Homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern im Einzelfall möglich

22. Januar 2012 von DER SONNTAG  
Abgelegt unter Sachsen

Sächsische Kirchenleitung diskutiert intensiv ihre Haltung zu homosexuellen Partnerschaften und ändert ihre bisherige Position

In ihrer Klausurtagung am 20. und 21. Januar 2012 hat die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche die Pfarrhäuser in Einzelfällen für homosexuelle Partnerschaften geöffnet. Dem mit sehr großer Mehrheit entschiedenen Kurswechsel war eine intensive Debatte vorangegangen.

Die Kirchenleitung bekräftigt die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann, teilte das Landeskirchenamt mit. Um der Einheit der Landeskirche willen sollen die bisher geltenden Feststellungen der Kirchenleitung vom 29. August 2001 fortgeschrieben werden.

Mit dem neuen Beschluss jedoch behält sich die Landeskirche vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich, so die Kirchenleitung.

Landesbischof Jochen Bohl wies in seiner Erklärung auf die stark gegensätzlichen Auffassungen in der sächsischen Landeskirche hin, welche nur durch ein gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung überwunden werden können. »Ich hoffe, dass die Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche diese Entscheidung der Kirchenleitung mittragen werden. Ich bin sicher, dass homosexuell geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden«, so Bohl.

Eine wichtige Grundlage der Beratung bildete der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe »Homosexualität in biblischem Verständnis«. Die Kirchenleitung würdigt den gefundenen Konsens der AG in wichtigen Aspekten. So schließt sie sich ausdrücklich der Einsicht an, dass der status confessionis nicht gegeben ist.

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Reaktionen unserer Leser

29 Lesermeinungen zu “Homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern im Einzelfall möglich”
  1. Rico Unger sagt:

    Neben dem Artikel habe ich folgende Tageslosung gefunden:

    Christus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
    Johannes 8,31-32

    Es wäre gut gewesen, wenn die Entscheidungsträger am Wort Gottes geblieben und bei der nunmehr verworfenen Position verblieben wären.

    Herr Pohl erklärt in seiner Stellungnahme: “Der biblische Befund ist insofern schmal, aber eindeutig.” (Gemeint ist die Ablehnung der Homosexualität.)

    Soweit Herr Pohl weiter ausführt: “Erklärungs- und interpretationsbedürftig bleibt er aber dennoch.” ist dies unzutreffend. Etwas EINDEUTIGES bedarf weder einer einer Erklärung noch (und dies vor allem nicht) einer Interpretation.

    Nicht nachvollziehbar ist auch das von Herrn Pohl herangezogene weitere Argument für die jetzt weltoffenere Position: “Die Bibel kennt das Phänomen der verlässlich gelebten homosexuellen Partnerschaft nicht; und darum können ihre negativen Aussagen wohl nicht auf eine verantwortliche ethische Gestaltung eines solchen Verhältnisses bezogen werden.”

    Es ist nicht von Belang, was “die Bibel kennt” oder was sie nicht kennt sondern allein der Wille unseres Schöpers, den er in seinem Wort offenbart hat. Dazu genügen auch “schmale” Ausführungen. Sünde wird nicht dadurch richtig, dass sie verlässlich gelebt wird. Wäre dies nämlich der Fall, würden sich bei einer Übertragung auf andere Sünden erschreckende Szenarien ergeben.

    Ich wünsche jedem die Erfüllung der von unserem HERRN in der obigen Tageslosung ausgesprochenen Verheißung.

  2. Kulturprotestant sagt:

    @Ricu Unger

    1. ‘Gottes Wort’ ist wichtig, aber auch Missionare wie Paulus verfielen bisweilen in gefährliche Polemik:

    Thess 2,14-16: “Die (Juden) haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind.”

    Das hat leider vielen Menschen das Leben gekostet, weil es manches Pogrom gerechtfertigt hat. Nicht aus jeder Bibelstelle spricht die ‘Ipsissima vox’ des Heilands. Das könnte auch für die Sittenpredigten des Paulus gelten, die sich mit gleichgeschlechtlicher Sexualität, nicht mit liebevollen Lebenspartnschaften beschäftigten.

