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	<title>DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Westsachsen</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>»Du frierst, zitterst, schwitzt«</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 10:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
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		<description><![CDATA[Mike Schulz will weg vom Alkohol und findet Hilfe bei der Auerbacher Diakonie
Es ist ein stiller Kampf vor dem kleinen Kiosk auf dem Auerbacher Neumarkt. Er beginnt für Mike Schulz, wenn seine Kumpels ihr Sternburg-Bier an die Lippen setzen. »Du musst einen eisernen Willen haben. Ich bin ein trockener Alkoholiker – die Krankheit ist nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2314" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/ASG_6083.jpg" alt="Der Weg fort vom Alkohol ist lang und schwer. Seit drei Monaten ist Mike Schulz nun schon trocken. Er hat den Willen, das durchzustehen – so wie bei den Touren mit seinem alten Rennrad. Foto: Steffen Giersch" title="ASG_6083" width="560" height="366" class="size-full wp-image-2314" /><p class="wp-caption-text">Der Weg fort vom Alkohol ist lang und schwer. Seit drei Monaten ist Mike Schulz nun schon trocken. Er hat den Willen, das durchzustehen – so wie bei den Touren mit seinem alten Rennrad. Foto: Steffen Giersch</p></div><br />
<strong>Mike Schulz will weg vom Alkohol und findet Hilfe bei der Auerbacher Diakonie</strong></p>
<p>Es ist ein stiller Kampf vor dem kleinen Kiosk auf dem Auerbacher Neumarkt. Er beginnt für Mike Schulz, wenn seine Kumpels ihr Sternburg-Bier an die Lippen setzen. »Du musst einen eisernen Willen haben. Ich bin ein trockener Alkoholiker – die Krankheit ist nicht heilbar«, sagt Schulz (44), und fährt sich mit der Hand leicht zitternd durchs lange Haar. Er sieht in die kleinen Männerrunde im Schatten der Bäume, er sieht die braunen Flaschen. »Ich bleibe so lange, wie es geht. Und wenn ich merke, es geht nicht mehr, hau ich ab.«</p>
<p>Schulz weiß wohin es führt, wenn er diesen Abgang verpasst. Es war zwei Tage vor Silvester im letzten Jahr, er hatte gerade acht Wochen Krankenhaus hinter sich: Entgiftung, Langzeittherapie, harte Arbeit für ihn und seine Therapeuten. Da machte seine Freundin mit ihm Schluss, die Sinnlosigkeit tat sich vor ihm auf – und die ihm so vertraute Lösung: Drei Flaschen Schnaps und sechs Flaschen Bier trank er im Schnitt. Täglich. »Irgendwann hätte ich mich tot gesoffen«, sagt Schulz. </p>
<p>Sein Gesicht erzählt davon. Doch seine Augen hat der Alkohol nicht stumpf gekriegt, im Gegenteil: ganz unverstellt, manchmal ein wenig melancholisch und nicht selten mit Lachfalten blicken sie auf das sommerliche Treiben auf der Geschäftsstraße. Was hätte werden können, wenn sein Vater nicht selbst getrunken und ihn geschlagen hätte, wenn er nicht ins Kinderheim gekommen wäre, nicht in einen der berüchtigten DDR-Jugendwerkhöfe? »Das war die Vorstufe zum Knast«, sagt Schulz. </p>
<p>Die Tätowierungen auf seinem Arm sind die Erinnerung an etliche Jahre hinter Gittern. Auch dort blieb der Alkohol sein Begleiter, selbst hergestellt aus gegorenem Brot. Vier Mal versuchte Maik Schulz in den elf Jahren nach seiner Haftentlassung, sich von seiner Sucht zu befreien. »Du frierst, schwitzt, zitterst, isst nichts mehr, liegst da – da willst du nicht mehr leben.« An Gott glauben, sagt Schulz, kann er nicht. Sein Himmel bleibt leer.</p>
<p>Es war nicht nur seine Freundin, die ihm im vergangenen Frühjahr eine neue Chance gab und zu einer Entgiftung im Krankenhaus motivierte, sondern auch die Suchtberatung der <a href="http://www.diakonie-auerbach.de">Auerbacher Diakonie</a>. Zu ihr kommt Schulz seit dem Frühjahr immer wieder und besucht oft deren Teestube. Hier können suchtkranke Menschen kostenlos frühstücken, Alkoholfreies trinken, für kleines Geld zu Mittag essen und die Einsamkeit bekämpfen. </p>
<p>»Ich habe aus Frust gesoffen, wenn es nicht so hingehauen hat wie ich wollte«, das hat Schulz bei den Gesprächen mit den Beratern der Diakonie gelernt. »Jetzt suche ich mir einen Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Das Leben ist kein Wunschkonzert.« </p>
<p>Iris, die Wirtin von »Shelly’s Bi­stro« in der Auerbacher Fußgängerzone, klopft Schulz auf die Schulter: »Du kannst stolz auf dich sein«, sagt sie. Sie hat einen Bier- und Schnapskunden verloren – aber Mike Schulz hat eine Zukunft gewonnen.                       </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Verkündigung hinter Gittern</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 18:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehgottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[JVA Bautzen]]></category>

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		<description><![CDATA[ZDF-Gottesdienst am 13. Juni aus der Anstaltskirche der JVA Bautzen
Ronny M. sitzt seit zwei Jahren im Gefängnis. Ein räuberischer Überfall in Bayern hat dem 23-jährigen Görlitzer die Strafe eingebracht. »Aber ich hoffe, dass ich nächstes Jahr rauskomme«, sagt der junge Mann. Er hofft auf eine Therapie gegen seine Alkoholabhängigkeit. Und auf die Chance zum Neuanfang.
Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>ZDF-Gottesdienst am 13. Juni aus der Anstaltskirche der JVA Bautzen</strong><br />
<div id="attachment_2134" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/JVA_Gd12.jpg" alt="Ronny M. hat mit Pfarrerin Angela-Beate Petzold den Gottesdienst aus dem Gefängnis vorbereitet. Foto: Irmela Hennig" title="Ronny M. hat mit Pfarrerin Angela-Beate Petzold den Gottesdienst aus dem Gefängnis vorbereitet. Foto: Irmela Hennig" width="560" height="373" class="size-full wp-image-2134" /><p class="wp-caption-text">Ronny M. hat mit Pfarrerin Angela-Beate Petzold den Gottesdienst aus dem Gefängnis vorbereitet. Foto: Irmela Hennig</p></div><br />
Ronny M. sitzt seit zwei Jahren im Gefängnis. Ein räuberischer Überfall in Bayern hat dem 23-jährigen Görlitzer die Strafe eingebracht. »Aber ich hoffe, dass ich nächstes Jahr rauskomme«, sagt der junge Mann. Er hofft auf eine Therapie gegen seine Alkoholabhängigkeit. Und auf die Chance zum Neuanfang.</p>
<p>Und vielleicht ist der ZDF-Fernsehgottesdienst, der am 13. Juni aus der Vollzugsanstalt übertragen wird, ein Wegstück hin zum Neustart. Denn Ronny M. wird ihn mitgestalten. Überzeugter Christ ist er nach eigenen Worten nicht. Doch er besucht immer wieder die Gottesdienste in der Gefängniskirche. Und will am Sonntag in einer Woche aus seinem Leben erzählen.</p>
<p>Burghart Jäckel, Leiter der Justizvollzugsanstalt, hatte sich den ungewöhnlichen Gottesdienst zum Abschied gewünscht. Er geht dieses Jahr in den Ruhestand. Die evangelische Seelsorgerin Angela-Beate Petzold hatte zunächst nicht damit gerechnet, dass es klappen könnte. Doch das ZDF sagte ziemlich rasch zu. »Der Ort passt wunderbar in unser Jahresthema«, sagt Stephan Fritz, der evangelische Senderbeauftragter für ZDF-Gottesdienste. »Typisch Mensch« lautet es und typisch menschlich sei es, auch schwere Fehler zu machen. Mit einem normalen Fernsehgottesdienst sei die geplante JVA-Aktion nicht zu vergleichen und nur möglich, »durch den großartigen Einsatz und das Entgegenkommen der Bediensteten und der Anstaltsleitung«, lobt Fritz. So müssen 25 ZDF-Mitarbeiter ständig rein und raus – eigentlich unvorstellbar für ein Gefängnis.</p>
<p>Der Gottesdienst hat prominente Unterstützer. Allen voran Bautzens Oberbürgermeister Christian Schramm. Der frühere Diakon wird mit seiner ökumenischen Band im Gottesdienst musizieren. Mehrere Gefangene wirken im Gottesdienst mit, ein kenianischer Insasse lässt sich sogar taufen. Es werden Spenden gesammelt für die Reparatur des Kirchenklaviers. Ein Chor singt. Und Besucher dürfen in die JVA-Kirche kommen – auf 250 Gäste hofft Pfarrerin Angela-Beate Petzold. </p>
<p><em>Irmela Hennig</em></p>
<p><strong>ZDF-Gottesdienst aus der JVA Bautzen am 13. Juni 9.30 Uhr. Besucher müssen zwischen 8.15 und 8.40 Uhr zum Tor der JVA, Breitscheidstraße 4, kommen und einen gültigen Personalausweise mitbringen. </strong></p>
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		<title>Jesus von Zschorlau</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 15:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Passionsspiel Zschorlau]]></category>
		<category><![CDATA[Zschorlauer Passionspielverein]]></category>

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		<description><![CDATA[In dem Erzgebirgsdorf führen 140 Christen die Passionsgeschichte auf
Der klar schimmernde Blick, die halblang schwingenden Haare, der volle aber völlig unmajestätische Bart: Das muss er sein. Kein Zweifel. Die Kinder fassen sogleich Vertrauen zu ihm. Bauhandwerker ist er auch – so wie das Original. So wie Jesus von Nazareth. Gut, seine Sprache weist Matthias Groß als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1724" class="wp-caption alignleft" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/03/ASG_4666.jpg" alt="Haare und Bärte sind echt, alles andere ist nur gespielt: Matthias Groß als Jesus (2. v. l.) ist umgeben von den Priestern Wolfgang Huth (l.) und Hartwig Ebert (3. v. l.) sowie Steffen Urban als Joseph von Arimathäa (r.).  Foto: Steffen Giersch" title="Jesus von Zschorlau" width="560" height="373" class="size-full wp-image-1724" /><p class="wp-caption-text">Haare und Bärte sind echt, alles andere ist nur gespielt: Matthias Groß als Jesus (2. v. l.) ist umgeben von den Priestern Wolfgang Huth (l.) und Hartwig Ebert (3. v. l.) sowie Steffen Urban als Joseph von Arimathäa (r.).  Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p><strong>In dem Erzgebirgsdorf führen 140 Christen die Passionsgeschichte auf</strong></p>
<p>Der klar schimmernde Blick, die halblang schwingenden Haare, der volle aber völlig unmajestätische Bart: Das muss er sein. Kein Zweifel. Die Kinder fassen sogleich Vertrauen zu ihm. Bauhandwerker ist er auch – so wie das Original. So wie Jesus von Nazareth. Gut, seine Sprache weist Matthias Groß als waschechten Erzgebirgler aus. Doch wenn er in Zschorlau auf die Straße tritt, trifft er sie alle: Hier ein »Glück auf!« an Pontius Pilatus, dort eines an Judas und ein besonders herzliches an die anderen Jünger. </p>
<p>Ihre beeindruckenden Bärte und ihre Haartracht, die seit einem Jahr von keinem Friseur mehr weiß, prägen seit Monaten das Zschorlauer Ortsbild. Der Auswärtige stutzt, der Einheimische weiß: In Zschorlau spielen sie wieder die Geschichte des Leidens und der Auferstehung Jesu. Von Karfreitag bis zum Sonntag nach Ostern <a href="http:// www.passionsspiel-zschorlau.de">in acht Vorstellungen</a>. </p>
<p>In die Turnhalle passen 780 Menschen, die meisten Plätze sind schon ausverkauft. 140 lutherische und methodistische Christen aus Zschorlau, Burkhardtsgrün und Albernau spielen in der Passionsgeschichte mit. Die Idee dazu brachten die Zschorlauer Dieter Schürer und Steffen Urban aus einem Urlaub in Tirol mit. Daraufhin machte sich der Rechtsanwalt Schürer daran, aus Texten der Bibel und des polnisch-jüdischen Schriftstellers Roman Brandstaetter die Dialoge zu schreiben. </p>
<p>»Anders als in den traditionellen Passionsspielen wollte ich Jesus bewusst in seinem jüdischen Umfeld sehen«, sagt Schürer, der Vorsitzende des <a href="http:// www.passionsspiel-zschorlau.de">Zschorlauer Passionspielvereins</a>. Nach den Aufführungen in den Jahren 2000, 2001 und 2005 begannen im vergangenen September erneut die Proben. </p>
<p>»Das Passionsspiel soll keine Theateraufführung oder Tourismuswerbung sein – sondern ein besonderer Gottesdienst«, sagt Dieter Schürer. »Dass Jesus Christus den Weg ans Kreuz für uns gegangen ist, damit wir unverdient Versöhnung mit Gott erlangen können – das ist ein Kern unseres Glaubens. Für viele Leute ist es einfacher, in eine Sporthalle zu gehen und sich dort diese biblische Geschichte anzusehen.« </p>
<p>Die Leidensgeschichte Jesu ist kein Schwank, sie lässt sich nicht so locker erzählen wie ein Krippenspiel. Den Jesus spielt der Bauschlosser Matthias Groß voll heiliger Wut bei der Tempelreinigung, mit aufgemalten Striemen nach der Auspeitschung. Er denkt an die Angst während einer schweren Krankheit, wenn er Jesus in Gethsemane spielt. Und wenn er zwanzig Minuten am Kreuz hängt, verlieren seine Finger ihr Gefühl. </p>
<p>Mit seinen 49 Jahren ist der Zschorlauer Jesus viel älter als der Mann aus Nazareth je wurde. Allerdings ist dieser von den Toten auf­erstanden.                         			           </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p>Das Passionsspiel wird in der Sporthalle Zschorlau aufgeführt am 2., 3., 4., 5., 10. und 11. April jeweils um 13 Uhr sowie am 7. und 8. April um 18 Uhr. Informationen über Restkarten gibt es im Pfarramt Zschorlau unter (0 37 71) 2 54 38 52 oder im Internet.</p>
<p><a href="http://www.passionsspiel-zschorlau.de">Internetseite des Zschorlauer Passionsspiels</a></p>
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		<title>Diagnose: Mangel</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Mar 2010 11:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Pflegenotstand]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Berufe]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob in Kindergärten oder Pflegeheimen: Soziale Berufe werden immer wichtiger. Doch ihnen geht der Nachwuchs aus. 
