Muttis Arbeit
22. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar
Wenn Mutti früh zur Arbeit geht, dann bleibe ich Zuhaus. Ich binde meine Schürze um und kehr die Stube aus …«, hieß es in einem Kinderlied aus DDR-Zeiten. Es besang die Emanzipation der Frau – und des Kindes: Während Mutti den Beruf ausübt, macht das Kind die Hausarbeit. Heute macht Mutti das alles allein. Zumindest, wenn man einer Studie glaubt, die Gewerkschaft und Familienministerium zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Auftrag gegeben hatten, und die vorige Woche in Leipzig vorgestellt wurde.
Während immer mehr Frauen die Hauptverdiener ihrer Familie sind – 21 Prozent sind es gegenüber 15 Prozent 1991 – bleibe die Rollenverteilung im Haushalt die gleiche wie immer, heißt es da. Mutti putzt und kocht und kümmert sich um die Kinder – neben dem Beruf. Und oft sei sie noch Druck vonseiten ihres Arbeitgebers ausgesetzt, wenn sich Arbeitszeit und Öffnungszeit des Kindergartens nicht vereinbaren lassen, sagt die Studie.
»Wenn ich gewusst hätte, wie schwer das alles ist, hätte ich mich nicht für ein Kind entschieden«, sagt eine junge Frau in einer Radioreportage, als es um einen Betreuungsplatz geht, den sie für ihr Kind nur schwer und für viel Geld ergatterte. Dazu passt eine Meldung des Müttergenesungswerks. Das hat die Ablehnungspraxis der Krankenkassen für Mutter-Kind-Kuren kritisiert. Es sei unverständlich, warum kranke und belastete Mütter viele Hürden überwinden müssten, wenn sie einen Kurantrag einreichten, hieß es.
So richtig wundern kann man sich deshalb nicht, wenn Deutschland immer älter wird und immer weniger Kinder geboren werden. Umso mehr freut man sich über jede Kinderwagen schiebende Familie und jeden Vater, der sich Elternzeit nimmt. Dabei müsste das alles doch selbstverständlich sein.
Christine Reuther
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Selbstverständlich wird das nie werden, zumal Kinder, wie weiter oben in dem Artikel angedeutet, oft mehr als Last denn als Freude empfunden werden. Die Spaßgesellschaft tut dann noch ein Übriges dazu, ungebunden die lockeren Freuden des Lebens genießen zu wollen. Da stören doch Kinder nur, zumal sie häufig relative Armut bedeuten, denn der Staat belohnt durch seine Steuerpolitik eher Kinderlosigkeit anstatt er Familien mit Kindern fördert. So hat er beispielsweise die vom Bundesverfassungsgericht in mehreren Gesetzesvorlagen seit langem geforderte horizontale Steuergerechtigkeit für Familien immer noch nicht umgesetzt, und das würde wenigstens einige hundert Euro mehr im Monat für Familien bedeuten. Und solange das so ist, wird es auch immer weniger Kinder geben. Zudem gehen Maßnahmen wie der Krippenausbau ins Leere: in den Ländern mit den meisten Krippenplätzen gibt es die wenigsten Kinder, und bezogen auf ganz Deutschland ist die Zahl der Geburten weiter gesunken und und damit liegt Deutschland abgeschlagen auf dem letzten Platz in Europa. Ein Betreuungsgeld, wie es beispielsweise Schweden (300 Euro) oder Norwegen (450 Euro) oder Vergünstigungen von über 500 Euro pro Kind und Monat wie in Frankreich für Eltern, die ihr Kind nicht in eine Krippe geben, könnten vielleicht das Schlimmste verhüten, diese drei Länder haben deutlich höhere Geburtenraten, Frankreich sogar annähernd bestandserhaltende. Und weniger würden diese Maßnahmen im Vergleich zum Krippenausbau auch kosten und es bliebe noch Geld für wirkliche Bildung übrig. Vor allem aber müsste die Achtung und Anerkennung vor dem Lebensmodell Familie und die Liebe zu Kindern wieder zur Tradition werden.