    2. Mit der Schöpfungsordnung ist das so eine Sache. Zumindest in der real existierenden Schöpfung ist Gleichgeschlechtlichkeit unter vielen hunderten Tierarten weit verbreitet (das kann man z. B. schon im konservativen evangelischen Staatslexikon der 70er Jahre, bei Aristoteles und Konrad Lorenz lesen). Will man jetzt auch vor Pinguinen und Graugänsen predigen?

    3. Der Kompromiss der ev. Kirche in Sachsen ist m. E. akzeptabel. Da wird niemandem etwas (in diesem Fall ein geistlicher Amtmann) aufgedrückt, das ihm nicht gefällt.

  3. H. Wegner-Nord sagt:

    ich bin einfach nur dankbar, dass sich nun auch sachsen in bewegung setzt – entgegen aller polemik (wie etwa “Sünde wird nicht dadurch richtig, dass sie verlässlich gelebt wird.”). wer homosexualität als sünde bezeichnet, hat möglicher weise angst vor seiner eigenen sexualität, egal welcher sorte?!

  4. gast sagt:

    Willkür und Gnade statt Recht und Toleranz

    Wörtlich heißt es in dem Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens: “Die Landeskirche behält sich vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich.”

    Für die wenigen schwulen und lesbischen Pfarrer, die diese Ausnahmeregelung vermutlich in Anspruch nehmen dürfen, bedeutet die Regelung im Klartext, dass ein ständiges Damoklesschwert über ihrem Familienleben schweben wird: Verscherzen sie es sich es auch nur mit einem einzigen Mitglied des Kirchenvorstands, muss der Partner eventuell wieder ausziehen.

    Dass in Sachsens Evangelisch-Lutherischer Kirche kein wirklich “bedeutsamer” Beschluss getroffen wurde, wie es etwa Spiegel.de weismachen will, zeigt auch das Bekenntnis zu einer heterosexuellen Leitkultur, das dem faulen Kompromiss vorangestellt wurde: “Die Kirchenleitung bekräftigt die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann.”

    Quelle: http://www.queer.de/detail.php?article_id=15786

    Hier wird deutlich, was die Schwulenverbände tatsächlich wollen. Die Maske fällt mehr und mehr.

  5. Bernd Katzschner, Bad Schandau sagt:

    Es hat im Vorfeld zwei Unterschriftensammlungen unter Pfarrern und in Gemeinden gegeben – für und gegen diese sogenannte Öffnung. Die Diskussion ist noch voll im Gang. Ich finde es traurig, daß sich die Kirchenleitung vor der Synode (die im April tagen wird) so einseitig positioniert und damit die Sache so behandelt, als wären die Synodalen nur nützliches Stimmvieh.

  6. Theophilus sagt:

    @ Rico Unger:
    1. Der sächsische Landesbischof heißt Bohl, nicht “Pohl” – in Anbetracht der Tatsache, dass Namen in der Bibel nicht Schall und Rauch sind, könnte man auch im 21. Jh. noch darauf achten. Das hat auch etwas mit Persönlichkeitsrechten zu tun…

    2. Der Begriff “Tageslosung” bezeichnet den alttestamentlichen Text. Der neutestamentliche Text wird nicht gelost, sondern passend zum alttestamentlichen ausgewählt. Das heißt dann “Lehrtext”.

    3. Eine schmale, jedoch eindeutige Aussage der Bibel ist auch, dass der Hase ein Wiederkäuer ist (3.Mose 11,6; 5.Mose 14,7). Ebenso schmal und eindeutig ist 5.Mose 22,11: Du sollst nicht anziehen ein Kleid, das aus Wolle und Leinen zugleich gemacht ist. Derart Eindeutiges bedarf selbstverständlich keiner Interpretation! Schmal und eindeutig ist übrigens auch Mt 7,1: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

    In diesem Sinne, ein Glied am Leib Christi, welches darauf vertraut, dass der Geist weht, wo er will, und welches sich freut, dass die Klausurtagung den Geist wirken lassen hat.

  7. Freddy sagt:

    @Theophilus : Danke ! Herrlich ! Besser kann man auf diese erschreckend plumpen Argumente nicht antworten. Solch einfache Sichtweisen, wie von Rico Unger vorgetragen, haben leider leider immer wieder viel Leid über Menschen gebracht, die eigentlich auch nur eines wollten: Ihr Leben leben.

