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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Titelseite</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Gewissen oder Gewinn?</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 10:12:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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Der Einfluss der Wirtschaft wächst. Manager können viel Schaden anrichten&#xA0;– oder viel Gutes. In Leipzig lernen sie auch von der Bergpredigt.
Die Spannung, in der Dominik Kanbach und Stefanie Priemer stehen, liegt genau in der Entfernung zwischen Kaffeebecher und Tablet-Computer vor ihnen auf dem Mensatisch. Der Kaffee ist fair gehandelt, seine Produzenten haben einen ordentlichen Lohn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/02/so6-1_beitrag.jpg" alt="so6-1_beitrag" title="so6-1_beitrag" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5428" /></p>
<p>Der Einfluss der Wirtschaft wächst. Manager können viel Schaden anrichten&#xA0;– oder viel Gutes. In Leipzig lernen sie auch von der Bergpredigt.</p>
<p>Die Spannung, in der Dominik Kanbach und Stefanie Priemer stehen, liegt genau in der Entfernung zwischen Kaffeebecher und Tablet-Computer vor ihnen auf dem Mensatisch. Der Kaffee ist fair gehandelt, seine Produzenten haben einen ordentlichen Lohn bekommen&#xA0;– der flache Apple-Rechner daneben ist schick, <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/miese-arbeitsbedingungen-die-schmutzige-seite-von-apples-erfolg_aid_706798.html">doch bei seinem Hersteller in China drohen Mitarbeiter damit, sich wegen gefährlicher Arbeitsbedingungen vom Fabrikdach zu stürzen</a>. </p>
<p>Dominik Kanbach (24) und Stefanie Priemer (25) sind Manager von morgen. Sie studieren an der privaten <a href="http://www.hhl.de/">Handelshochschule Leipzig</a>. Die Studenten hier sind fasziniert von Wirtschaft, einige auch vom Geld. Sie haben am Beginn ihres Studiums oft klare Vorstellungen über Marketing&#xA0;– nicht aber über das Verhältnis von Markt und Moral. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise. </p>
<p>»Man geht nicht in ein Wirtschaftsstudium und sagt: Jetzt handele ich mal unethisch«, erklärt Stefanie Priemer diesen blinden Fleck. »Doch ich will mich auch nicht nur vom Wirtschaftsdenken vereinnahmen lassen und den Blick für das Wesentliche verlieren.« </p>
<p>Was aber ist das Wesentliche? »Hinter jeder wirtschaftlichen Kennzahl stehen Menschen«, sagt Stefanie Priemer. »Das Wesentliche ist, ein ehrbarer Kaufmann und verantwortungsbewusst zu sein«, sagt Dominik Kanbach. </p>
<p>In ihrem Studium an der Handelshochschule diskutieren sie den Ernstfall: Was tun als Manager einer Schokoladenfabrik, für die sklavenähnlich gehaltene Kinder die Kakaobohnen pflücken? »Ich unterstütze definitiv, dass Kinderarbeit wegfällt«, überlegt Stefanie Priemer. »Doch es strikt abzulehnen, ist schwierig. Man müsste dann das Einkommen der Familien anders absichern.« Und da sind dann noch die Kunden, die meist keine höheren Preise zahlen möchten. Und die billigere Konkurrenz, die Arbeitsplätze, der Gewinn. So ist das meist&#xA0;– ob es nun um den Klimaschutz geht oder um Entlassungen. Der Druck ist hoch&#xA0;– und der Manager mittendrin.</p>
<p>Für diese Konflikte will Professor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Suchanek">Andreas Suchanek</a>, der an der Handelshochschule Ethik unterrichtet, den Studierenden den Sinn schärfen. »Ich will keine Rezepte und eindeutigen Haltungen vermitteln&#xA0;– das ist ihre eigene Freiheit und Verantwortung«, sagt Suchanek, der zu den führenden Wirtschaftsethikern Deutschlands zählt. »Doch zu einer guten Führungskraft gehört es, Entscheidungen auch in ethischer Dimension kompetent treffen zu können.« Hier sieht Suchanek noch viele Defizite unter den Bossen. </p>
<p>Einen Kern seiner Ethik hat der Wirtschaftsprofessor ausgerechnet bei den Religionen gefunden: in der »Goldenen Regel«. Jesus sagt in der Bergpredigt über den Willen Gottes: »Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!« Suchanek hat das ökonomisch neu formuliert: »Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.« Fairness und Nachhaltigkeit seien moralisch besser, ist er überzeugt&#xA0;– und auf Dauer auch besser fürs Geschäft. Doch er weiß auch: »Wir sind Sünder und werden damit leben müssen.« </p>
<p>Stefanie Priemer und Dominik Kanbach versuchen schon im Studium, diese Spannung zu lösen. In einer sozialen Initiative von Leipziger Management-Studenten berieten sie drei Einwanderinnen aus Zentralasien bei der Gründung einer eigenen Firma. Jetzt biegen beide in den Endspurt ihres zweijährigen Studiums ein. Im Sommer werden sie vielleicht schon als Unternehmensberater oder im Management einer großen Firma arbeiten. »Ich denke von keiner Branche: Da würde ich nicht ethisch handeln können«, sagt Dominik Kanbach. »Man kann in jeder Branche ethisch handeln.« </p>
<p>Sein Professor Andreas Suchanek dagegen hörte von einem Absolventen, der sich bei einer Investment-Bank bewarb. Seine gute Note in Ethik aber, die sei ihm zum Nachteil geworden.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Verschlossene Herzen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 07:31:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/so4beitrag.jpg" alt="so4beitrag" title="so4beitrag" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5322" /></p>
<p>Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.</p>
<p>Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau. </p>
<p>Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homo­sexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.« </p>
<p>So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang. </p>
<p>»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.« </p>
<p>Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz. </p>
<p>Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte&#xA0;– wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch. </p>
<p>Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört&#xA0;– um keinen Preis wollte er dazugehören. </p>
<p>Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein. </p>
<p>Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet&#xA0;– und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.</p>
<p>Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner&#xA0;– ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen. </p>
<p>»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.« </p>
<p>Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen&#xA0;– aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.« </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Fröhlichen Herzens</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 13:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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Für Luther gehörte Musik ebenso zum Gottesdienst wie das Wort. Deshalb begeht die evangelische Kirche 2012 das Themenjahr »Reformation und Musik«. 
