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	<title>DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Titelseite</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Doppelt hält nicht besser</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 11:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Taufrituale]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedertaufe]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wiedertaufen spalten Gemeindegruppen. Dabei geht es um die Frage: Muss ich mir Gottes Liebe verdienen?
Drei Wochen nach der Taufe saßen sich die sechs Täuflinge und die beiden Pfarrer ihrer erzgebirgischen Kirchgemeinde gegenüber. Die Atmosphäre war frostig. Denn über die Köpfe der erwachsenen Männer und Frauen war im Herbst vergangenen Jahres nicht das erste Mal Taufwasser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2329" class="wp-caption alignnone" style="width: 600px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/titel_so31.jpg" alt="Johannes tauft Jesus – so malte es Lucas Cranach der Jüngere 1560 für die Wittenberger Stadtkirche. Als Taufzeugen fügte er den Reformator Johannes Bugenhagen in das Bild ein. Foto: epd-Bild" title="titel_so31" width="590" height="363" class="size-full wp-image-2329" /><p class="wp-caption-text">Johannes tauft Jesus – so malte es Lucas Cranach der Jüngere 1560 für die Wittenberger Stadtkirche. Als Taufzeugen fügte er den Reformator Johannes Bugenhagen in das Bild ein. Foto: epd-Bild</p></div><br />
<strong><br />
Wiedertaufen spalten Gemeindegruppen. Dabei geht es um die Frage: Muss ich mir Gottes Liebe verdienen?</strong></p>
<p>Drei Wochen nach der Taufe saßen sich die sechs Täuflinge und die beiden Pfarrer ihrer erzgebirgischen Kirchgemeinde gegenüber. Die Atmosphäre war frostig. Denn über die Köpfe der erwachsenen Männer und Frauen war im Herbst vergangenen Jahres nicht das erste Mal Taufwasser geflossen. Bereits als Kind hatten sie das Sakrament  empfangen – und nun in einer Freikirche wiederholt. </p>
<p>»Der Glaube muss vor der Taufe kommen«, sagte einer von ihnen zur Begründung. Die Taufe eines ungläubigen Säuglings ist in ihren Augen nichts wert. Die sechs wollten sich erst bewusst für Jesus entscheiden und als Zeichen dafür getauft werden – zum zweiten Mal. Ein Mensch, der getauft ist und sich nicht konsequent für den Glauben entscheidet, der wird ihrer Meinung nach von Gott nicht gerettet.</p>
<p> »Aber in der Taufe schenkt Gott mir seine Gnade. Die hält mich auch, wenn ich keine Kraft mehr habe«, erwiderte der Pfarrer den drei Ehepaaren. Sie waren engagiert in der Landeskirchlichen Gemeinschaft und sind erfolgreich im Beruf. Eine Leistung wollen sie auch für Gott erbringen. </p>
<p>»Paulus schreibt: Du bekommst von Gott, was du eigentlich nicht verdient hast«, sagte der Pfarrer. »Doch mit einer Wiedertaufe will man sich das Heil verdienen.«</p>
<p>Das ist kein Einzelfall. Es gibt mehrere Kirchgemeinden in Sachsen, in denen sich Einzelne oder kleine Gruppen in den letzten Jahren für eine Wiedertaufe entschieden. Schmerzhafte Aspaltungen von der Gemeinde sind oft das Ergebnis. Genaue Zahlen nennt die Landeskirche nicht. Doch ihre Taufordnung formuliert unmissverständlich: Die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und seiner Kirche bleibe ein Leben lang gültig. </p>
<p>»Mit einer Wiedertaufe geschieht die Trennung von der Landeskirche, solange die Betreffenden sich nicht von der Wiedertaufe distanzieren«, so die Ordnung. Die sechs nochmals getauften Christen aus dem Erzgebirge trennten sich freiwillig von ihrer Kirche.</p>
<p>Schon Martin Luther kämpfte hart mit den Wiedertäufern – es kam in der Reformationszeit zu Hinrichtungen und Vertreibungen. Auf seiner Vollversammlung bekannte der Lutherische Weltbund am 22. Juli seine Schuld gegenüber der Verfolgung der mennonitischen Kirche und aller Täufer. Unverändert aber gilt für ihn Luthers Lehre: Die Taufe ist ein Geschenk Gottes - und kein menschlicher Verdienst.</p>
<p>Doch in einer Gesellschaft, in der ein jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, hat es ein Geschenk schwer. »In ganz Deutschland gibt es einen Trend zur Individualisierung«, sagt Gert Pickel, Professor für Religionssoziologie an der Universität Leipzig. »Man könnte die Wiedertaufe als bewusste Entscheidung stark individualisierter Menschen deuten, die selbst aktiv entscheiden wollen.«</p>
<p>Dabei sollte man die Motive der Menschen, die sich für eine erneute Taufe entscheiden, durchaus ernst nehmen, sagt Wolfgang Ratzmann, Leipziger Professor für Praktische Theologie. »Die Kirche muss über neue Formen  nachdenken für Lebensentscheidungen wie einen Wiedereintritt in die Kirche – und auch dafür, dass uns immer neu bewusst wird: Ich bin getauft.« </p>
<p>Ratzmann verweist auf katholische Kirchgemeinden in Bayern. Sie begrüßen wiedereingetretene oder neu zugezogene Mitglieder mit einer liturgischen Zeremonie. Und erst unlängst versammelten sich im Semesterabschlussgottesdienst der Leipziger Universität Besucher um den Taufstein der Nikolaikirche, wo ihnen mit Wasser ein Kreuz auf die Handflächen gezeichnet wurde – als Erinnerung an ihre Taufe.</p>
<p>Die Landeskirche ruft im Rahmen des Reformationsjubiläums der EKD das nächste Jahr zum »Jahr der Taufe« aus. Dann sollen am 1. Mai Kirchgemeinden in Gottesdiensten eine Tauferinnerung für Kinder und Erwachsene anbieten. Über die Bedeutung der Taufe – so viel ist sicher – muss neu gesprochen werden.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Der Riss in der Seele</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 13:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Drogensucht]]></category>
		<category><![CDATA[Phsychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf]]></category>

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		<description><![CDATA[
Für kranke Seelen gibt es Krankenhäuser. Dort stellen sich mitunter große Fragen: nach Liebe, nach Sinn und Sinnlosigkeit, nach Gott.
