Verbotene Liebe

24. Februar 2011 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

Pfarrer Holger Lübs (r.) und sein Partner Rainer Wiesmaier gehen in Bischleben bei Erfurt offen mit ihrer Homosexualität um. Die Gemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland haben nichts dagegen. (Foto: Marcus Scheidel)

Pfarrer Holger Lübs (r.) und sein Partner Rainer Wiesmaier gehen in Bischleben bei Erfurt offen mit ihrer Homosexualität um. Die Gemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland haben nichts dagegen. (Foto: Marcus Scheidel)


Homosexuelle Partnerschaften darf es in Sachsens Pfarrhäusern bisher nicht geben. Ein EKD-Gesetz könnte das ändern – doch das ist umstritten.

Ulrike Franke ist sächsische Pfarrerin, und sie ist es gern. Neun Jahre lang arbeitete sie in einer vogtländischen Kirchgemeinde. Aber der Mensch, den sie seit 20 Jahren liebt, durfte nicht in ihrem Pfarrhaus wohnen: Es ist eine Frau.

Zwar wusste der Kirchenvorstand von ihrer Beziehung. Die sächsische Kirchenleitung aber hat 2001 beschlossen: Homosexuelle können durchaus als Pfarrer arbeiten, wenn die Gemeinde einverstanden ist – nur dürfen sie ihre Neigung nicht öffentlich zum Thema der Verkündigung machen. Und sie dürfen im Pfarrhaus keine Partnerschaft leben. Davon betroffen sind nicht nur die 15 Mitglieder des Konvents lesbischer und schwuler Pfarrer in Sachsen – die Zahl homosexu­eller Theologen im Freistaat dürfte erheblich höher sein.

»Es ist sehr bela­stend, wenn ich in der Gemeindearbeit etwas verschweigen muss, was mir so wertvoll ist wie meine Partnerschaft. Das hat etwas von Unehrlichkeit, die ich nicht will«, sagt Ulrike Franke, die jetzt als Krankenhausseelsorgerin in Leipzig arbeitet. »Aber ich kann verstehen, dass Christen Mühe haben mit dem Thema Homosexualität.«

Ulrike Franke wünscht sich, dass die Kirchenvorstände und Superintendenten im Einzelfall über homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus entscheiden können. In der bayerischen Landeskirche ist das seit letztem Jahr Praxis. Das von der EKD-Synode im vergangenen November beschlossene Pfarrerdienstgesetz eröffnet diese Möglichkeit nun allen Landeskirchen.

Darin ist im Paragraf 39 bewusst unscharf vom »familiären Zusammenleben« der Pfarrer die Rede. Im Anhang des Gesetzes heißt es: Dieser Begriff umfasse nicht nur die Ehe, sondern »jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens«, das den »inhaltlichen Anforderungen Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung genügt«. Nun müssen die Synoden der Landeskirchen darüber entscheiden, ob und in welcher Form sie dieses Gesetz übernehmen.

Acht Alt-Bischöfe warnten in einem Brief scharf vor dem EKD-Text. Die sächsischen Synodalen erhalten ebenfalls mahnende Briefe. Mit der unveränderten Übernahme des Paragrafen 39 werde »das Fundament des Bekenntnisses zur Heiligen Schrift und zu den Bekenntnissen unserer Landeskirche verlassen«, schreibt die Evangelisch-Lutherische Bekenntnisgemeinschaft Sachsens.

Dabei ist noch unklar, ob sich die sächsische Landessynode im kommenden Herbst oder erst im Frühjahr 2012 mit dem Pfarrerdienstgesetz befassen wird. Denn zunächst muss die Synode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands darüber entscheiden. »Ich möchte das Thema möglichst frei von Leidenschaften behandeln«, wünscht sich der Präsident der Landessynode Otto Guse. »Das tut allen Beteiligten gut.« Doch das wird nicht einfach sein, denn es geht für viele dabei ums Ganze.

Homosexuelle und andere Partnerschaften seien nach lutherischem Verständnis nicht mit der Ehe gleichzustellen, meint der Schneeberger Pfarrer Frank Meinel. »Wenn ein Hochzeitspaar vor dem Altar steht und der Pfarrer sagt, dass Gott Mann und Frau füreinander bestimmt hat und die Ehe eine gute Gabe Gottes ist – dann wird es ein Problem, wenn der Pfarrer selbst anders lebt«, so der Vorsitzende des Rechtsausschusses der Synode. Er hält es für ausgeschlossen, dass in erzgebirgischen Pfarrhäusern wilde Ehen oder homosexuelle Partnerschaften akzeptiert würden.

Auch der Dresdner Theologieprofessor und Synodale Ulf Liedke meint: »Dieses Thema hat ein hohes Potential, die Landeskirche vor eine Zerreißprobe zu stellen.« Deshalb plädiert er für einen behutsamen Gesprächsprozess vor einer Abstimmung, in dem die Vertreter unterschiedlicher Positionen ernsthaft aufeinander hören.

