Religionsunterricht: »mangelhaft«

5. August 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Sachsen

Wer war Martin Luther, wovon erzählt die Bibel? Das Wissen über Religionen gehört zur Allgemeinbildung. Doch in sächsischen Schulen wird das Fach Religionsunterricht noch längst nicht überall angeboten.  Foto: Steffen Giersch

Wer war Martin Luther, wovon erzählt die Bibel? Das Wissen über Religionen gehört zur Allgemeinbildung. Doch in sächsischen Schulen wird das Fach Religionsunterricht noch längst nicht überall angeboten. Foto: Steffen Giersch


Er bleibt in Sachsen ein Sorgenkind: Für flächendeckenden Religionsunterricht fehlen die Lehrer – und die Schulstunden.

Von Andreas Roth

Das Schuljahr beginnt. Doch viele Lehrer, Pfarrer und Gemeindepädagogen erfahren erst kurz vor Dienstbeginn, wo und wann sie Religionsunterricht geben werden. »Durch das Auslaufen der Teilzeitvereinbarung des Freistaates mit den Mittelschul- und Gymnasiallehrern war die Unterrichtsplanung dieses Mal besonders kompliziert«, stellt Almut Klabunde fest. Sie ist die für Bildung zuständige Oberlandeskirchenrätin im Landeskirchenamt.

Dabei ist die Zahl der Schüler in den vergangenen zehn Jahren gesunken: von 480.000 auf 270.000. Und auch die Zahl der Religionsschüler verringerte sich von knapp 76.000 im Jahr 2000 auf rund 65.000 im letzten Schuljahr. »Aber es fehlt nach wie vor an Religionslehrern«, sagt Oberlandeskirchenrätin Almut Klabunde.

Denn weil die Schüler und die Staatsfinanzen knapper wurden, stellt der Freistaat seit Jahren nur wenige neue Lehrer ein. Staatliche Pädagogen würden »auf absehbare Zeit nicht flächendeckend« den Religionsunterricht an sächsischen Schulen gewährleisten können, räumt die Sprecherin des Kultusministeriums Susann Mende ein. Ob unter den jetzt angekündigten Neueinstellungen von 130 Lehrern auch Religionslehrer sein werden, lässt das Ministerium offen.

Deshalb unterrichten neben 450 staatlichen Lehrern auch 365 evangelische Gemeindepädagogen und 199 Pfarrer in Sachsens Schulen. Und die Landeskirche versucht das Loch weiter zu stopfen. Die Stellen ihrer Katecheten werden aufgestockt: Sie dürfen nun bis zu drei Viertel ihrer Dienstzeit Religionsunterricht geben. Zudem werden im beginnenden Schuljahr in den Kirchenbezirken Plauen, Freiberg, Auerbach und Leipzig neue Schulpfarrer eingeführt. Doch bei allen Anstrengungen der Landeskirche: Die Lücke im Religionsunterricht bleibt groß in Sachsen.

Zwar kann jedes Kind das Fach besuchen, wenn es das möchte – wenigstens in einer benachbarten Schule. Doch soll Religion laut Lehrplan eigentlich an allen sächsischen Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien zwei Stunden pro Woche unterrichtet werden. Das aber ist nur in den letzten beiden Klassen vor dem Abitur überall der Fall (siehe Kasten).

»Wie es jetzt aussieht, wird es auf keinen Fall eine Verbesserung dieser Lage geben«, sagt Gabriele Mendt, Bildungsreferentin der sächsischen Landeskirche. »Der Ausbau der Zweistündigkeit stagniert seit Jahren.«

Das hat Folgen für den Inhalt des Religionsunterrichtes. »Ein nur eine Stunde pro Woche unterrichtetes Fach hinterlässt bei den Schülern einen oberflächlichen und wenig ernsthaften Eindruck«, sagt Christian Kahrs, der als Professor an der Evangelischen Fachhochschule Moritzburg Gemeindepädagogen auch für den Dienst in der Schule ausbildet. »In nur einer Wochenstunde kann man ein Thema nicht in Ruhe erarbeiten. Dabei brauchen die meisten Schüler erst einmal eine Alphabetisierung in der Wahrnehmung der religiösen Wirklichkeit.« Zudem brauche ein Fach Gewicht, um sich an einer Schule zu etablieren, so Kahrs. »Doch der Freistaat scheint daran kein großes Interesse zu haben, weil es Geld kostet.«

Besonders groß ist das Problem für behinderte Kinder und Jugendliche. Sie finden an keiner einzigen sächsischen Förderschule einen zweistündigen Religionsunterricht, und nur an einigen Einrichtungen gibt es das Fach mit wenigstens einer Wochenstunde.

Auch an den Berufsschulen wird nur selten Religion unterrichtet. Das liegt an der geringen Nachfrage – aber auch am Mangel an speziell für diese Schulart ausgebildeten Religionslehrern.

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