Behutsam fühlt die junge Frau dem 82-jährigen Günther Adler den Puls. Seit über einem Jahr ist das Alltag für Veronika Ackermann – seit sie im Seniorenpflegeheim Bad Schlema lernt. »Es ist schön, mit Menschen zu arbeiten«, sagt die 21-Jährige. »Obwohl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ob in Kindergärten oder Pflegeheimen: Soziale Berufe werden immer wichtiger. Doch ihnen geht der Nachwuchs aus. </strong></p>
<div id="attachment_1697" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/03/ASG_4540.jpg" alt="Veronika Ackermann will Altenpflegerin werden. Ihr macht es Freude, mit alten Menschen, wie hier mit Günther Adler, umzugehen. Doch Auszubildende wie sie werden in Zukunft noch viel mehr gebraucht. Foto: Steffen Giersch" title="Altenpfleger und Patient" width="560" height="391" class="size-full wp-image-1697" /><p class="wp-caption-text">Veronika Ackermann will Altenpflegerin werden. Ihr macht es Freude, mit alten Menschen, wie hier mit Günther Adler, umzugehen. Doch Auszubildende wie sie werden in Zukunft noch viel mehr gebraucht. Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p>Behutsam fühlt die junge Frau dem 82-jährigen Günther Adler den Puls. Seit über einem Jahr ist das Alltag für Veronika Ackermann – seit sie im Seniorenpflegeheim Bad Schlema lernt. »Es ist schön, mit Menschen zu arbeiten«, sagt die 21-Jährige. »Obwohl die Arbeit als Altenpflegerin körperlich und seelisch anstrengend ist, kommt viel zurück.« </p>
<p>Sie ist eine von 30 Auszubildenden bei der <a href="http://www.diakonie-asz.de">Diakonie Aue/Schwarzenberg</a>. »Doch in den kommenden Jahren werden wir Probleme bekommen, die Arbeitsplätze in der Altenpflege und Behindertenhilfe zu besetzen«, sagt der Vorstand des Diakonischen Werkes Rainer Sonntag. »Schon heute haben wir große Schwierigkeiten, gutes und motiviertes Führungspersonal zu finden.« </p>
<p>Nach einer Schätzung des In­stituts der Deutschen Wirtschaft wird sich die Zahl der Pflegekräfte bis zum Jahr 2050 verdreifachen müssen, weil dann über ein Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein wird. In Sachsen ist es schon in zehn Jahren soweit. »Gleichzeitig werden bis dahin fast ein Viertel der bisherigen Mitarbeiter die Diakonie aus Altersgründen verlassen haben, bis 2030 sogar fast 60 Prozent«, sagt Sachsens Diakonie-Direktor Christian Schönfeld: »Wir müssen jetzt handeln.« </p>
<p>In Praktika, der »Sterntalerzeit« oder in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) laden schon heute diakonische Einrichtungen Jugendliche ein, ihre Arbeit kennen zu lernen. Auch Veronika Ackermann fand so zur Altenpflege. »Dass die sächsische Staatsregierung nun bei den <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2010/02/18/es-trifft-die-kleinen/">Zuschüssen für die FSJ-Plätze massiv kürzt</a>, ist Sparwut an der falschen Stelle«, sagt der Schlemaer Diakonie-Vorstand Sonntag. </p>
<p>Angesichts zurückgehender Schülerzahlen werden junge Menschen allein jedoch den Fachkräftemangel nicht beheben können. Deshalb schult die Diakonie Aue/Schwarzenberg zunehmend auch Menschen mittleren Alters aus ganz anderen Berufen zu Pflegekräften um. So wie den Maschinenbauer Jens Döhnel. Mit 37 Jahren entschied er sich, noch einmal einen neuen Beruf zu beginnen. »Mit 16 oder 25 Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können«, sagt er. »Erst jetzt hatte ich die Lebenserfahrung dafür.« </p>
<p>In sächsischen Kindergärten ist die Personalsuche schon heute ein großes Problem. »Die Bezahlung und die gesellschaftliche Anerkennung für soziale Berufe sind nicht attraktiv«, sagt Matthias Lang vom christlichen Verein <a href="http://www.kinderarche-sachsen.de">Kinderarche Sachsen</a>, der 35 Jugendhilfeeinrichtungen und sechs Kindergärten betreibt. </p>
<p>Allein mit Geld aber wird sich der Fachkräftemangel in Zeiten knapper Kassen, wachsender Zahlen von Pflegebedürftigen und Kindergartenkindern kaum lösen lassen. Ein Umdenken ist nötig – auch in der Kirche. »Unsere Gemeinden müssen verstehen lernen, dass die Gewinnung von Nachwuchs für soziale Berufe auch etwas mit Berufung zu tun hat«, sagt Rainer Sonntag. »Das ist eine Aufgabe der Gemeinden für die Zukunft.«</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Ein Holländer gegen Windmühlen</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/02/26/ein-hollander-gegen-windmuhlen/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 13:13:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Erzgebirge]]></category>
		<category><![CDATA[Henk van Loo]]></category>
		<category><![CDATA[Holzhau]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie der Kirchenmusiker Henk van Loo und seine Frau ins erzgebirgische Holzhau kamen
