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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Westsachsen</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>»Zwickau ist keine braune Stadt«</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 09:41:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtmission Zwickau]]></category>
		<category><![CDATA[Streetworker]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Straßen-Sozialarbeiter Elfried Börner will rechtsextreme Jugendliche für die Demokratie gewinnen
Zwickau ist durch eine rechtsextreme Terrorgruppe in die Schlagzeilen geraten. Deshalb haben sich kürzlich Streetworker mit einem offenen Brief an die Zwickauer Oberbürgermeisterin gewandt. Andreas Wohland sprach dazu mit Elfried Börner (53), der seit 1998 als Straßen-Sozialarbeiter der Stadtmission Zwickau unterwegs ist.
Herr Börner, was erhoffen Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Straßen-Sozialarbeiter Elfried Börner will rechtsextreme Jugendliche für die Demokratie gewinnen</strong><br />
<div id="attachment_5258" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/boerner.jpg" alt="Elfried Börner ist Streetworker der Zwickauer Stadtmission. Foto: Andreas Wohland" title="boerner" width="240" height="370" class="size-full wp-image-5258" /><p class="wp-caption-text">Elfried Börner ist Streetworker der Zwickauer Stadtmission. Foto: Andreas Wohland</p></div><br />
Zwickau ist durch eine rechtsextreme Terrorgruppe in die Schlagzeilen geraten. Deshalb haben sich kürzlich Streetworker mit einem offenen Brief an die Zwickauer Oberbürgermeisterin gewandt. Andreas Wohland sprach dazu mit Elfried Börner (53), der seit 1998 als <a href="http://www.diakonie-zwickau.de/jugendliche-streetwork.html">Straßen-Sozialarbeiter der Stadtmission Zwickau</a> unterwegs ist.</p>
<p><em>Herr Börner, was erhoffen Sie sich von dem offenen Brief?</em><br />
<strong>Börner</strong>: Einerseits wollten wir eine Rückmeldung von der Straße geben, so wie wir die Stimmung in der Stadt erleben. Jetzt erwarten wir, dass man sich mit dem Thema im Dialog miteinander in der Gesellschaft beschäftigt. Nur mit einzelnen Aktionen, die sicherlich wichtig sind, ist es langfristig nicht getan.</p>
<p><em>Haben Sie als Streetworker auch mit rechten Jugendlichen zu tun?</em><br />
<strong>Börner:</strong> Selbstverständlich. Wir treffen seit Jahren auch auf junge Leute, die rechtsextreme Ansichten vertreten. Es handelt sich meist um jüngere, bei denen im Kopf noch keine verfestigten Dinge vorhanden sind. Vielfach ist es auch eine Protesthaltung, die wohl jeder junge Mensch in irgendeiner Form in seiner Entwicklung durchmacht. Das bietet für uns viele Ansatzpunkte, diese Jugendlichen wieder für die Demokratie zu gewinnen. </p>
<p><em>Wie gehen Sie dabei vor?</em><br />
<strong>Börner:</strong> Man muss natürlich wissen, wie sie ticken. Wir reden mit ihnen, hören uns ihr Problem an, zeigen ehrliches Interesse und versuchen, sie für eine Normalität zu gewinnen. Sprich: Du machst eine Ausbildung, gehst deinem Job nach, gründest eine Familie, hast ein funktionierendes soziales System und andere Hobbys, als nach rechten Führern zu rufen. Dieses Normalisieren, sie für die Gesellschaft gewinnen, ist uns wichtig.</p>
<p><em>Wie gehen die Zwickauer generell mit dem Stigma um, das das Mördertrio verursacht hat?</em><br />
<strong>Börner:</strong> Aus zahllosen Gesprächen mit Jugendlichen wissen wir, dass sie das, was passiert ist, als schlimm und peinlich für Zwickau empfinden. Auf der anderen Seite können sie aber schon nicht mehr hören, wenn in den Medien ständig vom Zwickauer Nazi-Trio oder der Zwickauer Terroristenzelle die Rede ist. Die vorherrschende Meinung ist: Das sind nicht wir, Zwickau ist keine braune Stadt. Eine rechte Szene ist da, aber bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor zwölf, dreizehn Jahren.</p>
<p><em>Was wünschen Sie sich in dem Zusammenhang von den Zwickauern?</em><br />
<strong>Börner:</strong>Nicht nur die Zwickauer, alle Menschen sollten mehr Zivilcourage zeigen. Nicht nur bei Straftaten, sondern bei allem, was mit Extremismus zusammenhängt, sich einmischen, eine eigene demokratische Meinung vertreten und den offenen Dialog suchen.</p>
<p><em>Haben Sie V-Männer in der rechten Szene?</em><br />
<strong>Börner:</strong>Wenn man das V mit Vertrauen gleichsetzt, dann sind wir Streetworker sicherlich V-Frauen und -Männer. Wir treten den Jugendlichen mit offenem Visier gegenüber. Das beziehen wir übrigens auch auf Gruppierungen mit linksextremem Gedankengut.</p>
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		<title>Die Kirche am Supermarkt</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/07/23/die-kirche-am-supermarkt/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 09:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[A72]]></category>
		<category><![CDATA[Autobahnekirche]]></category>
		<category><![CDATA[Plauen#]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Kirchhoff]]></category>

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		<description><![CDATA[Weite Wege, wenige Menschen – Pfarrer Tilo Kirchhoff hat eine Idee fürs Vogtland.
Viele der Ortschaften lagen vor 1989 hinter einem Schlagbaum. Die innerdeutsche Grenze und das Sperrgebiet prägten das Leben in den Dörfern, die zur Gemeinde von Pfarrer Tilo Kirchhoff im Burgsteingebiet gehören. Hier, im Südwesten von Sachsen dicht an der Landesgrenze zu Bayern, war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4144" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/07/IMG_9243.jpg" alt="Pfarrer Tilo Kirchhoff. Er möchte am liebsten eine neue Kirche bauen, nahe beim Supermarkt und der Autobahn, wo viele Menschen hinkommen. Foto: Tino Beyer" title="Tilo Kirchhoff" width="580" height="387" class="size-full wp-image-4144" /><p class="wp-caption-text">Pfarrer Tilo Kirchhoff. Er möchte am liebsten eine neue Kirche bauen, nahe beim Supermarkt und der Autobahn, wo viele Menschen hinkommen. Foto: Tino Beyer</p></div><br />
<strong>Weite Wege, wenige Menschen – Pfarrer Tilo Kirchhoff hat eine Idee fürs Vogtland.</strong></p>
<p>Viele der Ortschaften lagen vor 1989 hinter einem Schlagbaum. Die innerdeutsche Grenze und das Sperrgebiet prägten das Leben in den Dörfern, die zur Gemeinde von Pfarrer Tilo Kirchhoff im Burgsteingebiet gehören. Hier, im Südwesten von Sachsen dicht an der Landesgrenze zu Bayern, war die Gestaltung kirchlichen Lebens zu DDR-Zeiten eine besondere Herausforderung. Mit Mut und Ideen lebten Christen dennoch ihren Glauben. Mehr als 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind erneut diese Eigenschaften gefragt. Wieder geht es um kirchliches Überleben. Diesmal heißt die Herausforderung demografischer Wandel. Tilo Kirchhoff erlebt die Auswirkungen bereits jetzt tagtäglich. </p>
<p>600 Menschen zählen zu seiner Kirchgemeinde – »auf einer Fläche, die größer ist als Monaco«, spitzt er zu. Fünf Gotteshäuser sind zu bewirtschaften. Sie stehen in Geilsdorf, Schwand, Krebes, Kemnitz und Großzöbern. In der Mehrzahl sind die Kirchen schön hergerichtet. »Doch sie stehen an Stellen, wo Wanderer vorbeikommen, aber immer weniger Menschen wohnen«, sagt Kirchhoff. »Kirche muss jedoch dort sein, wo die Menschen sind.« Deshalb fragt der Pfarrer: »Wie kann Gemeindearbeit attraktiv und zukunftsfähig gestaltet werden?« Er ist sich sicher: Mit weiteren Zusammenschlüssen kommt die Kirche hier nicht mehr weiter. Personalschlüssel sind in diesem Gebiet ohnehin Schall und Rauch. </p>
<p>Auf der Kirchenbezirkssynode in Plauen wagte Tilo Kirchhoff deshalb einen Versuch: Eine neue Kirche für das gesamte Gebiet zwischen Plauen, Oelsnitz und der Landesgrenze zu Bayern soll her – und zwar am zentralsten Punkt. Das ist ein Globus-Supermarkt an der Autobahn 72, Abfahrt Pirk.</p>
