Sprengstoff für Gemeinden
26. Januar 2012 von DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar
Am letzten Wochenende hat die Leitung unserer Landeskirche eine neue Regelung gefunden, wie mit Homosexualität im Pfarrhaus umzugehen ist. Das ist Sprengstoff in den Augen vieler Christen, der die Kirche vor eine Zerreißprobe stellt und sie nach Meinung Einzelner sogar zu spalten droht.
Die Kirchenleitung hat entschieden, dass andere entscheiden sollen. Und dürfen!
Eine weise Entscheidung, denn die wahren Sprengstoffexperten sitzen doch in den Gemeinden. Die Kirchenvorstände wissen am besten, was in ihrer Gemeinde geht und was nicht.
In manchen Gemeinden wird aus dem scheinbar explosiven Gemisch eine harmlose Verbindung werden, die unaufgeregt zur Kenntnis genommen wird. In anderen wiederum wird der Kirchenvorstand »einmütig« ablehnen, dass ein homosexueller Pfarrer mit seinem Partner ins Pfarrhaus zieht.
Damit wäre auch dort der Sprengstoff vom Tisch. Die Betroffenen entscheiden vor Ort. Das macht ernst mit dem Priestertum aller Gläubigen. Es ist eine Stärkung der Gemeinden, zumindest wenn sie mit ihrer neuen Freiheit umgehen können.
Natürlich ist der Sprengstoff damit noch nicht gänzlich aus der Welt. Denn wer mit der neuen Entscheidung generell Probleme hat, wird sich nicht damit trösten wollen, dass in seiner Gemeinde so etwas vielleicht nicht möglich ist.
Deshalb ist der Appell des Landesbischofs, sich gegenseitig in den verschiedenen Auffassungen zu achten und zu respektieren, umso wichtiger. Es bleibt zweifellos die einzige Möglichkeit, mit dieser Entscheidung umzugehen.
Denn nicht die Homosexualität an sich ist Sprengstoff – sondern wie wir als Christen miteinander umgehen.
Uwe Naumann
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Keine “weise Entscheidung”, eine wirklich peinliche Entscheidung, die offen zeigt, auf welchem moralischen Stand sich die Kirche befindet. Nicht Liebe zählt, sondern das “Prinzip”, gründend auf einem dubiosen Schriftverständnis, das mit aller Hybris auch noch einem “Zeitgeist” gegenübergesetzt wird (als ob nicht jedes Schriftverständnis “Zeitgeist” wäre). Garniert wird das ganze noch mit Tönen der “Homophoben”, die den Ductus der Barmer Theologischen Erklärung tragen, als ob es hier um eine Frage von Existenz oder Untergang der Kirche ginge. Sollen die Hungrigen hungern und die Gefangenen verzweifeln…Die Kirche weiß schon, wo sie Prioritäten zu setzen hat.
Das ganze Geschwafel um Homosexuelle Priester und das Wohnen im Pfarrhaus ist doch genau genommen nur eine Pseudodiskussion, der die Grundsatzfrage der Moral zur Homosexualität zugrunde liegt. Die Kirche hingt der Wahrheit eben immer noch hinterher oder sagen wir sie kennt die Wahrheit ganz genau. Nur die Entnebelung vieler Gemeindeglieder könnte in größere Austrittswellen münden. H. Pfarrer sind also weiter von der Gnade ihres Kirchenvorstandes abhängig und gezwungen eine Doppelmoral zu entwickeln. An der Markersbacher Erklärung sehe ich wieder deutlich, dass Glaube oft zu einem Konstrukt bestehend aus Wunsch-und Phantasiegebilden, verkommt. Das “Perverse” dabei ist,dass der Wahrheitsanspruch und die Nächstenliebe höchste Priorität haben. Die sexuelle Haltung darf kein Kriterium für den Pfarrberuf sein. Oder wir drehen den Spieß mal um,heterosexuelle Pfarrer bedürfen der einmütigen Zustimmung des Kirchenvorstandes …..