  8. Christine Großer sagt:

    Die Sichtweise mag als “sehr einfach” bezeichnet werden (Schreiben meines Vorgängers)…
    Nur frage ich mich, hat man vielleicht in 5 – 10 Jahren darüber zu entscheiden, ob Lebenspartnerschaften mit mehr als 2 Personen im Pfarrhaus erlaubt werden sollten oder noch über ganz andere Lebensformen?
    Wenn wir uns von Gottes guter Schöpfung entfernen, die einen unermeßlich großen Schutz bietet, wie unheimlich kompliziert werden dann die Probleme, mit denen wir es zu tun bekommen. Für wieviel Leid bereiten wir dann den Boden?

    Ich schreibe diese Zeilen als Kirchvorsteherin einer kleinen Kirchgemeinde. Ich selbst habe aber viel ehrenamtlich mit Jugendlichen zu tun und kann von meinem Bibelverständnis nur so schreiben und nicht anders.

  9. gast sagt:

    Man sollte sich nicht auf ein Fachgebiet begeben, von dem man nichts versteht.
    [Zitat]3. Eine schmale, jedoch eindeutige Aussage der Bibel ist auch, dass der Hase ein Wiederkäuer ist (3.Mose 11,6; 5.Mose 14,7).[Zitatende]
    Die heute übliche Biosystematik stammt von Carl von Linne und Richard Owen und ist gerade mal 300 Jahre alt. Deren Begrifflichkeiten als Beweise für eine fehlerhafte Bezeichnung in der Bibel zu benutzen scheidet also aus. Biologische Zuordnungen ändern sich im Laufe der Geschichte. So würden die Hasenartigen vor etlichen Jahren noch zu den Nagetieren gezählt. Inzwischen werden sie dort aber nicht mehr zugeordnet.
    Was nun das Wiederkäuen, also die Aufnahme bereits (vor)verdauter Nahrung angeht, so ist das biologische Prinzip bei den Hasenartigen nahezu das gleiche ist wie bei den Ruminantia. Nur das die einen die Nahrung über die Speiseröhre ins Maul “würgen”, während die anderen Caecotrophe ausscheiden und wieder aufnehmen. Der Fundusteil des Magens der Hasenartigen fungiert dabei in ähnlicher Weise wie der Rumen der Ruminantia als Gärkammer. Die Caecotrophie wird daher als eine Variante des Wiederkäuens angesehen.
    Wenn Wissenschaftler heute eine sehr viel differenzierte Systematik benutzen, als wir sie in der Bibel vorfinden, dann ist das durchaus verständlich, ändert aber nichts an der korrekten biblischen Aussage, dass Hasen(artige) ihre Nahrung wieder käuen (also nochmals (und zwar durchaus sehr häufig) aufnehmen). Um ganz korrekt zu sein, müsste man allerdings von Wiederverdauern sprechen, denn auch die Ruminantia müssen den vorverdauten und aufgewürgten Nahrungsbrei nicht erneut durch kauen zerkleinern, sondern nur mit Enzymen anreichern und wieder Richtung Magen transportieren. Aber eine derartige sprachliche differenzierung wäre dann ja wohl Korinthenkackerei.

  10. Gerhard sagt:

    Christine Großer (heute, 17:38) versteht Gottes gute Schöpfung als einen unermeßlich großen Schutz, der Menschen ein Leben in gegenseitiger Liebe und Verantwortung ermöglicht. Offensichtlich ist sie dabei der Meinung, dass es unheimlich kompliziert werden würde, wenn auch homosexuell empfindenden Menschen dieser Schutzraum zugestanden würde.
    Dadurch, dass homosexuelle Menschen aus Gottes guter Schöpfung ausgeschlossen wurden, wurde schon viel Leid bereitet!