Ihren Blick hat die junge Frau in sich gekehrt. Ein rosa Schaltuch über das karierte Kleid geworfen, sitzt sie da. »Sie sehen so traurig aus«, sagt der Pfarrer. »Kommen Sie mit, es tut Ihnen gut. Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/titel_so30.jpg" alt="titel_so30" title="titel_so30" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2302" /><br />
<strong>Für kranke Seelen gibt es Krankenhäuser. Dort stellen sich mitunter große Fragen: nach Liebe, nach Sinn und Sinnlosigkeit, nach Gott.</strong></p>
<p>Ihren Blick hat die junge Frau in sich gekehrt. Ein rosa Schaltuch über das karierte Kleid geworfen, sitzt sie da. »Sie sehen so traurig aus«, sagt der Pfarrer. »Kommen Sie mit, es tut Ihnen gut. Sie müssen auch nichts sagen.« Sie steht auf, kommt mit. Und sagt nichts. </p>
<p>Drei Tage, fünf Tage, acht Tage, zwei Wochen – die sechs jungen Männer und Frauen, die sich in dem Raum um Pfarrer Rainer Petzold versammeln, nennen ihre wichtigsten Zahlen. Bei Nadine Krause (Namen aller Patienten geändert) sind es zehn Tage. Zehn Tage ist sie nun schon in der Drogenstation des <a href="http://www.skh-arnsdorf.sachsen.de/">Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf</a>. Zehn Tage Entgiftung vom Heroin. </p>
<p>Ein Gegengift, das der Krankenhausseelsorger jeden Mittwoch anbietet, ist das Gespräch über die Liebe: über die Nächstenliebe und die Liebe zu sich selbst, wie Jesus sie sah. Und über das schmerzliche Vermissen von Liebe. Über diesen Phantomschmerz, diese Wurzel der Sucht. Die traurige junge Frau auf dem Ledersofa beugt sich vor und hört aufmerksam zu. Sie lächelt kurz. </p>
<p>»Der Pfarrer hat mir Seiten an mir gezeigt, die ich so noch nicht gesehen habe – dass ich auch gute Seiten habe«, sagt die 28-Jährige. »Jetzt will ich Ruhe in mir finden. Ich glaube an Gott.« </p>
<p>Die Arnsdorfer Psychiatrie mit ihren sanatoriumsartigen Häusern liegt still in der Sommerglut. Der evangelische Klinikseelsorger Rainer Petzold begegnet hier Patienten, die sich für Jesus halten. Oder solchen, die sich in tiefster Depression von Gott und der Welt verlassen glauben. Andere hören Stimmen. Wieder andere werden von schweren Schuldgefühlen geplagt – obwohl sie niemandem etwas zu Leide taten. </p>
<p>Auf der Akut-Station wird Rainer Petzold von einem Lied empfangen. Anna Duricova hat ein lateinisches Zitat aus ihrem Gespräch mit dem Seelsorger flugs vertont. Nun singt die kleine Frau mit den ausdrucksstarken Augen und dem grünen Kleid. Sie ist hier, weil sie auf der Straße vor ihrer Wohnung gemalt und laut gesungen hatte. Eine Psychose, teilte man ihr mit. </p>
<p>»Ich brauche einen Geist, der zuhört und zum Gespräch bereit ist, wenn alle anderen versagen«, sagt die 47-Jährige Künstlerin über ihre Gespräche mit dem Pfarrer. »Mein Thema ist immer: woher, wohin und warum? Ich suche Antworten.« </p>
<p>Eine Antwort hat sie schon gefunden: Ihre Krankheit habe sie dazu gebracht, die Erde und die Menschen zu achten. Doch warum Jesus an einem Folter-Kreuz sterben musste, und warum überhaupt so viel Leid auf der Welt ist – diese Fragen in den Seelsorgegesprächen machen ihre glänzenden Augen klein und hart. Es ist ein Leiden, das keine Medizin lösen kann.</p>
<p>Am andere Ende des Krankenhausgeländes sitzt Klaus Reichelt in seinem Zimmer und kann kaum mehr beten. »Nur noch, wenn der Pfarrer freitags kommt«, sagt er. Einst war er selbst Pfarrer, man sieht es dem stillen Mann mit den klugen Augen unter der hohen Stirn noch an. Vor 30 Jahren war das, bis die Wahnvorstellungen kamen. Nun freut er sich an den Enten im Teich, das Reden fällt ihm schwer. Theologische Bücher hat Reichelt nicht mehr. Dafür den Sonntagsgottesdienst in der Krankenhauskirche.</p>
<p>Ein letztes Lied auf der Drogenstation. Fast sprechend fallen die Jugendlichen in des Gesang des Pfarrers ein. »Zwei Wochen habe ich hier noch vor mir«, sagt Nadine zu Rainer Petzold. Unruhig sieht sie zu Boden. Sie kämpft gegen das Heroin, gegen ihre Sucht, gegen die Gedanken an ihre kranke Mutter. Noch kämpft sie. Der Seelsorger macht ihr Mut. </p>
<p>Keine fünf Minuten später kommt eine Krankenschwester: Nadine hat sich entlassen. Sie ist weg, hat sich schutzlos ihrer Sucht ausgeliefert. Einen Zettel nahm sie mit, den sie sich vom Pfarrer gewünscht hatte. Darauf eine Zeile aus Schillers »Ode an die Freude«: »Wer auch nur eine Seele /sein nennt auf dem Erdenrund! / Und wer’s nie gekonnt, der stehle / weinend sich aus diesem Bund!«</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Weltversammlung der lutherischen Christen</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 14:49:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Lutherischer Weltbund]]></category>
		<category><![CDATA[Stuttgart]]></category>
		<category><![CDATA[Vollversammlung]]></category>

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Wenn sich in der kommenden Woche über 400 Abgesandte der 140 lutherischen Kirchen aus aller Welt in Stuttgart treffen, sind auch fünf Sachsen dabei.