<p>Eine Kirche am größten Supermarkt weit und breit – für viele klang das zunächst wie ein abwegiger Scherz. »Die meisten Reaktionen waren zurückhaltend«, erzählt Kirchhoff. »Viele schlucken, wenn sie die Idee zum ersten Mal hören.« Unter anderem treibe die Gemeindeglieder die Sorge um, was aus den Kirchen wird. Aber: »Beim zweiten Nachdenken gibt es durchaus Offenheit für die Idee.« Allen sei mittlerweile klar, dass nichts bleiben kann wie es ist, so der Pfarrer. </p>
<p>Der Standort bietet weitere Vorteile. Weischlitz, der größte und einzige Ort weit und breit ohne Kirche, hätte endlich sein eigenes Gotteshaus. Und auch als Autobahnkirche könnte der Neubau dienen. An der A 72 gibt es bislang noch keine. »Bei den Katholiken gab es einmal Pläne für eine Autobahnkirche, die allerdings nicht verwirklicht wurden«, hat Tilo Kirchhoff mittlerweile erfahren. Er weist jedoch darauf hin, dass der Aspekt Autobahnkirche nur ein untergeordneter sein kann. »Es geht um ein Gemeindezentrum.«</p>
<p>Für die Idee holte er zunächst alle Kirchgemeinden der Region zu einem ersten Treffen zusammen. Er­ster Schritt: Eine Initiativgruppe wurde gegründet. Sie soll bis zum Herbst das Für und Wider abwägen. Plauens Superintendent Matthias Bartsch äußert sich zur »Globus-Kirche« diplomatisch. »Das ist nicht die Lösung für heute und morgen, aber durchaus für übermorgen«. Bartsch hält es für besonders wichtig, dass eine Diskussion in Gang kommt, die »ohne Druck auf Umsetzung« stattfinden kann. »Wir wollen niemandem Angst machen.«</p>
<p><em>Tino Beyer</em></p>
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		<title>Schutzhütte Gottes</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jul 2011 11:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschneudorf]]></category>
		<category><![CDATA[Erzgebirge]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Kaden]]></category>
		<category><![CDATA[Jana Pauke]]></category>
		<category><![CDATA[Wanderkapelle]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Braun]]></category>

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		<description><![CDATA[In Sachsens erster Wanderkapelle in Deutschneudorf treffen Menschen den guten Hirten
Das Altarbild vor Wolfgang Brauns Augen lebt. Das Kreuz hinter dem kleinen Altar ist ein Fensterkreuz,  dann geht der Blick ins Freie: Tief grün schwingt sich jenseits des Grenzbaches der böhmische Erzgebirgswald hinauf zum Kamm. Wolken ziehen übers sommerliche Land. Gottes Schöpfung drängt in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_4121" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/07/kapelle.jpg" alt="Oft sucht Wolfgang Braun die Stille der Kapelle oberhalb des Schweinitztales – er hat sie selbst mit gebaut. Hinter dem kleinen Altar geht der Blick hinaus auf den tschechischen Erzgebirgskamm. Foto: Steffen Giersch" title="Kapelle Erzgebirge" width="580" height="420" class="size-full wp-image-4121" /><p class="wp-caption-text">Oft sucht Wolfgang Braun die Stille der Kapelle oberhalb des Schweinitztales – er hat sie selbst mit gebaut. Hinter dem kleinen Altar geht der Blick hinaus auf den tschechischen Erzgebirgskamm. Foto: Steffen Giersch</p></div><br />
<strong>In Sachsens erster Wanderkapelle in Deutschneudorf treffen Menschen den guten Hirten</strong></p>
<p>Das Altarbild vor Wolfgang Brauns Augen lebt. Das Kreuz hinter dem kleinen Altar ist ein Fensterkreuz,  dann geht der Blick ins Freie: Tief grün schwingt sich jenseits des Grenzbaches der böhmische Erzgebirgswald hinauf zum Kamm. Wolken ziehen übers sommerliche Land. Gottes Schöpfung drängt in die kleine hölzerne Kapelle herein wie in kaum ein anderes Gotteshaus. </p>
<p>Wolfgang Braun (50) sitzt vor diesem Altarbild und faltet still die Hände. Fast jeden Tag steigt er den gewundenen Weg von seiner Werkstatt im Deutschneudorfer Ortsteil Oberlochmühle hinauf auf die 620 Meter hoch gelegene Anhöhe, wo sich sieben Wanderwege kreuzen. Er kehrt den hölzernen Fußboden der Kapelle, stellt neue Blumen in die Vase. Er sitzt hier, wenn der Sturm die kleine Kapelle umheult – und spürt, was es heißt, behaust zu sein.<br />
»Das hat etwas Befreiendes«, sagt der Holzkunsthandwerker. »Wenn ich hier oben bin in Zeiten, in denen es geschäftlich nicht gut geht, tut es mir gerade gut.« Druck, Ungewissheit und niedrige Löhne kennen die Schnitzer und Dreher der Gegend nur zu genau. Dann atmet Braun den Geruch des Holzes und liest die Worte des Psalms 23, die in sechs Ahorntafeln an den Wänden der Kapelle eingefräst sind: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.« Für ihn, sagt er, sei das wie ein Zwiegespräch mit Gott. </p>
<p>Drüben im böhmischen Erzgebirge gibt es viele Kapellen an Wanderwegen. Im evangelischen Sachsen ist Wolfgang Braun keine einzige bekannt. So kam er vor über einem Jahr auf die Idee, selbst eine zu bauen. Aus Liebe zum Glauben, zum Wandern und zum erzgebirgischen Grenzland, in dem sich viele abgehängt und vergessen fühlen. »Ich wollte einen Impuls geben, dass wir nicht aufgeben dürfen.« </p>
<p>Braun, in dessen Werkstatt hölzerne Engel und Räuchermänner aufgereiht stehen, packte an. Er gewann den Schneeberger Holzkunst-Professor Gerd Kaden und dessen damalige Absolventin Jana Pauke, die den Entwurf für die Kapelle aufs Papier brachte. Braun selbst, seine drei Söhne, ein Neffe und Männer aus der Jungen Gemeinde zimmerten die Balken zu einem Fachwerk zusammen. Mit vielen Unterstützern wuchs so im vergangenen Jahr auf der Bergwiese über dem Schweinitztal die kleine Kapelle in typisch erzgebirgischem Stil: Geduckt unter einem Walmdach, mit Schieferschindeln gedeckt, mit rauem Lärchenholz verkleidet und bekrönt von einem kleinen Turm mit Kreuz. </p>
<p>Gekostet hat alles 16 000 Euro. Die Hälfte davon gab der Landkreis an Fördermitteln, die andere Hälfte gaben Kommune und Spender – auch kirchenferne. So wurde der Ort Deutschneudorf Besitzer einer Kapelle.<br />
Eigentlich müsste ja seine Kirche für deren Erhalt sorgen, meint der evangelische Christ Wolfgang Braun. Doch die Verwaltung der Landeskirche schrecke vor der finanziellen Verantwortung zurück.</p>
<p>Dabei ist die »Kapelle am Weg« seit ihrer Eröffnung am 6. November für Wanderer zu einer Schutzhütte im doppelten Sinne geworden – ganz so, wie es sich Wolfgang Braun gewünscht hatte. »Ein Schutz vor Wetter und eine Hütte Gottes bei den Menschen.« </p>
<p>Braun kann viel erzählen: Von einer Frau, die vor einer schweren Operation in der Kapelle die Stille suchte. Von einem Familienvater, der hier seine Sorgen herausschrie. Vom Heiligen Abend im Schneesturm in der Kapelle als Brauns Familie sang »Stille Nacht«. Im Gästebuch finden sich japanische Sätze und finnische. Im Juni schrieb ein Besucher: »Ja, der Herr ist mein Hirte, das wird einem ganz bewusst an diesem herrlichen Flecken. Wir gehen hier wieder gestärkt in unseren Alltag und nehmen neuen Mut und neue Hoffnung mit.«</p>
<p>Es summt und zirpt in der blühenden Bergwiese rings um die Kapelle. Ein Rotschwänzchen hat unter ihrem Dach ein Nest gebaut. An der kleinen Holztür steht: »Offen« – auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Eine Einladung. Selbst sein Nachbar, sagt Wolfgang Braun, passe mittlerweile auf die kleine Hütte Gottes auf und kehre sie mitunter. Dabei ist er gar kein Christ. </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>»Edelstein ohne Fassung«</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jun 2011 15:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchgemeinde Chemnitz-Schönau]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Korbel]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Sport-Pfarrer Ulrich Korbel aus Chemnitz starb nach einem Radrennen.
