»So eine Art Nomade«

30. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen, Sachsen

Das Büro für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden ist eröffnet. Dessen Leiter Volker Knöll ist mal wieder Stadtbürger auf Zeit.

Noch sieht alles sehr provisorisch aus: Volker Kröll in der Dresdner Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in der er dieses Großereignis für 2011 mit seinen Mitarbeitern vorbereitet. Foto: Steffen Giersch

Noch sieht alles sehr provisorisch aus: Volker Kröll in der Dresdner Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in der er dieses Großereignis für 2011 mit seinen Mitarbeitern vorbereitet. Foto: Steffen Giersch


Volker Knöll ist jetzt ein Dresdner. Vorher war er Bremer. Geboren und aufgewachsen ist der 39-jährige Betriebswirt und Non-Profit-Manager in Südhessen. Viele Menschen knüpfen ihre Identität an ihren Wohnort. Würde Volker Knöll dies tun, müsste er sie alle zwei Jahre wechseln, im Rhythmus des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Als Geschäftsführer gehört er zur mobilen Truppe des Großereignisses, zu dem in Dresden vom 1. bis 5. Juni 2011 um die 100 000 Menschen erwartet werden. »Ich bin so eine Art Nomade«, sagt er. Auch »Handwerker« oder »Wanderzirkus« würden er und die rund 80 Mitarbeiter der Geschäftsstelle genannt, meint er und lacht. Freundlich, agil, offen, humorvoll – so wirkt er bei der Eröffnung der Geschäftsstelle. Die befindet sich nur ein paar Schritte entfernt vom Dresdner Zwinger.

Seine neue Wohnung hat Volker Knöll im Stadtteil Striesen gefunden. Gemeinsam mit seiner Verlobten. Auch sie gehört zu den Organisatorinnen des Kirchentages. Ein Glücksfall – die Belastungsprobe für das Familienleben entfällt. Auch die anderen drei Geschäftsführer, die ihm folgen, müssen die Kirchentagsstadt zu ihrem Hauptwohnsitz machen. Kisten packen und die gesamte Einrichtung im Laster verstauen, sei für ihn schon fast zur Routine geworden, sagt Knöll. »Nach dem dritten Umzug hat man sich daran gewöhnt, dass es IKEA-Möbel gibt.«

Aber sich mit Haut und Haaren auf den neuen Ort einzulassen, gehöre nun einmal dazu. Die schwierige Seite dieses fortwährenden Wechsels für ihn: »Dass man ständig sein soziales Umfeld wechseln muss. Menschen, die man erst intensiv kennen gelernt hat, muss man wieder loslassen.«

Sich gründlich umzusehen – das wird auch in Dresden seine Haupttätigkeit sein. Immer mit dem prüfenden Veranstalter-Blick: Welche Wiese eignet sich für einen Gottesdienst unter freiem Himmel? Wo kann eine Bühne stehen? In welche Halle passen wie viele Menschen? Für diese Touren will er den Dienstwagen stehen lassen und sich aufs Fahrrad schwingen.

In der Geschäftsstelle herrscht reges Kommen und Gehen. Das werde so bleiben, sagt Volker Knöll. »Unsere Arbeit hat eine hohe Dynamik.« Für die Inhalte ist das Büro in Fulda zuständig. Er und seine Mitarbeiter haben das Terrain technisch vorzubereiten. Es wird Abteilungen geben für Möbel, Computer, Telefone, für Transport, Raumplanung, Quartiere.

»Ich habe hier die Funktion eines Dirigenten mit Orchester«, sagt Volker Knöll. Er muss darüber wachen, dass nicht mehr ausgegeben wird als im Haushalt zur Verfügung steht – voraussichtlich werde sich dieser Betrag um die 14 Millionen Euro bewegen.

Tomas Gärtner

Geschäftsstelle 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag Dresden 2011 e. V., Ostra-Allee 25, 01067 Dresden, Telefon (03 51) 79 58 50
www.kirchentag.de

Gesang aus 3000 Kehlen

15. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

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Über 7500 Kinder singen in den sächsischen Kirchgemeinden. Fast 3000 kamen zum 2. Kurrende­­­tag nach Dresden.