Sie beginnt mit A wie Augsburg und endet mit Z wie Zittau: die Musikreihe »366 plus 1«, die sich dieses Jahr wie ein Band durch Deutschland zieht. An jedem Tag erklingt in einer deutschen Kirche ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5276" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/so-3-beitrag.jpg" alt="Der Leipziger Thomanerchor – hier eine Szene aus dem aktuellen Kinofilm »Die Thomaner« – feiert 800. Geburtstag und ganz Deutschland feiert mit beim Themenjahr »Reformation und Musik«. Foto: © NFP" title="so-3-beitrag" width="580" height="357" class="size-full wp-image-5276" /><p class="wp-caption-text">Der Leipziger Thomanerchor – hier eine Szene aus dem aktuellen Kinofilm »Die Thomaner« – feiert 800. Geburtstag und ganz Deutschland feiert mit beim Themenjahr »Reformation und Musik«. Foto: © NFP</p></div><br />
&#xA0;<br />
Für Luther gehörte Musik ebenso zum Gottesdienst wie das Wort. Deshalb begeht die evangelische Kirche 2012 das Themenjahr »Reformation und Musik«. </p>
<p>Sie beginnt mit A wie Augsburg und endet mit Z wie Zittau: die Musikreihe »366 plus 1«, die sich dieses Jahr wie ein Band durch Deutschland zieht. An jedem Tag erklingt in einer deutschen Kirche ein Konzert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Aktion ins Leben gerufen. Anlass ist das Themenjahr »Reformation und Musik«. </p>
<p>Und Sachsen hat nicht unwesentlich Anteil daran, dass die Musik gerade 2012 im Mittelpunkt der Reformationsdekade bis 2017 steht: In Leipzig feiern Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule ihr 800-jähriges Bestehen. Weil Bildung untrennbar mit dem Wirken von Martin Luther verbunden ist und Johann Sebastian Bach diese drei Einrichtungen maßgeblich geprägt hat. In Sachsen endet auch die Musikreihe: mit einem Silvesterkonzert in der Zittauer Weberkirche. </p>
<p>Doch bis Dezember wartet Christian Kühne nicht. Der Löbauer Kantor ist Leiter einer Arbeitsgruppe Kirchenmusik in der Oberlausitz. Diese hat ein Konzept zum Themenjahr entwickelt. Und alle Konfessionen machen mit. »Schließlich gibt es in der Oberlausitz eine ganze Reihe reformatorischer Traditionen«, sagt er. Da sind die evangelisch-lutherischen Gemeinden, die hussitischen Wurzeln der Herrnhuter Brüdergemeine, die calvinistischen Gemeinden auf dem Gebiet der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und nicht zuletzt die katholischen Sorben. </p>
<p>So gibt es im April unter der Überschrift »Römisch-katholische und reformatorische Frömmigkeit im Dialog« mehrere Aufführungen von Dvoraks »Stabat mater«. Es gibt ein Chortreffen des Sechsstädtebundes und die Aufführung von Haydns »Schöpfung« auf der 6. Sächsischen Landesgartenschau in Löbau. </p>
<p>Auch für Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger ist dieses Musikprogramm in der Oberlausitz ein Schwerpunkt im Themenjahr. Und so wie er sich für sein Kirchspiel Dresden-Neustadt das Jahresthema »Viele Stimmen – ein Gesang« gesetzt hat, hofft er, dass sich viele Gemeinden mit der Bedeutung der Musik für die Reformation befassen. </p>
<p>Immerhin ist trotz sinkender Gemeindegliederzahlen die Anzahl der Kirchenchöre und die der Sängerinnen und Sänger angestiegen. 2010 waren es rund 26 000 Sänger in 771 Chören. Das sind 3,34 Prozent der Gemeindeglieder – gegenüber 2,77 Prozent in nur 754 Chören im Jahr 2004. »Ich denke, dass diese Breite deutschlandweit einmalig ist«, sagt Kantor Jens Staude, Vorsitzender des sächsischen Kirchenchorwerks. Vor allem durch die Kurrenden werde immer wieder für Nachwuchs gesorgt. </p>
<p>Bei den Posaunen ist es ähnlich. Entstanden aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts, sind die 454 sächsischen Bläserchöre mit ihren 6150 Mitgliedern heute eine typisch evangelische Art der Verkündigung. Für Hartmut Rau, den Vorsitzenden der Posaunenmission, ist Bläserarbeit »ein missionarischer Faktor ohnegleichen«. Das stellen die Bläserinnen und Bläser unter Beweis, wenn sich etwa 2000 von ihnen Anfang Juli in Zwickau zum Landesposaunenfest treffen. </p>
<p>Und was hat das alles mit der Reformation zu tun? Weil Musik »ein ruhiges und fröhliches Herz schenkt«, zitiert der Kirchenhistoriker Markus Hein von der Theologischen Fakultät Leipzig aus einem Brief Martin Luthers an den bayerischen Hofkapellmeister Ludwig Senf (1530). Für den Reformator gab es keine Kunst nach der Theologie, die der Musik gleichkommt. Und so hat er nicht nur das Wort in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt, sondern auch den Gemeindegesang, der damals seit 900 Jahren aus den Kirchen verschwunden war. </p>
<p>»Musik muss laut Luther mit dem übereinstimmen, was im Gottesdienst gesagt wird«, so Hein. »Das beste Beispiel ist Johann Sebastian Bach, dessen Musik gefüllt ist mit Evangelium.«   </p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
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		<title>Weihnachten geht weiter</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 09:09:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Epiphanias-Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Stollberg]]></category>
		<category><![CDATA[Tobias Hanitzsch]]></category>

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Das Epiphanias-Fest ist älter als Weihnachten&#xA0;– aber in der Kirche wurde es an den Rand gedrängt. Dabei schlägt es die Brücke von der Krippe in unser Leben.