Der Tod eines Menschen ist immer auch tragisch. Der von Ulrich Korbel ist es besonders: Er traf ihn am 20.&#xA0;Juni, einen Tag vor seinem 60.&#xA0;Geburtstag und kurz vor der Frauen-Fußball-WM. Und er traf den sächsischen Sport-Pfarrer, als er gerade die 300&#xA0;Kilometer lange Radrundfahrt »Vätternrundan« in Schweden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Sport-Pfarrer Ulrich Korbel aus Chemnitz starb nach einem Radrennen.</strong></p>
<div id="attachment_4007" class="wp-caption alignright" style="width: 230px"><img class="size-full wp-image-4007 " title="Korbel" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/06/Korbel.jpg" alt="Ulrich Korbel (1951–2011) war Pfarrer und leidenschaftlicher Sportler. Nach einer Radrundfahrt in Schweden starb der Chemnitzer Anfang dieser Woche an den Folgen eines Herzinfarkts. (Foto:&#xA0;Harry&#xA0;Härtel)" width="220" height="189" /><p class="wp-caption-text">Ulrich Korbel (1951–2011) war Pfarrer und leidenschaftlicher Sportler. Nach einer Radrundfahrt in Schweden starb der Chemnitzer Anfang dieser Woche an den Folgen eines Herzinfarkts. (Foto: Harry Härtel)</p></div>
<p>Der Tod eines Menschen ist immer auch tragisch. Der von Ulrich Korbel ist es besonders: Er traf ihn am 20.&#xA0;Juni, einen Tag vor seinem 60.&#xA0;Geburtstag und kurz vor der Frauen-Fußball-WM. Und er traf den <a href="http://www.evjusa.de/home/ueber-das-landesjugendpfarramt/referenten/referat-fuer-kirche-und-sport">sächsischen Sport-Pfarrer</a>, als er gerade die 300&#xA0;Kilometer lange Radrundfahrt »Vätternrundan« in Schweden hinter sich hatte, eine der größten Herausforderungen für Amateur-Radrennfahrer.</p>
<p>Beim Frühstück habe ihn der Herzinfarkt überrascht, hat ein schwedischer Arzt dem <a href="http://www.kirche-chemnitz.de/news.php?show=0&amp;beitrag=1726">Chemnitzer Superintendenten Andreas Conzendorf </a>berichtet.</p>
<p>Ulrich Korbel war ein Pfarrer, wie ihn die Landeskirche kein zweites Mal hat. </p>
<p>Ein Kirchvorsteher seiner ersten Gemeinde im mittelsächsischen Sornzig-Ablaß bezeichnete ihn einmal als einen »Edelstein ohne Fassung«. Direkt, herzlich und streitbar. </p>
<p>»Er erreichte mit seiner Art und seinen sportlichen Aktivitäten  auch Menschen, die mit Kirche nichts zu tun haben«, sagt der Chemnitzer Superintendent Conzendorf über den Pfarrer der Kirchgemeinde in Chemnitz-Schönau. »Er verbreitete gute Laune – aber es war immer klar, wofür er steht.«</p>
<p>Korbel lag quer zu allen Schubladen.</p>
<p>Er war ein frommer Sohn des frommen Erzgebirges aus Schneeberg&#xA0;– und ein politischer Feuerkopf. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings kletterte er im Spätsommer&#xA0;1968 mit Freunden auf sowjetische Panzer, die Richtung Tschechoslowakei fuhren, und versuchte den Soldaten auf Russisch deutlich zu machen, dass sie Verbrechen begingen. In den folgenden Monaten debattierten die jungen Leute weiter über die hoffnungslos machende Großwetterlage der SED-Politik.</p>
<p>Im März 1970 nahm die Staatssicherheit Korbel zusammen mit sechs seiner Freunde wegen des »dringenden Tatverdachts der staatsfeindlichen Gruppenbildung« fest. Das Urteil: Zwei Jahre und acht Monate Gefängnis. »Das war eine sehr schmerzliche Zeit.«</p>
<p>Und doch: Auch als Pfarrer, auch nach der Friedlichen Revolution und in der reichen Bundesrepublik wollte sich Korbel nicht unkritisch einrichten. Daran, dass Menschen obdachlos und ausgebeutet werden, konnte er sich nicht gewöhnen. </p>
<p>Er warb und stritt für den Versuch, »die Gaben Gottes gerecht zu verteilen und das Leiden der Schöpfung wahrzunehmen.« Und gegen den Götzen des Geldes.</p>
<p>Sein Herz indes schlug für den Sport&#xA0;– eine nicht zu häufige Eigenschaft unter Theologen. Die Landeskirche machte ihn zu ihrem Sport-Pfarrer. Er organisierte Sportfeste, bildete Übungsleiter aus, öffnete seine Kirche damit hin zu vielen Menschen.</p>
<p>»Glaube und Sport wollen beide etwas Gutes«, sagte er einmal. »Beide sind aber auch gefährdet. Für mich ist wichtig im Sport wie im Leben, dass man fair und nach ordentlichen Regeln miteinander umgeht.«</p>
<p>Eine Religion war der Sport für Ulrich Korbel indes nie. Er glaubte an Größeres. An etwas, das über den Tod hinaus geht.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<item>
		<title>Der ganz nahe Osten</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/06/12/der-ganz-nahe-osten/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Jun 2011 21:48:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelisch Mittelschule Schneeberg]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzgymnasium Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Palästinenser]]></category>
		<category><![CDATA[Talitha Kumi]]></category>

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		<description><![CDATA[strong>Junge Palästinenser spielten beim Kirchentag und in Schneeberg Theater&#xA0;– sogar Muslime
Als tausende Menschen am ersten Abend des Kirchentags Kerzen in die Elbe setzten, zündete auch Hala Elayan ein Licht an. Ringsum Dunkelheit, warm flackerndes Licht in den Händen von über 100.000&#xA0;Menschen, der Abendsegen&#xA0;– ein christlicher. Das 14-jährige Mädchen kommt von weit her, aus einem Dorf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3947" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/06/SOG_6874-300x198.jpg" alt="Solche Papphocker gibt es in Palästina nicht: Die Schüler Mira Rishmawi (l.), Hala Elayan (M.) und Fadi Abugha­zaleh (r.) aus einer christlichen Schule bei Bethlehem neben den Wahrzeichen des Kirchentags. (Foto:&#xA0;Steffen&#xA0;Giersch)" title="SOG_6874" width="300" height="198" class="size-medium wp-image-3947" /><p class="wp-caption-text">Solche Papphocker gibt es in Palästina nicht: Die Schüler Mira Rishmawi (l.), Hala Elayan (M.) und Fadi Abugha­zaleh (r.) aus einer christlichen Schule bei Bethlehem neben den Wahrzeichen des Kirchentags. (Foto:&#xA0;Steffen&#xA0;Giersch)</p></div><strong>Junge Palästinenser spielten beim Kirchentag und in Schneeberg Theater&#xA0;– sogar Muslime</strong></p>