  11. Bernd Katzschner sagt:

    @Theophilus:
    An die von Ihnen zitierten alttestamentlichen Weisungen wird sich heute tatsächlich kaum mehr einer halten. Und wenn ich darauf verweise, daß praktizierte Homosexualität im eben n e u en Testament Kritik findet, werden Sie sicher antworten, daß es auch im NT Stellen gibt, die heute kaum mehr relevant sind (Enthaltung vom Blut, daß der Mann kein langes Haar trage usw.). Aber wo ziehen Sie die Grenze? (Wann) sind auch die neutestamentlichen Stellen nicht mehr bedeutsam, die z.B. Trunksucht, Geiz, Polygamie, Zorn kritisieren? Wie ist es mit den in den zehn Geboten (AT ja, aber Jesus verweist ausdrücklich auf ihre Gültigkeit): Töten, Lügen, Ehebruch… Wir können einer Zwiebel auf der Suche nach dem Kern Schale um Schale abziehen, am Ende bleibt nichts mehr übrig. Das letzte Bibelwort das dann vielleicht noch mehrheitlich akzeptiert würde, wäre sicher Matthäus 6,34: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage habe.“ Die Bibel darf kritisch beleuchtet werden, aber letztlich ist sie dazu da, daß sie uns kritisiert, nicht wir sie.
    Wenn hier manche darauf verwiesen, daß die Gegner des Zusammenlebens Homosexueller im Pfarrahaus diese Menschen ausgrenzten, so ist das falsch. Jesus – und an ihm wollen wir uns orientieren – nimmt z.B. ausdrücklich die Ehebrecherin in Schutz. Aber er sagt auch: Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr. Wir alle – natürlich auch Pfarrer – sind Sünder. Auch Trunksucht, Gier, Geiz, Zorn usw. wird es unter kirchlichen Mitarbeitern geben. Und was für prächtige Menschen kenne ich, die Alkoholiker sind oder z.B. manchmal zum Zorn neigen. Gefährlich wäre es aber, wenn wir es duldeten, daß im Pfarrverzeichnis abgedruckt wird: bewußer Ehebrecher, bewußer Geiziger, bekennender Trinker. Eine Akzeptanz gelebter Homosexualität ist ein Bekenntnis, ein Ritterschlag für etwas, das die Bibel nicht gutheißt.
    Auch wird oft argumentiert, die Fachwelt sei sich einig, daß Homosexualität einfach eine andere Prägung sei, keine Entwicklungsstörung oder gar Krankheit. So eindeutig ist das durchaus nicht. Korrekten wäre: Im deutschsprachigen Raum vertreten ca. 85-90 % diese Auffassung – es gibt auch andersdenkende Fachleute (selbst von Kirchenleitung eingesetzte Kommission hat Frau Christel Vonhold gehört). Im englischsprachigen Raum steht es wohl unter den Fachleuten schon 50:50. Und in Afrika oder Asien dürfte die Mehrzahl der Fachleute Homosexualität kritisch sehen (es gibt eben kaum eine Wissenschaft, die nicht auch von ihrem Umfeld geprägt wird). Fraglich ist hier auch die Gender-Ideologie. Diese sagt, daß Sexualität frei wählbar sein müsse und begrüßt das Coming out von bisher Heterosexuellen. Gehen aber Menschen den umgekehrten Schritt (s. mein letzter Abschnitt) werden sie – und Menschen, die ihnen dabei helfen wollen – schnell diffamiert, weil scheinbar nicht sein kann was nicht sein soll.
    In diesem Sinne erschwert die Entscheidung der Kirchenleitung die Hilfe für Homosexuelle, die nicht mit ihrer Neigung glücklich sind. Volker Beck von den Grünen will z.B. durchsetzen, daß Organisationen aus den Dachverbänden der Diakonie ausgeschlossen werden, wenn diese (weil sie Homosexualität für eine Entwicklungsstörung halten) auch nur Therapie anbieten, an deren Ende eine Um- oder Rückkehr zu heterosexuellem Leben stehen kann (auch diese Fachleute wissen ja, daß Beratung im Ergebnis praktisch ohenhin offen ist).

  12. Bernd Katzschner sagt:

    @Kulturprotestant: Der Verweis auf die Tierwelt ist m.E. wenig sinvoll, Tierverhalten gibt weder für die Befürworter noch Gegner der Homosexualität etwas her. Es gibt auch Tierarten bei denen Inszest und Kannibalismus gängig sind. Ich – als Kritiker praktizierter Homosexualität – finde den Vergeich eher beleidigend für Homosexuelle.

  13. Kulturprotestant sagt:

    @Bernd Katzschner

    Homosexualität kann liebe- und verantwortungsvoll gelebt werden, Kannibalismus nicht. Wenn Homosexualität in Liebe übergeht, ist sie sicher ethisch höher zu bewerten als die Heterosexualität bei einer Massenvergewaltigung.