Dieses Jesuskind scheint zu fliehen. Geradewegs vom Schoß seiner Mutter&#xA0;– hinein in die Welt. Deren Schmerz trägt es schon im Gesicht, die Arme bilden schon ein Kreuz. So kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5253" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/Im-Zelt-1.jpg" alt="Dieses Jesuskind will hinaus in die Welt. »Im Zelt« hat der Grafiker Klaus Hirsch seine Lithographie genannt – und es scheint, als springe das Kind zu den Unbehausten. Repro: Klaus Hirsch" title="Im-Zelt-1" width="580" height="501" class="size-full wp-image-5253" /><p class="wp-caption-text">Dieses Jesuskind will hinaus in die Welt. »Im Zelt« hat der Grafiker Klaus Hirsch seine Lithographie genannt – und es scheint, als springe das Kind zu den Unbehausten. Repro: Klaus Hirsch</p></div><br />
&#xA0;<br />
Das Epiphanias-Fest ist älter als Weihnachten&#xA0;– aber in der Kirche wurde es an den Rand gedrängt. Dabei schlägt es die Brücke von der Krippe in unser Leben.</p>
<p>Dieses Jesuskind scheint zu fliehen. Geradewegs vom Schoß seiner Mutter&#xA0;– hinein in die Welt. Deren Schmerz trägt es schon im Gesicht, die Arme bilden schon ein Kreuz. So kann man in einem Bild des <a href="http://www.erikseidel.de/html/grafikka/pages/klaus.html">Grafikers Klaus Hirsch (70)</a> Epiphanias entdecken. Der Künstler aus dem erzgebirgischen Lugau entdeckt das Fest selbst erst wieder neu. Worte, sagt er, können es kaum fassen. </p>
<p>»Die Welle, die von Jesu Geburt zu Weihnachten ausgelöst wurde, breitet sich aus wie das Licht&#xA0;– und geht in unser Leben ein«, so deutet Klaus Hirsch Epiphanias, dessen griechischer Name übersetzt »Erscheinung« bedeutet: Die Erscheinung Gottes in Jesus von Nazareth. Eine Ausstellung in der Kirche von Kirchberg bei Stollberg will das Fest mit dem spröden Namen vom Sockel der amtlichen Theologie holen. </p>
<p>Kunstwerke wie Klaus Hirschs Bild wollen ihm dort ein Gesicht geben. »Epiphanias war für mich selbst lange Zeit eine abstrakte Sache«, erinnert sich der Künstler. »Ein Nachklang von Weihnachten&#xA0;– ohne mich ernsthaft damit befasst zu haben.« Eine Ausstellung darüber ist für ihn nichts anderes als ein Wagnis.</p>
<p>Dem Erlbach-Kirchberger Pfarrer Tobias Hanitzsch (32) ist das durchaus bewusst. »Epiphanias ist nicht das wunderbar anschauliche Fest mit Hirten, Maria und einer Krippe. Es ist ein verkopftes Fest«, sagt der Theologe. »Und doch ist es wie ein Edelstein, der in vielen Facetten schillert.«</p>
<p>Epiphanias ist der ältere Bruder von Weihnachten. Haben Ostern und Pfingsten jüdische Wurzeln, so war das Fest der Erscheinung des Herrn am 6.&#xA0;Januar wohl die erste christliche Neuschöpfung. Geschehen ist sie irgendwann  nach dem Jahr 300  wahrscheinlich in Ägypten. </p>
<p>Im Orient feierten die Christen am Epiphanistag die Geburt Jesu und seine Taufe. Schließlich verzichtet auch der älteste Evangelist Markus auf eine Weihnachtsgeschichte und lässt Jesu Leben mit seiner Taufe im Jordan beginnen: »Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.« Bildhafter lässt sich nicht sagen, was die Theologen später Trinität nennen: Die Offenbarung der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. </p>
<p>Als sich im Laufe des vierten Jahrhunderts von Rom aus das Weihnachtsfest am 25.&#xA0;Dezember verbreitete, blieb dem Epiphaniastag die Erinnerung an die Taufe Jesu. In den orthodoxen Kirchen ist es bis heute ein hoch angesehenes Tauffest. In den Kirchen Roms und der meisten europäischen Regionen indes stehen von Anfang  an die Weisen aus dem Morgenland, der Stern von Bethlehem und sein Licht für die Heiden im Mittelpunkt. Epiphanias wurde zu einem Anhängsel von Weihnachten mit volkstümlichem Drei-Königs-Brauchtum. Luther stritt dafür, Jesu Taufe wieder in den Mittelpunkt zu rücken&#xA0;– vergebens.</p>
<p>Im erzgebirgischen Kirchberg soll Epiphanias wieder leuchten. Grafiken, Fotografien, Gemälde, Geschnitztes und Geklöppeltes gar von Künstlern und Laien werden das Fest zu ergründen suchen. »Weihnachten geht mit Epiphanias weiter, es ist nicht zu Ende«, sagt der Kirchberger Pfarrer Tobias Hanitzsch. »Plötzlich entfaltet sich Weihnachten aus der niedlichen Krippe und kommt mit Licht in unser Leben hinein.« </p>
<p>Auf dem Bild des Grafikers Klaus Hirsch drängt das Jesuskind geradezu dem Betrachter in die Arme. Es überwindet alle Distanz&#xA0;– und manchen sperrigen Festnamen.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		</item>
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		<title>Wenn Schwäche zur Stärke wird</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/12/29/wenn-schwache-zur-starke-wird/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 10:31:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Jahreslosung 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Landesbischof Jochen Bohl]]></category>

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		<description><![CDATA[
Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
2. Korinther 12, Vers 9


Gedanken zur Losung für das Jahr 2012 von Landesbischof Jochen&#xA0;Bohl.

Der Umgang mit den eigenen Schwächen ist nicht einfach; und in einer Hochleistungsgesellschaft wie der unseren schon gar nicht. Vor einigen Wochen hat ein Fußballschiedsrichter versucht, sich das Leben zu nehmen. Zuvor hatte man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/so1.jpg" alt="so1" title="so1" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-5199" /></p>
<blockquote><p><strong>Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.</strong><br />
<em>2. Korinther 12, Vers 9</em>
</p></blockquote>
<p><em><br />
<h5>Gedanken zur Losung für das Jahr 2012 von Landesbischof Jochen&#xA0;Bohl.</h5>
<p></em></p>
<p>Der Umgang mit den eigenen Schwächen ist nicht einfach; und in einer Hochleistungsgesellschaft wie der unseren schon gar nicht. Vor einigen Wochen hat ein Fußballschiedsrichter versucht, sich das Leben zu nehmen. Zuvor hatte man ihn mehrere Male zum »schlechtesten Schiri« der Bundesliga gewählt. </p>
<p>Ich weiß nicht, ob es zwischen der Verzweiflungstat und dieser Diskriminierung einen Zusammenhang gibt, aber der Gedanke liegt jedenfalls nicht fern. </p>