Aus Lateinamerika kommt der Ruf nach einem Ende bewaffneter Konflikte, die »Millionen Menschen in aller Welt ihr tägliches Brot« nehmen. Europas lutherische Christen bekennen, »in vielfältiger Weise« versagt zu haben: Ressourcen vergeudet, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/so29_titel.jpg" alt="Weltversammlung" title="Weltversammlung" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2276" /><br />
<strong>Wenn sich in der kommenden Woche über 400 Abgesandte der 140 lutherischen Kirchen aus aller Welt in Stuttgart treffen, sind auch fünf Sachsen dabei.</strong></p>
<p>Aus Lateinamerika kommt der Ruf nach einem Ende bewaffneter Konflikte, die »Millionen Menschen in aller Welt ihr tägliches Brot« nehmen. Europas lutherische Christen bekennen, »in vielfältiger Weise« versagt zu haben: Ressourcen vergeudet, Habgier toleriert und die Beziehungen zwischen Schöpfer und Schöpfung zerstört zu haben. Die Afrikaner fordern fairen Zugang zu Land, Wasser, Bildung und ein entschlossenes »Ja« zur Frauen­ordination. Vertreter der Christen aus den <a href="http://www.lutheranworld.org/Welcome.DE.html">140 Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB)</a> haben ihre Botschaften formuliert. Vom 20. bis 27. Juli werden sie bei ihrer <a href="http://www.lwb-vollversammlung.org/">Vollversammlung in Stuttgart</a> darüber sprechen unter dem Thema »Unser täglich Brot gib uns heute«. </p>
<p>Die sächsische Landeskirche entsendet fünf Teilnehmer. Neben Landesbischof Jochen Bohl sind das die Landesfrauenpfarrerin Antje Hinze, die Medizinstudentin Stefanie Opitz als Jugendvertreterin, die Oberkirchenrätin Kathrin Schaefer aus dem Landeskirchenamt und der Synodenpräsident Otto Guse. Wie alle rund 400 Delegierten haben sie sich auf das Treffen vorbereitet und fahren mit unterschiedlichen Erwartungen nach Stuttgart.</p>
<p>Otto Guse will vor allem wissen, »welche Probleme die lutherischen Kirchen weltweit bewegen«. »Wir sind gut beraten zuzuhören«, sagt der Synodenpräsident. Denn zum Beispiel ökologische Fragen beträfen andere Länder und Kirchen in viel stärkerem Maße. »Und das Problem knapper werdender Mittel trifft uns bei weitem nicht so existentiell wie andere.« Zudem sei unser demografischer Wandel Afrikanern nicht zu vermitteln. »Das sind ganz junge Kirchen. Da werden wir sicher Erfahrungen mit nach Sachsen nehmen.«</p>
<p>Stefanie Opitz ist das Thema Ernährungsgerechtigkeit wichtig. »Auf unseren Freizeiten, Tagungen, in unseren Freizeitheimen nur fair gehandelte Produkte anzubieten – das wäre schon ein großer Gewinn, wenn wir das in unseren Landeskirchen erreichen könnten«, sagt die Medizinstudentin. In der vergangenen Woche hat sie sich in Dresden gemeinsam mit 120 Jugendvertretern aus aller Welt auf das Treffen in Stuttgart vorbereitet. </p>
<p>Und auch Antje Hinze interessiert, »was die Menschen, die kein täglich Brot haben, uns zu sagen« haben. Sie will aber auch dort mitreden, wo es um die Frauenordination geht. In dieser Frage ist sie der selben Meinung wie die afrikanischen Christinnen: »Viele Frauen hungern nach Anerkennung ihres Dienstes und nach der Möglichkeit, ihre Gaben für eine gerechte Welt einzusetzen«, so Hinze. </p>
<p>Noch ein anderes Thema liegt ihr am Herzen, obwohl es nicht auf der Tagesordnung steht: Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Kirche. »Es gibt Menschen unter uns, die hungern nach Gottes Segen für ihre Beziehung, wir aber schließen sie aus.« Bei diesem Thema jedoch gibt es gegensätzliche Positionen in der weltweiten lutherischen Christenheit. Noch 2007, bei einer LWB-Ratstagung im schwedischen Lund, hatte Generalsekretär Ishmael Noko bekräftigt, dass die kontroverse Debatte über Ehe, Familie und Sexualität den Lutherischen Weltbund nicht spalten könne. Diesen Fragen müsse man sich stellen, hatte Noko damals gesagt. In ihrer Botschaft an die Vollversammlung bekräftigen die Vertreter Afrikas jedoch ihre Haltung, wonach allein die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott eingesetzt und gewollt sei.</p>
<p>Antje Hinze hofft, dass sich an diesem Thema die lutherische Christenheit nicht entzweit. Und sie erwartet von dem Treffen in Stuttgart »ein lebendiges Zeugnis aus einer Welt des Hungers, des Durstes, der Verzweiflung, das mich verändert«.</p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
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		<title>Trost tanken</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:19:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autobahn]]></category>
		<category><![CDATA[Autobahnkirchen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>

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		<description><![CDATA[
Tankstellen für die Seele sollen Autobahnkirchen sein. Menschen finden hier Gott – andere klagen über seine dunklen Seiten.
Wolken hängen über der Autobahn kurz vor Dresden. Der Mann und die Frau fahren der Beerdigung eines guten Freundes entgegen. Doch als sie das blaue Verkehrsschild mit der schwarzen Kirche sehen, biegen sie ab. Sie ziehen die Köpfe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/titel_so_28.jpg" alt="titel_so_28" title="titel_so_28" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2255" /><br />
<strong>Tankstellen für die Seele sollen Autobahnkirchen sein. Menschen finden hier Gott – andere klagen über seine dunklen Seiten.</strong></p>
<p>Wolken hängen über der Autobahn kurz vor Dresden. Der Mann und die Frau fahren der Beerdigung eines guten Freundes entgegen. Doch als sie das blaue Verkehrsschild mit der schwarzen Kirche sehen, biegen sie ab. Sie ziehen die Köpfe ein unter der niedrigen Tür einer Kirche. St. Jakobus heißt sie – eine Autobahnkirche im Landstädtchen Wilsdruff. </p>
<p>Bereitwillig zeigt das über <a href="http://www.schloenvogt.de/jacobikirche_info/">850 Jahre alte Gotteshaus</a> den Besuchern seine  Verletzungen: Der Putz blättert mit seinen Farben ab und legt die Feldsteine frei. Der Mann und die Frau halten inne. Sie steigen die zwei Stufen unter dem romanischen Bogen zum Altar empor und schreiben in das ausliegende Gebetbuch: »Diese Kirche gibt uns Kraft und Segen für die Weiterfahrt. Gott hilf uns auf unserem weiteren Lebensweg.« </p>
<p>Am selben Tag betritt eine andere Frau das romanische Gotteshaus. Oft hat sie hier schon Station gemacht. In kleiner, eiliger Schrift notiert sie ihre Furcht vor dem nahenden Ende ihrer Ehe: »Lieber Gott«, schreibt sie, »führe mich – aber es tut oft so weh.« Das nicht abreißende Rauschen der Autobahn dringt durch die kleine Tür und die schmalen Fenster in die alte Kirche. Es vermischt sich mit dem stummen Chor aus Gebeten, Gotteslob und Klagen, die in der Autobahnkirche ihre Herberge finden.</p>
<p>Die Wilsdruffer Jakobikirche steht wie die Kirche Peter und Paul in Uhyst und die <a href="http://www.autobahnkirche.info">35 anderen Autobahnkirchen</a> in Deutschland tagsüber offen. Sie lädt zum Ausruhen und Beten ein – ohne Vorbedingungen, auch ohne Kirchenmitgliedschaft, anonym. </p>
<p>»Wir haben den Eindruck, dass die Kirche gerade deshalb sehr angenommen wird«, sagt Werner Reinhuber. Als Bruder Martin gehört er zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft. Die von ihm gegründete <a href="http://www.leben-und-arbeit.net">Stiftung »Leben und Arbeit«</a> betreibt die Autobahnkirche seit 2005. Bruder Martin zählt die angezündeten Kerzen neben dem Buch mit den Anliegen. Über 4000 Kerzen werden jedes Jahr in der Wilsdruffer Jakobikirche angezündet, in Uhyst sind es 12 000. Jedes Licht eine Bitte.</p>
<p>Ein Kind kritzelt mit großer Schrift: »Lieber Gott beschütze uns«, ein Mann schreibt: »Herr hab Dank, dass Du uns vor einem schweren Unfall bewahrt hast« – von dieser Art sind viele Gebete in der Jakobikirche. Galt nicht der Jünger Jakobus im Mittelalter als Schutzpatron der Pilger und Reisenden? Die meisten Besucher werden das nicht wissen. </p>
<p>Doch dass sie sich auch als Pilger empfinden auf einer Reise mit Gott, diesen Eindruck gewinnt man in einer Autobahnkirche. Es sind heute oft schnelle Reisen, die unversehens im Stau stecken bleiben können und nur zähflüssig weitergehen. Wenn überhaupt. Mitunter passiert ein Unglück. »Herr, Du hast ihn wieder zu Dir genommen«, heißt es im Gebetbuch über den Tod eines kleinen Jungen. »Bitte gib den traurigen Eltern Kraft, mit dieser Entscheidung zu leben – Dein Frieden ist höher als unsere Vernunft.« Genau zwei Wochen später, wohl auf der Rückfahrt, ist von der selben kleinen Handschrift zu lesen: »Herr, gib uns Kraft für Deine dunklen Seiten!« Es klingt wie Hiob.</p>
<p>Morgens und abends sitzen die beiden Brüder der Christusträger im Chorraum der Wilsdruffer Autobahnkirche bei ihrem Tagzeitengebet. Sie schließen die in das dicke Buch geschriebenen Sorgen der Reisenden in ihre Bitten ein. </p>
<p>Manches Gebet aber ist schon im Moment seines Aussprechens vollendet. Und erfüllt. »Danke, dass Du mich auf Grund meiner Schuld nicht verworfen hast sondern mir entgegen gelaufen bist«, schreibt ein Besucher. Ein anderer: »Danke, dass ich dich hier besuchen durfte.«<br />
Der <a href="http://www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/quelle/bibel/bibelstelle/1.kön%2019/cache/1bc9c333fa258e0c37206dcafd25d5b0/">Prophet Elia fand Gott in einem sanften Windhauch</a>. Offenbar kann man ihn auch im Rauschen der Autobahnen antreffen.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Das liebe Geld</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/07/01/das-liebe-geld/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 12:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[D-Mark]]></category>
		<category><![CDATA[Euro]]></category>
		<category><![CDATA[Landeskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Währungsreform]]></category>

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		<description><![CDATA[
Am 1. Juli 1990 wurde im Osten Deutschlands die D-Mark eingeführt. 20 Jahre danach ist der Finanzdruck für die sächsische Landeskirche groß. 
