Atom und Politik

18. März 2011 von DER SONNTAG  
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Foto: Kriss Szkurlatowski, sxc.hu

Foto: Kriss Szkurlatowski, sxc.hu

Man sagt zwar den Japanern nach, dass sie es gewohnt sind, mit Naturkatastrophen zu leben. Aber was ihnen am vergangenen Wochenende widerfuhr, übersteigt alles Vorstellbare. Erdbeben, Flutwelle und Reaktorkatastrophe suchten das Land innerhalb weniger Stunden heim. Die Erde bewegte sich und Menschen starben zu tausenden. Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse sind die Vorgänge im Erdinneren nicht beherrschbar.

Menschengemachte Technik ist es offenbar auch nicht, wie die explodierenden Reaktoren zeigen. Alle erdenklichen Notfallsysteme haben versagt, obwohl es immer hieß, die Kraftwerke seien sicher.

Das Misstrauen gegenüber der Atomkraft ist von jeher groß. Lieber heute als morgen wollen viele Menschen darauf verzichten. Auch bei uns sagte die Regierung zunächst beschwichtigend: Alles ist sicher. Eine politische Diskussion zu den gerade erst verlängerten Laufzeiten der Kernkraftwerke sollte jetzt nicht geführt werden.

Nun hat sich die Bundeskanzlerin besonnen. Die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke soll erst einmal auf Eis gelegt werden. Von einer »Phase des Innehaltens und Nachdenkens« in der Atompolitik ist die Rede bei der CDU.

Dass zuerst den Menschen in Japan geholfen werden muss, steht außer Frage. Doch dann muss – nicht nur in Deutschland – das Nachdenken darüber einsetzen, wie auf Kernenergie verzichtet werden kann. Auch weil noch ganz und gar nicht geklärt ist, wo der ganze radioaktive Müll langfristig gelagert werden soll.
Wir haben nun mal nur die eine Erde. Und das Leben auf ihr gilt es zu bewahren, soweit es in unserer Hand liegt.

Christine Reuther

Die CDU muss sich entscheiden

13. Mai 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
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CDUDas ist bitter. Tief stürzte die CDU bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen in der Wählergunst. Nun fragt sie sich: Wie konnte es so weit kommen? Schon haben führende Landespolitiker der Union – unter ihnen der Chef ihrer sächsischen Landtagsfraktion Steffen Flath – eine Debatte angestoßen. Ihrer Meinung nach fehlt der Merkel-CDU ein klares christlich-konservatives Profil. Doch solcherlei Überlegungen verfehlen den Kern des Problems. Nicht nur aus politischen Gründen, sondern vor allem aus theologischen.

Wer sich an der liberalen Gesellschaftspolitik der Regierung Merkel stößt, wer den Wandel traditioneller Familienbilder beklagt oder mehr Patriotismus fordert – der sollte wissen: In der Bibel wird weder ein Hohelied des Trauscheins noch ein Lob der Nation gesungen. Schaut man wirklich einmal in die Heilige Schrift, liest man dort ganz anderes. Flüchtlinge und Verfolgte sollen gastfreundlich aufgenommen werden, fordern beispielsweise die Propheten – deutsche Innen­minister lassen Asylbewerber oft genug draußen vor der europäischen Tür liegen, oder schieben sie ab.

Ein aktuelles Beispiel: Der Bundesregierung liegt seit Januar eine Liste von 80 iranischen Oppositionellen vor, die nach Haft und Folter um Aufnahme in Deutschland bitten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation »Pro Asyl« aber werden sie vom CDU-geführten Bundesinnenministerium bislang hingehalten. Der Prophet Jeremia sprach zum König von Juda: »So spricht der Herr: Sorgt für Gerechtigkeit und befreit die Beraubten aus der Hand ihrer Unterdrücker!« Das ist eine klare Ansage auch für die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Eine Programmdebatte der CDU sollte sich darum kümmern – oder sie trägt ihren Namen zu unrecht.

Andreas Roth

Steter Tropfen

25. September 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Steter Tropfen höhlt den Stein« möchte man sagen angesichts des Koalitionsvertrages zwischen sächsischer CDU und FDP. Zumindest was die Sonntagsöffnung von Videotheken und Autowaschanlagen betrifft. Das fordert die FDP in Sachsen seit Jahren: Bereits zu Beginn der vorigen Legislaturperiode, im Dezember 2004, hatte sie einen derartigen Antrag ins Landesparlament eingebracht. Damals galt bei der CDU noch das Bekenntnis zum Sonntagsschutz.

Foto: MrK001 (sxc.hu)

Foto: MrK001 (sxc.hu)

Nun hat die FDP ihren Willen: Die künftigen Regierungspartner haben es abgesegnet, dass man sonntags Autos waschen und Videos ausleihen darf.

Nun gut, könnte man sagen. Wen stören schon offene Autowaschanlagen am Sonntag? Und Videoschauen gehört vielleicht zu manchem Sonntagsvergnügen. Doch was für eine Einstellung steht dahinter? Was ist der Sonntag, den Menschen noch wert? Einkaufen scheint eines der beliebtesten Freizeitvergnügen zu sein. Der Andrang in immer größeren, neueren Einkaufszentren spricht für sich.

Vielleicht sagen dann manche Politiker um der Wählergunst willen eines Tages: Wenn Familien so gern Ausflüge in »Einkaufstempel« machen, warum sollen sie das nicht auch sonntags können? In die eigentlichen Tempel, sprich die Kirchen, geht ja sowieso kaum noch jemand am Sonntag. Und: Die meisten Feiertage sind ja jetzt schon nur noch Anlässe, der Kauflust zu frönen. Wozu brauchen wir sie dann noch? Das sind die Fragen, die eigentlich hinter den Autowaschanlagen und Videotheken stehen. Und wenn sie niemand mehr stellt, heißt es weiter: »Steter Tropfen …«.

Darauf sollten wir Christen immer wieder den Finger legen. Denn zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens gehören immer noch die zehn Geboten, deren drittes lautet: Du sollst den Feiertag heiligen.

Christine Reuther