<p>Deine Leistungen sind ungenügend, es wird nicht besser mit dir, du kannst es nicht – wer kann schon mit solchen vernichtenden Urteilen umgehen? Wem fällt es leicht, mit seinen Schwächen zu leben? Und in aller Öffentlichkeit? <div id="attachment_5200" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/bohl.jpg" alt="Jochen Bohl ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. &lt;br&gt;(Foto: S. Giersch)" title="bohl" width="150" height="223" class="size-full wp-image-5200" /><p class="wp-caption-text">Jochen Bohl ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. <br />(Foto: S. Giersch)</p></div>Der Apostel Paulus litt vermutlich an einer Epilepsie, er spricht von einem »Pfahl im Fleisch«. Er musste ständig damit rechnen, von einem Augenblick zum anderen einen Anfall zu bekommen, umzustürzen, zu krampfen, eine Zeit lang bewusstlos zu sein. Die Krankheit war eine schwere Beeinträchtigung, zumal er sich nicht schonte; die Strapazen seiner Reisen hätten auch einem Gesunden zugesetzt. </p>
<p>Sein Körper war aber schwach, und der Verkündigungsdienst des Apostels litt sicherlich darunter. Diese Schwäche blieb niemandem verborgen, seine Gegner haben sie ihm vorgehalten. Paulus hat seinen Herrn nicht nur einmal darum gebeten, die Krankheit von ihm zu nehmen.  </p>
<p>Aber seine Gebete werden nicht erhört, er muss mit seiner Schwäche leben. Die Absage wird geistlich begründet: »Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.« Die Antwort des Herrn soll ihm zeigen, dass seine Krankheit nicht nur eine Beeinträchtigung ist; das ist sie sicherlich auch. In geistlicher Sicht aber ist sie eine Stärke, weil sie erkennen lässt, wie sich die Kraft Christi in der Schwachheit des Menschen vollendet. </p>
<p>Die Gnade Gottes wird den Leidenden geschenkt und zeigt sich gerade in ihnen. So werden religiöser Hochmut und falsche Selbstüberschätzung ausgeschlossen. Die Schwäche des Apostels, nicht etwa eine besondere Stärke, wird zu einem Medium der Kraft Jesu Christi.  </p>
<p>Das ist nicht leicht zu verstehen, man kann es als paradox empfinden, dass die göttliche Kraft sichtbar wird in menschlicher Schwäche. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es dem Apostel nicht leicht gefallen ist, die tiefe Wahrheit in dem Wort Jesu zu akzeptieren.  </p>
<p>Sie erschließt sich aber in der Bewältigung der Aufgabe, mit der eigenen Schwäche zu leben. Kein Mensch ist nur stark; wenn manche sich auch einbilden, diese Wahrheit gelte für sie nicht. Bei einigen ist die Schwachheit offenkundig, sogar für alle sichtbar – während andere eine erstaunliche Begabung entwickeln, die eigene Schwäche vor sich selbst zu leugnen oder doch wenigstens vor anderen zu verbergen. Das aber gelingt immer nur für eine gewisse Zeit, längstens bis es zu einem Bruch in der Lebensgeschichte kommt.  </p>
<p>Gar nicht selten kann man beobachten, wie Menschen, die sich stark wähnen, geradezu verzweifelt darum kämpfen, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Darüber leugnen sie das menschliche Maß und meinen, sie kämen auch ohne Gott zurecht. Aber so fällt es schwer, sich seiner Gnade anzuvertrauen. Wer dagegen gelernt hat, die eigene Schwäche zu akzeptieren, weiß um seine Grenzen und hat verstanden, dass wir auf andere angewiesen sind. </p>
<p>Wer mit dieser Erkenntnis geistlich umgeht, wird offen sein für die Gnade Gottes. Menschen, die sich ihrer Schwäche bewusst sind, können glaubwürdige Zeugen der Liebe Gottes sein; oft sind sie auch gute Seelsorger. Wer selbst gelernt hat, sich anzunehmen und dankbar auf die Kraft Christi vertraut, wird verstehen können, wie es in einem Mitmenschen aussieht, was auch immer seine Stärken und Schwächen sind.  </p>
<p>So ist die Jahreslosung eine kraftvolle Ermutigung, die eigene Person anzunehmen. Unsere Schwachheit brauchen wir nicht als etwas anzusehen, das besser nicht zu uns gehören sollte. Dem Gläubigen genügt die Gnade – sie heiligt auch die Schwäche, mehr ist nicht nötig. </p>
<p>Es liegt eine geistliche Stärke in dem Wissen, dass Jesus Christus auch und gerade unsere Schwächen in seinen Dienst nimmt, um daraus Gutes entstehen zu lassen. Auf seine Kraft ist Verlass. </p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Was gibt’s denn da zu feiern?</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/12/23/was-gibt%e2%80%99s-denn-da-zu-feiern/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 13:20:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendhaus "kreuz und quer"]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Seimer]]></category>
		<category><![CDATA[Michaela Richter]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[#xA0;
Bei Jesu Geburt war seine Familie ohne ein wärmendes Zuhause – so wie manche Menschen auch heute. Das Schwarzenberger Jugendhaus »kreuz und quer« lädt sie am Heiligen Abend ein.Schließlich hat Jesus Geburtstag.
&#xA0;
Von Michaela Richter
&#xA0;
m Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen machen wir die Türen unseres Hauses auf. Dann kommen junge Menschen, die allein gewesen wären [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5173" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/S1_so52.jpg" alt="Es war nicht nur Idylle damals in Bethlehem – das zeigen die Gesichter des erzgebirgischen Krippenschnitzers Eckhard Schreiter." title="Titel Sonntag" width="580" height="272" class="size-full wp-image-5173" /><p class="wp-caption-text">Es war nicht nur Idylle damals in Bethlehem – das zeigen die Gesichter des erzgebirgischen Krippenschnitzers Eckhard Schreiter.</p></div>&#xA0;</p>
<h5><strong>Bei Jesu Geburt war seine Familie ohne ein wärmendes Zuhause – so wie manche Menschen auch heute. </strong>Das Schwarzenberger Jugendhaus »kreuz und quer« lädt sie am Heiligen Abend ein.Schließlich hat Jesus Geburtstag.</h5>
<p>&#xA0;<br />
<em>Von Michaela Richter</em><br />
&#xA0;<br />
<div id="attachment_5170" class="wp-caption alignleft" style="width: 176px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/richter.jpg" alt="Michaela Richter ist dreifache Mutter, gelernte Konditorin und gründete 2010 das christliche Jugendhaus »kreuz und quer« in Schwarzenberg. Foto: Steffen Giersch." title="Richter" width="166" height="166" class="size-full wp-image-5170" /><p class="wp-caption-text">Michaela Richter ist dreifache Mutter, gelernte Konditorin und gründete 2010 das christliche Jugendhaus »kreuz und quer« in Schwarzenberg. Foto: Steffen Giersch.</p></div>Am Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen machen wir die Türen unseres Hauses auf. Dann kommen junge Menschen, die allein gewesen wären und nicht wissen, wo sie bleiben sollen. Wir essen zusammen, reden, hören Musik – wir versuchen Familie zu sein für die, die keine haben.<br />