Hoffnungen hat sie geweckt und Enttäuschungen hervorgebracht: die D-Mark, als sie am 1. Juli 1990 im Osten Deutschlands eingeführt wurde. Heute, zwanzig Jahre später, hat Reinhard Kersten, Finanzdezernent der sächsischen Landeskirche, da und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_so_27.jpg" alt="titel_so_27" title="titel_so_27" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2232" /><strong><br />
Am 1. Juli 1990 wurde im Osten Deutschlands die D-Mark eingeführt. 20 Jahre danach ist der Finanzdruck für die sächsische Landeskirche groß. </strong></p>
<p>Hoffnungen hat sie geweckt und Enttäuschungen hervorgebracht: die D-Mark, als sie am 1. Juli 1990 im Osten Deutschlands eingeführt wurde. Heute, zwanzig Jahre später, hat Reinhard Kersten, Finanzdezernent der sächsischen Landeskirche, da und dort den Ruf nach der D-Mark abermals vernommen. Diesmal als Ausweg aus den Euro-Turbulenzen. Doch das hält er für illusorisch. </p>
<p>Wirtschaft und Finanzsystem in Deutschland müssten mit den derzeit alles andere als komfortablen Bedingungen zurechtkommen, ebenso die sächsische Landeskirche. Diese habe die jüngste Finanzmarktkrise noch glimpflich überstanden, sagt Kersten. Ein Grund sei: »Als Kirche verfolgen wir eine viel konservativere und klassischere Anlagepolitik.« Und selbst beim schlimmstmöglichen Ereignis, dem Totalausfall aller Zinseinnahmen, würde das im 160-Millionen-Euro-Haushalt der Landeskirche mit lediglich zwei Prozent weniger Einnahmen zu Buche schlagen. </p>
<p>Wesentlich ärger freilich könnte sich die Wirtschaftskrise als Folge der Finanzkrise auswirken. »Und sie trifft uns zeitversetzt«, sagt Kersten. Die 2009 eingetretenen Verluste von Unternehmen würden erst 2011 und 2012 als Rückgang bei den Kirchensteuereinnahmen durchschlagen.</p>
<p>Bei alldem will die Landeskirche nun erst recht am verantwortlichen Umgang mit dem Geld festhalten. Im September soll ein »Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlagen in der evangelischen Kirche« als Empfehlung verabschiedet werden. Reinhard Kersten hat daran mit geschrieben. Ein Grundsatz darin: Beim Umgang mit dem Geld, das Menschen der Kirche anvertrauen, soll auf Sicherheit und Wirtschaftlichkeit geachtet werden. Ein weiterer: Bei Geldanlagen sollen Unternehmen vermieden werden, die Rüstungsgüter oder Pornografie produzieren sowie Kinder ausbeuten. Sogenannte Research-Agenturen sollen das überprüfen.</p>
<p>Verantwortlicher Umgang mit Geld bedeutet für Heinz Hartwig Böhmer, dass die Landeskirche es vor allem für ihren wichtigsten Auftrag – die Verkündigung des Evangeliums – ausgibt. Darauf achte der Finanzausschuss der Landessynode, dessen Vorsitzender Böhmer ist. Der Bevölkerungsschwund und der mit mehr Rentnern prozentual sinkende Anteil an Kirchensteuerzahlern bescherten der Landeskirche sinkende Einnahmen – ein Defizit von vier bis sechs Millionen in den kommenden vier Jahren. »Was wir an Geld einnehmen, gibt vor, wie die Struktur im Verkündigungsdienst aussehen wird«, sagt Böhmer.</p>
<p>Die Abhängigkeit der Kirchensteuer von Lohn- und Einkommenssteuer ist in den Augen von Kritikern längst in die Krise geraten. Einen Ausweg sieht Christoph Körner, Pfarrer im Ruhestand und zweiter Vorsitzender des <a href="http://www.cgw.de/">Vereins Christen für gerechte Wirtschaftsordnung (CGW</a>), in einer Kultur- und Sozialsteuer, wie sie etwa in Italien erhoben wird. Hinzu käme das schon jetzt in Sachsen übliche Kirchgeld als »Ortskirchensteuer«. Zugleich aber müssten sich die Gemeinden um Spenden bemühen.</p>
<p>All dies jedoch ändere noch nichts an einem grundlegenden Übel: dass man über Zins und Zinseszins aus bloßem Geld mehr Geld machen könne. »Grundlage einer Geldreform wäre die Erkenntnis, dass Geld nur als Tauschmittel und Wertmesser fungieren dürfte und von seiner Funktion als Schatzmittel, also Wertaufbewahrungsmittel befreit werden müsste«, sagt Christoph Körner. Solch große Veränderungen indes brauchten Zeit und ein anderes Bewusstsein. </p>
<p>Eine Alternative im Kleinen ist für ihn der <a href="http://www.zschopautaler.info">»Zschopautaler«, eine Regionalwährung</a>. Die verliert an Wert, wenn sie nicht in nützliche Dinge investiert wird. So seien in fast drei Jahren Spielgeräte für einen Kindergarten und drei Solardächer daraus finanziert worden. Doch erst zwei Kirchgemeinden beteiligten sich an der Regionalwährung, bedauert Körner. Dabei sieht er gerade in ihnen eine große Chance: »Die kleine christliche Gemeinde könnte eine Mikrokontrastgesellschaft zur großen kapitalistischen Gesellschaft sein und Vorbildcharakter haben.« </p>
<p><em>Tomas Gärtner</em></p>
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		<title>»Wir halten nicht länger still«</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 15:57:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Elterngeld]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau]]></category>
		<category><![CDATA[Rentenversicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[strong>Bundes- und Landesregierung wollen auch bei den Ärmsten kürzen. Kirche und Diakonie finden das ungerecht – und protestieren.
