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Sachsen setzt sich für vielfältige Lebensweisen ein

epd
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Gleichstellungsministerin Petra Köpping traf sich vorab mit dem Gemeindepädagogen Jens Ullrich, der mit einem Mann verheiratet ist. © Steffen Giersch
Gleichstellungsministerin Petra Köpping traf sich vorab mit dem Gemeindepädagogen Jens Ullrich, der mit einem Mann verheiratet ist. © Steffen Giersch

Sachsen hat drei Jahre nach einer Vereinbarung im Koalitionsvertrag von CDU und SPD einen Landesaktionsplan für die Akzeptanz von ganz verschiedenen Lebensentwürfen vorgelegt. »Das Thema Vielfalt ist noch lange nicht in den Köpfen der Menschen«, sagte Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag in Dresden. Der »Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen« solle helfen, Diskriminierung und Vorurteile unter anderem gegenüber lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell lebenden Menschen abzubauen.

Er solle aber auch zur Aufklärung beitragen. Dafür sind verschiedene Beratungsstrukturen auch im ländlichen Raum im Aufbau, wo es Köpping zufolge noch viele Vorbehalte zu unterschiedlichen Lebensweisen gibt. Der fast 50-seitige Plan hält unter anderem »Handlungsfelder« fest, wo Diskriminierung abgebaut werden muss, etwa in der Arbeitswelt, in der Schule oder in der Pflege. Dazu sollen die verschiedenen Fachkräfte geschult werden.

Ferner sieht der Plan vor, Polizei und Justiz für die Themen zu sensibilisieren. Immerhin gebe es eine hohe Dunkelziffer von homo- und transphob motivierter Hasskriminalität, sagte Christian Roßner von der Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen. Erstmals hat der Freistaat mit Frank-Peter Wieth zudem einen eigenen Landesbeauftragten für die Belange von LSBTTIQ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell, Transident, Intersexuell und Queer).

Den Kirchen wurde im Landesaktionsplan kein extra Handlungsfeld zugewiesen. Wieth begründete das mit der Trennung von Kirche und Staat und der damit verbundenen rechtlichen Eigenständigkeit. Aktuell beschäftigt die Evangelisch-Lutherische Landeskirche der Fall des Jugendwarts Jens Ullrich im Erzgebirge, dem von einigen Kirchgemeinden ein Predigtverbot auferlegt wurde. Wie Wieth betonte, seien Vertreter der Kirchen eingeladen, im Beirat des Aktionsplanes mitzuarbeiten, einem Arbeitsgremium aus rund 20 Vertretern von Parteien und weiteren Akteuren der Gesellschaft.

Als »längst überfällig« bezeichnete die gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Katja Meier, den sächsischen Aktionsplan. Er bleibe allerdings »Stückwerk«. Es fehlten »jegliche zeitlichen Festlegungen« anders als etwa in Hessen, wo Aufgaben terminiert wurden. Zudem kritisierte sie, dass Maßnahmen zum Teil nur in einem Prüfmodus angedacht sind, darunter die Sensibilisierung der sächsischen Justizbehörden. Auch die Fraktionen von SPD und Linken kritisierten das Vorgehen.

Vergleichbare Aktionspläne für Vielfalt gibt es Köpping zufolge bereits in etwa zehn Bundesländern, in Berlin beispielsweise seit 2010. Köpping hatte den Aktionsplan für Sachsen maßgeblich vorangebracht. Etwa ein Jahr hatte allein die Abstimmung zwischen den sächsischen Ministerien gedauert. Begleitend zum Aktionsplan fördert Sachsen Projekte der Antidiskriminierungsarbeit. Vereine und Verbände in diesem Bereich sollen weiter gestärkt und vernetzt werden.

Akzeptanz könne nicht verordnet aber gefördert werden, sagte Sarah Buddeberg, queerpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. Das erfordere eine »klare Position im gesellschaftlichen Diskurs«.

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13 Lesermeinungen zu Sachsen setzt sich für vielfältige Lebensweisen ein
Johannes schreibt:
23. September 2017, 18:24

Das ist gut, dass die sächsische Gleichstellungsbeauftrage P. Köpping (SPD) und der evangelische Jugendwart Jens "Knolli" Ullrich mal zusammengekommen sind. Vielleicht lassen sich die Fronten doch noch etwas erweichen und das "Teil-Berufsverbot" für den Gemeindepädagogen wird aufgehoben. - Da helfen nämlich Äußerungen wie: das gehe die Staatsregierung nichts an oder der Jugendwart könne doch im weltlichen Bereich sicher Arbeit finden, nichts. Weil Jens mit Herz und Seele Jesu Botschaft weitergeben will. Und die Kirche lernen muss, die Freiheit zu gewähren, die sie doch lautstark predigt.
Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
24. September 2017, 20:00

Ach Herr Lehnert, das hatten wir doch schon öfter mal! Trotzdem nochmal die Frage, wie kann ein in anibiblischer Lebensweise , die dem HERRN der Kirche ein Gräuel ist, aktiv ist, dessen Botschaft glaubwürdig weitergeben? Die "Kirche",Gott sei Dank die Sächsische weniger, gewährt schon soviel "Freiheiten", daß sie immer unglaubwürdige wird! "Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht mehr ganz dich!"