&#xA0;<br />
Ich habe das klassische Weihnachten erlebt mit Familie. Das war immer schön für mich als Kind. Aber irgendwann als Jugendliche konnte ich den Zwiespalt zwischen dem, wie Jesus gelebt hat, und dem, wie wir Weihnachten feiern, nicht mehr überwinden. Es gibt so viele Menschen, die einsam oder obdachlos sind, leiden, weinen – Jesus selbst war auf Erden ein Obdachloser. Und wir sitzen vor unserem Weihnachtsbaum mit viel Glitzer und gehen wohlgenährt in die Kirche.<br />
&#xA0;<br />
Da muss ich an Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter denken. Oder daran, wie er seinen Jüngern gesagt hat: »Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.« Gerade Weihnachten, wenn wir Jesu Geburtstag feiern, kann ich nicht die Augen davor verschließen. Ich muss ein gebender Mensch werden. Es ist schwer, so zu leben.<br />
&#xA0;<br />
Meine Sofa-Wohlfühlzone zu verlassen, ist nicht einfach – aber es ist das, was wir machen sollen. Und ich merke: Wenn wir schenken, werden wir zu Beschenkten. Wir erleben hier in unserem Haus so eine Freude, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich bin mir sicher, darüber freut sich auch Jesus.<br />
&#xA0;<br />
Jeder hat einen anderen Ort und einen anderen Auftrag. Wenn ich eine einsame Nachbarin habe, was hindert es mich zu sagen: Komm doch rüber zum Essen?<br />
&#xA0;</p>
<h3></h3>
<p>&#xA0;</p>
<h5><strong>Gott macht sich zu einem Menschen und kommt ganz nah zu uns – das ist Weihnachten.</strong> Doch wie kann ich dieses Geschenk weitergeben? Einfach ist das nicht – und manchmal verliert man dabei die Allernächsten aus dem Blick.</h5>
<p>&#xA0;<br />
<em>Von Michael Seimer</em><br />
&#xA0;<br />
<div id="attachment_5178" class="wp-caption alignleft" style="width: 176px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/seimer.jpg" alt="Der Gemeindepädagoge Michael Seimer aus Weinböhla ist zweifacher Vater und Vorsitzender des Bildungsausschusses der Landessynode. Foto: Steffen Giersch." title="Seimer" width="166" height="166" class="size-full wp-image-5178" /><p class="wp-caption-text">Der Gemeindepädagoge Michael Seimer aus Weinböhla ist zweifacher Vater und Vorsitzender des Bildungsausschusses der Landessynode. Foto: Steffen Giersch.</p></div>Für mich ist zunehmend der Zusammenhang von Advent und Weihnachten wichtig geworden. Gott kommt auf uns zu – und wir gehen ihm entgegen. Dafür braucht es Pausen in dieser hektischen Zeit.<br />
&#xA0;<br />
Mit meiner Frau und unseren beiden Kindern versuche ich, mir jeden Tag im Advent einen Moment Zeit zu nehmen, um zusammen einen Text, etwa aus der Bibel, zu lesen, die Kerzen des Adventskranzes anzuzünden, gemeinsam zu singen und zu beten.<br />
&#xA0;<br />
Das ist hilfreich, um Luft zu schöpfen und sich auf Weihnachten auszurichten – auch wenn es oft schwer ist: Es klingelt an der Tür, ein Streit wirkt noch nach oder die Gedanken des Tages lassen einem keine Ruhe.<br />
&#xA0;<br />
Weihnachten heißt für mich: Gottes Liebe ist so groß, dass er sich zu einem Menschen macht und zu uns auf die Erde kommt. Doch wie gelingt es mir, dies anzunehmen und weiterzugeben? Ich komme immer mehr dazu, das nicht flächendeckend leisten zu wollen. Lieber teile ich meine Zeit mit einigen wenigen Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, die allein oder krank sind, oder sende ihnen einen Gruß.<br />
&#xA0;<br />
Es bleibt eine Gratwanderung – gerade für kirchliche Mitarbeiter. Denn manchmal meint man, dass Menschen in Schwierigkeiten mehr der Liebe Gottes bedürftig sind als die eigene, scheinbar normale Familie. Es ist wichtig, dass ich meine nächsten Menschen nicht übersehe.<br />
&#xA0;<br />
Und die Geschenke? Sie zeigen den anderen, dass ich sie gern habe. Aber sie nehmen schnell mehr Raum ein, als ich will. Wir sind gut beraten, wenn wir versuchen, das Schenken in gewissen Grenzen zu halten – um der Weihnachtsbotschaft willen.<br />
&#xA0;<br />
<em>Aufgeschrieben von Andreas Roth</em><br />
&#xA0;</p>
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		<title>Kindlein, mein</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 08:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaftsvorbereitung]]></category>

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Etwa 40 Wochen dauert eine Schwangerschaft&#xA0;– das war bei Maria nicht anders als bei heutigen Frauen. Ein ungewisses Warten. Wie Maria verlassen sich auch heute Frauen auf Gott.
Erwartet wurde ein Kind schon längere Zeit. Vor allem unmittelbar nach der Hochzeit von Katharina und Uwe T. im vergangenen Jahr. »Das war schon auch etwas nervig«, erinnert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/kindlein-mein580.jpg" alt="kindlein-mein580" title="kindlein-mein580" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5115" /><br />
Etwa 40 Wochen dauert eine Schwangerschaft&#xA0;– das war bei Maria nicht anders als bei heutigen Frauen. Ein ungewisses Warten. Wie Maria verlassen sich auch heute Frauen auf Gott.</p>
<p>Erwartet wurde ein Kind schon längere Zeit. Vor allem unmittelbar nach der Hochzeit von Katharina und Uwe T. im vergangenen Jahr. »Das war schon auch etwas nervig«, erinnert sich Katharina an die Fragen aus ihrer Verwandtschaft nach einem Kind. »Aber dann hat es sich wieder gegeben.«</p>
<p>Bis zum Anfang dieses Jahres, da musste sich die junge Dresdner Ärztin selbst fragen: »Bin ich schwanger, oder nicht.« Wegen einer Blasenentzündung wollte sie zum Antibiotikum greifen, zögerte dann aber. Ein Schwangerschaftstest brachte keinen eindeutigen Befund. »Das kam doch etwas überraschend«, weiß Katharina noch. »Zuerst habe ich an das Praktische gedacht, wie Frauenarzt und Arbeit. Das haben wir dann gemeinsam besprochen«, erzählt die 30-Jährige, wie ihre Gedanken und Erwartungen erstmals konkret wurden. </p>
<p>Die Blutuntersuchung bei der Frauenärztin am nächsten Tag ließ keinen Zweifel mehr: »Herzlichen Glückwunsch!« Die wohlwollenden Worte der Ärztin für die noch frühe Schwangerschaft sind Katharina unvergessen. Ihre Gedankenwelt richtete sich nun auf ein Leben mit Kind ein.</p>
<p>Etwa 35 Wochen blieben ihr noch bis zur Geburt. Eine Zeit, die sie mit ihrem Mann zusammen planen musste: Zuerst auf Arbeit im Krankenhaus melden, damit für die werdende Mutter die Nachtdienste und Feiertagsarbeit entfallen. Dann war da noch eine Doktorarbeit, an der sie schreiben wollte. Familie und Freunde treffen, mit ihrem Mann die schwindende Zeit zu zweit genießen. </p>
