Doppelt hält nicht besser
29. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Titelseite

Johannes tauft Jesus – so malte es Lucas Cranach der Jüngere 1560 für die Wittenberger Stadtkirche. Als Taufzeugen fügte er den Reformator Johannes Bugenhagen in das Bild ein. Foto: epd-Bild
Wiedertaufen spalten Gemeindegruppen. Dabei geht es um die Frage: Muss ich mir Gottes Liebe verdienen?
Drei Wochen nach der Taufe saßen sich die sechs Täuflinge und die beiden Pfarrer ihrer erzgebirgischen Kirchgemeinde gegenüber. Die Atmosphäre war frostig. Denn über die Köpfe der erwachsenen Männer und Frauen war im Herbst vergangenen Jahres nicht das erste Mal Taufwasser geflossen. Bereits als Kind hatten sie das Sakrament empfangen – und nun in einer Freikirche wiederholt.
»Der Glaube muss vor der Taufe kommen«, sagte einer von ihnen zur Begründung. Die Taufe eines ungläubigen Säuglings ist in ihren Augen nichts wert. Die sechs wollten sich erst bewusst für Jesus entscheiden und als Zeichen dafür getauft werden – zum zweiten Mal. Ein Mensch, der getauft ist und sich nicht konsequent für den Glauben entscheidet, der wird ihrer Meinung nach von Gott nicht gerettet.
»Aber in der Taufe schenkt Gott mir seine Gnade. Die hält mich auch, wenn ich keine Kraft mehr habe«, erwiderte der Pfarrer den drei Ehepaaren. Sie waren engagiert in der Landeskirchlichen Gemeinschaft und sind erfolgreich im Beruf. Eine Leistung wollen sie auch für Gott erbringen.
»Paulus schreibt: Du bekommst von Gott, was du eigentlich nicht verdient hast«, sagte der Pfarrer. »Doch mit einer Wiedertaufe will man sich das Heil verdienen.«
Das ist kein Einzelfall. Es gibt mehrere Kirchgemeinden in Sachsen, in denen sich Einzelne oder kleine Gruppen in den letzten Jahren für eine Wiedertaufe entschieden. Schmerzhafte Aspaltungen von der Gemeinde sind oft das Ergebnis. Genaue Zahlen nennt die Landeskirche nicht. Doch ihre Taufordnung formuliert unmissverständlich: Die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und seiner Kirche bleibe ein Leben lang gültig.
»Mit einer Wiedertaufe geschieht die Trennung von der Landeskirche, solange die Betreffenden sich nicht von der Wiedertaufe distanzieren«, so die Ordnung. Die sechs nochmals getauften Christen aus dem Erzgebirge trennten sich freiwillig von ihrer Kirche.
Schon Martin Luther kämpfte hart mit den Wiedertäufern – es kam in der Reformationszeit zu Hinrichtungen und Vertreibungen. Auf seiner Vollversammlung bekannte der Lutherische Weltbund am 22. Juli seine Schuld gegenüber der Verfolgung der mennonitischen Kirche und aller Täufer. Unverändert aber gilt für ihn Luthers Lehre: Die Taufe ist ein Geschenk Gottes - und kein menschlicher Verdienst.
Doch in einer Gesellschaft, in der ein jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, hat es ein Geschenk schwer. »In ganz Deutschland gibt es einen Trend zur Individualisierung«, sagt Gert Pickel, Professor für Religionssoziologie an der Universität Leipzig. »Man könnte die Wiedertaufe als bewusste Entscheidung stark individualisierter Menschen deuten, die selbst aktiv entscheiden wollen.«
Dabei sollte man die Motive der Menschen, die sich für eine erneute Taufe entscheiden, durchaus ernst nehmen, sagt Wolfgang Ratzmann, Leipziger Professor für Praktische Theologie. »Die Kirche muss über neue Formen nachdenken für Lebensentscheidungen wie einen Wiedereintritt in die Kirche – und auch dafür, dass uns immer neu bewusst wird: Ich bin getauft.«
Ratzmann verweist auf katholische Kirchgemeinden in Bayern. Sie begrüßen wiedereingetretene oder neu zugezogene Mitglieder mit einer liturgischen Zeremonie. Und erst unlängst versammelten sich im Semesterabschlussgottesdienst der Leipziger Universität Besucher um den Taufstein der Nikolaikirche, wo ihnen mit Wasser ein Kreuz auf die Handflächen gezeichnet wurde – als Erinnerung an ihre Taufe.
Die Landeskirche ruft im Rahmen des Reformationsjubiläums der EKD das nächste Jahr zum »Jahr der Taufe« aus. Dann sollen am 1. Mai Kirchgemeinden in Gottesdiensten eine Tauferinnerung für Kinder und Erwachsene anbieten. Über die Bedeutung der Taufe – so viel ist sicher – muss neu gesprochen werden.