<p>Als tausende Menschen am ersten Abend des Kirchentags Kerzen in die Elbe setzten, zündete auch Hala Elayan ein Licht an. Ringsum Dunkelheit, warm flackerndes Licht in den Händen von über 100.000&#xA0;Menschen, der Abendsegen&#xA0;– ein christlicher. Das 14-jährige Mädchen kommt von weit her, aus einem Dorf bei Jerusalem. Sie ist Muslimin. Und zögert doch nicht mit ihrer Deutung, wofür all diese Lichter stehen. »Es ist ein Zeichen für Jesus Christus, dass er das Licht der Welt ist.« </p>
<p>Aus ihrer Heimat weiß Hala Elayan um das Trennende zwischen den Religionen, schmerzlicherweise. In Dresden sagt sie: »Ich glaube, alle Menschen sind gleich – ob Christen oder Muslime. Wir müssen die anderen Religionen respektieren und viel über sie wissen.«</p>
<p>Mit elf anderen Schülern der <a href="http://www.talithakumi.org/">christlichen Schule Talitha Kumi</a> aus der Nähe von Bethlehem ist Hala Ende Mai nach Sachsen geflogen, die Kirchgemeinde Schneeberg und das Dresdner Kreuzgymnasium hatten sie eingeladen. Vier von ihnen sind Muslime, acht Christen. Erst in der evangelischen Mittelschule in Schneeberg und dann vier Mal auf dem Kirchentag spielten die Schüler ein Theaterstück über das Leben als Palästineser inmitten des Nahost-Konflikts. </p>
<p>»Die Jungen und Mädchen haben das Stück selbst zusammengebaut aus Begebenheiten, die in der Westbank wirklich geschehen sind oder noch geschehen«, sagt ihre Lehrerin Eleonore Straub. Es ist ein verstörendes Stück. Es kreist um die Sperranlage, mit der Israels Regierung seit acht Jahren die Palästinensergebiete abriegelt. </p>
<p>Mit arabischem Temperament und in außerordentlich gutem Deutsch spielen die 14- und 15-Jährigen Szenen der Demütigung. »Sehen sie die Mauern, sehen sie die Gitter rechts und links«, ruft ein Junge: »Ja, so ist es in der Westbank.« </p>
<p>In dem Stück zieht sich die Hoffnungslosigkeit immer fester um die Palästinenser. Es endet mit dem berühmten Gedicht aus dem alttestamentlichen Buch des Predigers Salomo: »Alles hat seine Zeit.« Mauern zu bauen hat seine Zeit. Und Mauern niederzureißen? Das Ende bleibt offen.</p>
<p>Die Luft des Dresdner Kirchentags atmeten die jungen Palästinenser tief ein. »Hier ist es sehr schön, jeder kann seine Meinung frei sagen«, sagt Hala. Und ihre 15-jährige Schulfreundin Mira Rishmawi, eine junge Christin aus einer kleinen Stadt bei Bethlehem, meint: »Ich finde am Kirchentag so schön, dass hier viele verschiedene Kulturen zusammenkommen.« </p>
<p>Das ist auch in der <a href="http://www.talithakumi.org/">Talitha-Kumi-Schule</a> Programm. Schon 1851 von deutschen Diakonissen gegründet, steht bis heute die Erziehung zu Toleranz und Respekt vor anderen Religionen ganz oben auf ihrem Lehrplan. 830&#xA0;Mädchen und Jungen besuchen derzeit die Schule, die vom Berliner Missionswerk getragen wird und sich der Botschaft Jesu von Versöhnung und Frieden verpflichtet weiß. </p>
<p>Beim Kirchentag in Dresden fanden zwölf von ihnen in Familien von Schülern des Evangelischen Kreuzgymnasiums ein Zuhause. </p>
<p>Am vorletzten Abend stehen die jungen Palästinenser auf dem Rasen des Dresdner Dynamo-Stadions, hören Gospelchöre und Nina Hagen. Und tanzen. »In Palästina beten 100&#xA0;Menschen zusammen«, sagt der 14-jährige Christ Fadi Abughazaleh aus Bethlehem. »Aber hier waren es über&#xA0;10.000. Das ist ein schönes Gefühl.« </p>
<p>Am Sonntag verabschieden sich die jungen Palästinenser vom Kirchentag und von Dresden. Zurück in ihre Heimat reisen sie, obwohl sie in die selbe Schule gehen, nicht zusammen. Die Schüler, die westlich des israelischen Grenzzaunes wohnen, werden nach vier Stunden Flug wieder zu Hause sein. Die anderen müssen über Ägypten und Jordanien reisen, mit Flugzeugen und in Kleinbussen. Über 30&#xA0;Stunden kann das dauern und teurer ist es auch.</p>
<p>Dann sind sie zurück vom Kirchentag in ihrer zerrissenen Wirklichkeit im Heiligen Land. 	           </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>»Beschämend für die Kirche«</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 14:27:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ 
Durch eine Diakonie-Pleite verloren Handwerker viel Geld – und das Vertrauen zur Kirche
 
Das alte Sanatorium im erzgebirgischen Antonshöhe nahe Schwarzenberg leuchtet hell und stolz ins Schwarzwassertal. »Auf dr Höh« heißt das frisch sanierte Altenpflegeheim jetzt. Die Höhe ist es auch für viele Firmen der Region. Sie warten vergebens auf die Bezahlung ihrer Rechnungen von insgesamt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3654" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img class="size-full wp-image-3654 " style="margin-top: 2px;margin-bottom: 2px" title="Hephatha-Klinik-2" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/04/Hephatha-Klinik-2.jpg" alt="Das Heim der ehemaligen Hephatha gGmbH ist fertig – die finanziellen Zusagen an die Handwerker sind geplatzt.  (Foto: Lars Rosenkranz)" width="580" height="441" /><p class="wp-caption-text">Das Heim der ehemaligen Hephatha gGmbH ist fertig – die finanziellen Zusagen an die Handwerker sind geplatzt.  (Foto: Lars Rosenkranz)</p></div>
<p><em> </em></p>
<h5>Durch eine Diakonie-Pleite verloren Handwerker viel Geld – und das Vertrauen zur Kirche</h5>
<p><em> </em></p>
<p>Das alte Sanatorium im erzgebirgischen Antonshöhe nahe Schwarzenberg leuchtet hell und stolz ins Schwarzwassertal. »Auf dr Höh« heißt das frisch sanierte Altenpflegeheim jetzt. Die Höhe ist es auch für viele Firmen der Region. Sie warten vergebens auf die Bezahlung ihrer Rechnungen von insgesamt über 250 000 Euro. »Das ist beschämend für die Kirche«, sagt der Breitenbrunner Elektriker Claus Schramm, der 30 000 Euro wahrscheinlich abschreiben kann.</p>
<p>Denn der Bauherr des Heims, die <a href="http://www.hephatha.de">Hephatha gGmbH</a>, war Mitglied im <a href="http://www.diakonie-sachsen.de">Diakonischen Werk der sächsischen Landeskirche</a> – und ist pleite. »Solche Außenstände sind für unseren Zehn-Mann-Betrieb exi­stenzbedrohend. Ich hatte nicht nur eine schlaflose Nacht.« Kredite retteten ihn vor dem Aus.</p>
<p>Dabei hatte alles verheißungsvoll begonnen. Als ein vom Bundessozialministerium gelobtes Modellprojekt sollte in dem ehemaligen Sanatorium ein<a href="http://www.hephatha.de/Bauvorhaben.htm"> Wohn- und Schulungszentrum für hörgeschädigte Menschen</a> entstehen. 4,6 Millionen Euro staatlicher Fördermittel flossen. Doch der Hephatha gGmbH, die ihrem Geschäftsführer Matthias Müller gehörte, ging im Sommer 2009 das Geld aus. Das Bundessozialministerium bat die Diakonie Sachsen, rettend einzugreifen.</p>
<p>Das tat der evangelische Wohlfahrtsverband auf überraschende Weise: Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der Diakonie-Zentrale in Radebeul, der auch im Beirat der Hephatha saß, empfahl einen Investor namens Kübrich – einen früheren Mitschüler und Freund, der angeblich reich geerbt hatte. »Er wurde von der Diakonie als die Rettung präsentiert«, erinnert sich der ehemalige Hephatha-Geschäftsführer Matthias Müller.</p>
<p>Aus einem vertraulichen Protokoll seiner Firma geht hervor, dass am 30. Oktober 2009 im Beisein und vermittelt durch Vertreter des Diakonischen Werks in der Dresdner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth &amp; Klein eine schriftliche Vereinbarung zwischen Kübrich und der Hephatha gGmbH getroffen worden sei mit der Zusage von »Investitionen in Höhe von 1,55 Millionen Euro«. Weiter heißt es, dass keiner der anwesenden Herren »genaue Informationen über das Vermögen von Herrn Kübrich recherchiert und auch keine Detailprüfung zu der Glaubwürdigkeit seiner Angaben vorgenommen hatte.«<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-3655" title="ausschnitt_protokoll" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/04/cutpaper3.jpg" alt="ausschnitt_protokoll" width="580" height="149" /><br />
Trotzdem schickte der Wohlfahrtsverband daraufhin seinen Baureferenten nach Antonshöhe. »Er bestätigt die finanzielle Absicherung des Bauvorhabens« mit Verweis auf die Vereinbarung, heißt es im Protokoll der Baubesprechung vom 10. November 2009. Die anwesenden Handwerker beschwor der Diakonie-Mann laut der Mitschrift: »Jeder sollte sich seiner hohen Verantwortung bewusst sein.« Die Handwerker vertrauten ihm und bauten weiter. Die finanzielle Potenz des Investors Kübrich indes erwies sich bald als Luftnummer. Am 30. Juli 2010 meldete die Hephatha gGmbH Insolvenz an. Was blieb, waren sieben Millionen Euro Schulden.</p>
<p>Das Diakonische Werk der Landeskirche gründete eilends die Erzgebirgische Pflege gGmbH. Die neue Firma bekam – trotz millionenschwerer Angebote anderer Firmen – den Zuschlag für den Weiterbetrieb als Altenpflegeheim und -dienst. Zudem zahlt sie nach Aussage des Insolvenzverwalters Oliver Junghänel 2,16 Millionen mit Hilfe von Krediten für die Heim-Immobilie an die Bank für Sozialwirtschaft, die größte Gläubigerin der insolventen Firma. Alle anderen Gläubiger haben nach dem Zwangsversteigerungsgesetz kaum Aussicht auf Geld, so der Zwickauer Rechtsanwalt. »Die Diakonie hat damit einen Vermögensvorteil in Höhe der nicht bezahlten Handwerkerrechnungen erworben«, kritisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz. Denn das Objekt ist über sieben Millionen Euro wert.</p>
<p><div id="attachment_3656" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img class="size-full wp-image-3656 " style="margin-top: 2px;margin-bottom: 2px" title="Rico-Zeeh" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/04/Rico-Zeeh-4.jpg" alt="Auf Sand gebaut: Der Bockauer Tiefbauunternehmer Rico Zeeh hat die Außenanlagen des Heims der Hephatha gGmbH in Antonshöhe gestaltet. Nach deren Insolvenz wartet er vergebens auf 70.000 Euro." width="580" height="380" /><p class="wp-caption-text">Auf Sand gebaut: Der Bockauer Tiefbauunternehmer Rico Zeeh hat die Außenanlagen des Heims der Hephatha gGmbH in Antonshöhe gestaltet. Nach deren Insolvenz wartet er vergebens auf 70.000 Euro.</p></div><em> </em></p>
<p>Den Protest der Handwerker dagegen hält der Diakonie-Vorstand Werner Frank Scheibe für unbegründet. »Die Hephatha gGmbH ist eine rechtlich selbständige Einrichtung. Wir als Spitzenverband haften nicht für Aktivitäten unserer Mitglieder.« Doch ohne die dringende Aufforderung des Baureferenten der Diakonie, sagt der Bockauer Bauunternehmer Rico Zeeh ebenso wie der Elektriker Claus Schramm, hätten sie nicht weitergearbeitet. Dann hätte Zeeh seinen acht Mitarbeitern nicht einen Monat lang den Lohn vorenthalten müssen – und müsste heute nicht 70 000 Euro abschreiben.</p>
<p>Zeeh ist wie der Elektriker Schramm Mitglied der Landeskirche. Zeeh ist enttäuscht – viele in der Region sind es. »Ich bin so weit, dass ich aus der Kirche austreten werde«, sagt er. »Auch einige meiner Arbeiter sagen das. Mit dieser kirchlichen Politik wird die Abwanderung in Sekten im Erzgebirge gefördert.« Den Handwerkern geht es nicht nur um ihr Geld. Es geht ihnen auch um die Glaubwürdigkeit ihrer Kirche. »Es kam kein Entschuldigungsschreiben«, sagt Schramm. »Nicht mal ein Anruf. Nichts.«</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Der Weg ist das Ziel</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 06:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#x202F;
2017 wird das Jubiläum von Luthers Reformation vor 500&#xA0;Jahren gefeiert. Auch in Sachsen wird es vorbereitet.