Mein Vorschlag: Trennen wir doch die Spreu vom Weizen ! Alle Gemeindeglieder, die die Markersbacher Erklärung unterschrieben haben, dürften keine kirchliche Verantwortung mehr bekommen.
Ich kann trotz smily nicht lachen. Genau das ist meine Frage: haben die vielen Christen noch Raum in dieser Kirche, die ticken wie ich? Ich muss gar nicht austreten, ich werde ‘raus gedrängt indem mir indirekt gezeigt wird, dass meine Art mit der Bibel umzugehen nicht erwünscht ist, stört. In der Arbeitsgruppe der Kirchenleitung zum Thema war meine Überzeugung auch vertreten – im Abschlussbericht wird dann öfter von “dem größeren Teil” und “dem kleineren Teil” der Arbeitsgruppe geschrieben. Wer hat die Gruppe denn so zusammengesetzt, dass man jetzt auf den armen kleineren Teil blicken kann, der einfach keine Mehrheit zusammen bringt aber dummerweise auch noch irgendwie beachtet werden muss?
Viele Jahre habe ich mich in der Landeskirche engagiert und tue es noch. Nach Réné Illgen sollte ich nun mit einem smily aus dem Kirchenvorstand gedrängt werden. Warum? Weil mein Verständnis der Bibel zur Spreu gehört, die den Weizen verunreinigt. Und worin besteht der Weizen? In einem liberalen Bibelverständnis, das dazu beiträgt, dass sich niemand mehr an irgendwelchen Aussagen stört, das, so rundgelutscht es daher kommt, aber auch keinen so richtig hinter dem Ofen hervor lockt, ein Bibelverständnis, aus dem geschöpft ich sonntags Predigten höre, die auf mich seltsam leblos wirken, schöne Worte, prosaisch, lyrisch, aber zugleich distanziert, mit Betrachtungs-Sicherheitsabstand. Da wird Jesus spürbar ungern erwähnt, behandelt, als wäre er jedenfalls nicht hier. Da wird Gott erklärt, als könnte man das. Da werden Gebete meist begonnen mit der tötesten (distanziertesten) aller Anreden des Höchsten: “Gott…”. Da wird Unangenehmes im Predigttext in der Predigt verschwiegen oder umgedeutet bis alles hübsch harmlos bleibt. Ich vermisse das Leben in solchen Predigten. Vermissen die Prediger es auch? Es zieht mich nicht da hin, wo kein Leben spürbar ist. Jugendliche haben ein Gespür dafür und suchen anderswo.
Es geht in der Debatte nur vordergründig um Homosexualität. Dahinter steckt ein tieferes Problem. Wird das nicht gesehen, führen wir Scheindebatten.
@conradowitsch und allen Unterzeichnern der Markersbacher Erklärung
Es war nicht meine Absicht sie als Christ zur Spreu zu zählen. Es geht mir hier nur um ihre Haltung zu einem doch sehr beschränkten und nicht bekenntnisabhängigem Thema. Nur-solche Haltungen, die nicht nur sie sondern viele Christen scheinbar ohne Gewissensnöte vertreten drängen Menschen an den Rand möglicher kollektiver Glaubenserfahrungen vor allenm in Gemeinden. Warum sollte ein Pfarrer mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner nicht im Pfarrhaus wohnen? Was ist mit den vielen homosexuell empfindenden Christen in den Gemeinden, die gerne Engagement zeigen würden, jedoch nur mit einem mitleid-und angstgefülltem Lächeln auf Distanz gehalten werden, ihnen seelsorgerische Begleitung angeboten wird oder als “besonders” sündenbeladen beeugt werden. Gerade in den Gemeinden beginnt doch ein Stück der Annäherung,Nicht-heterosexuelle Menschen ganz selbstverständlich in die Gemeinde einzubinden, ihnen zu trauen. Homosexuelle Pfarrer im Pfarrhaus wohnen zu lassen wäre dabei ein vorbildhaftes Beispiel an dem sich andere Gemeindeglieder orientieren können, die genauso empfinden. Wie lebt ein homosexueller Pfarrer mit seinem Partner, genau diese Vorbilder wären enorm wichtig.
Sie sollten sich fragen warum sie so grundsatzorientiert reagieren, als ginge es um eine Bekenntnisfrage. Ist es Angst von geliebten, längst geglaubten, als wahr angenommenen Grundsätzen Abschied nehmen zu müssen. Ist es das überdauernde, selbst konstruierte Gewissen ihrer Weltanschauung, was sie solche Erklärungen unterschreiben läßt ? Ich halte an meinem Grundsatz fest. Menschen, die solche Erklärungen unterschreiben, denen liegt kein reflektiertes Bibelverständnis zugrunde. Sie blenden wissenschaftliche Wahrheiten einfach aus und gehen somit ein Stück an der Wahrheit des christlichen Gottesbildes vorbei. Wenn Angst größer ist als Empathie kann die Brücke zwischen homo-und heterosexuellen Gemeindegliedern, die ohne Zweifel in vielen Gemeinde besteht, nie errichtet werden.
Wir verlieren nicht an Profil, wenn wir oben Beschriebenes zulassen, sondern gewinnen eine Fülle an Lebensreichtum, der viele Gemeindeglieder integrieren kann.
Ein möglicher Weg eine reflektierte Sichtweise bzgl. des Themas zu erlangen ist die breite Auseinandersetzung auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, ich denke bspw. an die Studie von Alfred Kinsey, die Ergebnisse der Weltgesundheitsorganisation, lesen sie doch bitte auch die Liebesgeschichte von David und Jonathan, schauen sie sich die psychologischen Prozesse eines Jugendlichen während seines Coming Outs an. Schauen sie sich an wohin Umpolungs-und Anpassungsversuche oft bei Betroffenen münden. Das empfehle ich übrigens allen, die glauben durch das Unterzeichnen der Markersbacher Erklärung etwas Gutes getan zu haben.
Herzliche Grüße
René Illgen
Lieber Réné Illgen, immerhin danke für die Klarstellung. Aus Ihren Empfehlungen lese ich, dass sie ein Bild von mir im Kopf haben und mir daraufhin eine Ferndiagonse stellen: ich leide an einem schwach reflektierten Bibelverständnis, lese keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema (vielleicht weil mein Intellekt zu begrenzt ist), bin untergründig von Ängsten besetzt (vermutlich homophob), hinterfrage mich selbst nicht, vor allem wenn ich mich grundsatzorientiert äußere. Habe ich etwas vergessen? Nirgends begegnet mir so viel Schubladendenken wie in dieser, so gern Toleranz predigenden Kirche. Was aber, wenn ich viel zum Thema gelesen habe, eben auch wissenschaftliche Erkenntnisse was, wenn ich genau weiß, warum ich grundsatzorientiert reagiere? Was, wenn ich mit Betroffenen im Kontakt war und bin und sogar zusammen arbeiten kann? Stimmt dann das Bild noch – und passen Ihre Versuche noch, mich per Ratschlägen umzuändern?
@Rene Illgen: Wenn Sie schon Kinsey anführen, sollten Sie auch sagen, daß sein Report die Promiskuität homosexueller Partnerschaften thematisierte. 43 % der im Rahmen seiner Studie befragten homosexuellen Männer gaben an, dass sie in ihrem Leben Sex mit mindestens 500 Partnern gehabt hatten, 28 % hatten sogar Sex mit 1000 oder mehr Partnern und 79 % gaben an, dass über die Hälfte ihrer Sexualpartner Fremde waren.
Eine der umfassendsten Studien von homosexuellen Beziehungen wurde von
A. P. Bell und M. S. Weinberg vorgelegt. Dnach gaben 74 % der männlichen Homosexuellen an, während ihres Lebens mehr als 100 Partner gehabt zu haben (41 % mehr als 500 Partner, 28 % mehr als 1000 Partner). Bei 75 % der Befragten waren mehr als die Hälfte ihrer Partner Fremde. 65 % gaben an, dass sie mit
mehr als der Hälfte ihrer Partner nur ein einziges Mal Verkehr hatten.
Für das vergangene Jahr gaben 55 % der Homosexuellen zwanzig oder mehr
Partner an, 30 % fünfzig oder mehr. Lesbische Frauen haben meist eine
bedeutend niedrigere Zahl von Sexualpartnern. (Bell und Weinberg: Der Kinsey Institut Report, München 1978).
Das pro-schwule Magazin “Du und Ich” schreibt: “94 Prozent aller Männer-Ehen dauern nicht länger als ein halbes Jahr.” (Juni 1999).
Derlei Studien (Kinsey von 1948) anzuführen ist absurd.
1. Es stellt sie die Frage woher denn diese befragten Homosexuellen kommen.
2. Wer fragt denn heterosexuelle Männer nach der Anzahl der Sexualpartner?
3. Welcher heterosexuelle Mann, würde so viele Sexualpartner angeben, wenn er verheiratet ist?
4. Liegt der häufige Wechsel an der Homosexualität oder der Männlichkeit der Personen?
5. In einer Gesellschaft in der es nicht möglich ist, offen als homosexueller Mensch zu leben, halten auch Beziehungen nicht. Diesen Druck hält kein Mensch aus.
6. Wie kann man von Männer-Ehen sprechen, wenn es im Juni 1999 so etwas ähnliches noch gar nicht gab?
7. Die Scheidungsrate bei Lebenspartnerschaften liegt bei ca. 10% bei Ehen bei 50%.
Ich kenne jedenfalls keine Homosexuellen, die ihre Partner so wechseln, sondern nur welche, die in treuen jahrezehntelangen Beziehungen leben. Die Lebenspartnerschaften eingehen obwohl diese nach wie vor Nachteile und keine Vorteile bringen.
Die Kinsey Studie hat eine wesentliche Aussage. Heteronormativität ist nicht die einzige existierende sexuelle Ausrichtung. Sie ist vielmehr in einem Kontinuum feingliedriger Abstufungen sexuellen Empfindens zu sehen. Homosexuelle Gefühle kann demnach auch ein heterosexuell orientierter Mann oder Frau empfinden ohne je diesem Gefühl nachzugehen. Wir schreiben hier über sog. Sexualitäten und nicht der Sexualität. Übel wird mir auch, wenn ich oft lese, Die Ehe oder besser Heteronormativität solle das Leitbild unserer Gesellschaft bleiben. Das braucht niemand zu dogmatisieren, denn schon aus der Natur der Sache heraus wird sie das bleiben. Und Bernd woher auch immer sie diese Zahlen haben, diese überhaupt als Argument anzuführen ist absurd.
@Rene Illgen: Die Zahlen – ich schrieb das auch !! – habe ich eben aus dem Kinsey-Report,den SIE (30.1., 14.10 Uhr) ja erst ins Spiel gebracht haben und eben noch (1.2., 19.12 Uhr) als wesentlich beschreiben. Suchen Sie sich also weiter die Argumente, die ihnen in den Kram passen und nennen Sie das wissenschaftlich…
@Kistin:
1.) ICH habe Kinsey nicht von mir aus ins Spiel gebracht, sodern Herr Illgen. Aber wenn schon, denn schon…
2.) In Ich und Du fehlt ist bei Männer-Ehen sicher die Lebesparterschaft gemeint.
@Rene Illgen: Die Zahlen – ich schrieb das auch !! – sind u.a. eben aus dem Kinsey-Report,den SIE (30.1., 14.10 Uhr) ja erst ins Spiel gebracht haben und eben noch (1.2., 19.12 Uhr) als wesentlich beschreiben. Suchen Sie sich also weiter die Argumente, die ihnen in den Kram passen und nennen Sie das wissenschaftlich…
@Kistin:
1.) ICH habe Kinsey nicht von mir aus ins Spiel gebracht, sodern Herr Illgen. Aber wenn schon, denn schon…
2.) In Ich und Du ist bei Männer-Ehen sicher die Lebesparterschaft gemeint.
Das Lebenspartnerschaftsgesetz gibt es erst seit 2001. Daher ist eine solche Veröffentlichung 1999 sehr unlogisch!