Eisig bläst der Wind über den Kamm. Die Blicke von Henk van Loo und seiner Frau Susanne schweifen über die schneebehangenen Nadelwälder und die weiße Weite bis hinüber ins Tschechische. Sie scheinen das Erzgebirge zu umarmen. »Diese Ruhe, diese Luft, die Natur und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie der Kirchenmusiker Henk van Loo und seine Frau ins erzgebirgische Holzhau kamen</strong></p>
<p>Eisig bläst der Wind über den Kamm. Die Blicke von Henk van Loo und seiner Frau Susanne schweifen über die schneebehangenen Nadelwälder und die weiße Weite bis hinüber ins Tschechische. Sie scheinen das Erzgebirge zu umarmen. »Diese Ruhe, diese Luft, die Natur und die freundlichen Menschen hier – herrlich!«, schwärmt der 67-Jährige. Er braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, was drüben in dem tschechischen Dorf Moldava entstehen soll: <a href="http://gegenwind.holzhau.de/">45 Windräder sollen dort errichtet werden und mit ihren 150 Metern die Höhen des Gebirges überragen</a>. </p>
<div id="attachment_1589" class="wp-caption alignleft" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/02/ASG_0442.jpg" alt="Beim Anblick des Erzgebirgskamms bei Holzhau kommen Henk van Loo und seine Frau Susanne ins Schwärmen. Sie wollen verhindern, dass er jenseits der deutsch-tschechischen Grenze mit Windrädern bebaut wird. Foto: Steffen Giersch" title="Holländer gegen Windmühlen" width="560" height="373" class="size-full wp-image-1589" /><p class="wp-caption-text">Beim Anblick des Erzgebirgskamms bei Holzhau kommen Henk van Loo und seine Frau Susanne ins Schwärmen. Sie wollen verhindern, dass er jenseits der deutsch-tschechischen Grenze mit Windrädern bebaut wird. Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p>»Sie verschmutzen den Horizont, das ist doch ein Naturschutzgebiet von höchster Bedeutung«, ruft Henk van Loo in den Schneegriesel. Man denke nur an das fast ausgestorbene Birkhuhn, das hier lebt, den schwarzen Storch oder den Tourismus. Dabei ist Henk van Loo gar kein gebürtiger Erzgebirgler, denen oft so viel Liebe zu ihrer Heimat nachgesagt wird. Er ist Holländer. Denen wiederum wird eine gewisse Liebe zu Windmühlen nachgesagt. Nichts davon bei ihm. Dabei hat das, was ihn ins erzgebirgische Holzhau verschlug, durchaus etwas mit Liebe zu tun: Der zu seiner Frau. Und der zu den Orgeln. </p>
<p>Viele Jahre arbeitete der Niederländer Henk van Loo in der Region um Maastricht als ehrenamtlicher Kirchenmusiker. Schon zu Zeiten der DDR führte ihn eine Kirchgemeindepartnerschaft immer wieder nach Erfurt. Dort lernte er seine spätere Frau Susanne kennen, und beide zogen vor zwölf Jahren in seine holländische Heimat.<br />
Eine Busreise zu bedeutenden Orgeln führte sie 2007 ins Osterzgebirge. »Als ich vor dem Geburtshaus des Orgelbauers Gottfried Silbermann in Kleinbobritzsch stand, sagte ich mir: Hier möchte ich auch gern wohnen«, erinnert sich der Pharmazie-Vertreter. </p>
<p>Wenig später kaufte das Paar den alten Waldgasthof »Teichhaus« im Muldental bei Holzhau. »Wir wollten noch einmal etwas Neues probieren«, sagt die 50-jährige Susanne van Loo. Das Gasthaus machten sie wieder flott und eröffneten im November 2008. Weil sie sich ihre neue Heimat nicht wieder nehmen lassen wollen, gründeten sie zusammen mit anderen Einwohnern die <a href="http://gegenwind.holzhau.de/">Bürgerinitiative »Gegenwind«</a>, um den tschechischen Windpark zu verhindern. Die Handvoll Aktivisten treffen sich in ihrer Gaststube. Gemeinsam sammelten sie 5000 Unterschriften gegen das Vorhaben und übergaben es im September letzten Jahres über die deutsche Botschaft in Prag der tschechischen Regierung. Inzwischen lehnt auch die Bezirkshauptfrau von Usti nad Labem den Bau der Generatoren ab. Susanne van Loo und ihr Mann schöpfen Hoffnung – aber die Sache sei noch nicht über den Berg. </p>
<p>Wenn Henk van Loo begeistert von den Flößern erzählt, die vor 400 Jahren an seinem Gasthaus Holz für den Silberbergbau auf der Mulde transportierten, dann wird diese Geschichte zu seiner eigenen. Und den Orgeln bleibt er ohnehin treu: Wenn in den umliegenden Kirchen von Hermsdorf oder Rechenberg ein Kantor fehlt, greift der spielende Holländer wieder in die Tasten.		          </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Arbeitsamt mit Kreuz</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 15:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erste Christliche Arbeitsvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchliche Erwerbsloseninitiative]]></category>
		<category><![CDATA[Stollberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Erste Christliche Arbeitsvermittlung von Stollberger Kirchgemeinde eröffnet.

