Zweifler willkommen

20. Januar 2011 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

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Wie ist das eigentlich mit Gott und dem Glauben? Wenn Erwachsene das wissen wollen, finden sie oft nicht den richtigen Ort für ihre Fragen. Die Initiative »Erwachsen glauben« will das ändern.
 

Sie begleitete ihren Mann in den Gottesdienst, wollte ihren gerade geborenen Sohn taufen lassen – selbst aber war Caroline Schneider (30) atheistisch aufgewachsen. Ihr fehlte etwas. Nicht nur der Glaube, auch das Wissen: Was sind das für Bücher in der Bibel? Wie erzählen sie von Gott? Und was ist eigentlich das Kirchenjahr? Vor anderthalb Jahren fand sie in einen Glaubenskurs der Bautzener Kirchgemeinde. »Er hat mich zum Nachdenken und Begreifen gebracht«, sagt Caroline Schneider: »Er ist ein Fundament.« Am 31. Januar 2010 ließ sie sich mit sieben anderen Kursteilnehmern im Bautzener Petri-Dom taufen.

Solche Geschichten sollen in Zukunft öfter geschrieben werden in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Deshalb hat der Rat der EKD im Juni 2008 die Initiative »Erwachsen glauben« ins Leben gerufen. Sie soll Glaubenskurse offensiv fördern und in der Öffentlichkeit bekannt machen.

Im deutschlandweiten Vergleich haben sächsische Kirchgemeinden vergleichsweise oft solche Angebote für Suchende. »Wir in Ostdeutschland in einer mehrheitlich nicht-religiösen Gesellschaft verfügen da über einen gewissen Erfahrungsvorsprung«, sagt der Bautzener Pfarrer Burkart Pilz, der in einer Gruppe der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste der EKD die Initiative »Erwachsen glauben« mit vorbereitet. Sie startete am 17. Januar in der Leipziger Nikolaikirche auch für die sächsische Landeskirche.

»Die EKD-Initiative ist keinesfalls eine Kritik an den Glaubenskursen, die sächsische Pfarrer meist selbst zusammenstellen«, betont Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer. Er ist im Landeskirchenamt zuständig für Gemeindeaufbau und Mission. »Das Ziel der Initiative ist: Glaubenskurse sollen öffentlich angeboten werden, so dass sie für jeden erreichbar sind. Und sie sollen in Kirchgemeinden so regelmäßig stattfinden wie Christenlehre- und Konfirmandenstunden.« Derzeit finden viele Kurse nur auf Nachfrage statt und sind kaum öffentlich bekannt.

Ende Januar wird die Landeskirche an ihre Pfarrer ein Handbuch mit Informationen und Impulsen für Glaubenskurse verschicken. Im Herbst soll dann in den Modell-Kirchenbezirken Marienberg, Leipzig, Leipziger Land, Dresden Mitte und Nord mit Plakaten und im Internet für sie geworben werden. Dazu soll im Kirchenbezirk Marienberg am 18. Juni ein regionaler Werkstatttag in Flöha stattfinden. Roland Kutsche, Pfarrer für missionarischen Gemeindeaufbau im Kirchenbezirk Marienberg, plant zudem einen überregionalen Glaubenskurs sowie ein solches Angebot für Mitarbeiter der Diakonie.

In Leipzig sollen nicht nur alle Glaubenskurse im Internet und in einem Faltblatt veröffentlicht werden, sondern ebenso Chöre und Gesprächskreise, die offen sind für Neugierige von draußen.

Die Kirchenleitung hofft, dass auch Kirchgemeinden aus anderen Regionen Sachsens die Internetplattform und die Impulse der EKD-Initiative nutzen. Nicht wenige Pfarrer indes sind im »Jahr der Taufe« und des Dresdner Kirchentages skeptisch, wenn nun eine weitere Initiative von oben kommt. Dabei gehe es gar nicht darum, dem vorhandenen Gemeindeleben einen neuen Kurs oder eine neue Kampagne hinzuzufügen, sagt der Bautzener Pfarrer Burkart Pilz. »Die Kirchgemeinden müssen sich insgesamt öffnen und eine gast- und zweiflerfreundliche Kultur leben.«

Andreas Roth

Die Initiative »Erwachsen glauben« im Internet: www.kurse-zum-glauben.de

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