Andreas Roth
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Was sagt den die Bibel zu diesem Thema?
Markus 16, 15-16:
“15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!
16 Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.”
Da steht ganz klar, dass es nicht die Taufe ist, die uns rettet (so wie es der Pfarrer zu glauben scheint), denn wenn man nicht glaubt, kann man getauft sein oder nicht, “man wird verdammt”. Was uns vor dieser Verdammnis rettet, das ist doch, dass Jesus Christus am Kreuz den Zorn Gottes getragen hat, der uns hätte treffen müssen, weil wir so durch und durch sündhaft sind und so gar nicht zu dem heiligen Gott passen. (1Joh 1,8 “Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.”)
Wenn der eine Wiedergetaufte zur Begründung sagt »Der Glaube muss vor der Taufe kommen«, so lässt sich diese Ansicht biblisch begründen:
Apostelgeschichte 3,35-38:
“35 Da tat Philippus seinen Mund auf und begann mit dieser Schriftstelle und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus.
36 Als sie aber auf dem Weg weiterzogen, kamen sie zu einem Wasser, und der Kämmerer sprach: Siehe, hier ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?
37 Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist!
38 Und er ließ den Wagen anhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.”
Ich verstehe nun nicht, warum in dem Artikel so einseitig gegen die Wiedertäufer argumentiert wird, wo doch das Taufverständnis der Kirche (wie oben angerissen) auch nicht soo bibelnah zu sein scheint.
Woran erkennt man nun, wer in Glaubensdingen Recht hat? Und ist es war, dass die bloße Zugehörigkeit zur Kirche durch die Taufe uns rettet? (”Doch ihre Taufordnung formuliert unmissverständlich: Die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und seiner Kirche bleibe ein Leben lang gültig.”) Jesus sagte mal ganz allgemein und doch sehr konkret:
Matthäus 7,13-23:
“13 Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen.
14 Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden.
15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!
16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?
17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte.
18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.
19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
20 Darum werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen.
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.
22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht?
23 Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! ”
Also wir sollen den Willen Gottes tun… den man wiederum in der Bibel findet, darum:
“Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr unecht wärt!” (2Kor 13,5)
Was heißt “in Christus”?
“Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; ” (2Kor 5,17.18)
Der Artikel enthällt leider einige unterschwellige Mißdeutungen und Unterstellungen und entspricht, meines Erachtens, weder dem Sinn noch dem “Geist” des Aussöhnungsgeschehens beim Treffen des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart. Die mennonitischen Kirchen glauben nicht, dass die Taufe ein “menschlicher Verdienst” ist. So wenig, wie lutherische Christen glauben, dass ihre Taufpraxis ein Verdienen der Gnade und Liebe Gottes wäre… Auch glauben Mennoniten nicht, dass die Taufe “rettet”. Die Gnade Gottes ist Geschenk Gottes zur Rettung durch den Glauben. So problematisch und kirchentrennend “Wiedertaufen” im Eizelfall sein mögen, eine solch unzureichende Darstellung der mennonitisch-täuferischen Überzeugungen ist auf jeden Fall nicht geeignet die bestehende Kluft in der Tauflehre und Taufpraxis zu überbrücken und den konstruktiven Dialog zu fördern.
Wenn Menschen eine Gemeinschaft verlassen, so ist das für alle Seiten
schmerzlich. Auch ruft der Begriff “Wiedertaufe” historisch begründete
Ängste und Aversionen hervor. Andreas Roth geht den Hintergründen nach.
Leider vermisse ich das Bemühen, die Motive wirklich verstehen zu wollen.
Außerdem bedürfen einige Verdrehungen, die uninformierte Leser verwirren,
dringend einer Korrektur:
Vor ca. 2000 Jahren tadelte Jesus die Pharisäer: “Wie fein hebt ihr Gottes
Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet.” (Mk. 7,9). So müssen wir
als neutestamentliche Gläubige immer wieder mal prüfen: Sind unsere
Bräuche, unsere großartigen Ideen oder das Wort Gottes der Maßstab unseres
Lebens. Davon hängt entscheidend ab, wie wir Dinge beurteilen.
Andreas Roth behauptet, dass Gemeindeglieder der ev.-luth. Kirche, die
sich als Erwachsene (wieder) taufen lassen, “sich die Liebe Gottes durch
Leistung verdienen wollen”. Gott liebt jeden Menschen – unabhängig von
Charakter oder Leistungen, das steht außer Zweifel. Und Luther und die
Reformatoren haben die Gerechtigkeit aus Glauben und die Errettung aus
Gnade wieder neu auf den Leuchter gestellt. Dafür sind ihnen lutherische,
wie auch reformierte, evangelisch-freikirchliche oder Christen der
Freikirchen dankbar. Um Liebe aus Leistung kann es also nicht gehen.