    Ob der Vergleich zur Tierwelt beleidigend ist oder nicht, bleibt jedem Betroffenen selbst überlassen – denn auch Tierliebe ist bei Menschen recht unterschiedlich ausgeprägt.

    Der Naturalismus wird jedoch nicht von den Verteidigern der Menschenrechte Gleichgeschlechtlicher in die Diskussion hineingebracht, sondern v.a. von deren Gegnern, indem sie die Natur- und Schöpfungsordnung ins Spiel bringen, ohne die naturwissenschaftliche Empirie zu berücksichtigen.

    Zitat Prof. Ratzinger (Rom):

    “Die Evolution hat die Geschlechtlichkeit zum Zweck der Reproduktion der Art hervorgebracht. Das gilt auch theologisch gesehen. Der Sinn der Sexualität ist, Mann und Frau zueinander zu führen und damit der Menschheit Nachkommenschaft, Kinder, Zukunft zu geben. Das ist die innere Determination, die in ihrem Wesen liegt. Alles andere ist gegen den inneren Sinn von Sexualität. (…) Wenn jemand tiefsitzende homosexuelle Neigungen hat – man weiß bislang nicht, ob sie wirklich angeboren sind oder in frühkindlicher Zeit entstehen – (…) dann ist dies für ihn eine große Prüfung, so wie einen Menschen auch andere Prüfungen belasten können. Aber das bedeutet nicht, dass Homosexualität dadurch moralisch richtig wird, sondern sie bleibt etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat.”

    Da werden also munter die Evolution, die Entwicklungspsychologie und der Wille Gottes verknüpft. Logisch ist das alles nicht.

    1.Wenn die Evolution ein moraltheologischer Maßstab sein soll, dann steht das zur Tatsache, dass Gleichgeschlechtlichkeit in der Natur existiert und durchaus zweckmäßig sein kann, in klarem Widerspruch.

    2.Wenn es frühkindliche Prägungen für Homosexualität gibt, wie sieht dann mit der frühen Kindheit der Schwärzschwäne, Graugänse und Pinguine aus?

    3. Wenn Gott eine Schöpfung geschaffen hat, in der es naturhafte Phänomene gibt, die er ursprünglich nicht gewollt hat, wie ist es dann um seine Allmächtigkeit bestellt?

    4. Wenn laut Paulus homosexuelle Praktiken – ebenso wie Trunksucht, Hochmut etc. – Gott nicht gefallen, wie ist sind dann seine Ausfälle gegen die Juden, für anscheinend dasselbe gilt, heute zu bewerten?

    Fazit: Wer sein Wertsystem nicht dem Liebesgebot unterordnet, kommt m. E. in ziemliche Verwirrung…

  14. Gerhard sagt:

    Angesichts dessen, dass der christliche Arzt und Eheberater Theodor Bovet bereits 1965 in seiner “Ehekunde” im Blick auf homosexuelle Menschen feststellte, dass deren entsprechende Prägung in der Regel unabänderlicher Teil ihrer selbst sei und dass ihnen darum ein Leben in einer ihnen entsprechenden gleichgeschlechtlichen Partnerschaft anzuraten sei, sowie angesichts der Tatsache, dass sich seitdem kirchliche Synoden und Tagungshäuser intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben, mutet die Entscheidung der sächsischen Landeskirche realitätsfremd und der Zeit hinterher an.
    Wo allerdings – symbolisch ausgedrückt – auch heute noch ein Weltbild vertreten wird, nach dem die Erde eine Scheibe ist, und wo heterosexuelle Christen ihre eigene Lebensform als die einzig gottgewollte und “erlaubte” betrachten, da können nicht mehr als solch unbefriedigende Kompromisse erwartet werden.

    Wenn Bernd Katzschner meint feststellen zu müssen, dass es auch Menschen gibt, die mit ihrer (Homo)Sexualität Probleme haben, dann ist das genauso richtig oder falsch, als wenn er feststellen würde, dass auch heterosexuelle Menschen entsprechende Probleme haben können. Für solche Menschen soll selbstverständlich eine Hilfestellung da sein und angeboten werden. Aber das ist ein anderes Thema und hat mit gleichgeschlechtlichen Paaren, die miteinander leben wollen, nichts zu tun.