Ist das wirklich die erste christliche Arbeitsvermittlung? »Erzählt nicht schon Jesus in der Bibel von einem Mann, der Arbeitslosen eine Arbeit im Weinberg verschafft?«, fragt augenzwinkernd der Zwönitzer Pfarrer Dieter Bankmann seinen Stollberger Amtsbruder Andreas Dohrn. Der aber ist sich sicher, dass es so ist: »Erste Christliche Arbeitsvermittlung« nennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erste Christliche Arbeitsvermittlung von Stollberger Kirchgemeinde eröffnet.<br />
</strong></p>
<div id="attachment_1355" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-1355 " style="margin: 1px 3px" title="15-01-2010-026" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/01/15-01-2010-026.jpg" alt="Hoffnungslosigkeit? Nicht mit dem Stollberger Pfarrer Andreas Dohrn&#xA0;(l.). Statt über Armut zu jammern, will er mit der Vermittlerin Gudrun Gehler auf einer Internetseite Erwerbslosen neue Arbeitsplätze anbieten. (Foto: Andreas Tannert)" width="333" height="263" /><p class="wp-caption-text">Hoffnungslosigkeit? Nicht mit dem Stollberger Pfarrer Andreas Dohrn&#xA0;(l.). Statt über Armut zu jammern, will er mit der Vermittlerin Gudrun Gehler auf einer Internetseite Erwerbslosen neue Arbeitsplätze anbieten. (Foto: Andreas Tannert)</p></div>
<p>Ist das wirklich die erste christliche Arbeitsvermittlung? »Erzählt nicht schon Jesus in der Bibel von einem Mann, der Arbeitslosen eine Arbeit im Weinberg verschafft?«, fragt augenzwinkernd der Zwönitzer Pfarrer Dieter Bankmann seinen Stollberger Amtsbruder Andreas Dohrn. Der aber ist sich sicher, dass es so ist: <a href="http://www.erste-christliche-arbeitsvermittlung.de">»Erste Christliche Arbeitsvermittlung«</a> nennt die Stollberger St. Jakobikirchgemeinde selbstbewusst ihr neues Projekt, das am 15.&#xA0;Januar offiziell begann.</p>
<p>»Wenn wir immer nur auf die Opfer des Arbeitsmarktes sehen, werden wir ihnen nicht wirklich helfen können«, sagt Pfarrer Dohrn. »Wir brauchen auch den Zugang zu den Arbeitgebern und zu neuen Jobs, um Armut überwinden zu können.«</p>
<p>Seit 1990 beraten Christen in der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative und in dem Modellprojekt »Jakobi-Job-Lotsen« Menschen auf der Suche nach neuer Arbeit. »Manche Mitglieder unserer Gemeinde waren skeptisch, ob eine Arbeitsvermittlung zu unseren Kernaufgaben gehört«, sagt Kirchvorsteherin Angela Müller. »Auch steuerliche und finanzielle Probleme müssen gemeistert werden.« Doch das Engagement für die »Mühseligen und Beladenen« hat die Stollberger Kirchgemeinde tief in ihrem Leitbild verankert.</p>
<p>Auch der Kirche selbst soll die Arbeitsvermittlung helfen. Nicht nur, weil die Stollberger Kirchgemeinde auf Gewinn zur Finanzierung ihrer Arbeit hofft.</p>
<p>»Für unseren kirchlichen Kindergarten geeignete evangelische Mitarbeiter zu finden, ist ein großes Problem«, spricht der Markkleeberger Pfarrer Arndt Haubold eine Sorge an, die viele Kirchgemeinden teilen. Er hofft auf die Christliche Arbeitsvermittlung, weil sie&#xA0;– anders als die Arbeitsagentur&#xA0;– die Bewerber bewusst nach persönlichen und geistlichen Fähigkeiten fragt.</p>
<p>Der Diakonie in Sachsen mangelt es an Sozialpädagogen, Erziehern und Pflegern. Deshalb verspricht der Vorstand des Diakonischen Werkes Aue-Schwarzenberg, Rainer Sonntag: »Wir werden der Christlichen Arbeitsvermittlung auf den Zahn fühlen und sehen, wie ihre Möglichkeiten sind.«</p>
<p>Das Angebot ist für Arbeitsuchende und Arbeitgeber kostenlos. Die Stelle der von der Kirchgemeinde angestellten Mitarbeiterin Gudrun Gehler soll sich über Vermittlungsgutscheine finanzieren, die Erwerbslose von der Arbeitsagentur erhalten. Ob allerdings die Fachkräfte, die von Kirche und Diakonie händeringend gesucht werden, auch unter den Arbeitslosen zu finden sind, wird sich noch zeigen müssen.</p>
<p>»Auch die Christliche Arbeitsvermittlung kann das Problem der Ausgrenzung von Gering-Qualifizierten nicht lösen« fürchtet Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. Doch schon vor ihrem Start haben sich über 100&#xA0;Arbeitsuchende bei der Christlichen Arbeitsvermittlung registrieren lassen&#xA0;– und 21&#xA0;Arbeitsangebote.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>»Lähmende Ohnmacht«</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 12:07:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Dana Gerlich]]></category>
		<category><![CDATA[Gnadengesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Gornsdorf]]></category>
		<category><![CDATA[Oman]]></category>
		<category><![CDATA[Stanislaw Tillich]]></category>

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		<description><![CDATA[Gornsdorfer Christen fordern Gerechtigkeit für die im Oman verurteilte Dana Gerlich. 
Ob Dana Gerlich wirklich schuldig ist, bleibt unbewiesen. Sicher aber ist: Schon jetzt hat ihr Fall viel Schaden angerichtet. Viele Menschen in ihrer erzgebirgischen Heimat um Gornsdorf haben einiges an Zutrauen in die Demokratie und den Rechtsstaat verloren. Sie engagieren sich für ein gerechtes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gornsdorfer Christen fordern Gerechtigkeit für die im Oman verurteilte Dana Gerlich. </strong></p>
<p>Ob Dana Gerlich wirklich schuldig ist, bleibt unbewiesen. Sicher aber ist: Schon jetzt hat ihr Fall viel Schaden angerichtet. Viele Menschen in ihrer erzgebirgischen Heimat um Gornsdorf haben einiges an Zutrauen in die Demokratie und den Rechtsstaat verloren. Sie engagieren sich für ein gerechtes Urteil über die 35-Jährige aus ihrem Dorf. Und rennen damit gegen unsichtbare Mauern.</p>
