5

Frank Richter aus der CDU ausgetreten

epd
  • Artikel empfehlen:
Frank Richter war Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung und ist nun bei der Stiftung Frauenkirche Dresden.
Frank Richter war Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung und ist nun bei der Stiftung Frauenkirche Dresden. © Metropolico.org

Der bekannte Dresdner Bürgerrechtler und Theologe Frank Richter ist nach fast 25 Jahren aus der sächsischen CDU ausgetreten. Dies sei eine »persönliche Gewissensentscheidung«, die er längere Zeit vor sich hergeschoben habe, sagte Richter der in Dresden erscheinenden »Sächsischen Zeitung« (Donnerstag). Sein Austritt sei »ein Zeichen der Herstellung von Klarheit, nicht von Wut«.

Richter ist seit Februar einer der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden. Zuvor war der 57-Jährige viele Jahre Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. Richter begründete seine Entscheidung vor allem mit der fehlenden Streit- und Diskussionskultur in der sächsischen Union.

»Die Demokratie erschöpft sich nicht im Gang an die Wahlurnen«, sagte er der Zeitung. »Sie unterscheidet sich von der Monarchie unter anderem dadurch, dass die Bürgerinnen und Bürger die Republik als ihre eigene Angelegenheit - und nicht die Angelegenheit des Königs - betrachten und deren Wohl und Wehe öffentlich und kontrovers diskutieren.«

Richter, der frühere katholische Priester, hadert auch mit seiner Ex-Partei, weil sie das »C«, das Christliche, in ihrem Namen zu verstecken versuche. »Ist es ihr peinlich?«, frage er sich manchmal, wenn er sehe, wie die Partei als »Sächsische Union« überall plakatiere. Er stelle sich zudem die Frage, ob die Partei mit der Betonung auf »sächsisch« den »unzulässigen Eindruck erwecke, eine einzige Partei könne und dürfe mit einem ganzen Land identifiziert werden«.

Harsche Kritik äußerte Richter auch an der sächsischen Schulpolitik. »Wenn der Staat aus dem Recht auf Bildung in unmittelbarer Argumentation die allgemeine Schulpflicht ableitet, muss er die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen«, betonte er. Doch der sächsischen CDU gelinge das immer weniger. Sie vernachlässige die Allgemeinbildung, vor allem die politische, kulturelle und ethische Bildung im Freistaat.

Frank Richter war Anfang der 90er-Jahre in die sächsische CDU eingetreten. Im Herbst 1989 versuchte er - damals noch katholischer Kaplan an der Dresdner Hofkirche - während der Proteste auf der Straße zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln. Später half er als Mitglied der Bürgerrechtler-Gruppe der 20, den ersten freigewählten Oberbürgermeister von Dresden, Herbert Wagner, ins Amt zu bringen.

In den vergangenen Jahren wurde Richter zum Mediator und Moderator in vielen kritischen Situationen im Freistaat. Weit über Sachsen hinaus bekannt wurde er durch seine Vermittlungs- und Dialog-Bemühungen angesichts der aufkommenden »Pegida«-Bewegung in Dresden.

Diskutieren Sie mit

5 Lesermeinungen zu Frank Richter aus der CDU ausgetreten
Manfred schreibt:
10. August 2017, 11:17

Gegen zentralgesteuerte Denkprozesse, kann auch ein Herr Richter nicht gewinnen (leider).
Es gibt keine neutrale Diskussion, auch wenn es Herr Richter sehr oft versucht hat.
Alles ist inzwischen politisch LINKS orientiert!
Weder die Zentralregierung in Berlin, noch die Kirche lassen da genügend Freiraum.
Die Folge ist, dass die Aggressivität von verschiedenen Strömungen immer mehr zunehmen werden.
Die Beliebigkeit und der fehlende Gehorsam (Gesetzestreue), sind total abhandengekommen. Stattdessen haben wir heute die Ehe für alle und eine absolute Liberalität (fast alles ist erlaubt).
Herr Bosbach hat es einmal richtig ausgesagt:
Man sollte bewährtes bewahren und nur behutsam Veränderungen vornehmen.
Die deutsche Welt ist aus den Fugen geraden.
Da sind unsere Nachbarn in Polen, Tschechien, Ungarn klüger, auch wenn es ihnen finanziell nicht so gut geht.