Der Theologe nimmt durchaus das erste Kapitel des Römerbriefes ernst, in dem Paulus homosexuelle Praktiken als Gottlosigkeit verurteilt. »Doch von der Mitte der Heiligen Schrift her – von der in Jesus Christus erschienenen bedingungslosen Liebe Gottes, die Menschen im Glauben rechtfertigt – fällt es mir schwer, eine pauschale Verurteilung auszusprechen.«

Für die Synodalen Liedke und Meinel ist gleichermaßen klar: Das Thema ist zu ernst, um es mit einer knappen Mehrheit in der Synode zu entscheiden.

Andreas Roth

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Reaktionen unserer Leser

8 Lesermeinungen zu “Verbotene Liebe”
  1. Ilija sagt:

    Schwule Pfarrer und ihre schwulen Partner… Gegen Homosexuelle habe ich nichts, auch nichts gegen Standesamtliche Ehen dieser Leute.
    Aber Pfarrer werden? Nein danke!

    Das widerspricht der Bibel vollkommen! Klasse, jetzt bin ich vom Kath. zum ev. konvertiert und kann nun gleich wieder austreten.

    Ich schaue mir mal an wohin sich das entwickelt. Fürs erste würde/werde ich jede Kirche meiden wo ein homosexueller predigt. Macht dies schule, schließe ich mir einer Bibeltreuen Gemeinschaft an.

    Mich würde es nicht wundern wenn bald Frösche in der ev. Kirche die Predigt halten…

  2. Petra sagt:

    Wie sieht es eigentlich mit rothaarigen Frauen aus – wirklich schade, dass Scheiterhaufen abgeschafft wurden?!

    Ilija! Aufwachen! Das Mittelalter ist vorbei. :-D

  3. fritz sagt:

    Nope – keine Homosexuellen. Menschen die sich über ihre Sexualität definieren gehören gar nicht in höhere Ränge der Religion. Es ist übrigesn falsch Schwul zu sein.

    @Petra die Hexenverbrennungen fanden in der Neuzeit statt. Und hatte nix mit der Kirche zu tun. Einfach mal Wikipedia lesen.

  4. Benjamin sagt:

    Hallo Ilija,

    Sie müssen in keine Kirche gehen, in der ein Pfarrer predigt, der bekennt schwul zu sein. Vielleicht kriegen Sie ja auch noch raus, ob irgendwo ein Jude oder Zigeuner dabei ist. Es ist schade um Sie. Jesus liebt Sie trotzdem.

    Benjamin.

  5. anonym sagt:

    @fritz – zu behaupten homosexuelle würden sich über ihre sexualität definieren ist eine bodenlose frechheit. oder definieren sie sich über ihre (hetero)sexualität?

    Es ist falsch mit verurteilungen durch die welt zu laufen. Ich wünsche ihnen, dass sich ihr bester freund als schwul outet. Vielleicht beginnen Sie dann nachzudenken.

    Menschen mit Fröschen zu vergleichen ist eine genau so große Frechheit.
    Wenn derartige Äußerungen über Menschen mit Behinderung oder mit einer anderen Hautfarbe hier erscheinen würden, würden sie gelöscht.

  6. Volker sagt:

    wenn ihr Ilija nicht glaubt, wenn 8 Altbischöfe euch nichts bedeuten,
    glaubt ihr wenigstens Paulus ( 1. Römerbrief ) oder Moses ( ..und Gott erschuf den Menschen als Mann und Frau..? )

    Wenn nicht – vielleicht könnte man die Bibel etwas überarbeiten…

  7. Haulchen sagt:

    @ Volker: Nein, das Urteil von acht Altbischöfen bedeutet mir tatsächlich nicht mehr als jede andere Meinungsäußerung. Bischöfe sind Menschen, die in gleicher Weise irr gehen können wie jeder andere. Als evangelischer Christ sehe ich einen Kernbestand meines Glaubens im Priestertum aller Gläubigen: Wir Christen sind nicht auf einen innerweltlichen Hirten angewiesen, sondern werden einander in unseren Lebensvollzügen immer wieder gegenseitig zu Hüteleuten, im Vertrauen darauf, dass letztlich der eine, der gute Hirte unseren Weg lenkt.

    @ Ilija: Ich wünsche Ihnen mehr Offenheit. Eine der eindrücklichsten Andachten, die ich in meinem Leben gehört habe, hat ein schwuler Theologiestudent gehalten. Gottes Wort ist höher als alle menschliche Vernunft, und niemand sollte sich anmaßen, dem Wort Gottes Grenzen zu setzen. Es kommt zu Wort, wo und durch wen es will – wir können nur hoffen, dass wir es auch hören.

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Das sagen andere über diesen Artikel
  1. [...] so der Bischof. Der Umgang mit Homosexualität habe sich in den letzten Jahren sehr geändert. In der sächsischen Landeskirche sei das Thema unverändert von Spannungen gekennzeichnet. »Es gibt starke Stimmen, die wollen, dass es bleibt wie bisher«, so [...]