Kaum einer schimpft, keiner diskutiert. Kommt die Rede auf die Sozial-Kürzungen der Regierung, winken die meisten Arbeitslosen in der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Zschopau nur resigniert ab. »Von der Politik erwarten sie nichts anderes, nichts Positives«, sagt deren Leiter Pfarrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2209" class="wp-caption alignnone" style="width: 600px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_sonntag26.jpg" alt="Es war die größte Demonstration vor dem sächsischen Landtag seit 1990: Rund 10 000 Menschen protestierten am 16. Juni gegen die Kürzungspläne der sächsischen Regierung.  Foto: Steffen Giersch" title="Protest" width="590" height="363" class="size-full wp-image-2209" /><p class="wp-caption-text">Es war die größte Demonstration vor dem sächsischen Landtag seit 1990: Rund 10 000 Menschen protestierten am 16. Juni gegen die Kürzungspläne der sächsischen Regierung.  Foto: Steffen Giersch</p></div><strong>Bundes- und Landesregierung wollen auch bei den Ärmsten kürzen. Kirche und Diakonie finden das ungerecht – und protestieren.</strong></p>
<p>Kaum einer schimpft, keiner diskutiert. Kommt die Rede auf die Sozial-Kürzungen der Regierung, winken die meisten Arbeitslosen in der <a href="http://www.kez-zschopau.de">Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Zschopau</a> nur resigniert ab. »Von der Politik erwarten sie nichts anderes, nichts Positives«, sagt deren Leiter Pfarrer Johannes Roscher. »Sie fühlen sich längst abgekoppelt.« </p>
<p>Die <a href="http://www.evangelisch.de/themen/politik/regierung-will-80-milliarden-bis-2014-sparen18969">Bundesregierung will in ihrem Sparpaket</a> Arbeitslosen das Elterngeld und die Rentenversicherung streichen, während die Mittelschicht und die Besserverdienenden kaum belastet werden. »Arm und Reich driften in Deutschland immer weiter auseinander«, <a href="http://www.diw.de/de/diw_01.c.100319.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen.html?id=diw_01.c.357516.de">stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fest</a> – und kritisierte die Einseitigkeit des Sparpaketes der Bundesregierung.</p>
<p>»Die Sanierung der Staatsfinanzen ist eine unabweisbar dringende Aufgabe«, sagt der sächsische Landesbischof Jochen Bohl. »Allerdings teile ich die Kritik an der mangelnden sozialen Ausgewogenheit. Darum muss es jetzt einen Beitrag der Wohlhabenden geben.« Der Bischof fordert die Abschaffung der zahlreichen Steuer-Schlupflöcher für Reiche.</p>
<p>Auch die sächsische Landesregierung will sparen, um angesichts der Wirtschaftskrise keine neuen Schulden zu machen: Ihre jährlichen Ausgaben sollen bis 2014 um 1,8 Milliarden Euro reduziert werden. Wo genau gekürzt wird, soll im August bekannt gemacht werden. Der kaufmännische Vorstand der Diakonie Sachsen, Friedhelm Fürst, befürchtet tiefe Einschnitte bei Beratungsangeboten für Suchtkranke, Familien, Schuldner, in der Behindertenhilfe und auch bei den Wohlfahrtsverbänden selbst. </p>
<p>Welche Folgen eine solche Politik haben kann, zeigt die erst vor wenigen Monaten vorgenommene <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2010/02/11/die-zeche-zahlen-die-schwachsten/">Kürzung der sächsischen Jugendpauschale</a>. »Wir gehen davon aus, dass im nächsten Jahr ein Viertel der Jugend-Angebote wegfallen wird«, so Diakonie-Vorstand Fürst. </p>
<p>Hinter dieser Zahl kann sich ein soziales Drama verbergen. Denn ein Viertel der Jungen und Mädchen in Sachsen lebt von Hartz IV, ihre Familien haben kein Geld für Freizeitgestaltung und Nachhilfeunterricht. »Gerade diese Kinder und Jugendlichen brauchen Orte, an denen sie Begleitung und Unterstützung finden – und dieser Bedarf steigt«, sagt Ullrich Gintzel, Professor an der E<a href="http://www.ehs-dresden.de">vangelischen Hochschule Dresden</a>. Die Kürzungen nennt der Jugendhilfe-Experte eine »Katastrophe«. »Kinder aus benachteiligten Familien werden dadurch aus Bildung und Gesellschaft ausgegrenzt und langfristig auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Ein kluger Staat würde in diese Kinder investieren – er braucht sie auch für eine demokratische Gesellschaft.« </p>
<p>Der Direktor der sächsischen Diakonie, Christian Schönfeld, forderte auf einer Demonstration vor dem sächsischen Landtag am 16. Juni die CDU-FDP-Landesregierung auf: »Kehren Sie um von einer Sparpolitik auf dem Rücken der Schwachen, die Armut und Ausgrenzung in Sachsen von fast einem Viertel der Bevölkerung noch weiter verschärfen wird. Wir halten nicht länger still.« Mit Sozialausgaben in Höhe von 124 Euro pro Einwohner sei der Freistaat ohnehin bundesweites Schlusslicht, so Schönfeld.</p>
<p>Doch auch die Sozialarbeit müsse sich kritische Fragen gefallen lassen, sagt Harald Christa, Professor für Sozialmanagement an der<a href="http://www.ehs-dresden.de"> Evangelischen Hochschule Dresden</a>. »Angesichts der anstehenden Kürzungen hätten die Sozialarbeiter und Verbände schon vor Jahren hellhörig werden und die Wirkung ihrer Arbeit untersuchen und in der politischen Öffentlichkeit ausweisen müssen.«</p>
<p>Jenseits aller Zahlen aber ist für den Leiter der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Zschopau eines klar: »Wer bei den Armen spart und die Reichen schont, der handelt nicht im Sinn des Evangeliums«, sagt Pfarrer Johannes Roscher. Das sperrige Wort Gerechtigkeit – es kommt in der Bibel 322 mal vor.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Abbiegen verboten</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 11:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Gewalt von links wird immer mehr – doch Rechtsextreme verüben viermal so viele Delikte. Wie reagiert die Kirche?