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Langsam wird es konkret: Der frühere Zwickauer Landrat Christian Otto ist zur Zeit damit beschäftigt, einen Lutherweg durch Sachsen zu konzipieren. Otto ist Beauftragter des Freistaates Sachsen für die Lutherdekade. Er hatte sich schon vor einiger Zeit mit anderen Zwickauern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3481" class="wp-caption aligncenter" style="width: 590px"><img class="size-full wp-image-3481 " style="border: 0pt none" title="disputation" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/disputation.jpg" alt="Bei der Leipziger Disputation von 1519, hier eine Abbildung aus dem 19. Jahrhundert, diskutierte Martin Luther (l.) mit dem papsttreuen Theologen Johannes Eck (r.). Das Gespräch besiegelte die Trennung von der römischen Kirche.  (Abbildung: Archiv Evangelische Verlagsanstalt Leipzig)" width="580" height="280" /><p class="wp-caption-text">Bei der Leipziger Disputation von 1519, hier eine Abbildung aus dem 19. Jahrhundert, diskutierte Martin Luther (l.) mit dem papsttreuen Theologen Johannes Eck (r.). Das Gespräch besiegelte die Trennung von der römischen Kirche.  (Abbildung: Archiv Evangelische Verlagsanstalt Leipzig)</p></div>
<h5>&#x202F;</p>
<p>2017 wird das Jubiläum von Luthers Reformation vor 500&#xA0;Jahren gefeiert. Auch in Sachsen wird es vorbereitet.<br />
&#x202F;</h5>
<p>Langsam wird es konkret: Der frühere Zwickauer Landrat Christian Otto ist zur Zeit damit beschäftigt, einen Lutherweg durch Sachsen zu konzipieren. Otto ist Beauftragter des Freistaates Sachsen für die Lutherdekade. Er hatte sich schon vor einiger Zeit mit anderen Zwickauern überlegt, wie sie das Reformationsjubiläum feiern wollen. Schließlich hatte die Stadt einst eine gewisse Bedeutung bei den Umwälzungen des 16.&#xA0;Jahrhunderts. So hat Luther seinem Freund, dem Zwickauer Bürgermeister Hermann Mühlpfort, 1520 die deutsche Fassung seiner Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen« gewidmet.</p>
<div id="attachment_3482" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-3482 " style="border: 0pt none" title="Christian-Otto" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/Christian-Otto.jpg" alt="Christian Otto, Beauftragter des Freistaats Sachsen für die Lutherdekade, vor der Zwickauer Katharinenkirche. Hier predigte einst Thomas Müntzer. (Foto: Andreas&#xA0;Wohland)" width="300" height="254" /><p class="wp-caption-text">Christian Otto, Beauftragter des Freistaats Sachsen für die Lutherdekade, vor der Zwickauer Katharinenkirche. Hier predigte einst Thomas Müntzer. (Foto:&#xA0;Andreas Wohland)</p></div>
<p>Thomas Müntzer predigte hier von 1520 bis 1521 in der Katharinenkirche, bis ihn der Stadtrat aus der Stadt verwies und er nach Mühlhausen übersiedelte&#xA0;– von wo dann der Bauernkrieg ausging. Wegen Müntzers radikaler Auffassungen kam Luther nach Zwickau und predigte am 1.&#xA0;Mai&#xA0;1522 vor 14.000&#xA0;Menschen vom Rathaus aus. Aus Schneeberg, Annaberg und anderen Orten der Umgebung kamen die Zuhörer geströmt.</p>
<p>Mit dem Lutherweg durch ganz Sachsen sollen diese und andere Städte nun ins Bewusstsein gerückt werden. »Er verbindet Orte, an denen Luther und andere Reformatoren wie Philipp Melanchthon, Justus Jonas, Georg Spalatin weilten«, erläutert Oberlandeskirchenrat Christoph Münchow.</p>
<p>So hat Plauen die älteste Superintendentur im heutigen Sachsen&#xA0;– seit&#xA0;1529. Schon 1525 schlossen die dortigen Ratsherren das Kloster und setzten evangelische Prediger ein. Leisnig erhielt von Luther 1523 die »Ordnung eines gemeinen Kastens«, der die Verteilung der kirchlichen Gelder an die Pfarrer und Küster sowie die Armen der Gemeinde neu regelte. In der Schneeberger St.&#xA0;Wolfgangskirche entstand 1531 bis 1539 der erste monumentale Reformationsaltar in der Werkstatt von Lucas Cranach. Seine Tafeln sind eine Predigt im lutherischen Sinn und erzählen von der Erlösung durch Gnade. Und nicht zuletzt war Leipzig 1519 der Schauplatz des Streitgesprächs zwischen Martin Luther und Johannes Eck über die Stellung des Papstes.</p>
<p>Auch wenn Sachsen einst das »Mutterland der Reformation« genannt wurde, sind die Grenzen heute anders gezogen. Wittenberg, Eisleben, die Wartburg&#xA0;– die bedeutendsten Lutherstätten liegen heute in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Während Sachsen-Anhalt bereits einen Lutherweg kreiert hat und touristisch vermarktet, soll nun auch durch sächsische Gefilde ein solcher Weg führen.</p>
<p>Von Bad Düben über Torgau, Wurzen, Grimma, Colditz, Leisnig, Döbeln, Limbach-Oberfrohna, Glauchau, Zwickau und Crimmitschau sowie von Eilenburg über Leipzig, Borna und Gnandstein soll der Weg führen. Doch die Ausschilderung eines Lutherwegs allein genügt nicht. »Wichtig ist, dass wir die Menschen im Freistaat mitnehmen«, sagt Christian Otto. »Und wir wollen aufmerksam machen auf unseren Glauben.« Christian Ottos Vision ist es, den Lutherweg in den Jakobsweg zu integrieren. »Wir haben nicht die bizarren Landschaften auf dem Weg nach Santiago de Compostela und wollen auch kein Extremwandern bieten«, sagt er. »Wir wollen mit Kultur und Kirchen werben.« Bereits in diesem Sommer ist ein Wander-Theater über Luther und Müntzer entlang des sächsischen Weges geplant.</p>
<div id="attachment_3483" class="wp-caption alignright" style="width: 121px"><img class="size-full wp-image-3483 " style="border: 0pt none" title="christoph-seele" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/christoph-seele.jpg" alt="Christoph Seele ist Beauftragter der sächsischen Landeskirche für die Lutherdekade. (Foto: Steffen&#xA0;Giersch)" width="111" height="163" /><p class="wp-caption-text">Christoph Seele ist Beauftragter der sächsischen Landeskirche für die Lutherdekade. (Foto: Steffen Giersch)</p></div>
<p>Auch für Christoph Seele ist der Lutherweg momentan »das gewichtigste und auch wahrnehmbarste überregionale Projekt«. Der Oberkirchenrat ist Beauftragter der sächsischen Landeskirche für die Lutherdekade. »Darüber hinaus bietet der Kirchentag eine gute Gelegenheit, über das Anliegen der Lutherdekade zu informieren«, sagt er. Dort werde es ein Projekt »Lutherforum im Kirchentag« geben. Auch das »Jahr der Taufe« biete Gelegenheiten, reformatorische Grundeinsichten zur Sprache zu bringen. Und nicht zuletzt befasst sich die sächsische Landessynode auf ihrer Frühjahrstagung vom 8. bis 11.&#xA0;April in Dresden mit einem zutiefst lutherischen Thema: »Sprachfähig im Glauben« lautet es.</p>
<p>So bietet auch für Oberlandeskirchenrat Christoph Münchow die Lutherdekade »zunächst einen äußeren Anlass, dass wir uns intensiv mit den Grundlagen und der Ausstrahlungskraft unseres Glaubens befassen.« Auf dem Weg zum Jubiläum&#xA0;2017 werde es besonders darauf ankommen, gemeinsame Vorhaben mit den römisch-katholischen Nachbargemeinden in der Region vorzubereiten. Das könne mit gemeinsamem Gebet, Bibelgesprächen und Bibelarbeiten geschehen.</p>
<p>»Besonders die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift und das Gebet als Quelle des Glaubens werden helfen, alte oder neue Vorurteile hier wie dort zu korrigieren und zu größerer Gemeinsamkeit zu kommen, beispielsweise für konfessionsübergreifende Ehen oder die Ermöglichung der gastweisen Teilnahme an der Eucharistie«, so Münchow.</p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
<blockquote><p>
2. Mai: Eröffnung eines Lutherwegs durch Zwickau; 6. September: Eröffnung des 1. Teilabschnitts des sächsischen Lutherwegs durch Ministerpräsident Tillich</p></blockquote>
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		<title>Protest mit Picknick</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/03/04/protest-mit-picknick/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 14:35:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 5. März gedenkt Chemnitz der Bombardierung von 1945 – und wehrt sich gegen Nazis.
Nach den rechten Aufmärschen in Dresden am 13. und 19.&#xA0;Februar richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den 5.&#xA0;März in Chemnitz. Dieser Gedenktag der Stadtbombardierung vor 66&#xA0;Jahren wird seit neun Jahren mit zahlreichen Aktionen als »Chemnitzer Friedenstag« begangen.
Die Neonazis haben Demonstrationen angemeldet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3460" class="wp-caption alignright" style="width: 280px"><img class="size-full wp-image-3460 " title="Neu_feb-11-Karten-2" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/Neu_feb-11-Karten-2.jpg" alt="Pfarrer Stephan Brenner hat den Friedensbus ins Leben gerufen. Nun will er in Chemnitzer Stadtbussen Postkarten vom Bus als Friedensgruß verteilen. Einen Teil hebt er jedoch auf: für den Kirchentag in Dresden.  (Foto: Andreas Seidel)" width="270" height="400" /><p class="wp-caption-text">Pfarrer Stephan Brenner hat den Friedensbus ins Leben gerufen. Nun will er in Chemnitzer Stadtbussen Postkarten vom Bus als Friedensgruß verteilen. Einen Teil hebt er jedoch auf: für den Kirchentag in Dresden.  (Foto: Andreas Seidel)</p></div>
<h5>Am 5. März gedenkt Chemnitz der Bombardierung von 1945 – und wehrt sich gegen Nazis.</h5>
<p>Nach den rechten Aufmärschen in Dresden am 13. und 19.&#xA0;Februar richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den 5.&#xA0;März in Chemnitz. Dieser Gedenktag der Stadtbombardierung vor 66&#xA0;Jahren wird seit neun Jahren mit zahlreichen Aktionen als<a href="http://www.chemnitzer-friedenstag.de/"> »Chemnitzer Friedenstag«</a> begangen.</p>
<p>Die Neonazis haben Demonstrationen angemeldet und versuchen diese wie 2010 per Gerichtsbeschluss genehmigen zu lassen. Dagegen wendet sich wieder ein »Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz&#xA0;– kein Platz für Nazis«, das dazu aufruft, sich »kreativ, bunt und lautstark den Nazis entgegenzustellen«. Ein entsprechender Aufruf zum friedlichen Protest wurde von fast 300 Persönlichkeiten und Institutionen unterzeichnet.</p>
<p>Auch Superintendent Andreas Conzendorf gehört dazu. Er sei »kein Freund lauter Demonstrationen«, sagt er. Aber Schweigen sei auch nicht immer möglich. »Unser Volk und Land hat fast 50&#xA0;Jahre mit radikalen politischen Verhältnissen zu tun gehabt. Wir haben allen Grund, jede Art von Radikalismus abzulehnen.«</p>
<p>Der am 4. März 2010 erstmalig auf Tour geschickte Friedensbus&#xA0;– ein Stadtbus, geschmückt mit Kinderbildern zum Thema Frieden – ist jetzt auch auf Postkarten zu sehen. Sechs Motive zeigen ihn an unterschiedlichen Orten der Stadt, zum Beispiel am Karl-Marx-Monument. Schon am Donnerstag vor dem Friedenstag werden Pfarrer Stephan Brenner, der Initiator des Busses, und Stefan Tschök, Pressesprecher der Chemnitzer Verkehrsgesellschaft, solche Karten an die Fahrgäste des Linienbusses verteilen.</p>
<p>Dass sich auch die Kirchgemeinden stärker ins Friedenstagsprogramm einbringen, wünscht sich Thomas Troebs, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Lutherkirchgemeinde. Dort wurde im Gottesdienst zur Beteiligung am friedlichen Protest auf dem Theaterplatz aufgerufen. Es soll ein Picknick als Protest gegen den Marsch der Neonazis werden. »Bringen Sie Essen und Trinken mit, am besten für ein, zwei Personen und mehr«, heißt es in einem Aufruf des Chemnitzer Bündnisses für Frieden und Toleranz. Für das nächste Jahr kann sich Thomas Troebs Gebets- und Mahnwachen ähnlich wie in Dresden gut vorstellen.</p>
<p><em>Katharina Weyandt</em></p>
<blockquote>
<h3>Friedenstag in Chemnitz</h3>
<p>Freitag, 4. März, 16 Uhr, Rathaus: Verleihung des Friedenspreises;<br />
17.30 Uhr, Neumarkt: Eröffnung des Friedenskreuzes;<br />
19 Uhr, Altes Heizhaus: Podiumsdiskussion zur Gedenkkultur mit dem ehemaligen Superintendenten Christoph Magirius, Thiemo Kirmse (Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen) und Professor Dr. Teresa Pinheiro (TU Chemnitz);<br />
21.15 Uhr, Altes Heizhaus: »Vergessene jiddische Lieder«;<br />
Sonnabend, 5. März, ab 8 Uhr auf dem Theaterplatz: Demokratie-Picknick, Begleitprogramm mit Opernchor, Chemnitzer Synagogalchor, Aktionen, Reden von Künstlern, Politikern und Prominenten;<br />
12 Uhr, Petrikirche: Friedensgebet mit Pfarrer Christoph Weber;<br />
20 Uhr, Jakobikirche: Friedensgottesdienst mit der Theatergruppe der St.-Pauli-Kreuz-Kirchgemeinde, Predigt Pfarrer Carsten Rast.</p>
<p><a href="http://www.friedensbus-chemnitz.de"> www.friedensbus-chemnitz.de</a></p>
<p><a href="http://www.chemnitzer-friedenstag.de/">www.chemnitzer-friedenstag.de/</a></p>
<p><a href="http://www.kirche-chemnitz.de">www.kirche-chemnitz.de</a></p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Was weg ist, ist weg</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/12/30/was-weg-ist-ist-weg/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 18:43:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Westsachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Kathleen Thümmler]]></category>
		<category><![CDATA[Landeszuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtmission Zwickau]]></category>

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		<description><![CDATA[&#xA0;
Die Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit fordern erste Opfer&#xA0;– auch in Zwickau

Wie ein Springball hüpft Bastian in der Pause auf dem Schulflur um Kathleen Thümmler herum. »Sie hat mir schon bei sehr vielen Sachen geholfen«, sagt der zehnjährige Junge und umarmt die Sozialarbeiterin. »Doch die bleiben geheim.« An diesem letzten Schultag vor Weihnachten hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3162" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/12/DSC_1174.jpg" alt="Wenn Justin (l.) und Bastian (r.) die Sozialarbeiterin Kathleen Thümmler auf dem Schulflur sehen, rennen sie zu ihr. Sie hat ihnen oft geholfen. Nun muss sie die Schule verlassen, weil Sachsen den Rotstift ansetzt. (Foto: Steffen Giersch)" title="DSC_1174" width="580" height="422" class="size-full wp-image-3162" /><p class="wp-caption-text">Wenn Justin (l.) und Bastian (r.) die Sozialarbeiterin Kathleen Thümmler auf dem Schulflur sehen, rennen sie zu ihr. Sie hat ihnen oft geholfen. Nun muss sie die Schule verlassen, weil Sachsen den Rotstift ansetzt. (Foto: Steffen Giersch)</p></div>
<h5>&#xA0;<br />
Die Kürzungen in der Kinder- und Jugendarbeit fordern erste Opfer&#xA0;– auch in Zwickau<br />
</h5>
<p>Wie ein Springball hüpft Bastian in der Pause auf dem Schulflur um Kathleen Thümmler herum. »Sie hat mir schon bei sehr vielen Sachen geholfen«, sagt der zehnjährige Junge und umarmt die Sozialarbeiterin. »Doch die bleiben geheim.« An diesem letzten Schultag vor Weihnachten hat auch Kathleen Thümmler ein Geheimnis, ein trauriges: Es wird ihr letzter Tag mit den Kindern der Zwickauer Nicolai-Grundschule sein. Vor zwei Tagen hat sie offiziell davon erfahren. </p>
<p>Die sächsische CDU-FDP-Koalition kürzt in diesem Jahr die Landeszuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit um ein Drittel, der<a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2010/12/10/frisch-gestrichen/"> Landtag hat dies am 16.&#xA0;Dezember auch für die kommenden zwei Jahre beschlossen</a> – den Landkreisen und Städten fehlt deshalb viel Geld. Nun wird in ganz Sachsen gestrichen. Über 40&#xA0;Sozialarbeiter wird es allein im Landkreis Zwickau treffen.</p>