<p><div id="attachment_1325" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-1325" title="NIK_7804" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/01/NIK_7804.jpg" alt="Über 2400 Unterschriften hat die Initiativgruppe um Pfarrer Gottfried Görner, Christa Weinhold und Reiner Pohl (v. l.) für Dana Gerlich gesammelt. Sachsens Ministerpräsident lehnte ihr Gnadengesuch dennoch ab.  (Foto: Steffen Giersch)" width="300" height="290" /><p class="wp-caption-text">Über 2400 Unterschriften hat die Initiativgruppe um Pfarrer Gottfried Görner, Christa Weinhold und Reiner Pohl (v. l.) für Dana Gerlich gesammelt. Sachsens Ministerpräsident lehnte ihr Gnadengesuch dennoch ab.  (Foto: Steffen Giersch)</p></div>Am 17. Juli 2004 wurde Dana Gerlich im Oman zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie soll die Mörder ihres Vaters beauftragt haben. »Doch warum ist sie dann nach der Beisetzung ihres Vaters in Deutschland in den Oman zurückgeflogen, obwohl sie wusste, dass die Mörder gefasst worden waren?«, kritisiert der Gornsdorfer Pfarrer Gottfried Görner das unter fragwürdigen Bedingungen zustandegekommene Urteil. Doch das Chemnitzer Landgericht musste es anerkennen, damit Dana Gerlich ihre Strafe in Deutschland verbüßen kann.</p>
<p>»Das Auswärtige Amt hat ihrer Mutter jedoch schriftlich bestätigt, dass der Oman keine Einwände hätte, wenn ihre Tochter nach fünf Jahren Haft freikommt«, sagt Pfarrer Görner.</p>
<p>Im Mai 2009 schrieb die in Chemnitz Inhaftierte deshalb ein Gnadengesuch an Ministerpräsident Stanislaw Tillich. »Sieben Monate lang bekam sie von der Staatsregierung keine Antwort«, sagt der Pfarrer, der sah, wie Dana Gerlich körperlich und seelisch schwer unter der Ungewissheit litt. »Als Christ sage ich: So kann man mit einem Menschen nicht umgehen.«</p>
<p>Um das Gnadengesuch zu unterstützen, sammelte eine Gruppe um Pfarrer Görner und Gerlichs früheren Sportlehrer Reiner Pohl 2400 Unterschriften. Die Antwort von Staatskanzleiminister Johannes Beermann: Es sei »unüblich«, Einfluss auf ein Gnadengesuch zu nehmen. Aus der CDU-Landtagsfraktion wurde der Burkhardtsdorferin Christa Weinhold beschieden: Der Staat lasse sich nicht erpressen. »Wie können 2400 Unterschriften als Erpressung verstanden werden?«, wundert sich die Christin über dieses Demokratieverständnis.</p>
<p>Kurz vor Weihnachten wurde Dana Gerlichs Gnadengesuch vom Minister­präsidenten abgewiesen. Von den Gründen für die Entscheidung kein Wort. »Sind wir so unmündig?«, fragt Pfarrer Gottfried Görner. Bei seinem letzten Besuch im Gefängnis übergab ihm Dana Gerlich einen Brief. »Ich bin verzweifelt und von einer lähmenden Ohnmacht erfüllt«, schreibt sie: »Ich werde in Deutschland nie die Chance auf einen fairen Prozess bekommen.«</p>
<p>Ihre letzten Hoffnungen setzen sie und viele Gornsdorfer auf den Europäischen Gerichtshof. Von Sachsens Regierung erwarten sie nichts mehr.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Kein Blatt vor dem Mund</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 21:22:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Meusel]]></category>
		<category><![CDATA[Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen der Friedlichen Revolution]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 20 Jahren erschien in Werdau und Crimmitschau Sachsens erste freie Zeitung
Die Freiheit kam in großen Stapeln an. Im Hof der Schmiede ihres Mannes in einem Crimmitschauer Fabrikviertel schnürten Kerstin Walther und ihre Freundin Barbara Gabor jeden Donnerstag die Bündel auf und trugen vor 20 Jahren zum ersten Mal das Unerhörte in die westsächsische Kleinstadt: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor 20 Jahren erschien in Werdau und Crimmitschau Sachsens erste freie Zeitung</strong></p>
<div id="attachment_1247" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-1247" title="NIK_3995" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2009/12/NIK_3995.jpg" alt="Wie Schätze aus einer fernen Zeit halten Kerstin Walther (li.) und Barbara Gabor in den Händen, was am 5. Januar 1990 revolutionär war: Sachsens erste freie Zeitung – das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt. (Foto: Steffen Giersch)" width="300" height="242" /><p class="wp-caption-text">Wie Schätze aus einer fernen Zeit halten Kerstin Walther (li.) und Barbara Gabor in den Händen, was am 5. Januar 1990 revolutionär war: Sachsens erste freie Zeitung – das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt. (Foto: Steffen Giersch)</p></div>
<p>Die Freiheit kam in großen Stapeln an. Im Hof der Schmiede ihres Mannes in einem Crimmitschauer Fabrikviertel schnürten Kerstin Walther und ihre Freundin Barbara Gabor jeden Donnerstag die Bündel auf und trugen vor 20 Jahren zum ersten Mal das Unerhörte in die westsächsische Kleinstadt: Eine freie Zeitung – das »Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt«. Am 5. Januar 1990 erschien es zum ersten Mal und gilt als erste Zeitungsgründung der Friedlichen Revolution in Sachsen. Kerstin Walther und Barbara Gabor hatten beides lang ersehnt.</p>
<p>Die beiden Christinnen hatten die Fälschung der Kommunalwahlen im Mai 1989 erlebt, im christlichen Friedensseminar Königswalde trotz Diktatur frei gedacht und auf der Schreibmaschine Flugblätter fürs Neue Forum geschrieben. Sie kannten die Lügen der SED-Parteizeitung mit dem Namen »Freie Presse«. Jetzt lasen Barbara Gabor und Kerstin Walther in der ersten Ausgabe der neuen Wochenzeitung: »Nun halten Sie sie in der Hand – die erste Freie Presse im Kreis Werdau seit 111 Jahren.«</p>
<p>Der Runde Tisch des Kreises hatte auf seiner ersten Sitzung Anfang Dezember 1989 eine kleine Gruppe mit der Zeitungsgründung beauftragt. »Wir hatten keine Technik, kein Vorbild und eigentlich auch alle keine Ahnung«, sagt deren Chef Georg Meusel heute. Sich Chefredakteur zu nennen, wäre dem Elektriker Meusel wie Hochstapelei vorgekommen. In der DDR schrieb er für Kirchen- und Fachzeitungen, doch die Schule hatte er aus politischen Gründen nach der achten Klasse verlassen müssen.</p>
<p>Die Seiten des freien Wochenblatts wurden auf den Teppich von Meusels Wohnzimmer zusammengeschnipselt und geklebt. Keine vier Wochen nach dem Gründungsbeschluss erschienen die 15 000 Exemplare der ersten Ausgabe. Jede Woche war hier nun zu lesen, was vorher von der SED-Diktatur unter der Decke gehalten wurde: Fakten über die dreckige Luft in Crimmitschau etwa, über das Unwesen der Staatssicherheit. Oder über das Schicksal der 19 Werdauer Oberschüler, die 1951 zu 130 Jahren Zuchthaus verurteilt worden waren, weil sie gegen die unfreien Wahlen in der DDR protestiert hatten.</p>
<p>Oder über die zum Himmel stinkende Pleiße. Barbara Gabor kann sich noch gut an den Anruf zu später Stunde am 25. Januar 1990 erinnern: Die Nachtschicht des VEB Lederproduktion Crimmitschau hatte das Einleiten von Chemikalien in den Fluss nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Gabor fuhr als Vertreterin des Neuen Forums mit der Polizei hin und ließ Proben nehmen. In der nächsten Ausgabe des Wochenblatts berichtet sie ausführlich darüber.</p>
<div id="attachment_1250" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-1250" title="WCW-Foto1" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2009/12/WCW-Foto1.jpg" alt="Auch in Zwickau rissen die Menschen den Verkäufern das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt aus den Händen. Denn Anfang 1990 war der Hunger nach unabhängigen Informationen groß – und in Werdau war Sachsens erste freie Zeitung gegründet worden." width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Auch in Zwickau rissen die Menschen den Verkäufern das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt aus den Händen. Denn Anfang 1990 war der Hunger nach unabhängigen Informationen groß – und in Werdau war Sachsens erste freie Zeitung gegründet worden.</p></div>
<p>Zu den Menschen, die das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt den Verkäufern damals aus der Hand rissen, gehörte auch der Medizintechniker Manfred Steinchen. Kurz darauf übernahm der Crimmitschauer den Versand der Zeitung an die Abonnenten. Dabei musste er zusehen, wie im Laufe des Jahres 1990 die Zahl der Leser immer mehr sank. »Nach der Währungsunion kostete die Zeitung plötzlich 90 West-Pfennige, da war die Bild-Zeitung billiger«, erinnert er sich.  »Viele Abonnenten haben gekündigt, vielen war die Zeitung zu links. Von der Bürger- und Friedensbewegung wollte niemand mehr etwas lesen.«</p>
<p>Doch als ein westdeutscher Verlag das kleine Wochenblatt übernehmen wollte und dem Gründer Georg Meusel einen lukrativen Redakteursvertrag anbot, lehnte der ab. »Wir wollten uns nicht vereinnahmen lassen und auch kein Geschäft machen. Sondern Pressefreiheit durchsetzen in der Region.«</p>
<p>Als die Auflage unter 3000 fiel erschien am 10. August 1990 die letzte Nummer. »Das Wochenblatt hatte seine Aufgabe erfüllt«, sagt Kerstin Walther heute. »Es war überholt.« Die Druckerei der staatssozialistischen »Freien Presse« indes druckte schon im Frühjahr 1990 lieber lukrative Anzeigen für bundesdeutsche Firmen als die kleine Zeitung der Bürgerbewegung. Mit Hilfe eines Medienkonzerns aus Helmut Kohls Heimat und ihres Leser- und Mitarbeitervorsprungs als Organ der SED-Diktatur ist die ehemalige Parteizeitung heute wieder allein in der Region.</p>
<p>Das Blatt hatte sich gewendet.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p><strong>Eine Ausstellung des <a href="http://www.martin-luther-king-zentrum.de">Martin-Luther-King-Zentrums</a> über die Zeitungen der Friedlichen Revolution ist ab 5. Januar im Werdauer Rathaus zu sehen.</strong></p>
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		<title>Laut in stiller Nacht</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 16:10:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Stahl]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrenfriedersdorf]]></category>
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		<category><![CDATA[Turmlautbruderschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit 466 Jahren läutet die Ehrenfriedersdorfer Lautbruderschaft mit der Hand
Wenn die stille heilige Nacht am stillsten ist, steigen sechs Männer die Anhöhe empor zur Ehrenfriedersdorfer St. Niklaskirche. Sie erklimmen die 81 Stufen hinauf über das Gewölbe das alten Gotteshauses, vorbei an den Turmfalken, stoßen die mächtigen Fensterläden des Wehrturms weit auf und sprechen ein Gebet. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit 466 Jahren läutet die Ehrenfriedersdorfer Lautbruderschaft mit der Hand</strong></p>
<div id="attachment_1200" class="wp-caption alignleft" style="width: 570px"><img class="size-full wp-image-1200" title="ASG_4101" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2009/12/ASG_4101.jpg" alt="Ehrensache in Ehrenfriedersdorf: Olaf Werner (li.) und Dieter Stahl (r.) sind Mitglieder der Turmlautbruderschaft und bringen die 3,7 Tonnen schwere Kirchenglocke mit ihrer Muskelkraft zum Klingen. Foto: Steffen Giersch" width="560" height="373" /><p class="wp-caption-text">Ehrensache in Ehrenfriedersdorf: Olaf Werner (li.) und Dieter Stahl (r.) sind Mitglieder der Turmlautbruderschaft und bringen die 3,7 Tonnen schwere Kirchenglocke mit ihrer Muskelkraft zum Klingen. Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p>Wenn die stille heilige Nacht am stillsten ist, steigen sechs Männer die Anhöhe empor zur E<a href="http://www.niklaskirche.de/">hrenfriedersdorfer St. Niklaskirche</a>. Sie erklimmen die 81 Stufen hinauf über das Gewölbe das alten Gotteshauses, vorbei an den Turmfalken, stoßen die mächtigen Fensterläden des Wehrturms weit auf und sprechen ein Gebet. Dann ziehen sie an den Seilen der großen Glocke, dass ihr Ton weit hinaus über das Erzgebirgsstädtchen schallt. »Früh um vier sind wir die ersten, die die frohe Botschaft von der Geburt Jesu in die Welt hinausrufen. Das ist ergreifend«, sagt Eckehard Röder, der sich mit den anderen fünf Männern aller fünf Minuten beim ziehen der 3,7 Tonnen schweren Glocke abwechselt. Eine Stunde lang, in bitterer Kälte.</p>
<p>Unten im Tal der Wilisch funkeln die Schwibbögen in den Fenstern. »All die Lichter in der Heiligen Nacht von hier oben zu sehen, das ist gigantisch«, schwärmt Olaf Werner. Und es ist wohl in ganz Deutschland einmalig, was den selbstständigen Treppensanierer Werner und den Krankenpfleger Röder mit 37 anderen Ehrenfriedersdorfer Männern verbindet: Sie bilden zusammen die Turmlautbruderschaft. Abwechseln läuten sie an jedem Sonnabendabend, zum Sonntagsgottesdienst, zu Beerdigungen, zum Jahreswechsel und zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten.</p>
<p>Der jüngste Bruder ist 21 Jahre alt – und man bleibt Bruder bis zum Tod. So will es die altehrwürdige Tradition der christlichen Bruderschaft. Gegründet wurde sie, als die Ehrenfriedersdorfer Kirchgemeinde im Jahr 1543 ihre große Glocke in Freiberg gießen ließ. Seitdem wandert das Amt des Läutens in der Bruderschaft von Generation zu Generation. Der 34-jährige Eckehard Röder wurde vor zehn Jahren von seinem Schwiegervater dazugeholt. Nun ist er für ein Jahr selbst Oberbruder und hat drei junge Männer gewonnen, die auf dem traditionellen Convent der Bruderschaft Anfang Januar aufgenommen werden.</p>
<p>»Für mich ist das Läuten eine Art praktischer Gottesdienst. Man kann Gott dabei mit der eigenen Hand dienen«, erklärt Röder, warum sich Männer immer wieder für dieses Ehrenamt begeistern. »Hauskreise sind oft so abstrakt.« Der Kirchner Dieter Stahl bringt es auf die handfeste Formel: »Das ist für uns Ehrensache.«</p>
<p>Eine Frage der Ehre ist es für die Brüder auch, unter den niedrigen Balken des Glockenbodens bis auf eine weiße Plastikuhr nichts Modernes zuzulassen. Auf der Pappschachtel mit dem Gehörschutz liegt eine dicke Staubschicht. Und neben den Glockenseilen ro­stet das mechanische Läutewerk. 1913 wurde es ein-, 1935 wieder ausgebaut. Ein eisernes Monster. »Es war zu unzuverlässig«, grinst Olaf Werner. »Einfach irreparabel.«</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p><a href="http://www.niklaskirche.de/">Homepage der Kirchgemeinde Ehrenfriedersdorf</a></p>
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		<title>Klappe zu?</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 16:27:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Babyklappe]]></category>
		<category><![CDATA[Ethikrat]]></category>
		<category><![CDATA[Helios-Klinik Aue]]></category>
		<category><![CDATA[Uwe Kreißig]]></category>
		<category><![CDATA[Verein Karo e. V. in Plauen]]></category>
		<category><![CDATA[Vogtlandklinikum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Babyklappen in Südsachsen wollen Leben retten – trotz Kritik des Ethikrates
Die Tür des Hauses nahe dem Unteren Bahnhof in Plauen steht immer offen. Mütter in Not können unerkannt zu ihr hineinkommen, ihr Neugeborenes durch eine Klappe in ein Wärmebett legen und ebenso unerkannt wieder verschwinden. Erst sieben Minuten später wird das Vogtlandklinikum alarmiert. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Babyklappen in Südsachsen wollen Leben retten – trotz Kritik des Ethikrates</strong></p>
<div id="attachment_1138" class="wp-caption alignnone" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2009/12/s6_oben-babyklappe.jpg" alt="»Es ist ein allerletzter Ausweg«, sagt Cathrin Schauer und zeigt die Babyklappe ihres Vereins Karo e. V. in Plauen. Sie will verhindern, dass Mütter in Not ihr Neugeborenes töten oder aussetzen. Foto: Ellen Liebner" title="s6_oben-babyklappe" width="560" height="373" class="size-full wp-image-1138" /><p class="wp-caption-text">»Es ist ein allerletzter Ausweg«, sagt Cathrin Schauer und zeigt die Babyklappe ihres Vereins Karo e. V. in Plauen. Sie will verhindern, dass Mütter in Not ihr Neugeborenes töten oder aussetzen.	 Foto: Ellen Liebner</p></div>
<p>Die Tür des Hauses nahe dem Unteren Bahnhof in Plauen steht immer offen. Mütter in Not können unerkannt zu ihr hineinkommen, ihr Neugeborenes durch eine Klappe in ein Wärmebett legen und ebenso unerkannt wieder verschwinden. Erst sieben Minuten später wird das Vogtlandklinikum alarmiert. Der Betreiber der Babyklappe – der Plauener <a href="http://www.karo-ev.de">Frauenschutzverein Karo e. V.</a> – will so Müttern in Not die Strafe ersparen – und ihren Kindern den Tod. Ein allerletzter Ausweg soll das sein, den es nicht gab, als im Vogtland vor Jahren Mütter ihre Babys in Sparkassenfilialen aussetzten oder gar töteten. </p>
<p>In der letzten Woche aber hat die <a href="http://www.ethikrat.org/de_presse/pm2009_006.php">Mehrheit des Deutschen Ethikrates befunden</a>: Babyklappen sind nicht ethisch und rechtlich problematisch und sollten abgeschafft werden. Die Betreiber dieser Hilfsangebote in Südsachsen aber – neben dem Plauener Karo e. V. das Klinikum Chemnitz und die Helios-Klinik in Aue – sehen das anders und wollen ihre Babyklappen weiter geöffnet halten. </p>
<p>Die Mehrheit des mit Juristen, Medizinern, Theologen und Philosophen besetzten Ethikrates bezweifelt, dass Babyklappen überhaupt Leben retten. In der Tat ist das schwer zu beweisen – aber auch schwer zu widerlegen, denn sie leben von der Anonymität. Bei der seit einem Jahr bestehenden Plauener Babyklappe sind bislang noch keine Neugeborenen abgegeben worden. Die Helios-Klinik in Aue macht keine Angaben. Im Babykorb des <a href="http://www.klinikumchemnitz.de/">Chemnitzer Klinikums</a> aber lagen in den letzten acht Jahren bereits 16 Kinder. »Auch wenn das sicher nicht nur an der Babyklappe liegt: Nach meiner Kenntnis hat es in dieser Zeit im Raum Chemnitz keine Aussetzungen oder Tötungen von Neugeborenen gegeben«, sagt Kliniksprecher Uwe Kreißig. </p>
<p>Ihre Eltern aber werden die anonym abgegebenen Kinder niemals kennenlernen, kritisiert der Ethikrat. Das verletze ihre Grundrechte. »Doch das Recht auf Leben liegt über dem Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung«, meint Cathrin Schauer vom Karo e. V.<br />
Immerhin liegt in den Babyklappen ein Brief, mit dem Mütter auch noch später einen Weg zu ihrem abgegebenen Kind finden können. »Bei drei der bei uns abgegebenen 16 Babys haben sich die Mütter nach einigen Wochen gemeldet, so dass die Kinder nicht zur Adoption freigegeben werden mussten«, so der Sprecher des Chemnitzer Klinikums Uwe Kreißig. </p>
<p>Als Alternative zu den von ihm mehrheitlich kritisierten Babyklappen schlägt der Ethikrat die Verstärkung der Hilfsangebote für Mütter in Notlagen vor. »Auf die weisen wir in Beratungsgesprächen sowieso hin«, so Cathrin Schauer. »Gemeinsam mit den Frauen suchen wir nach Alternativen.« Doch die Sozialarbeiterin weiß auch: Jene Frauen, die überwältigt von ihren Gefühlen und ihrer Hilflosigkeit ihr Baby töten, haben keine Zeit für Beratungsgespräche. »Man muss akzeptieren, dass es Menschen in solchen Notlagen und mit solchen Ängsten gibt. Und dafür muss es eine allerletzte Alternative geben.«	           </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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