<p>»Am Anfang war das eine sehr schöne Zeit. Keine Übelkeit, keine Einschränkungen«, blickt Katharina zurück. Sie zählte zunächst die Tage, an denen sie noch arbeiten musste. Ab der 27.&#xA0;Schwangerschaftswoche hatte sie Urlaub, dann Mutterschutz. »Viele Dinge für das Kind hatte ich auf die Zeit nach der Arbeit verschoben.« Sie war nach den Diensten im Krankenhaus einfach zu müde gewesen. »Nun aber bin ich eher faul, der normale Alltag reicht mir schon.«, Die Schwangere merkte, wie das wachsende Baby ihr viel Kraft kostet. »Die Doktorarbeit ist deshalb auch noch nicht fertig«, lacht sie.</p>
<p>Viele andere Dinge aber schon: Die Wohnung ist für das Baby eingerichtet, Kindersachen sind organisiert, ein paar Weihnachtsgeschenke gekauft, medizinische Untersuchungen gemacht. »Man muss nicht alles absichern«, meint die Ärztin zu bestimmten medizinischen Vorsorgen. »Man kann sich auch auf Gott verlassen. Gewisse Unwägbarkeiten sind einfach dabei. Und jetzt ist eben Warten angesagt.« Die junge Frau hält ihren Babybauch in die spätherbstliche Sonne.</p>
<p>»Als Mutter fühle ich mich noch nicht«, sagt die Hochschwangere. »Aber natürlich mache ich mir auch Gedanken über die Geburt«, weiß Katharina T., als die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft angebrochen sind. »Ich habe meine Mutter gefragt, wie das war. Ich höre Erfahrungen von Freundinnen mit Kindern. Aber ich weiß nicht, wie es bei mir sein wird.« Eine gewisse Anspannung schwingt mit.</p>
<p>Die letzten Tage vor dem vorhergesagten Entbindungstermin verstreichen, im Bauch zappelt und strampelt das Baby, aber von Wehen keine Spur. Katharina und Uwe gehen ein letztes Mal zu zweit Wandern, gemeinsam Essen. Fünf Tage nach dem Termin kommt Katharina nach einer Routineuntersuchung ins Krankenhaus. Die Ärzte wollen nicht länger warten. Sie leiten die Geburt ein.</p>
<p>Am vierten Advent sitzt eine neue kleine Familie in ihrer Dresdner Wohnung zusammen. Die junge Mutter hält die kleine Johanna im Arm, der junge Vater kümmert sich um die beiden. »Dieses Jahr werden wir Weihnachten anders feiern«, sagen die jungen Eltern und zeigen auf den Tannenbaum, der zum ersten Mal das Wohnzimmer schmückt. »Und wir bleiben über die Feiertage hier.«</p>
<p><em>Uwe Naumann</em></p>
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		<title>Angespanntes Warten</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 07:30:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Adventszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soldaten in Afghanistan]]></category>

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		<description><![CDATA[Junge Männer sind als Soldaten in Afghanistan. Ihre Familien zu Hause zählen die Tage bis zu ihrer Rückkehr – besonders jetzt im Advent.


Zu zwei Dritteln ist die große Tasse schon gefüllt. Jeden Tag legt Marianne&#xA0;L.* eine weitere Euromünze dazu. Sind es 202, ist es soweit: Advent, Weihnachten, Silvester sind dann vorüber. 
Mehr als auf diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Junge Männer sind als Soldaten in Afghanistan. Ihre Familien zu Hause zählen die Tage bis zu ihrer Rückkehr – besonders jetzt im Advent.<br />
</strong><br />
<img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/beitrag580.jpg" alt="beitrag580" title="beitrag580" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5100" /></p>
<p>Zu zwei Dritteln ist die große Tasse schon gefüllt. Jeden Tag legt Marianne&#xA0;L.* eine weitere Euromünze dazu. Sind es 202, ist es soweit: Advent, Weihnachten, Silvester sind dann vorüber. </p>
<p>Mehr als auf diese Feste warten Marianne&#xA0;L. und ihre Familie auf Mitte Januar des neuen Jahres. Dann kehrt ihr 27-jähriger Sohn Simon zurück aus Afghanistan. Seit Juli ist er in Kunduz beim ISAF-Kontingent der Bundeswehr&#xA0;– einer von mehr als 5300 deutschen Soldaten dort. </p>
<p>Mit ihm sprechen können sie über den Internet-Dienst Skype, erzählt Vater Heinz. »Aber er sagt nicht viel.« Über Alltägliches tauschen sie sich aus, sagt Schwager Olli. »Er will viel über die Kleine wissen.« Lilo, die Tochter von Simons Schwester Sara, wird am 3.&#xA0;Advent ein Jahr alt. Seit zwei Wochen läuft sie. »Als er fort ist, war sie ein Baby.« </p>
<p>Manchmal sieht Sara auf dem Bildschirm des Laptops, wie sich ihr Bruder nervös an der Braue zupft. »Er wirkt angespannt.« Wie sein Alltag im Lager aussieht, erfahren sie kaum.</p>
<p>Bevor er gegangen ist, habe er Vollmachten ausstellen, sein Testament und Verfügungen für seine Beerdigung schreiben müssen, erzählt die Mutter. Auf seiner Abschiedsparty hat Schwe­ster Sara von ihm so viele Fotos gemacht wie nie zuvor. Sie wollte festhalten, wie er gewesen ist. Jetzt fragt sie sich manchmal: «Wird er sich verändert haben, wenn er wiederkommt?« </p>
<p>Bei Nachrichten aus Afghanistan im Radio oder im Fernsehen horchen sie auf. »Manchmal aber will ich’s gar nicht so genau wissen«, gibt Mutter Marianne zu. Sie macht sich Gedanken. Nicht nur um den Sohn, sondern auch über das Leben der Menschen in diesem Krisengebiet. »Wenn er nicht dort hingegangen wäre, würde ich darüber sicher nicht nachdenken«, sagt sie.</p>
<p>Sechs Flaschen Wein haben sie sich in den Keller gestellt, für jeden Monat eine. Mitte Dezember öffnen sie die vorletzte. Dann sitzt auch Simons Freundin mit am Tisch. Sechs Monate kannten sie sich, als er nach Afghanistan verlegt wurde. Immer häufiger ist sie jetzt bei seiner Familie. </p>
<p>»Viele, die uns kennen, fragen, wie es meinem Bruder geht«, sagt Sara. Mutter Marianne hat auch anderes erlebt. Eine Frau etwa, die über diese Verschwendung von Steuermitteln geschimpft hat. Und dass die doch nur »da runter gehen, weil sie einen Haufen Kohle verdienen«. Ihr hat Marianne dann von ihrem Sohn erzählt. »Da hat sie gesagt: Aus der Sicht habe sie es noch nicht gehört. Die Bevölkerung weiß eben zu wenig, was die Jungs da machen.«</p>
<p>Engeren Kontakt zu einer Arbeitskollegin hat auch Daniela K. jetzt. Deren Sohn ist schon als Soldat in Afghanistan gewesen. Ihr Florian, 21 Jahre alt, kehrt im Januar zurück, nach einem halben Jahr. »Es beruhigt mich etwas, dass es mir nicht allein so geht«, sagt Daniela&#xA0;K. »Wenn die es geschafft haben, schaffen wir es auch.« Sie streicht die Tage, die schon vergangen sind, auf einem Kalender ab. Telefon oder E-Mail sind für den schnellen Kontakt. »Jetzt schreibe ich aber auch viele Briefe, was ich früher gar nicht gemacht habe«, erzählt sie. </p>