Am Abend des 7. Mai fliegen Flaschen auf Polizisten. Gerade tragen sie aus einem Haus in der Dresdner Liststraße zehn Jugendliche, die das verwahrloste Gebäude besetzen wollten, um einen Raum »frei von kapitalistischer Verwertungslogik, Konsum­fetischismus und staatlicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_so_25.jpg" alt="Sonntag 25 Titelbilc" title="Sonntag 25 Titelbilc" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2191" />Die Gewalt von links wird immer mehr – doch Rechtsextreme verüben viermal so viele Delikte. Wie reagiert die Kirche?</p>
<p>Am Abend des 7. Mai fliegen Flaschen auf Polizisten. Gerade tragen sie aus einem Haus in der Dresdner Liststraße zehn Jugendliche, die das verwahrloste Gebäude besetzen wollten, um einen Raum »frei von kapitalistischer Verwertungslogik, Konsum­fetischismus und staatlicher Kontrolle« zu haben. <a href="http://http://utopienentdecken.blogsport.de/">Da kippt die Stimmung unter den 200 jungen Menschen aus der linken Szene</a>. »BRD – Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt«, ruft die Menge wütend. <a href="http://www.polizei.sachsen.de/pd_dresden/5528.htm">Sechs Polizisten werden von Glasflaschen verletzt</a>. </p>
<p>Zur selben Zeit verlässt ein junger Mann die Tankstelle auf der Peniger Straße in Geithain. Der 15-Jährige gilt als Linker. Neonazis haben seinen Namen und sein Foto im Internet veröffentlicht. Ein Mann kommt auf ihn zugerannt, springt, schlägt ihm auf den Kopf und ins Gesicht und flüchtet. <a href="http://nachrichten.lvz-online.de/region/geithain/verdaechtiger-nach-neonazi-angriff-auf-einen-15-jaehrigen-in-u-haft/r-geithain-a-31185.html">Der schwer verletzte Jugendliche muss im Krankenhaus operiert werden</a>.</p>
<p>Gegen den Rechtsextremismus hat die sächsische Landeskirche <a href="http://www.evlks.de/leben_und_glauben/kirche_und_welt/10966.html">klar Stellung bezogen</a>. Doch was ist mit linken Demokratiefeinden? Die Kirche dürfe auf dem linken Auge nicht blind sein, fordern einzelne Mitglieder der sächsischen Landessynode. </p>
<p>Das sind die Fakten: Der <a href="http://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/VS_Bericht_2009.pdf">Verfassungsschutz</a> zählte 2009 in Sachsen 740 Linksextremisten – und 2700 Rechtsextremisten. Die Zahl der linken Antifa-Autonomen steigt seit 2004 von Jahr zu Jahr. Und auch die Zahl linksex­tremer Straftaten. 513 Delikte gab es laut Landeskriminalamt im letzten Jahr. Meist sind es Sachbeschädigungen an Treffpunkten, Läden oder Wahlkampfmaterial der Rechtsextremen. Die 89 Gewalttaten, die Linke 2009 verübten, richteten sich bei Neonazi-Demon­strationen meist mit Flaschen- oder Steinwürfen gegen deren Teilnehmer oder gegen Polizisten. </p>
<p>Die Zahl der Straftaten aus dem rechtsextremen Lager ging zwar im letzten Jahr zurück, ist aber ungleich höher: 1972 Delikte von Neonazis erfasste das Landeskriminalamt 2009 – davon 84 Gewalttaten, 121 fremdenfeindliche und 108 antisemitische Straftaten. <a href="http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/w/files/pdf/149-todesopfer-rechter-gewalt.pdf">149 Ausländer, Obdachlose, Linke und Behinderte sind nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung seit 1990 durch Neonazis zu Tode gekommen</a>. </p>
<p>Während die rechtsextreme Szene in Sachsen gut vernetzt ist und die NPD in allen Kreistagen und im Landtag sitzt, sind die Links-Autonomen eine Ansammlung von Grüppchen ohne einheitliche Struktur oder Ideologie. Linksextreme Parteien wie die KPD haben im Freistaat höchstens 50 Mitglieder und keine Wahlerfolge. </p>
<p>Auch wenn Extremisten von links und rechts mit Gewalt die demokratische Gesellschaftsordnung untergraben wollen: Sie haben ganz verschiedene Werte. Neonazis kämpfen für eine Volksgemeinschaft, in der Ausländer, Behinderte, Homosexuelle und Andersdenkende keinen Platz haben. Linksextreme kämpfen gegen Faschismus, Kapitalismus, gegen eine harte Flüchtlingspolitik, gegen den Staat.</p>
<p>Im April hat sich der sozialethische Ausschuss der Landessynode vom stellvertretenden Präsidenten des sächsischen Verfassungsschutzes all dies erklären lassen. »Gewalt ist kein legitimes politisches Mittel, egal ob von rechts oder links«, sagt danach Ausschussvorsitzender Michael Hanfstängl. »Aber Rechts- und Links­extre­mismus haben in Sachsen ganz verschiedene Dimensionen. Deshalb sehen wir derzeit für ein öffentliches Wort der Synode gegen den Linksextre­mismus keinen Anlass.« </p>
<p>Auch Landesbischof Jochen Bohl sieht die großen Unterschiede zwischen Links und Rechts. Er beobachtet dennoch mit Besorgnis das Wachsen der Linksextremen – auch wenn dies angesichts der Entwicklung des Kapitalismus für ihn »nicht unbedingt überraschend kommt«. Ist die Kirche auf dem linken Auge blind? »Wie sollte eine solche Einseitigkeit nach 40 Jahren DDR möglich sein?«, erwidert der Bischof. </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p>Den sächsischen Verfassungsschutzbericht 2009 finden Sie im Internet <a href="http://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/VS_Bericht_2009.pdf">hier</a>.</p>
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		<title>Fußballfieber</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/06/10/fusballfieber/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 13:47:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[2010]]></category>
		<category><![CDATA[Fußballweltmeisterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>

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		<description><![CDATA[
Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Blick auf Fußball­begeisterung in Afrika und in Sachsen.