Dank an Herrn Richter, für seine Versuche!

Beobachter schreibt:
10. August 2017, 16:03

Hochachtung vor diesem Mann!

Heiko schreibt:
10. August 2017, 23:26

Leider gibt es wirklich viele Gründe aus der sächsischen CDU auszutreten. Mir fällt auch keiner ein, dort einzutreten. Die Floskel, er hätte das Gespräch suchen sollen, ist nicht überzeugend. Er hat das Gespräch jahrelang und landesweit in unzähligen Bürgerdialogen mit den Menschen gesucht und wurde ganz offensichtlich von der CDU peinlich ignoriert. Wirklich zu wünschen ist, dass die CDU sich die Frage stellt, was sie ändern muss, um für jemanden wie Frank Richter eine politische Heimat zu sein.

Britta schreibt:
11. August 2017, 8:40

"Wer Bekenntnisse verlangt und Debatten meidet, meint es nicht gut mit der Demokratie." (Frank Richter)
Hochachtung vor diesem aufrichtigen Mann, auch wenn man nicht alle seine Ansichten teilen mag.

Gert Flessing schreibt:
11. August 2017, 21:35

Ich kann den Mann verstehen.
Ich bin in den Neunzigern aus der CDU ausgetreten. Auch ich tat das, weil es keine wirkliche Diskussionskultur mehr gab.
Ich tat es auch, weil das "C" immer unwesentlicher zu werden schien. Man wollte sich öffnen und man hat es getan. Nach links.
Ja, ich weiß, das heute mancher denkt, Jesus wäre ein Linker gewesen.
Das halte ich für abwegig.
Inzwischen ist die CDU keine Partei mehr, die das C wirklich ernst nimmt. Nein, nicht, weil sie die Partei des Kapitals ist. Es gibt große Kapitalisten, die sehr christlich, für viele Menschen und ihr Leben sorgen. Caritativ tätig nennt man das.
Aber eine Partei, die sich christlich nennt und Muslime in ihrer Mitte hat, ist doch ein wenig fragwürdig, in meinen Augen. Der Staat hat weltanschaulich neutral zu sein. Für eine Partei gilt das nicht. Denk ich zumindest.
Gert Flessing

Quelle
VERÖFFENTLICHT AM 10.08.2017 Artikel drucken
Tageslosung

Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.

(1.Mose 3,9-10)

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

(Galater 4,6)

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Lesung
  • DAStietz – im Bereich Kultur und Länder der Stadtbibliothek
  • , – Freiberg
  • Dom und Klang im Kerzenschein
  • Dom
  • , – Leipzig
  • OrgelPunktZwölf
  • Peterskirche
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Mit Gottes Segen: Sachsens neuer #Ministerpräsident #Kretschmer tritt sein Amt nach Andacht in der #Frauenkirche ge… https://t.co/FZzgAbvZpn
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Bischof #Rentzing gratuliert Sachsens neuem Ministerpräsidenten #Kretschmer, der heute als Nachfolger von #Tillich… https://t.co/VrQNY6sVYp
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
@evlks erwartet, dass Kirchgemeinden in Zukunft etwa 1000 Immobilien verkaufen. Baureferentin Tauber: #Kirchen auf… https://t.co/gOtDiT77B0
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Wir nähern uns diese Woche in großen Schritten dem #Advent und damit dem nächsten #Kirchenjahr. Lesen Sie im neuen… https://t.co/2YImAzEHOD
vor 14 Tagen