<p>Schwester Luisa, sie ist 16, hat Weihnachtslieder auf dem Klavier gespielt. Die haben sie aufgenommen und auf eine CD gebrannt. Ihr Bruder Florian soll sie noch vor Weihnachten geschickt bekommen – zusammen mit ein paar Fotos von ihrer Gegend. </p>
<p>»Natürlich wissen wir, dass es gefährlich ist«, sagt Thomas&#xA0;K., der Vater. »Aber das steht nicht im Vordergrund, wenn ich mit ihm telefoniere. Ich würde es ihm nur noch schwerer machen. Wir Männer sind immer sachlich miteinander umgegangen. Die Emotionen versuchen wir rauszulassen.« </p>
<p>Bald ist diese Zeit des Wartens zu Ende. Die vierjährige Dienstzeit, zu der sich Florian&#xA0;K. verpflichtet hat, aber nicht. »Wenn die Politik es fordert, müssen wir darauf gefasst sein, dass er wieder in einen Auslandseinsatz muss.«		</p>
<p>* alle Namen geändert</p>
<p><em>Tomas Gärtner</em></p>
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		<title>Ausruhen kommt später</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 14:54:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Warten auf die Rente]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Advent ist voller Erwartungen. Vielfältig sind auch die Vorstellungen über den Ruhestand. Drei Menschen erzählen.
&#xA0;
Jutta M.* hat es manchmal so satt! Sie ist Buchhändlerin. Den ganzen Tag steht sie im Laden. Es ist ein großes Geschäft: vorn die Belletristik, hinten die Sachbücher. Und immer muss sie mit ihrer Kollegin auf dem Sprung sein, um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/11/49-1.jpg" alt="© lina kro - Fotolia.com" title="© lina kro - Fotolia.com" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-5044" /><br />
<h5>Der Advent ist voller Erwartungen. Vielfältig sind auch die Vorstellungen über den Ruhestand. Drei Menschen erzählen.<br />
&#xA0;</h5>
<p>Jutta M.* hat es manchmal so satt! Sie ist Buchhändlerin. Den ganzen Tag steht sie im Laden. Es ist ein großes Geschäft: vorn die Belletristik, hinten die Sachbücher. Und immer muss sie mit ihrer Kollegin auf dem Sprung sein, um die Kunden zu bedienen, ihre Fragen zu beantworten, schauen, dass nichts wegkommt. Früher waren sie zu viert. Heute bleibt kaum Zeit, auf die Toilette zu gehen oder einen Schluck Wasser zu trinken. </p>
<p>Und dann sollen sie auch noch Schokolade, Kaffeetassen oder kleine Spielzeuge mit an den Mann und die Frau bringen. Ständig dieser Druck, den Umsatz zu bringen. Gerade jetzt, in der Adventszeit. Und trotzdem immer freundlich sein. Anonyme Testkäufer machen die Runde und kontrollieren das. Erst auf dem Heimweg kann sie etwas durchatmen. </p>
<p>Deshalb zählt sie die Jahre bis zur Rente. Drei sind es noch. Denn mit 63 kann sie frühestens gehen. Allerdings mit Abzügen. Die Rente wird eh nicht groß sein. Dann ist es eben noch etwas weniger. Was soll’s. Zum Glück verdient ihr Mann gut und hat eine bessere Rente zu erwarten. Zu zweit kommen sie dann schon über die Runden. Wenn es nur bald soweit wäre.</p>
<p>Für Gerald M. ist es soweit. Er hat Ende November seine letzten Arbeitstage hinter sich gebracht. Nun liegt der Ruhestand vor ihm. Für ihn ist es wie nach dem Studium: »Ich muss jetzt überlegen, wie ich wieder Fuß fasse«, sagt er. Deshalb sieht er die ersten Wochen des neuen Lebensabschnitts erst einmal als Urlaub an, um besonders die Vorweihnachtszeit zu genießen. Danach will der Ingenieur planen, womit er sich beschäftigen kann: Den Nachlass des Vaters ordnen, von den Kriegstagebüchern bis zur Briefmarkensammlung? Oder sich Firmen als Berater anbieten?</p>
<p> Außerdem gibt es genug Organisationen, die auf ehrenamtliche Mitarbeit warten, ist er sich sicher. Und er will nachholen, was bisher zu kurz kam: Reisen machen, Freunde und Kinder in der Ferne besuchen. Bange ist ihm deshalb nicht. </p>
<p>Doch der neue Alltag wird ihn Überwindung kosten. Schließlich war der bisherige Tagesablauf durch die Arbeit strukturiert. Nun wird er tagsüber meist zuhause sein. Gemeinsam mit seiner Frau. Und diese ist Selbständigkeit gewohnt, hat ihre eigenen Interessen im Ruhestand gefunden. Er solle nur erst einmal zu sich selbst finden, sagt sie angesichts seiner Pläne. Vielleicht wird es deshalb noch manchen Konflikt zwischen den beiden zu lösen geben. </p>
<p>Doch Gerald M. weiß auch: »Man muss sich selber und dem anderen immer sagen können: Ist es die Sache wert, sich deshalb Vorhaltungen zu machen?« Denn auch dessen ist er gewiss: Der Großteil des Lebens ist schon gelebt, es geht auf das Ende zu.</p>
<p>Dass dann nichts mehr kommt, dieser Gedanke beschäftigt Anna&#xA0;F. immer mal wieder. Es wird der letzte Lebensabschnitt sein. Also will sie ihn nicht herbeisehnen. Auf die Rente warten, diesen Gedanken schiebt sie deshalb immer wieder weg. </p>
<p>Zum Glück sind es noch zwei Jahre. Denn dass nichts mehr kommt, ist nicht ganz richtig. Sie weiß genau, dass sie dann schwer Nein sagen kann. Du hast doch jetzt Zeit, hört sie schon ihre Mutter sagen, die dann sicher jeden Tag besucht werden will. Es macht Dir doch nichts aus, wenn ich Dir Antonia bringe, wird die Tochter sagen, wenn sie etwas vorhat und die Enkelin in Obhut geben will. </p>
<p>Und von morgens bis abends den Ehemann um sich zu haben, der schon jetzt mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß, wird auch nicht einfach sein. Ob es ihnen gelingt, gemeinsam als Rentner diesen Lebensabschnitt zu gestalten? </p>
<p>Anna F. weiß noch nicht, ob sie dazu dann die Kraft hat&#xA0;– und ob ihr die Familie die Zeit lässt oder ob alle sie in Anspruch nehmen wollen. Und so genießt sie es noch, jeden Morgen aus dem Haus gehen zu können, durch die Arbeit anderen Menschen zu begegnen und sich bestätigt zu fühlen.</p>
<p>* Alle Namen geändert</p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Endlich raus hier</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 13:49:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Advent]]></category>
		<category><![CDATA[Hammer Weg e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Justizvollzugsanstalt Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Resozialisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Advent ist die Zeit des Wartens. Ein Mann wartet seit 14&#xA0;Jahren auf das Ende seiner Haft. Eine Besserung des Menschen durch das Gefängnis aber erwartet er nicht.