  15. Bernd Katzschner sagt:

    @Gerhard: Danke für Ihren letzten Abschnitt. Das hört sich erst mal gut an. Ich meinte nun aber nicht Menschen, die z.B. Partnerprobleme im Rahmen ihrer Homosexualität haben (wie es natürlich auch heterosexuelle Menschen haben), sondern Menschen, die mit ihrer homosexeullen Neigung selbst Probleme haben und die als Ziel anstreben, einen Wechsel zur Heterosexualität zu vollziehen*1). Und diese Sehnsucht hat durchaus nicht nur die Wurzel in einer tatsächlich noch oft anzutreffenden Ablehnung solcher Menschen (was ich bei den Unterzeichnern der Markersbacher Erklärung ausdrücklich nicht sehe) und in der damit verbundenen Schwierigkeit des Coming out*2), sondern in einer Ur-Sehnsucht nach etwas, das im Inneren dieser Menschen angelegt ist, aber – aus welchen Gründen auch immer – (momentan) verschütt gegangen ist. Und die finden eben in der therapeutischen Fachwelt kaum noch Leute, die es wagen, sie auf diesem Weg zu begleiten, nicht selten werden sie von Homosexuellen angefeindet, als wären sie “Fahnen-flüchtige”… Wenn nach der Gender-Ideologie Sexualität frei verortbar wäre (was ich anders sehe), dürfte das aber keine Problem sein, denn sonst hätten wir eine eindeutige Einbahnstraße: Von Hetero zu Homo geht, umgekehrt geht es gar nicht.

    *1) D a ß es (viele) solche Menschen gibt – und auch solche die den Weg zur Heterosexualität wieder gegangen sind, können z.B. Organisationen wie Wüstenstrom bezeugen. Die Fachliteratur (eher etwas früherer Jahre *3) ist voll von Beispielen, wo dies dauerhaft gelungen und von den mensschen auch nach Jahren als positiv emfunden wurde.

    *2)Ein Vergleichsbeispiel: Auch bei Menschen, die an einer Abtreibung leiden, wird – zunehmend häufiger – argumentiert, dies werde diesen Menschen durch die Gesetzeslage (immer noch gesetzwidrig – wenn auch straffrei), Zeitungsartikel, Lebensrechtler usw. sozusagen eingeredet. Ich habe mit vielen Betroffenen gesprochen, die bekannten, daß die Trauer aus einem tiefen Inneren kam – nicht wegen der Sichtweise irgendwelcher anderer Menschen).

    *3)Freilich oft in Literatur älterer Jahre (oder eben von Minderheiten heute wie z.B. in den Publikationen von Frau Vonhold), aber wenn heute kaum mehr einer wagt, in dieser Richtung zu arbeiten (weil er sonst von Kollegen geschnitten und als Fachkraft in Frage gestellt wird), gibt es natürlich heute seltener solche Publikationen (zumindest im deutschsparchigen Bereich).

  16. Bernd Katzschner sagt:

    @Kulturprotestant: Ich hatte meine Beispiele ja nur gebracht, weil S i e die Tierwelt einführten und meinten Homosexualität käme ja auch unter Pinguinen vor. Nur deswegen führte ich aus, daß es da auch Kan.-ismus und Inzest(bei manchen Tierarten sehr häufig) gibt. Dagegen führen Sie nun Verantwortung und Liebe ein, die bei Homosexualität gelebet werden könne, bei Kan.-ismus nicht. Mit diesen ethischen Einlassungen rücken Sie aber selbst davon ab, daß das pure Vorhandensein von etwas in der Tierwelt schon eine (weitere) Bestätigung dafür sei, dies auch beim Menschen positiv zu werten. Mehr wollte ich an der Stelle nicht erreichen.

  17. conradowitsch sagt:

    @kulturprotestant 26. Januar: Welche Ausfälle gegen die Juden finden Sie denn bei Paulus? Haben Sie schon mal im Römerbrief gelesen?

