Sozialer Dienst

6. August 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

Foto: Teri Gosse, sxc.hu

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Im Herbst will die Bundesregierung die Bundeswehrreform beschließen. Dies wird zu einer Entscheidung über die Zukunft der Wehrpflicht werden. Schon mehren sich die Stimmen, die dafür plädieren, sie auszusetzen. Doch was wird dann mit dem Zivildienst?
Erinnern wir uns: Geschaffen worden ist er als Alternative. Für jene Männer, die Waffendienst aus Gewissensgründen ablehnten – in einer Zeit der Konfrontation hochgerüsteter Militärblöcke. Längst wird eine andere Bundeswehr gebraucht: Eine flexible Eingreiftruppe, eine Art internationale Polizei mit hochqualifizierten Soldaten. Es wird auf eine Berufsarmee hinauslaufen, früher oder später.

In der gleichen Zeit ist der Bedarf an Arbeitskräften in Gesundheitswesen und Pflege enorm gestiegen. Weil das Geld dafür fehlt, haben sich die Wohlfahrtsverbände auf die Zivis eingerichtet. Das führt nun zu einer absurden Situation: Die Wehrdienstzeit wird verkürzt, weil die Bedeutung der Landesverteidigung sinkt. Automatisch wird die Zivildienstzeit reduziert – ausgerechnet dort, wo mehr Hände gebraucht werden.

Das Problem tritt offen zu Tage: Die Kopplung von Wehrdienst und Zivildienst ist überholt. Höchste Zeit, dieses immer sinnloser werdende Prinzip aufzugeben. Nun ist eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Ist die Arbeit der rund 90 000 Zivis unentbehrlich, gäbe es zwei Möglichkeiten. Entweder bekommen die Wohlfahrtsverbände mehr Geld, um zusätzliche Arbeitskräfte zu beschäftigen. Oder die Tätigkeit aller jungen Menschen – also auch der Frauen – im Sozialwesen wird als Dienst an der Gemeinschaft akzeptiert. Ein Dienst, der wertvolle Grunderfahrungen über das menschliche Leben vermittelt. Dann könnte man zum Beispiel das Freiwillige Soziale Jahr in ein Pflichtpraktikum umwandeln – als Teil der Schulbildung.

Tomas Gärtner

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