Eine andere Sache aber ist der ewige Bund, den Gott allen Menschen
anbietet. Um in ihn einzutreten, muss jeder persönlich die ausgestreckte
Hand ergreifen. Das kann niemand stellvertretend für ihn tun. Aber es ist
keine “Leistung”, wie man das “Ja” einer Braut vor dem Standesamt auch nicht als Leistung beurteilen würde.
Die Bibel spricht ganz eindeutig davon, dass die Umkehr von einem
selbstbezogenen Leben dem Glauben voran gehen muss (siehe z. B. Mk. 1,
15). Paulus schreibt an die Römer: “Denn wenn du mit deinem Munde
bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn
Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. (Röm. 10, 9)
Und mit der Taufe tritt nun der Gläubige heraus aus der Individualität, indem
er vor Gott und der Gemeinde bekennt, dass er Jesus sein Leben unterstellt
hat. Er wird in den Leib Jesu hinein getauft, d. h. in die Gemeinschaft
der Gläubigen, nicht in eine Konfession oder Denomination.
Wenn sich als Kind Getaufte später für eine Wassertaufe entscheiden, so geschieht das nicht leichtfertig. Sie ringen mit Gott um den richtigen Weg und folgen ihrem Gewissen, dem, was ihnen im Innern offenbar geworden ist.
Ich stimme Andreas Roth zu, dass ein erneutes, tiefes Nachdenken über Inhalt und Bedeutung der Wassertaufe viel Segen bringen wird.
Was ist denn das für ein Schwachsinn? Wenn man sich nochmal taufen lässt heißt das doch nicht, dass man sich Gottes Liebe verdienen will. Hier werden doch ein paar Sachen grundlegend verdreht, in diesem Artikel.
Gott geht glaube ich viel entspannter mit der Thematik um, als die allgemeine Christenheit. Wie viel Kraft wird in solchen sinnlosen Diskussionen verpulvert, anstatt, dass man mal die Augen öffnet, für die Not, die um einen herum passiert und Christus in eine verlorene und leidende Welt hineinträgt!
Eine Schande ist das!
“Sie sollen endlich mit diesem sinnlosen Nachforschen in Legenden und Abstammungstafeln aufhören; das führt zu nichts als zu nutzlosem Gerede und Streit. Es lenkt uns ab von der Aufgabe, die Gott uns gegeben hat und die wir im Glauben ausführen.” 1. Timotheus 1, 4
Diskussionen über Tauffragen zählen für mich unter diese Kategorie.
@Lily84: Amen! Eine Schande ist das.
Wow. Eigentlich wollte ich mich hier ganz raushalten, aber die positiven Lesermeinungen will ich gern bestätigen.
Ich bin einer von den sechs (Wieder)Getauften. Und leichtfertig haben wir die Entscheidung, jeder einzelne für sich, nicht getroffen. Den Gedanken, damit eine Leistung zu erbringen, hatte ich ganz ehrlich bis heute noch nie gehabt.
Die Lesermeinung von Dr. Mende fasst einen Großteil meiner Gedanken sehr gut zusammen. Geschrieben und geredet wurde dazu an anderer Stelle viel zu viel. Ich habe bei der Thematik ehrlich mit Gott ringende Menschen kennengelernt, die leider trotzdem unseren Weg abgelehnt haben. Der Heilige Geist nur kann die Offenbarung bringen wie bei Petrus bevor er zu Kornelius gegangen ist. Auch er hat etwas (nach den Gesetzen) Verbotenes getan, indem er in das Haus des Heiden ging. Wir sind heute wohl alle froh darüber.
Ich bete um einen geistlichen Aufbruch und vielleicht sind wir ein kleiner Puzzlestein darin. Die Menschen, die wir in der Kirche oder LKG verlassen haben, haben wir eigentlich im Herzen umso lieber gewonnen…
Lieber Schreiber des Artikels,
hast Du Jesus wirklich lieb oder dienst Du einer Religion?
Liebe Grüße
Klaus
Weder bei einer Kindertaufe noch bei einer Erwachsenentaufe geht es darum, dass sich die Täuflinge die Liebe Gottes verdienen müssen.
Hier wird den Täufern/Mennoniten und anderen Freikirchen ein Taufverständnis unterstellt, das es nicht gibt.
Ich frage mich, wie ein konstruktiver Dialog zwischen den Konfessionen und Denominationen geführt werden kann, wenn mit solchen pauschalen Unterstellungen gearbeitet wird.