Kann sein, dass Uwe Gehler (Namen geändert) das Teelicht noch einmal anzünden wird. Seit Jahren schon bekommt er im Advent so eine kleine Kerze von Pfarrern geschenkt, damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/11/so48_Beitrag.jpg" alt="so48_Beitrag" title="so48_Beitrag" width="590" height="300" class="alignnone size-full wp-image-4982" /></p>
<p>Der Advent ist die Zeit des Wartens. Ein Mann wartet seit 14&#xA0;Jahren auf das Ende seiner Haft. Eine Besserung des Menschen durch das Gefängnis aber erwartet er nicht.</p>
<p>Kann sein, dass Uwe Gehler (Namen geändert) das Teelicht noch einmal anzünden wird. Seit Jahren schon bekommt er im Advent so eine kleine Kerze von Pfarrern geschenkt, damit ein warmes Licht hinter die dicken Mauern fällt. Offenes Feuer&#xA0;– nur um Weihnachten herum ist es in den Zellen erlaubt. </p>
<p>Advent ist die Zeit des Wartens. Christen warten auf den Versöhner. Gehler wartet auf Post vom Richter. Auf ein, zwei Sätze, die ihm die Freiheit schenken. Nach 14&#xA0;Jahren.<br />
Gehler ist mit einem Bein bereits draußen. Doch jeden Abend muss er zurückkehren: Die Pflasterstraße hin­auf, an wüsten Brachflächen, verlassenen Kasernen und Mülldeponien vorbei&#xA0;– dorthin, wo die Gesellschaft verwahrt, was sie nicht verdauen kann: In die Justizvollzugsanstalt Dresden, die sich in Stacheldraht und effizienten Beton hüllt. </p>
<p>Im Januar&#xA0;2010 hat Gehler zum ersten Mal einen Fuß hinaus setzen dürfen. Zu seinen Großeltern, die immer zu ihm hielten. Zurück in der Zelle, strich er sich im Kalender seinen nächsten Ausgang an. Und danach den nächsten. So hangelte er sich über die Zeit. Hin in Richtung Freiheit. </p>
<p>Der Staat will das durchaus, er nennt es Resozialisierung: Ein Rückweg in die Gesellschaft. Im Jahr vor seiner Entlassung durfte Uwe Gehler in das Freigänger-Haus außerhalb der Gefängnismauer umziehen, die Gittertür vor dem Eingang öffnete sich für ihn fortan für neun Stunden pro Tag. Er suchte sich eine Weiterbildung, eine Arbeit in einem Baubetrieb, eine Wohnung. </p>
<p>Resozialisierung? Gehler lacht bitter, seine kräftigen Arme auf den Tisch gestützt. »Acht Monate habe ich dafür gekämpft, Arbeit zu bekommen. Hier drin wird man behandelt wie ein kleines Kind. Unmündig, als sei man nichts wert.«</p>
<p>Gehler nimmt das große Wort von der Resozialisierung nicht sehr ernst, weil er seine kleine Wirklichkeit vor Ort kennt. Das sächsische Justizministerium fasst sie in Zahlen: In den Gefängnissen des Freistaats  kommt ein Psychologe auf 88&#xA0;Gefangene und ein Sozialarbeiter auf 55&#xA0;Gefangene. Die Resozialisierung steht ganz oben als Ziel im Strafvollzugsgesetz. </p>
<p>Es gebe dafür nur zu wenig Psychologen und Sozialarbeiter in sächsischen Gefängnissen, sagt Ulfrid Kleinert, früher Professor an der Evangelischen Hochschule Dresden und jetzt Vorsitzender des Vereins <a href="http://www.hammerweg.eu/">Hammer Weg e.&#xA0;V.</a>, der sich für Strafgefangene einsetzt. »Doch auch die Bediensteten in den Gefängnissen brauchen eine bessere Ausbildung, um die Gefangenen zu motivieren, an ihrer Resozialisierung mitzuwirken.« </p>
<p>Das ist nicht billig&#xA0;– aber allemal billiger als die vielen Gefangenen, die wieder rückfällig werden und erneut hinter Gittern landen, da ist sich Kleinert sicher. Und auch Hanna Einenkel, die als eine von 35&#xA0;Vereinsmitgliedern Gefangene auf ihrem Weg in die Freiheit begleitet, weiß: »Wer seine Schuld nicht einsieht, kommt oft wieder hierher.« Die vielen Christen im Hammer Weg&#xA0;e.&#xA0;V. glauben an das zum Guten Veränderbare im Menschen&#xA0;– nicht nur im Advent.</p>
<p>Uwe Gehler wurde durch die Zeit hinter Gittern eines Schlechteren belehrt. Viele hier könnten sich gut verstellen, sagt er. Er selbst habe sich ganz allein seine Einsicht erarbeitet. Gehler spricht sie nur viel leiser aus, als die Beschwerden über das Gefängnis: »Ich habe eingesehen, dass ich bestraft werden musste.«</p>
<p>Gehler war mit Drogen erwischt worden&#xA0;– einer Menge, so schwer wie ein halber Kleinwagen. Kein Pappenstiel. 22&#xA0;Jahre war er damals alt. Mit 37 sagt er: »Ich sehe keinen Sinn im Knast. Im Gegenteil: Sie ziehen sich hier noch härtere Straftäter heran, denn hier wird der Autodieb nicht vom Mörder getrennt.«</p>
<p>Uwe Gehler will die andere Richtung einschlagen. Wenn er Glück hat, wird er noch im Dezember das letzte Mal die Gittertür des Gefängnisses hinter sich zuziehen. Der Advent könnte für ihn zu einer Ankunft werden.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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