<p>Die Nicolai-Grundschule nahe dem Zwickauer Markt wird derzeit renoviert. Leuchtend orange und blau erstrahlt nun der Plattenbau, dafür gibt der Staat viel Geld aus. An ihrem Innenleben aber wird der Rotstift angesetzt. »Mich zu konzentrieren fällt mir ein bisschen schwer«, sagt der kleine achtjährige Justin. Deshalb geht er an diesem Tag zum Konzentrationstraining, das die Schulsozialarbeiterin der <a href="http://www.stadtmission-zwickau.de">Diakonie&#xA0;– Stadt­mission Zwickau</a> jede Woche anbietet. Heute zum letzten Mal.</p>
<p>Sorgen gibt es hier genug. Jedes dritte Kind an der Nicolai-Schule muss mit seiner Familie von Hartz&#xA0;IV leben, jedes fünfte hat Eltern, die aus einem anderen Land stammen. »Viele Kinder haben familiäre Probleme, sie erleben Gewalt zu Hause oder sind oft allein. Dann haben sie oft Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren oder sie sind ganz unruhig«, sagt Kathleen Thümmler&#xA0;(29). »Für diese Kinder ist es ein Kreislauf: Sie bekommen in den Klassen schlechte Rückmeldungen und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Dabei sind es ganz tolle Menschen.« </p>
<p>Den Lehrern fehlt oft die Zeit, auf alle Sorgen und Nöte der Kinder einzugehen. Dafür ist seit September&#xA0;2008 die Schulsozialarbeiterin der Diakonie da. Kinder, die etwa von Gewalt in ihren Familien betroffen sind, kommen nie in eine Beratungsstelle&#xA0;– zu Kathleen Thümmler schon. »Sie ist ein Bindeglied im sozialen Netzwerk, das beratend und unterstützend wirkt«, sag Schulleiter Ralf Burkhardt. Kathleen Thümmler klärt in Klassen über gewaltfreie Konfliktlösung, Gefahren im Internet und sexuellen Missbrauch auf&#xA0;– und auch über gesundes Essen. All das wird ab dem ersten Schultag im Januar Geschichte sein.</p>
<p>Mit den Kürzungen der sächsischen Regierung steht viel Zukunft auf dem Spiel. Auch die des <a href="http://www.stadtmission-zwickau.de/jugendliche-lebensmeisterschaft.html">Projektes »Lebensmeisterschaft« der Stadtmission Zwickau</a>. Junge Menschen, die vor lauter Problemen mit Schulden, Drogen und Wohnungslosigkeit keinen Fuß in die Berufswelt bekommen und als »hoffnungslose Fälle« gelten, erhalten hier eine Chance. </p>
<p>Von den 65 Jugendlichen, die seit 2008 in diesem Projekt arbeiteten, haben nur sieben vorzeitig abgebrochen&#xA0;– ein äußerst niedriger Wert für junge Menschen mit solchen Problemen. »Die meisten Teilnehmer wurden in Berufsvorbereitungskurse vermittelt, einige erhielten auch eine Lehrstelle oder Arbeit«, sagt Projektleiter Matthias Grünwald. »Wenn wir damit vermeiden können, dass ein junger Mensch zum lebenslangen Hilfeempfänger wird, hat sich das Projekt auch finanziell gelohnt.« </p>
<p>Doch ab Mai wird es ohne Finanzierung dastehen. Das Projekt sei gut und notwendig, antwortete das Jugendamt des Landkreises Zwickau auf den Antrag auf Förderung: Doch das Geld reiche nicht einmal für bestehende Einrichtungen. »Junge innovative Projekte haben jetzt keine Chance mehr«, sagt Sozialarbeiter Matthias Grünwald.</p>
<p>Die achtjährige Michelle sitzt traurig auf dem Flur der Nicolai-Schule. Heute wird sie das letzte Mal mit Kathleen Thümmler auf den Pferdehof gehen. Kinder, die ihre Freizeit oft vor Fernseher und Computer verbringen,  striegeln dort Pferde, kratzen Hufe aus, führen und reiten die Tiere. Sie erfahren, was Verantwortung ist, Wärme und auch Nähe. »Ja«, überlegt Kathleen Thümmler, »manchmal bin ich schon eine Art Ersatz-Mama.« </p>
<p>Sie sagt das nicht stolz. Denn die in zwei Jahren gewachsenen Bindungen zu den Kindern werden am 1.&#xA0;Januar hart abgeschnitten. Den Schaden kann niemand ermessen.                            </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<blockquote><p>
<strong>Spendenkonto der Stadtmission Zwickau:</strong>&#xA0;2201009980 bei der Sparkasse Zwickau, BLZ&#xA0;87055000, Stichwort&#xA0;»Kinder- und Jugendhilfe«</p></blockquote>
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		<title>Gerechte Einschnitte</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Sep 2010 11:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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Die Messerklinge zeigt genau auf den Betrachter und schneidet den Apfel in zwei ungleiche Teile. »Gerecht?«, lautet die Frage auf der Postkarte. Nein, das ist nicht gerecht geteilt!, möchte man protestieren. 5000 dieser Postkarten hat die Stadtmission Chemnitz gedruckt und in den letzten Wochen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Die Stadtmission Chemnitz sammelt Unterschriften gegen die Rotstift-Pläne der Stadt</h5>
<div id="attachment_2572" class="wp-caption alignright" style="width: 370px"><img class="size-full wp-image-2572" title="Hans-Rudolf-Merkel" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/09/Hans-Rudolf-Merkel.jpg" alt="Will mitreden, wenn die Stadt Chemnitz Sozialleistungen kürzt: Der Direktor der Chemnitzer Stadtmission Hans-Rudolf Merkel zeigt die Protest-Postkarten, die sein Verein in der Stadt verteilt. (Foto: Andreas Seidel)" width="360" height="358" /><p class="wp-caption-text">Will mitreden, wenn die Stadt Chemnitz Sozialleistungen kürzt: Der Direktor der Chemnitzer Stadtmission Hans-Rudolf Merkel zeigt die Protest-Postkarten, die sein Verein in der Stadt verteilt. (Foto: Andreas Seidel)</p></div>
<p>Die Messerklinge zeigt genau auf den Betrachter und schneidet den Apfel in zwei ungleiche Teile. »Gerecht?«, lautet die Frage auf der Postkarte. Nein, das ist nicht gerecht geteilt!, möchte man protestieren. 5000 dieser Postkarten hat die <a href="http://www.stadtmission-chemnitz.de">Stadtmission Chemnitz</a> gedruckt und in den letzten Wochen in der Stadt verteilt. Per Unterschrift sollten sich die Empfänger für gerechtes Aufteilen der knapper werdenden Stadtfinanzen einsetzen und die Karten der Stadtmission zurück senden.</p>
<p>Gesammelt sollen diese der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) übergeben werden. Die Aktion läuft noch bis zum 17.&nbsp;September, bis zum vergangenen Sonntag waren über 300 ausgefüllte Karten bei der Stadtmission angekommen.</p>
<p>»Wir können uns nicht gegen die Veränderungen stellen, weil wir selbst ein Teil des Systems sind. Aber gemeinsam wollen wir neue Wege finden«, sagt Stadtmissions-Direktor Hans-Rudolf Merkel. »Künftig haben wir weniger Geld zur Verfügung. Das ist eine Tatsache.« Merkel versteht die anstehenden Kürzungen als »Einstieg in den Umstieg« und nicht als »Einstieg in den Ausstieg«. Seiner Meinung nach sei auch mit weniger Geld »geordnete soziale Arbeit« möglich.</p>
<p>Das Ja zu Veränderungen steht für den Diakonie-Chef fest. »Jetzt müssen wir das Wie diskutieren. Wir wollen einen Beteiligungsprozess – und der muss erstritten werden«, betont Hans-Rudolf Merkel. Als Beispiel für einen neuen Weg nennt der Stadtmissions-Direktor die Zuschüsse für das Mittagessen in Chemnitzer Kindertagesstätten, von denen die Diakonie zwei betreibt. Ab 2012 soll der städtische Zuschuss von durchschnittlich 80&nbsp;Cent pro Kind und Tag komplett gestrichen werden. Dagegen gibt es vielfachen Protest.</p>
<p>Hans-Rudolf Merkel schlägt vor: Ab 2012 soll das Essen nur noch für die Kinder bezuschusst werden, deren Familien aufgrund der vorhandenen Bemessungssätze bereits jetzt unterstützt werden. »Finanziell starke Familien können das Mittagessen für ihre Kinder komplett bezahlen und damit ihre Verantwortung wahrnehmen. Das ist ein neuer Weg mit dem Ansatz der Gerechtigkeit.«</p>
<p><em>Dorothee Morgenstern</em></p>
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