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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Dresden 45</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Links und rechts – der Elbe</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 10:59:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dresden wehrte sich am 13. Februar erfolgreich gegen einen Aufmarsch Rechtsextremer
Selig sind die Friedfertigen«, sagt Katrin Göring-Eckhardt beim Friedensgebet auf dem Dresdner Postplatz. Für Christen heiße das aufzustehen, wachzurütteln, unterwegs zu sein, so die Bundestagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) und Präsidentin des Kirchentags 2011 in Dresden vor den Hunderten Teilnehmern. Darunter sind auch über 100 Bläserinnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1503" class="wp-caption alignleft" style="width: 570px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/02/dresden_gedenken.jpg" alt="Foto: Steffen Giersch" title="dresden_gedenken" width="560" height="373" class="size-full wp-image-1503" /><p class="wp-caption-text">Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p><strong>Dresden wehrte sich am 13. Februar erfolgreich gegen einen Aufmarsch Rechtsextremer</strong></p>
<p>Selig sind die Friedfertigen«, sagt Katrin Göring-Eckhardt beim Friedensgebet auf dem Dresdner Postplatz. Für Christen heiße das aufzustehen, wachzurütteln, unterwegs zu sein, so die Bundestagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) und Präsidentin des Kirchentags 2011 in Dresden vor den Hunderten Teilnehmern. Darunter sind auch über 100 Bläserinnen und Bläser von Posaunenchören aus allen Teilen Sachsens. Sie begleiten die Stationen des Friedensgebets gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus am 13. Februar, dem Gedenktag der Zerstörung Dresdens. Seit Jahren ein Tag des stillen Gedenkens, wird dieser zunehmend von Rechtsextremen für Aufmärsche und Kundgebungen instrumentalisiert.</p>
<p>In diesem Jahr wollte die Stadt das nicht länger hinnehmen. Erstmals war es gelungen, dass Kirchen, Rathaus, Parteien, Gewerkschaften und andere Organisationen gemeinsam aufriefen zu einer Menschenkette um die Innenstadt. Das Friedensgebet bildete den Auftakt. Ruth Misselwitz von der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste zitierte dabei Dietrich Bonhoeffer: »Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.«</p>
<p>Diese Menschen guten Willens wurden von Gebetsstation zu Gebetsstation, über den Theaterplatz und hin zur Synagoge, immer mehr bis sie das Rathaus erreichten. Dort sollte die Menschenkette beginnen. Über 12 000 Teilnehmer, so heißt es, hatten sich dort versammelt. Oberbürgermeisterin Helma Orosz rief auf, sich den »Neu- und Altnazis, die versuchen, das Gedenken zu missbrauchen«, entgegen zu stellen. »Dresden will sie nicht«, so die Oberbürgermeisterin.</p>
<p>Und während sich aus Tausenden Menschen in der Altstadt eine Kette formierte, leisteten weit ab, auf der anderen Elbseite, fast ebensoviele Menschen Widerstand gegen den von der »Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland« angemeldeten Aufmarsch. Über 5000 Polizisten waren im Einsatz, um diese Demonstration vor gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Linksautonomen zu schützen. </p>
<p>Den friedlichen Blockierern und der Polizei gelang es schließlich, die vor dem Neustädter Bahnhof versammelten rund 6000 Rechtsextremen am Weiterkommen zu hindern. Diese mussten unverrichteter Dinge abreisen. Gera und Pirna hatten ihren Frust auszubaden: Am Abend haben mehrere Hundert von ihnen dort randaliert. Nach Polizeiangaben befanden sie sich auf der Rückreise von Dresden.</p>
<p>Die Dresdner Landessynodale Tabea Köbsch war bei der Blockade in der Dresdner Neustadt dabei. Ihr war es wichtig, »dass da auch ganz normale Leute sind und deeskalierend wirken«, sagt sie im Nachhinein. »Es fällt mir schwer, beim Friedensgebet die Hände zu falten, wenn auf der anderen Elbseite die braunen Horden sind.« Sie sieht es als großen Erfolg, dass die Blockade weitgehend friedlich geblieben ist, so wie es das Bündnis aus vorwiegend linken Parteien und Organisationen immer wieder gefordert hatte. »Friedlich und gewaltfrei« habe die Parole auf der Neustädter Seite gelautet. </p>
<p>Als Synodale wollte sie sich ein eigenes Bild von einer solchen Aktion zivilen Ungehorsams machen, nachdem im sozial-ethischen Ausschuss der Synode eine Beschwerde darüber eingegangen war, dass Kirche in Leipzig sich an einem solchen Aufruf beteiligt hatte. »Jetzt aus eigenem Erleben sage ich, dass es wichtig ist, wenn Kirche auch dabei ist«, so Köbsch. </p>
<p>Landesbischof Jochen Bohl, der an der Menschenkette in der Altstadt teilgenommen hatte, würdigte diese als »großen Erfolg«. »Wir haben dem Aufmarsch der neuen Nazis eine eindrückliche Antwort erteilt«, sagte er vor Journalisten. An der Menschenkette beteiligten sich auch der katholische Bischof Joachim Reinelt, Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl, Mini-sterpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sowie weitere Landespolitiker. Aber auch Synodenpräsident Otto Guse und seine Vorgängerin im Amt, Gudrun Lindner, hatten sich eingereiht. </p>
<p>Am Abend versammelten sich die Dresdner zu einem stillen Gedenken vor der Frauenkirche. Dabei erinnerte der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP) an die Bombenangriffe vor 65 Jahren, die er als Zwölfjähriger in Dresden erlebt hatte. Von der Stadt müsse »immer wieder ein Signal für Frieden und Völkerverständigung, für Demokratie und Menschenrechte in die Welt« gesendet werden, forderte der 77-Jährige. </p>
<p>In einem ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche wurde am Abend ebenfalls an die Opfer der Bombennacht gedacht. Traditionell läuteten zum Zeitpunkt des Fliegeralarms am 13. Februar 1945 um 21.45 Uhr die Dresdner Kirchenglocken. </p>
<p>Während die Menschenkette ein Zeichen für den Willen der Bürger zu Frieden und Versöhnung setzte, ist die Verhinderung des Aufmarsches der Rechtsextremen jedoch den Menschen auf der anderen Elbseite zu verdanken, die mit zivilem Ungehorsam sich dem im wahrsten Sinne des Wortes entgegenstellten.<br />
Dabei ging es jedoch nicht nur friedlich zu: 27 Menschen wurden verletzt, darunter 15 Polizisten, 25 Brände mussten gelöscht werden, Autos wurden beschädigt, ein Begegnungszentrum des Stadtteils von Rechten angegriffen. Und vermutlich Linksautonome störten das stille Gedenken abends an der Frauenkirche durch laute Zwischenrufe.</p>
<p><em>Christine Reuther/epd</em></p>
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