Die Fußballbegeisterung steht Nokuphila ins Gesicht geschrieben. »I am a big fan«, sagt die Mitarbeiterin eines Schulbuchverlags aus Pietermaretsburg. Gemeinsam mit fünf Glaubensgeschwistern aus Südafrika ist sie zur Zeit Gast im Kirchenbezirk Pirna. Hier gibt es seit 1989 eine Partnerschaft zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_so_24.jpg" alt="Sonntag Titel 24" title="Sonntag Titel 24" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2166" /><br />
<strong>Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Blick auf Fußball­begeisterung in Afrika und in Sachsen.</strong></p>
<p>Die Fußballbegeisterung steht Nokuphila ins Gesicht geschrieben. »I am a big fan«, sagt die Mitarbeiterin eines Schulbuchverlags aus Pietermaretsburg. Gemeinsam mit fünf Glaubensgeschwistern aus Südafrika ist sie zur Zeit Gast im Kirchenbezirk Pirna. Hier gibt es seit 1989 eine Partnerschaft zu lutherischen Gemeinden in dem Land, das in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet. Als sie im Jahr 2000 nicht dafür ausgewählt wurden, habe Trauer im ganzen Land geherrscht, erzählt Nokuphila. </p>
<p>Umso größer ist die Begeisterung jetzt. So wurden Fußball-Freitage ausgerufen. Dann müssen die Kinder nicht in der sonst üblichen Uniform in die Schule kommen – Groß und Klein ziehen die orangen Fantrikots der süd­afrikanischen Mannschaft an. Und dass ihre Mannschaft die ersten Gruppenspiele erfolgreich meistern wird, davon ist Nokuphila überzeugt.</p>
<p>Doch sie und Pam, Bougiwe, Zandile, Brian und Emmanuel sind nicht nur als Botschafter südafrikanischer Fußballbegeisterung in Deutschland. Sie erzählen auch aus ihrem Alltag. Von den Problemen der Jugendlichen mit Drogen, Alkohol, frühen Schwangerschaften, Armut, sexuellem Missbrauch und Aids. </p>
<p>Pam, die pensionierte Lehrerin, hat es in der eigenen Familie erlebt: Von ihren fünf Kindern leben nur noch vier. »Nun bin ich Vater und Mutter zugleich für meinen Enkelsohn«, erzählt sie. Dessen Eltern seien beide an Aids verstorben. Auch in der Gemeinde kümmert sie sich um die elternlosen Kinder. Mittwochs und donnerstags macht sie mit den Frauen der »Womensleague«, der Frauenarbeit, Hausbesuche. Denn oft sind schon 14-Jährige Familienoberhaupt, wenn die Eltern an Aids gestorben sind. Und die mei­sten Kinder wüssten gar nicht, ob sie auch infiziert seien. Deshalb machen alle einen Aidstest bei ihren großen Jugendtreffen – um Vorbild zu sein, wie Nokuphila ergänzt. Denn die Regierung sorge dafür, dass mehr und mehr Kinder Medikamente bekämen.</p>
<p>Tilman Krause ist gerade aus Tansania zurückgekommen. » Auch wenn Tansania nicht selbst beim WM-Fest vertreten sein wird, so fiebert ein Großteil der Bevölkerung auf dieses Fußballereignis hin«, sagt der Tansania-Referent des Leipziger Missionswerkes. Da mische sich Stolz über dieses Ereignis auf afrikanischem Boden mit dem Wunsch, weltweit Menschen für den afrikanischen Kontinent zu begeistern. »Afrika ist nicht allein der krisengeschüttelte Kontinent voller Krankheiten«, sagt er. In Dar es Saalam gebe es große Plakatwände, die auf Südafrika und die WM einstimmen. In Dörfern seien es die Fußball spielenden Kinder, die sich aus Stoffresten und Plastemüll Bälle gebaut haben, »um so schöne Pässe zu spielen, wie sie sie in dem einzigen Fernseher beim Dorftreffpunkt sehen können.«</p>
<p>Auch in Deutschland versammeln sich in den nächsten Wochen Menschen gemeinsam vor Fernsehern und Videowänden. Public Viewing ist das Wort dafür. In Sachsen laden 88 Kirchgemeinden dazu ein. Und auch wenn die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und »Brot für die Welt« Informationsmaterial über das Gastgeberland herausgegeben haben, steht doch in den meisten Orten vor allem das gemeinsame Essen, Trinken und Mitfiebern im Vordergrund.</p>
<p>Nokuphila, Pam, Bougiwe, Zandile, Brian und Emmanuel werden in Sachsen auch die Fußballspiele auf Videoleinwand verfolgen. Bis auf das Eröffnungsspiel. Das wird für sie aufgezeichnet, denn da sind sie in Wittenberg. Schließlich sind sie »very lutheran« – sehr lutherisch, wie Nokuphila betont. Nach ihrem Besuch in Bad Schandau verabschieden sie sich mit einem Lied – zumindest im Singen sind sie unschlagbar.</p>
<p><em>Von Christine Reuther</em></p>
<p><a href="http://www.ekd.de/kirche-und-sport">www.ekd.de/kirche-und-sport</a><br />
<a href="http://www.ekd.de/wm2010">www.ekd.de/wm2010</a></p>
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		<title>Leib und Leben</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/06/03/leib-und-leben/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 13:22:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Körperspende]]></category>
		<category><![CDATA[Organspende]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfang Juni wird der Tag der Organspende begangen. Doch daneben gibt es auch die Möglichkeit der Körperspende. Aber ist das auch mit dem christlichen Glauben vereinbar?

Wer Leben erhalten will, braucht Tote. »Für die Ausbildung der Medizinstudenten und Weiterbildung von Ärzten ist das Studium an menschlichen Körpern unerlässlich«, sagt Professor Richard Funk vom Institut für Anatomie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_so_23.jpg" alt="Sonntag 23" title="Sonntag 23" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2118" /><strong>Anfang Juni wird der Tag der Organspende begangen. Doch daneben gibt es auch die Möglichkeit der Körperspende. Aber ist das auch mit dem christlichen Glauben vereinbar?<br />
</strong></p>
<p>Wer Leben erhalten will, braucht Tote. »Für die Ausbildung der Medizinstudenten und Weiterbildung von Ärzten ist das Studium an menschlichen Körpern unerlässlich«, sagt Professor Richard Funk vom Institut für Anatomie der Dresdner Universitätsklinik. </p>
<p>An der Leipziger Universität gab es erste anatomische Demon­strationen schon im 16. Jahrhundert. Verwendet wurden dafür früher die Körper von Zuchthäuslern oder Selbstmördern. Heute sind es Körperspender – Menschen, die zu Lebzeiten erklären, nach ihrem Tod ihren Körper der Medizin zu überlassen. In Dresden im Schnitt 25 pro Jahr. </p>
<p>»Der hehre Wunsch, der Wissenschaft zu dienen, ist da allerdings nur selten das entscheidende Motiv«, gibt Monika Nicklisch, Präparatorin an der Dresdner Uniklinik, zu. »In erster Linie wollen diese Menschen nach ihrem Tod ihren Angehörigen nicht zur Last fallen, ihnen die Geldausgaben für die Bestattung ersparen.« Denn diese Ko­sten – im Schnitt 1500 Euro pro Person – übernimmt bei Körperspendern die Uniklinik. In Leipzig allerdings müssen Körperspender etwa 1000 Euro bezahlen, wie Professor Ingo Bechmann vom Institut für Anatomie sagt. </p>
<p>Abgesprochen werden sollte das aber vor allem mit den Angehörigen, sagt Monika Nicklisch. »Denn die haben damit in der Regel das größte Problem.« Bis zur Bestattung müssten sie zwischen zwei und vier Jahre warten. In dieser Zeit gehört der Leichnam der Medizin. Am Ende wird er verbrannt und in einer Urne anonym auf einem Friedhof bestattet. </p>
<p>»Wir achten darauf, dass alle würdig mit diesen Körpern umgehen«, sagt Monika Nicklisch. Dazu gehört auch eine Gedenkfeier für die Angehörigen von Körperspendern, alljährlich zwischen Ewigkeitssonntag und 1. Advent. Die gestalten die Dresdner Medizinstudenten gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Krankenhausseelsorgern als Ritual für Konfessionslose wie für Christen. Dort werden zum ersten und einzigen Mal die Namen der Körperspender verlesen. »Erst die Verstorbenen haben uns Studierende in die Lage versetzt, von der bloßen Theorie zum Fassbaren – und vom Ganzheitlichen zum Detail und auch wieder zurück zum Ganzen zu kommen« hat der Dresdner Medizinstudent Georg Ebeling einmal bei einer Gedenkfeier gesagt. </p>
<p>In juristischer Hinsicht ist die Körperspende unumstritten. Sie gründet auf dem vom Grundgesetz geschützten Recht auf Selbstbestimmung. Deshalb kann auch niemand juristisch gegen Gunther von Hagens’ Ausstellung »Körperwelten« oder sein jetzt in Guben eröffnetes »Plastinarium« vorgehen, solange die dort präparierten und ausgestellten Leichen von freiwilligen Körperspendern stammen. Moralische Bedenken allerdings hat Monika Nicklisch, die Christin ist, dagegen sehr wohl: »So darf man menschliche Leichen nicht ausstellen.«</p>
<p>Und wie steht es mit dem christlichen Glauben, ist die Körperspende damit vereinbar? »Aus theologischer Sicht gibt es keine Einwände dagegen«, sagt Werner Rudloff, Krankenhausseelsorger am Dresdner Uniklinikum. Ob Erd- oder Feuerbestattung – »davon hängt das Seelenheil nicht ab«.</p>
<p>Renate Knüppel, Referentin für Lebens- und Umweltschutz im Kirchenamt der EKD, bestätigt dies: »Leibliche Auferstehung bedeutet neue, durch den Geist Gottes verwandelte und verklärte Leiblichkeit. Diese zukünftige Wirklichkeit ist nicht als Fortsetzung des irdischen Leibes vorzustellen, sondern bedeutet eine unaussprechliche Wirklichkeit, die irdische Leiblichkeit in eine neue Dimension überführt.«</p>
<p>Grundsätzlich sei der Körper ein Geschenk Gottes, »über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen kann, das er aber aus Liebe zum Nächsten und aus Solidarität mit Kranken einsetzen darf«.</p>
<p><em>Von Tomas Gärtner</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine unmögliche Rechnung</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/05/27/eine-unmogliche-rechnung/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 17:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Dreieinigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Heiliger Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Sohn]]></category>
		<category><![CDATA[Trinitatis]]></category>
		<category><![CDATA[Vater]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt nur einen Gott – aber was ist mit Vater, Sohn und Heiligem Geist? Die Trinität ist schwer zu verstehen.

Es ist nicht gerade leicht, über Gottes Dreieinigkeit zu schreiben. Wollte man sie befragen, würden auch schon die Probleme beginnen: Ist ein Gespräch mit dem Vater nötig, eines mit dem Sohn und eines mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es gibt nur einen Gott – aber was ist mit Vater, Sohn und Heiligem Geist? Die Trinität ist schwer zu verstehen.</strong></p>
<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/05/sonntag_21_titel.jpg" alt="Titel Sonntag 21" title="Titel Sonntag 21" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2099" /><br />
Es ist nicht gerade leicht, über Gottes Dreieinigkeit zu schreiben. Wollte man sie befragen, würden auch schon die Probleme beginnen: Ist ein Gespräch mit dem Vater nötig, eines mit dem Sohn und eines mit dem Heiligen Geist – oder genügt ein Gespräch mit dem einzigen Gott, der sie alle in seiner Heiligen Dreifaltigkeit vereint? Schwer vorzustellen. Eine unmögliche Recherche. </p>
<p>Die meisten Christen sind ähnlich ratlos. Nur noch ein Viertel von ihnen kann nachvollziehen, dass Jesus Chri­stus auch Gott sein soll – das ergab eine religionssoziologische Umfrage in Deutschland. Neu ist das nicht. Schon seit der Aufklärung halten viele Christen die Trinität für eine unvernünftige Spekulation, und damit für ganz und gar überflüssig.</p>
<p>In der Bibel jedenfalls sucht man den Begriff der Dreifaltigkeit vergebens. Und der Zimmermann Jesus von Nazareth hat sich – nach allem was wir wissen – nie selbst als Gott bezeichnet. »Was nennst Du mich gut?«, widerspricht er einem Mann: »Niemand ist gut als Gott allein« (Mk 10,18). </p>
<p>Erst nach seinem Tod sahen Jesu Jünger in ihm den auferstandenen Herrn und Sohn Gottes. Sie tauften »im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes« (Mt 28,19). Doch wie passt das zum Glauben an nur einen Gott? Die ersten Christen sahen darin offenbar kein Problem.<br />
Aber bald schon plagten sich die Theologen mit dem logischen Widerspruch herum. Auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 beschloss man in hoch philosophischer Sprache: Gott sei »ein Wesen in drei Einheiten«. </p>
<p>Die Gelehrten spekulierten fleißig weiter. Bei der Frage, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder doch auch vom Sohn gehaucht werde, kam es ab dem 9. Jahrhundert zum Zerwürfnis zwischen der römischen West- und der orthodoxen Ostkirche. Die Spaltung währt bis heute. Und bis heute trennt die Trinität auch das Christentum vom Islam. »So glaubt an Gott und seinen Gesandten. Und sagt nichts von einer Dreieinigkeit«, heißt es in der vierten Sure des Koran. Ganz offenkundig hatte auch Mohammed im siebenten Jahrhundert Schwierigkeiten beim Verstehen des Trinitäts-Dogmas.  </p>
<p>Dabei hatten wohl schon die Theologen auf dem Konzil von Konstantinopel geahnt, dass Gottes Wirklichkeit ihre Begriffe sprengt. Ein Geheimnis lässt sich nicht in eine Formel packen. Es lässt sich bestenfalls erzählen. Das tut die Bibel. Und erst jüngst auch ein Buch mit dem Titel »Die Hütte« des amerikanischen Autors William Paul Young, das es dies- und jenseits des Atlantik derzeit zum Bestseller bringt. </p>
<p>Erzählt wird die Geschichte eines Mannes namens Mackenzie, der am gewaltsamen Tod seiner kleinen Tochter schier verzweifelt an Gott. Doch der Höchste lädt ihn ein in eine Berghütte. Dort umarmt und bekocht ihn eine große, dicke, dunkelhäutige Mama, die sich »Papa« nennen lässt. Der Heilige Geist ist auch da: eine kleine asiatische Gärtnerin, die in den Gärten der menschlichen Seelen pflanzt und umgräbt. Jesus ist Tischler und ein guter Freund. Alle drei sind ganz anders als vorgestellt – und sie sind der eine Gott. Das geht nicht in Mackenzies Kopf. </p>
<p>»Hier liege ich neben Gott, dem Allmächtigen«, sagt die Romanfigur Mackenzie, als dieser abends mit Jesus auf einem Bootssteg die Sterne betrachtet. »Und Du klingst so &#8230;« &#8211; »Menschlich?«, schlägt Jesus vor. Der schwer depressive Mackenzie muss lachen, das erste Mal seit dem Tod seiner Tochter. Weil er die oft so abstrakt klingende Liebe Gottes plötzlich spüren kann. Sie ist nicht fern: im Heiligen Geist weht sie bis heute, und in Jesus von Nazareth hat sie ein Gesicht bekommen. »Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen«, sagte Jesus. »Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen« (Joh 14,6). </p>
<p>Gott genügt sich nicht selbst – gerade wegen all dem Unrecht und all dem Leid auf der Welt. Wegen jedem einzelnen Menschen. Gott ist nahe. Dreifach.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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