das Rom nur sparsam verteilte: das Bürgerrecht. Wer getauft war, bekam das Bürgerrecht im Himmel. Egal, ob Mann oder Frau, frei oder versklavt, Jude, Grieche oder Barbar – alle eins in Christus Jesus.

Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig. Foto: Armin Kühne
Nicht die Nation zählt, die davon lebt, dass sie sich gegen Menschen anderer Nationen abgrenzt. Nicht die Geburt zählt, die bestimmt, wer dazugehört und wer draußen bleibt. Nein: alle eins in Christus Jesus; keine Gäste mehr bei Gott, sondern seine Familie.
Heute sterben an den Grenzen Europas täglich Menschen, die hierher wollen, um zu leben. Egal, ob sie ein Bürgerrecht im Himmel haben oder nicht – sie müssen draußen bleiben. Das Bürgerrecht im Himmel ist auf der Erde nicht viel wert; auch nicht im christlichen Abendland. Was könnte die Kirche heute
anziehend machen?
Frank Martin
Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig.
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