Sing, mei Pfarrer, sing
11. September 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Sachsen, Zwischen Leipzig und Leisnig
Comments Off
Zum »Tag der Sachsen« in Mittweida feierten 320000 Besucher – darunter viele Christen, ein iranischer Türmer und der Ministerpräsident.

Der 4,5 Kilometer lange Festumzug zum »Tag der Sachsen« quer durch Mittweida wurde von 3500 Menschen gestal-tet. Einer von ihnen ist Johannes Möller, der Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Rochlitz aus Syhra. (Fotos: Steffen Giersch)
Der höchste Sachse beim größten Volksfest des Freistaates kommt aus dem Iran. Unzählige Male läuft Manouchehr Borhan am vergangenen Wochenende die 166 Stufen auf den Turm der Mittweidaer Kirche »Unser lieben Frauen« hinauf. Lebendig erklärt er die Geschichte des über 500 Jahre alten Gotteshauses. Borhan bläst in das Türmerhorn und blickt hinunter in das Gewühl, in dem sich zum Tag der Sachsen insgesamt 320 000 Menschen drängen.
»Nein, Gott sei Dank habe ich noch keine Erfahrungen mit Neonazis gemacht«, sagt der Christ, Flüchtling und Stadtkirchen-Türmer, der seit vier Jahren in Mittweida lebt – in der Stadt, die in den letzten Jahren oft durch gewalttätige rechtsextreme Kameradschaften von sich reden machte. »Die Leute hier sind warmherzig – ich denke, in ganz Sachsen ist die Mehrheit so«, sagt Borhan.
Über die Straße vom Stadtkern hoch zur Kirche hat die Gemeinde zum Fest Wäscheleinen gespannt mit bunten Hemden. Auf ihnen steht die Aufschrift »Besser MITTeinander« – das Motto des Sachsentages und ein Aufruf für ein Klima der Toleranz, für das auch in dem großen ökumenischen Gottesdienst auf dem Mittweidaer Markt am Sonntagmorgen gebetet wird.
Lutherische, katholische und freikirchliche Christen gestalten dieses Glaubensfest, zu dem auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Landtagspräsident Erich Iltgen zu Gast sind, gemeinsam. In Anspielung auf die negativen Schlagzeilen Mittweidas in den letzten Jahren fordert Pfarrer Johannes Grasemann dabei: »Es soll besser werden – miteinander.«
Einen Einblick in das vielfältige Leben der Christen in Mittelsachsen bietet die Kirchenbühne mit Musikgruppen und Künstlern. Die Stadtkirche lädt zu Orgelklängen, Führungen und Andachten ein. Und auf der stark frequentierten Kirchenmeile präsentieren sich kirchliche Vereine und Einrichtungen.
»Es gibt hier gute Gespräche«, sagt der Chemnitzer Pfarrer Stephan Brenner im Zelt der Kontaktstelle Kirche. Nebenan präsentiert der diakonische Verein Netzwerk Mittweida e.V. seine Beratungs- und Beschäftigungsangebote für erwerbslose Menschen. Gegen eine Spende für die Ausgegrenzten dürfen Besucher dort auf eine Büchsenpyramide werfen. Auch der oberste Sachse, Ministerpräsident Tillich, probiert es. Ein Volltreffer war es nicht.
Andreas Roth
![RSS ⇒ DER SONNTAG [Sachsen] abonnieren](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/rss.gif)
![⇒ DER SONNTAG [Sachsen]](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/logo2.gif)

