Rettungseinsatz ohne nachträgliche Rechnung

24. Juli 2011 von DER SONNTAG  
Abgelegt unter Wort zur Woche

blaulicht

Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch Glauben, und das ist nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2, Vers 8

Ist es nicht eines jeden Pflicht, zu retten, wo sich die Möglichkeit ergibt? Unterlassene Hilfeleistung ist ein Straftatbestand. Nun gut, nach einer teueren Rettungsaktion, und wenn sich die Geretteten auch noch leichtsinnig in Gefahr begeben hatten, wird hinterher die Rechnung präsentiert. Rettungskräfte hatten nicht nur Mühe mit dem Einsatz, oft mussten sie Risken eingehen, sich gar selbst Gefahren aussetzen. Aber gerettet werden muss.

Ist das hier bei den Ephesern anders? Hier betont der Apostel zweimal, dass die Rettung aus Gnade geschah und als Geschenk. Gut, das zweite, das Geschenk, mag heißen: Hier wird uns nachträglich keine Rechung präsentiert. Es kommt keine Nachforderung.

Aber was soll die erste Behauptung: »Aus Gnade sei ihr gerettet worden«? Dazu müssen wir unser Rettungswesen genauer ansehen. Unser schönes Ideal – gerettet werden muss – ist in Wirklichkeit auf überschaubare Einzelfälle beschränkt, vielleicht noch auf kurzfristige Katastrophenhilfe. Gegen den schleichenden Tod, der viele dauerhaft betrifft, wird längst nicht alles getan, was getan werden kann und soll.

Vor so einem schleichenden Tod waren die Epheser gerettet worden: Sie waren einst fern von der Hoffnung Israels, tot wie ihre toten Götzen und die Wege dieser Götzen. Jetzt aber sehen sie einen Weg, an der Hoffnung Israels teilzuhaben.

Das ist nicht der Weg, alle in den Bund der Israeliten aufzunehmen. Das ist der Weg, sich dem Israeliten Jesus anzuschließen, zu ihm Zutrauen zu fassen und seinen Weg zu gehen. Wir buchstabieren seinen Weg, lassen uns auf diesen Weg mitnehmen und sehen ihn trotz seines Todes im Leben enden.

Timotheus Arndt

Mit den Missgünstigen beginnt die Verdammnis

2. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2, Vers 8

Was ist das Gegenteil von selig geworden? Missgünstig sein? Was heißt das: Ihr seid selig geworden? Im Sinne des Epheserbriefes: Obwohl ihr nicht dazu gehört, dürft ihr dabei sein. Die Grenze zwischen drinnen und draußen ist niedergerissen. An die Tür hat jemand geschrieben: Du musst draußen bleiben! Jetzt hat ein anderer darüber geschrieben: Herzlich Willkommen! Die Gnade Gottes öffnet das Reich Gottes für alle Menschen – auch für die, die nicht durch Geburt zum Volk Gottes gehören. Das heißt: ihr seid selig geworden.

Und was ist das Gegenteil? Missgünstig sein! Das ist so, als ob die, die eben noch vor der geschlossenen Tür standen, jetzt am Eingang stehen und als Türsteher sortieren, wer rein darf und wer nicht. Die glauben nicht richtig, die glauben das Falsche und die glauben gar nicht. Für die ist hier kein Platz: Ihr müsst draußen bleiben.

Foto: Aneta Blaszczyk, sxc.hu

Foto: Aneta Blaszczyk, sxc.hu

Was aber Missgunst bedeutet, beschreibt Dostojewski sehr schön in einer Geschichte. Eine böse alte Frau stirbt und kommt an den Ort der Verdammnis. Aber ihr Engel bittet Gott um Gnade. Und Gott lässt sich bitten. Findet sich etwas Gutes bei ihr? Ja, eine kleine Zwiebel hat sie mal an eine Arme verschenkt. Der Engel darf versuchen, die Frau an der Zwiebel herauszuziehen. Als er sie nun zieht, halten sich andere an ihr fest. Als die Frau das sieht, sorgt sie sich um die Zwiebel. Sie war ja so klein, könnte reißen. Und außerdem: Was fällt denen ein, diesen Lumpen. Wollen sich mit ihrer Zwiebel retten. Sie tritt nach ihnen, stößt sie zurück und in diesem Moment reißt die Zwiebel tatsächlich.

Wer selig geworden ist, für die und mit denen beginnt hier schon der Himmel; leider beginnt mit den Missgünstigen auch hier schon die Verdammnis.

Frank Martin

Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig.