Sprengstoff für Gemeinden

26. Januar 2012 von DER SONNTAG  
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© ItsMe1985 - SXC.HUAm letzten Wochenende hat die Leitung unserer Landeskirche eine neue Regelung gefunden, wie mit Homosexualität im Pfarrhaus umzugehen ist. Das ist Sprengstoff in den Augen vieler Christen, der die Kirche vor eine Zerreißprobe stellt und sie nach Meinung Einzelner sogar zu spalten droht.

Die Kirchenleitung hat entschieden, dass andere entscheiden sollen. Und dürfen!

Eine weise Entscheidung, denn die wahren Sprengstoffexperten sitzen doch in den Gemeinden. Die Kirchenvorstände wissen am be­sten, was in ihrer Gemeinde geht und was nicht.

In manchen Gemeinden wird aus dem scheinbar explosiven Gemisch eine harmlose Verbindung werden, die unaufgeregt zur Kenntnis genommen wird. In anderen wiederum wird der Kirchenvorstand »einmütig« ablehnen, dass ein homosexueller Pfarrer mit seinem Partner ins Pfarrhaus zieht.

Damit wäre auch dort der Sprengstoff vom Tisch. Die Betroffenen entscheiden vor Ort. Das macht ernst mit dem Priestertum aller Gläubigen. Es ist eine Stärkung der Gemeinden, zumindest wenn sie mit ihrer neuen Freiheit umgehen können.

Natürlich ist der Sprengstoff damit noch nicht gänzlich aus der Welt. Denn wer mit der neuen Entscheidung generell Probleme hat, wird sich nicht damit trösten wollen, dass in seiner Gemeinde so etwas vielleicht nicht möglich ist.

Deshalb ist der Appell des Landesbischofs, sich gegenseitig in den verschiedenen Auffassungen zu achten und zu respektieren, umso wichtiger. Es bleibt zweifellos die einzige Möglichkeit, mit dieser Entscheidung umzugehen.

Denn nicht die Homosexualität an sich ist Sprengstoff – sondern wie wir als Christen miteinander umgehen.

Uwe Naumann

Gewissen gegen Gewissen

21. Januar 2012 von DER SONNTAG  
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Dürfen sie oder dürfen sie nicht ins Pfarrhaus, der Pfarrer oder die Pfarrerin, die ihresgleichen lieben? Die Kirchenleitung hat am 21. Januar eine Entscheidung von einiger Tragweite zu fällen.

Es geht um das neue Pfarrer­dienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dessen Paragraf 39. Wer den 2010 verabschiedeten Gesetzestext liest, wird zunächst nichts Spektakuläres entdecken. Um die Lebensführung der Pfarrerinnen und Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe« geht es da.

Diese Erweiterung über die Ehe hinaus bezieht sich auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ist der Anlass für Unterschriftensammlungen in Sachsen: dafür und dagegen. Warum die EKD diesen Passus ins Gesetz eingefügt hat, wird aus der Begründung deutlich: Er ermögliche es den Gliedkirchen, ihr eigenes Profil im Umgang mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften beizubehalten und weiter zu entwickeln.

Darüber will die Kirchenleitung beraten: Braucht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eine neue Regelung oder will sie an der bisherigen festhalten, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus nicht erlaubt sind? Gegner einer Neuregelung sprechen von Kirchenspaltung. Ernstzunehmende Christen sehen sich in Gewissensnöten. Andere ernstzunehmende Christen wiederum sehen die Gewissensnöte betroffener Pfarrerinnen und Pfarrer.

Doch warum soll es einer Gemeinde zugemutet werden, die es partout nicht will? Und warum einer Gemeinde verwehrt werden, wenn sie darin kein Problem sieht?
Es wird keine leichte Entscheidung, die die Kirchenleitung zu treffen hat. Im Gebet können wir sie unterstützen, dass es eine weise Entscheidung wird.

Christine Reuther

Präsident und Propheten

14. Januar 2012 von DER SONNTAG  
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Foto: © Jesco Denzel - Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Foto: © Jesco Denzel - Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Darf man Mitleid haben mit einem Bundespräsidenten? Natürlich. Sind wir nicht alle Sünder? Aber ja. Ist es nicht christlich, einem Sünder zu vergeben? Auch das: Ja – aber.

Will man sich an der Bibel orientieren, und ein christlicher Politiker wie Christian Wulff wird das nicht bestreiten wollen, dann heißt die Zwillingsschwester der Vergebung Buße: Umkehr, echte Reue. Bei der für den Präsidenten wie für die Zuschauer gleichermaßen peinlichen Befragung in der Fernseharena war man versucht, dem Bundespräsidenten auf die Schulter zu klopfen und ihm zuzurufen: »Ist schon gut«. Doch warum tauchen am Tag eins nach der erklärten Offenheit wieder neue Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Präsidenten auf?

So kommt der Verdacht in die Welt, dass Reue für Wulff ein Werkzeug aus dem politischen Überlebens-Kit geworden ist. Der Theologe Dietrich Bonheffer hat – freilich angesichts ungleich ernsthafterer Konflikte – vor einer »billigen Gnade« gewarnt: »Gnade ohne Preis, ohne Kosten«.

Die Bibel kennt den Preis: Es ist die Einsicht in die Verführbarkeit der Mächtigen. Das Alte Testament erzählt von Königen, die durch Gottes und des Volkes Willen auf den Thron kamen – und ihn verblendet von der Macht wieder verloren. Sie hatten die Empfindlichkeit für Unrecht verloren – oder auch nur dafür, was Menschen als Unrecht empfinden könnten. Die Macht selbst kann zur Gefahr werden auch für den Mächtigen. Und ihn isolieren.

Die biblische Mahnung trifft indes alle, die Macht verliehen bekommen – ob in Politik oder Wirtschaft, ob in Kirche oder Redaktionen. Die Propheten des Alten Testaments lehren uns: Mächtige brauchen Kritik, und sie brauchen Demut. Für ihre Kritiker gilt übrigens das Gleiche.

Andreas Roth

Ende und Anfang

4. Januar 2012 von DER SONNTAG  
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Ein neues Jahr hat begonnen und wir stehen wieder einmal vor dem Ende der Welt. Hätten doch die Mayas bloß ihren fünftausendjährigen Kalender weiter geschrieben – dann müsste sich heute niemand davor fürchten, dass mit dem Ende der aufgeschriebenen Tage in diesem überlieferten Dokument am 21. Dezember 2012 auch das Ende der wirklichen Tage auf unserer Erde gekommen sein wird.

Dass alles Irdische einmal endet, wissen wir. Wir wissen auch, in wessen Hand es liegt. Und wir können ahnen, wie es aussehen könnte – das Ende der Erde. Denn wir schinden sie ganz schön, holen aus ihr heraus, was sich nur irgendwie verwerten lässt. Nicht immer gereicht diese Ausbeute zum Segen für Menschen. Und Weltuntergangsszenarien werden immer wieder gern verfilmt, weil sich mit dem Schauer des Entsetzens gut Geld verdienen lässt.

Es heißt sogar, auf die Furcht vor dem, was im neuen Jahr kommen mag, sei der gestiegene Umsatz im Weihnachtsgeschäft zurückzuführen: Weil die Menschen der Wirtschaft und dem Euro nicht mehr vertrauten, hätten sie ihr Geld in Kaufhäusern und im Versandhandel ausgegeben. Dann kann doch die Furcht nicht so groß sein, wenn das Geld so locker sitzt.

Die Angst ist in ganz anderen Weltgegenden zuhause: bei den hungernden Menschen in Ostafrika, im sich nun selbst überlassenen und von Kriegsjahren gezeichneten Irak, ebenso in Afghanistan. Bei den Menschen, die aus politischer oder wirtschaftlicher Not aus ihrer Heimat fliehen und bei uns Hilfe und Neuanfang suchen. Ihre Hoffnung wird es sein, dass ihre Not bald endet. Deshalb bleibt noch viel zu tun, um die Erde lebenswert für alle zu gestalten – auch wenn unser aller Dasein einmal endet.

Die Furcht davor sollte uns nicht abhalten, es zu tun.

Christine Reuther

Organspende ist keine Pflicht

16. Dezember 2011 von DER SONNTAG  
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Hospital
 
Eigentlich könnten die Befürworter der Organspende frohlocken: Zwei Drittel der Deutschen wären bereit, einem schwer Erkrankten ein Organ zu überlassen, wie die Bertelsmann-Stiftung und die Krankenkasse Barmer GEK in einer Studie ermittelt haben. Rund 12 000 Patienten warten der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge in der Bundesrepublik auf eine Niere, eine Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Gemessen daran ist die Zahl jener, die einen Spenderausweis besitzen, zu gering.

Mehr als 1100 Patienten sind im vergangenen Jahr gestorben. Verständlich also, wenn Politiker wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Druck machen. Scheint nun ein Hoffnungsschimmer für die schwer Erkrankten auf?

Nein, noch kann davon keine Rede sein. Denn – auch dies hat die Studie gezeigt: Die Unsicherheit bleibt groß, eine Entscheidung anspruchsvoll. Setzt sie doch voraus, dass man sich mit solch komplizierten Grenzfragen wie der nach dem Hirntod beschäftigen muss – jenem Zeitpunkt also, an dem Organe entnommen werden könnten. Bedenken bleiben: Kann man von einem Menschen, dem dies widerfährt, würdig Abschied nehmen? Und sind die Erfolgsaussichten, mit einem Spenderorgan auf Dauer zu überleben, nicht zu gering?

Die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland ist eindeutig: Sie ermutigt zur Organspende. Sie könne ein Akt der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Aber sie erklärt das nicht zur Christenpflicht. Sie lehnt daher auch die Widerspruchsregelung ab, bei der jedem, der nicht ausdrücklich ablehnt, Zustimmung unterstellt wird. Angesichts des hohen Bedarfs ist Information nötig – keineswegs moralischer Druck.

Tomas Gärtner

Zwiespältig

7. Dezember 2011 von DER SONNTAG  
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lasseManchmal liegen zwischen der Erkenntnis von Ungerechtigkeiten weltweit und dem Handeln vor der Haustür Welten. Jüngstes Beispiel für einen solchen Zwiespalt ist das Verhalten im Falle Syriens. Da setzt sich Deutschland bei den Vereinten Nationen mit Nachdruck dafür ein, dass das gewaltsame Vorgehen des dortigen Regimes gegen das eigene Volk untersucht wird.

Manchmal liegen zwischen der Erkenntnis von Ungerechtigkeiten weltweit und dem Handeln vor der Haustür Welten. Jüngstes Beispiel ist das Verhalten im Falle Syriens. Da setzt sich Deutschland bei den Vereinten Nationen mit Nachdruck dafür ein, dass das gewaltsame Vorgehen des dortigen Regimes gegen das eigene Volk untersucht wird.

Auf der anderen Seite will die Bundespolizei 20 syrische Flüchtlinge nach Polen abschieben, die am 22. November in der Nähe von Cottbus in einem Lkw entdeckt wurden. Die 18 Männer und zwei Frauen im Alter von 21 bis 31 Jahren hätten »keinerlei für den Aufenthalt in Deutschland notwendige Dokumente« bei sich gehabt, argumentiert die Bundespolizei. Dass in Syrien seit Monaten ein blutiger Bürgerkrieg tobt, spielt dabei keine Rolle.

Weit schlimmer verhält es sich mit den Flüchtlingen, die in südeuropäischen Ländern gestrandet sind. Nicht umsonst hat die Flüchtlingsorganisation »Pro Asyl« einen europäischen Schutzschirm gefordert, weil die Flüchtlinge in Griechenland oder Malta zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssten. Die aktuelle Aufnahme von 152 Flüchtlingen durch die Bundesrepublik ist da allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

Besonders problematisch erscheint die Situation von Kindern – dort wie hier. Die evangelische Kirche hat deshalb anlässlich des Tages der Menschenrechte die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention für Flüchtlingskinder angemahnt. Obwohl die Bundesrepublik diese bereits 1992 ratifiziert hat, gibt es immer noch Handlungsbedarf. So hat sich laut EKD am Umgang der Behörden mit minderjährigen Flüchtlingen vielfach nichts geändert. Der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ist eine gute Gelegenheit, ihre schwierige Situation in den Blick zu nehmen.

Martin Hanusch

Klimakonferenz am Küchentisch

30. November 2011 von DER SONNTAG  
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KlimakonferenzEin Auto steuert mit 100 Sachen auf eine Wand zu. In seinem Innern diskutiert man höflich und in gemessener Sprache, ob man die Geschwindigkeit etwas drosseln solle. Vielleicht um 20 Prozent, vielleicht nur um 15 oder gar 40 Prozent? Man wird sich nicht recht einig. Schließlich will keiner der Insassen als Verlierer gelten.

Am Ende der Fahrt werden sie es alle sein.

So ist noch immer der Stand der Diskussion um das sich aufheizende Weltklima. Auch jetzt, am Beginn der UN-Klimakonferenz in Durban – es ist die siebente ihrer Art. Nach all den Fakten, die die Wissenschaft der ganzen Welt vor Augen gelegt hat, scheint jeder Appell nur noch billig und banal.

Die Wirklichkeit freilich ist noch billiger und noch banaler: Nie wurde mehr klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft gepustet als im vergangenen Jahr, so schätzt das US-Energieministerium. In Deutschland rechnet man mit einer Steigerung der Kohlendioxid-Emmissionen im Verkehr und einem Verfehlen der Klimaschutzziele. Und auf der Erde wird es wärmer und wärmer, nicht erst die Dürre in diesem November zeigte das.

Es ist ein Versagen der Politik.

Und es ist auch unser Versagen – als Konsumenten, Teil der Wirtschaft und auch als Kirche. Kreativ sind wir oft nicht im Energiesparen. Wir sind es im Finden von Gründen, warum wir unser Verhalten – leider, leider – gerade nicht ändern können.

Dabei zeigen die Daten der Wissenschaftler klar: Es geht nicht um grüne Schleifchen um unseren Lebensstil, es geht um einen Kurswechsel. Der kann am Küchentisch beginnen, auf den Einkaufszetteln, Stromrechnungen und bei unseren Urlaubsplänen.

Die Bibel nennt so etwas Buße, Umkehr.

Der Advent war früher die Zeit dafür.

Man muss nicht immer alles neu erfinden.

Andreas Roth

Schieflage

24. November 2011 von DER SONNTAG  
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police
Auf einmal ist der Schrecken groß: Aus dem neonazistischen Untergrund heraus wurden Menschen ermordet und keiner ist den Mördern auf die Spur gekommen. Verfassungsschützer haben angeblich nichts gewusst. Polizeiliche Ermittlungen liefen ins Leere. Nun überbieten sich Politiker mit Vorschlägen, wen sie zur Rechenschaft ziehen sollen und wie die Sicherheitsbehörden umgebaut werden könnten, um solche Skandale in Zukunft zu vermeiden.

Und vor allem hat man den Eindruck, als merkten sie erst jetzt: Ach, die Rechtsextremisten können ja auch böse sein! Wie böse, das zeigen die Morde, die offenbar nur aus dem einen Grund geschahen: Hass auf Ausländer. Dieser Hass hat sich schon an anderen Stellen, in anderen Städten in den vergangenen Jahren gezeigt. Jedes Mal war die Empörung groß – ebenso wie das Bemühen, solche Taten als Untaten von Einzelnen zu verdammen.

Doch gerade deshalb hätten Politik und Öffentlichkeit es wissen können, was da im Untergrund wächst und besonders an manchen Tagen in Massen an die Öffentlichkeit tritt. Man bedenke nur die Aufmärsche in Dresden im Umfeld des 13. Februar. Doch der politische Aufruhr und die polizeilichen Ermittlungen zielten am Ende in die andere Richtung: auf die, die sich den Rechtsextremisten widersetzten, die ihre Märsche verhindern wollten.

Denn auch das ist nicht selten: Diejenigen, die sich gegen den braunen Spuk in ihrer Stadt, in ihrem Dorf wehren, werden schief angesehen, selbst in der Kirche. Und diese schiefe Sicht durchzieht viele Bereiche. Bis dahin, dass Gelder für die Jugendarbeit gekürzt werden und damit Bemühungen, Jugendlichen sinnvolle Angebote zu unterbreiten, zunehmend ins Leere laufen. Eine klarere Sicht ist deshalb dringend nötig, um auf dieser Schieflage nicht eines Tages abzurutschen.

Christine Reuther

Mörderisches Puzzle

18. November 2011 von DER SONNTAG  
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puzzle

Wenn sich Puzzleteile zu einem großen Bild zusammensetzen lassen, ist die Freude bei den Puzzlespielern groß. Nicht so im Puzzlespiel von Polizei und Verfassungsschutz, das mehr und mehr Licht in die dunkle rechtsextreme Szene wirft. Dort entwickelt sich aus bislang fragwürdigen und ungeklärten Bruchstücken von Mord, Anschlägen und Überfällen ein Schreckenszenario, in dessen Zentrum ein Trio aus Zwickau zu stehen scheint.

Die Grenzen des Puzzles scheint aber noch keiner zu kennen. Überhaupt schien das Spiel lange Zeit unter dem Ermittlungsteppich gelegen zu haben.

Fixpunkte des Puzzles bilden offenbar zehn gezielte Morde innerhalb von sieben Jahren. Die Opfer waren acht türkisch- und ein griechischstämmigr Ladenbesitzer sowie eine deutsche Polizistin. Hinzu kommen zahlreiche Banküberfälle und möglicherweise weitere Anschläge.

Das klingt nicht nach den bekannten rechtsextremistischen Schlägereien am Rande von Demonstrationen, den Überfällen auf linke Einrichtungen oder Hetzjagden auf Ausländer. Auch das aufgetauchte Bekennervideo des selbsternannten »Nationalsozialistischen Untergrunds« hat eine besondere Qualität. Im Comic-Stil von Paulchen Panther zeigt es die Morde und ihre Opfer aus Nachrichtenbeiträgen, kommentiert in der Art des rosaroten Panthers.

Vielleicht will man dieses Puzzlespiel lieber gar nicht bis zuende spielen, gar nicht sehen, was sich an Grausamkeiten und Menschenverachtung noch verbirgt. Doch wenn sich so ein Fall in dieser Art nicht wiederholen soll, müssen alle Puzzleteile auf den Tisch. Denn die drei Zwickauer Extremisten werden wohl nur die Spitze des Eisbergs sein.

Uwe Naumann

Wenn Kirche wachsen will

11. November 2011 von DER SONNTAG  
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Kette

Wenn in der Kirche von notwendigem Wachstum gesprochen wird, folgt im zweiten Satz meist ein Hinweis auf die ansonsten weniger werdenden Kirchensteuern und deren Zahler. Der Zusammenhang besteht zwar. Aber wen will man gewinnen, wenn es nur darum geht, die eigenen Reihen zu stärken und die Bilanzen zu erhöhen?

Gleichwohl wurde in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor fünf Jahren ein Reformprozess gestartet – angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen, wie es dabei zur Begründung immer wieder hieß. Die EKD-Synode hat sich in Magdeburg in der vergangenen Woche wieder dem Thema zugewandt.

Unter dem Bibelwort »Was hindert’s, dass ich Christ bin« ging es auch um die Zukunft und das Wachstum der Kirche.

Auch wenn im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses wohl mehr die kirchliche Haltung zu Streikrecht und Mitbestimmung der kirchlichen Mitarbeiter stand, hat auch das Thema Mission unter den Synodalen Diskussionen hervorgerufen. Das Wort hat einen Beigeschmack, weil es in vergangenen Jahrhunderten mit Gewalt verbunden war, Menschen zum Christentum zu bekehren. Davon sind wir gottlob weit entfernt. Und es gibt viele Bemühungen, den christlichen Glauben und seine Wahrheiten unters Volk zu bringen. Doch nur um höherer Mitgliederzahlen willen, das wäre zu wenig.

Wichtig ist es, immer wieder das Evangelium zur Sprache zu bringen und die Menschen durch das eigene Leben und Handeln zu überzeugen versuchen. Darüber zu sprechen, wie und wo das Heil zu finden ist. Da ist jeder einzelne Christ, jede einzelne Christin gefragt. Nur wenn Glaube ansteckend wirkt, dann kann die Kirche wahrhaft wachsen.

Christine Reuther

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