  18. Gerhard sagt:

    @Bernd Katzschner
    In ideaSpektrum wurde 2008 auf den Diplompsychologen und Psychotherapeuten Michael Gerlach hingewiesen, der angeblich von einem homosexuellen zu einem heterosexuellen Menschen geworden sei und der jetzt anderen homosexuellen Menschen, die heterosexuell werden wollten, dazu Hilfestellung geben würde. (ideaSpektrum 35/2008, S. 19/20: “Wenn Homosexuelle unglücklich sind. Wie ein Psychologe und Psychotherapeut Männern hilft, die unter ihrer Homosexualtät leiden.”
    Michael Gerlachs Homepage vermittelt ein etwas anderes Bild. Es lohnt sich, über das nachzudenken, was er auf seiner Homepage schreibt:
    http://www.praxisgerlach.de/psychotherapie/behandlungsauftrag_psychotherapie.htm.
    Menschen, die Probleme mit ihrer (Homo)Sexualität haben, könnte ich jederzeit mit bestem Gewissen an ihn verweisen!

  19. Bernd Katzschner sagt:

    @Gehard: Bei jeder Therapie gibt es Rückfälle. Und bei jedem Thema gibt es auch Seitenwechsel. Fakt ist leider, daß Therapeuen und Wissenschaftler angegriffen werden, für die es die Option Umstieg von Homo auf Hetero auch nur als Option gibt.

  20. Bernd Katzschner sagt:

    @Gehard: Bei jeder Therapie gibt es Rückfälle. Und bei jedem Thema gibt es auch Seitenwechsel. Fakt ist aber, daß Therapeuten und Wissenschaftler angegriffen werden, für die es die Option Umstieg von Homo auf Hetero auch nur als Option gibt.

  21. Gerhard sagt:

    @Bernd Katzschner: Bei jedem Thema gibt es auch Seitenwechsel. Dies ist aber ein Thema für sich.

    Bei den Diskussionen innerhalb der Landeskirche ging es nicht um dieses Thema, sondern um Menschen, die in ihrer gleichgeschlechtlichen Prägung und Partnerschaft glücklich sind, sich dazu bekennen und glaubwürdig darin leben möchten.

  22. aram sagt:

    Schade, dass es bei der Diskussion nicht auch um ichdystone Sexualorientierung geht. Das gehört zum Gesamtbild. Gut, dass der erwähnte Therapeut Michael Gerlach u.a. dafür Behandlung anbietet. Gut, dass Gerhard jederzeit an ihn mit bestem Gewissen verweisen kann.

  23. M.W. sagt:

    Ich bin erschüttert darüber, dass es nach wie vor so viel Gesprächsbedarf über dieses Thema gibt. Es sollte doch, angekommen im 21. Jahrhundert, selbstverständlich sein auch andere Arten zu leben zu akzeptieren!
    Was ist daran verwerflich eine glückliche und liebevolle Beziehung zu führen und diese Wärme an andere weiter zu geben?

  24. andreas sagt:

    sind wir christen? glauben wir, dass GOTT eine bestimmte vorstellung von menschlichem zusammenleben hat? wenn er homosexualität toll findet, warum sagt er uns in SEINEM wort dann genau das gegenteil?
    es geht ja nicht darum die menschen die homosexuell empfinden schlecht zu machen, sie sind genau so sünder wie jeder andere auch, aber wie gesagt: die bibel sagt, dass das nicht GOTTES willen entspricht. und da für mich und viele andere die bibel die höchste autorität (eben noch vor dem zeitgeist 2012) hat, gibts da nichts zu diskutieren…

  25. Gerhard sagt:

    Wenn man aus irgendwelchen Gründen auf homosexuell geprägte Menschen zu sprechen kommt, kommt immer wieder auch die Möglichkeit einer “Veränderbarkeit” ins Gespräch. Beim Kirchentag in Dresden befasste sich eine Veranstaltung genau mit diesem Thema. Unter der Überschrift “Homosexualität lässt sich doch ändern! – Wirklich?” diskutierten auf dem Podium der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Michael Gerlach, zwei “betroffene” junge Männer, die sich inzwischen “Zwischenraum” (www.zwischenraum.net) angeschlossen haben, sowie die Münchener Dekanin Barbara Kittelberger hierüber.
    Dr. Wolfgang Schürger, Sprecher des lesbisch-schwulen Konvents der bayerischen Landeskirche, moderierte die Veranstaltung.