Gemeinsam bildeten sie den größten Kinderchor Deutschlands: die rund 3000 Kurrendesängerinnen und -sänger aus den Gemeinden der sächsischen Landeskirche. Foto: Steffen Giersch

Gemeinsam bildeten sie den größten Kinderchor Deutschlands: die rund 3000 Kurrendesängerinnen und -sänger aus den Gemeinden der sächsischen Landeskirche. Foto: Steffen Giersch

Der Gottesdienst wird jäh unterbrochen: Mit Blaulicht und Martinshorn fährt ein Krankenwagen auf die Eisfläche. Und die fast 3000 Kinder jubeln ob dieser Einlage. Die Szene gehört zum Anspiel beim Abschlussgottesdienst des 2. sächsischen Kurrendetages unter dem Motto »Laufend singen« am 10. Oktober in der Dresdner Eissporthalle. Moritzburger Studenten der Religionspädagogik haben den Gottesdienst vorbereitet und erklären: »Im Krankenwagen sitzt einer, der hat Not – er ist traurig, wie gelähmt.« Dass sie ihre Nöte vor Gott bringen können, zeigen Kinder beim Gebet. Wie einem Gelähmten geholfen wurde, das singen sie anschließend. »Singend laufen« ist der Titel eines Musical über die biblische Geschichte aus Lukas 5, Verse 17 bis 26, das sie hier gemeinsam aufführen werden.

»Das Üben hat mir viel Spaß gemacht«, sagt Salome aus Venusberg. Doch nach dem Einsingen, will sie sich mit ihrer Freundin Elisa-Sophie erst einmal alle Angebote in und vor der Halle anschauen. Elisa-Sophie spielt Schlagzeug. Also zieht es die beiden Mädchen nach »Afrika« zu den Trommlern. Zu allen Kontinenten sind Stationen aufgebaut. Hier gibt es Spiele oder typische Musik zum Zuhören und Selbermachen.

Bei den Break-Dancern ist kein Durchkommen mehr. Die Zuschauer stehen dichtgedrängt. Ein paar Meter weiter bei der afrikanischen Trommelgruppe ist der nächste Stau. Deren Rhythmus lässt große und kleine Zuhörer mitsingen und -klatschen. Draußen vor der Halle gibt es Geschicklichkeits- und Bewegungsspiele. Auszubildende der Evangelischen Schule für Sozialwesen »Luise Höpfner« in Bad Lausick haben sich die Beschäftigungen ausgedacht.

Ludwig und Sebastian aus der Nähe von Oschatz ist das zu viel Trubel. »Das Gedrängel ist nicht mein Fall«, sagt Ludwig. Er ist noch ganz begeistert von Gerhard Schönes Konzert in der Halle. »Es gefällt mir sehr, dass er persönlich hier war«, ergänzt Sebastian.

Für die 2800 angemeldeten Kinder zwischen sechs und 16 Jahren gibt es an diesem Tag ein umfangreiches Rahmenprogramm. »Es liegt mir sehr am Herzen, den Kindern so ein Gemeinschaftserlebnis zu ermöglichen«, sagt Kantor Jens Staude. Er ist der Landesobmann des sächsischen Kirchenchorwerks, das diesen 2. Kurrendetag vorbereitet hat. Besonders freut er sich über die vielen Teilnehmer, 300 mehr als beim ersten Treffen 2003. Dazu kommen über 300 Begleiter: Eltern und Kantoren.

Der Zwickauer Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp ist mit 200 Kindern in vier Bussen angereist. Er weiß von deren Vorfreude auf diesen Tag: »Besonders bei denen, die 2003 schon dabei waren«, sagt er. Damals wurde die Kantate »Lichtblicke« uraufgeführt. Viele Lieder daraus gehören inzwischen zum Repertoire mancher Kurrende. »Diese Kantate war liedhafter, konnte auch einzeln musiziert werden«, räumt Jens Staude ein. Das zusammenhängende Musical »Singend laufen« von Frieder Hecker (Text) und René Michael Röder (Musik) wird es da wohl etwas schwerer haben. »Aber das Segenslied am Schluss werde ich sicher auch eigenständig aufführen«, sagt der Dresdner Kantor Christian Thiele.

Und dann steht Jens Staude in der Mitte der Eisfläche auf der Bühne. Er hebt die Arme und dirigiert die tausenden Sängerinnen und Sänger vor, neben und hinter sich. Eindrücklich spricht Boris Michael Gruhl die Texte, die der Handlung das Gerüst geben.

»Gott gibt dem Müden Halt und Kraft.« Kaum sind diese letzten Worte und Töne verklungen, erschallt der Beifall der 3000. Die Kinder haben ihr Bestes gegeben. Und Jens Staude hofft, »dass sie mit dieser Begeisterung wieder in ihre Gemeinden fahren und diese dort einbringen«.

Von Christine Reuther

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