Johannes schreibt:
24. September 2017, 22:52

Das Stöhnen über mich können Sie sich sparen! Und wir werden das Thema so oft wieder haben, bis der Grund für die Klage über die Einfalt mancher Christen sich, Gott sei Dank, in die Vielfalt des Evangeliums befreien ließ. - Und eine Klage über "anibiblische" Lebensweise geht sowieso ins Leere...

Beobachter schreibt:
25. September 2017, 8:14

Siehe oben!
Ihre "Befreiung" schafft "Kirche" ab!
ER läßt sich nicht ewig spotten!

Johannes Lehnert schreibt:
30. September 2017, 19:22

Verehrter Fundie,
Den Spruch mit 'nicht ganz dicht' habe ich von Ihnen und ihresgleichen schon so oft gehört, dass nicht mal mehr das montane Geräusch der Bartwickelmaschine zu mir durchdringt. Es ist immer das Argument der Leute, die sich ihre Angst vor der Freiheit selbst nicht einzugestehen wagen. Johannes L.

Gert Flessing schreibt:
25. September 2017, 23:10

Joachim, unglaubwürdig wird nur eine Kirche, die es aufgibt, gnädig zu sein, Liebe zu üben und barmherzig mit Menschen umzugehen, die, ihrer Meinung nach, nicht in ihr Raster passen.
Ich kenne all die Bibelstellen, die Du jetzt zitieren könntest, sehr gut.
Ich weiß aber auch, das Gottes Gnade größer ist, als alles andere und das Gott die Liebe ist.
Gewiss gibt es einen Unterschied zwischen Liebe und Trieb.
Aber wer gibt mir das Recht, über die Gefühle anderer Menschen zu urteilen? Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
26. September 2017, 15:46

Lieber Gert, hier geht es doch nicht um eine "Meinung" oder "Gefühle" der Kirche oder der entsprechenden Gemeinden! Es geht, wenn man so ewill, um SEINE "Meinung"!
Und zumindest das muß doch in der Kirche heute noch möglich sein, daß Gemeinen, die sich nach dieser "Meinung" ausrichten wollen, das noch dürfen?
Wenn Herr Lehnert von "Freiheit" spricht sollte er aufpassen, daß diese große Offenheit nicht dazu führt, daß man "nicht mehr ganz dicht" ist. Wenn jemand Sünde auslebt, kann er kein Vorbild für andere, vor allem junge Christen sein und SEINE feimachende Botschaft lieb machen!
Gruß Joachim

Gert Flessing schreibt:
30. September 2017, 19:15

Lieber Joachim,
es ist wahr. Es geht nicht um Gefühle. Es geht um Gott.
Was mich traurig macht, ist die Tatsache, dass Du, gerade Du, der treu Menschen und Gott gedient hat, die Weite der Gnade nicht erkennt.
Es ist diese Gnade, die uns trägt. Auch "Knolli".
Lebt er Sünde aus? Ich weiß es nicht. Trotz der Schriftworte, die ich gut kenne und die ich auch in ihrem Kontext der Zeit, kenne, weiß ich es nicht.
Ich habe eine innere Abwehr gegenüber Menschen, die schwul sind. Aber ich weiß, dass auch das Sünde sein kann. Einen Menschen ablehne, weil er anders liebt.
Ich möchte meine innere Abwehr nicht, um mich besser zu fühlen, mit Gott begründen.
Das käme mir Gott gegenüber nicht richtig vor.
"Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott und Gott in ihm...." Ist das, was dieser Mensch, der doch für Jesus brennt, tut, Liebe?
Oder muss ich es zu "porneia" runter stufen? Dann aber wäre zu fragen, ob nicht jegliche Sexualität, die nicht der Zeugung dient, unter dieses Verdikt fallen müsste. Da waren wir, als Kirche schon mal, und es war falsch.
Die nächste Bibelwoche befasst sich mit dem Hohen Lied Salomos.
Ich bin gespannt.
Gruß
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
01. Oktober 2017, 9:09

Lieber Gert, damit wir nicht weiter aneinander vorbei reden, hier nochmal:
Zumindest das muß doch in der Kirche heute noch möglich sein, daß Gemeinden, die sich an der"Meinung" ihres HERRN, daß ausgeübte Homosexualität Sünde ist, ausrichten wollen, das Recht dazu haben, ihre Kinder und Jugendliche davor zu bewahren?

Gert Flessing schreibt:
01. Oktober 2017, 10:50

Ganz klar: Die Gemeinde hat, wenn ich mich nicht täusche, auch kirchenrechtlich, das Recht, so eine Entscheidung, für den Dienst in ihrem Bereich, zu treffen.
Gert Flessing

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