Zeugung statt Erzeugung

16. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

Pipette
Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, die Untersuchung von Embryos auf Gendefekte und Erbkrankheiten vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter zuzulassen, hat ein grundsätzliches Dilemma offenbart: Eine Gesetzgebung, die erst abwägen möchte, was ethisch zulässig ist, um dies dann in Paragrafen zu formulieren, hinkt den rasanten Fortschritten der Gentechnik meilenweit hinterher.

Verständlich: Ethische Debatten brauchen Zeit, weil jene, die sie führen, in größeren Zusammenhängen denken müssen, denen der Gesellschaft und des Menschen. Weil sie erwägen müssen.

Da ist die Medizin schneller, schon weil sie es sein muss: Nur wer im Wettlauf der Erkenntnisse die Nase vorn hat, hat Aussicht, die teure Forschung auch künftig finanziert zu bekommen. Diese Dynamik hat einen stärker und stärker werdenden Verbündeten: Es ist die Auffassung, dem Einzelnen seien dank der modernen Medizin in der Verwirklichung seiner Lebensvorstellungen keine Grenzen mehr gesetzt. Kein Schicksal mehr, nur noch Möglichkeiten, die man wie ein Designer selbst gestaltet.

Ging es in dem vorliegenden Fall um die Bekämpfung gefährlicher Krankheiten? Es ging um den Kinderwunsch von Paaren und um deren nachvollziehbaren Anspruch, ein gesundes Kind zu bekommen. Wäre auch ein Paar denkbar, das nur jene Therapien auf sich nimmt, die seine natürlichen Fähigkeiten stimulieren, Kinder zu bekommen? Und das schließlich sagt: Schluss, vielleicht liegt ein tieferer Sinn darin, dass es bei uns nicht sein soll.

Es gibt andere Wege als so weit gehende Eingriffe, die die Zeugung zur Erzeugung machen. Eine Adoption zum Beispiel. Wir sollten uns die Frage stellen: Ist zur Erfüllung des Kinderwunsches alles zulässig?

Tomas Gärtner

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  1. [...] Zeugung statt Erzeugung » Erbkrankheit, Gendefekt, Voruntersuchung … [...]

  2. [...] (siehe die letzte Ausgabe unserer Kirchenzeitung). Der Bundesgerichtshof hat kürzlich entschieden: Ja, aber nur wenn Erbkrankheiten ­befürchtet werden, eine allgemeine Vorselektion darf nicht sein… Doch so entsteht Druck auf Eltern, die ein ­behindertes Kind haben: »Konntet ihr es nicht [...]