    Michael Gerlach arbeitet in seiner therapeutischen Praxis mit Männern in sexuellen Orientierungskrisen und mit ambisexuellen Konflikten. Er sieht sich selber als bisexuell, lebte 15 Jahre lang homosexuell und ist jetzt mit einer Frau verheiratet. Homosexualität ist für ihn weder “Sünde” noch hält er sie von vornherein für eine therapiebedürftige Störung. Er hat aber feststellen müssen, dass es eine nicht unbeträchtliche Anzahl bisexuell empfindender Männer gibt, die mit ihrer Ambivalenz Probleme haben. Solchen Männern individuelle Hilfe und Beratung zu geben sieht er als seine Aufgabe.

    Die beiden “betroffenen” Männer waren beide in pietistisch geprägten Gemeinden aufgewachsen und hatten eine mehrjährige “Veränderungs”-Therapie mitgemacht, weil in ihren Gemeinden Homosexualität als schlecht und sündig galt. Sie schilderten ihre Eindrücke von der Zeit, in der sie sich zu heterosexuellen Menschen verändern wollten, aber keine solche Veränderung erlebten. Beide akzeptieren inzwischen ihre (Homo-)Sexualität und können mit ihr leben, ohne darunter zu “leiden”. Beide haben sich der christlichen Inititiative “Zwischenraum” angeschlossen, in der sie sich als homosexuelle Menschen und als Christen zuhause fühlen.

    Barbara Kittelberger, Münchener Stadtdekanin und seit vielen Jahren Mitglied der Synode ihrer Landeskirche, hat die langjährigen Diskussionen innerhalb der bayerischen Landeskirche über Homosexualität und über homosexuelle kirchliche Mitarbeiter unmittelbar verfolgen können. Sie setzt sich für eine Gleichbehandlung homo- und heterosexueller Menschen und Mitarbeiter ein.

    Die am Podium Beteiligten stimmten darin überein, dass Therapieangebote nur dann sinnvoll sind, wenn Menschen – unbhängig von ihrer homo- oder heterosexuellen Ausrichtung – unter einer Störung ihrer Liebes- und Bindungsfähigkeit leiden. Übereinstimmung herrschte darüber, dass die Verfasser der biblischen Schriften bestimmte sexuelle Verhaltenweisen verurteilen, dass sie dabei aber gleichgeschlechtlich geprägte Menschen, die ihre Sexualität in gleicher Weise erleben, wie heterosexuelle Menschen, nicht im Blick hatten. Die verantwortliche Integration der Sexualität in das eigene Leben ist eine Aufgabe, vor der homo- wie heterosexuelle Menschen in gleicher Weise stehen. Leider ist es so, dass entsprechende Vorbilder homosexuellen Menschen immer noch bewusst vorenthalten werden sollen.

    Gott hat homo- und heterosexuelle Menschen geschaffen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Menschheit dabei nicht ausstirbt. Ob er Homosexualität “toll” findet oder nicht darüber brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Wir sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass es alles andere als “toll” ist, wenn homosexuelle Menschen so tun, als wären sie hetero- oder asexuell. Ein Leben in Liebe ist kein Privileg heterosexueller Menschen.

  26. Bernd K. sagt:

    @Gerhard: Warum wurde nicht Markus Hoffmann eingeladen? Weil man von Homo zu Bi gerade noch toleriert,von Homo zu Hetero nicht.

  27. Jörg Thiele sagt:

    Man könnte den Eindruck gewinnen, dass in jedem zweiten Pfarrhaus in Sachsen über kurz oder lang das Problem einer homosexuellen Partnerschaft bestehen wird.
    Der Anteil von Menschen mit homosexueller Orientierung liegt bei ca. 4%.
    Es wird also nur ein Randproblem sein. Was ist aber mit anderen wichtigeren Problemen in unserer Kirche, Wir sollten uns auf das wirklich Wichtige konzentrieren.
    Jörg Thiele, Dresden

  28. Bernd K. sagt:

    Das Argument mit der Seltenheit ist für sich genommen nicht stichhaltig. Entweder eine Sache ist theologisch haltbar oder nicht. Oder würden Sie auch so argmentieren, wenn es sich 4% der Pfarrer offen zur Esoterik bekennen würden, oder zur Vielehe im Pfarrhaus oder zum Buch Mormon? Mit solch einer Argmentation tun Sie auch den Homosexuellen unter den Theologen selbst keinen Gefallen – die wollen ja nicht gerade mal so toleriert werden weil sie doch ohnehin nur wenige sind…

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